Häufige Fragen - kurz und bündig erklärt

Was kostet Saatgut?

Samen kosten nichts, die Natur "produziert" sie gratis aber hoffentlich nicht umsonst!

Für Saatgut hingegen wird ein Preis kalkuliert, dieser setzt sich z.B. zusammen aus den eigentlichen Kosten der Feldproduktion, Begutachtungskosten (Feldanerkennung), Transportkosten, den Kosten aus der Saatgutreinigung und –aufbereitung und Verpackung, den Lizenzgebühren für Züchterlizenzen und für die Zertifizierung des Saatguts selbst (Laborkosten), den Kosten für Werbung und Verkauf und schließlich einem gewissen erwünschten Gewinn. Der Staat möchte dann obendrauf noch Mehrwertsteuer abkassieren.

 

Sind jemals schon Gemüsesorten ausgestorben?

Ja, leider.

Um dem entgegenzuwirken wurde von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung die "Rote Liste der gefährdeten einheimischen Nutzpflanzen in Deutschland" erstellt, kurz "Rote Liste".

Es gibt aber Sorten, die kurz vor dem Aussterben stehen und es nicht in diese Rote Liste geschafft haben! Dazu braucht es nämlich Vermehrer, die sich um die Sorte kümmern und diese bekannt machen.

Ich besitze solche Schätze seit Jahren.

Um die Dramatik des Sortenschwundes darzustellen, zähle ich bei meinen Kulturanleitungen Sorten auf, die vor 120 Jahren existierten und im Buch "Der praktische Gemüsesamenbau" empfohlen werden (GROSS, 1918) und schreibe explizit darüber, wie es ganz aktuell mit der Sortenvielfalt bestellt ist.

 

 

Sind jemals schon Kulturpflanzenarten ausgestorben?

Ja, leider.

Ein Beispiel ist der Hirsenschlingel. Dies ist eine Leguminose, welche bis ins Mittelalter als Gewürz für Brei diente. Der Hirsenschlingel ist zwischenzeitlich so vergessen worden, dass er nur noch in einem einzigen heute erhältlichen Buch beschrieben wird: Pfefferland. Auch alle Suchmaschinen der Welt finden keine weiteren Angaben zu diesem Kraut.

Die von den Vorfahren der Indianer angebaute Asteraceae Iva annua ist zwar als Art nicht ausgestorben, aber die Verwendung als Kuturpflanze ist komplett in Vergessenheit geraten und mit ihr die großfrüchtige Variante des Marshelder Iva annua var. macrocarpa X).

Wie lange ist Saatgut haltbar? Ist es etwa ewig haltbar?

Nein, ewig ist es nicht haltbar, auch wenn man mittels Einfrieren in Spitzbergen im "Weltweiten Saatgut-Tresor auf Svalbard" genau das versucht.

Saatgut hält je nach Art der geernteten Qualität und den Lagerbedingungen unterschiedlich lange.

Unter normalen haushaltsüblichen Lagermöglichkeiten, wird kaum ein Same älter als 10 Jahre.

Die Samen der meisten Arten können zwischen zwei und vier Jahren aufgehoben werden. Es gibt aber sehr kurzlebige Ausnahmen wie Schwarzwurzelsamen und auch sehr langlebige wie etwa Feuerbohnensamen.

Braucht man für die Samengewinnung spezielles Werkzeug?

Nein, braucht man nicht. Jedenfalls dann nicht, wenn man Saatgutgewinnung als Hobby betreibt.

In jedem Haushalt befinden sich Eimer, Schüsseln und Siebe. Das sind die wichtigsten Utensilien für Laien.

Selbst in der Küche gibt es Siebe mit unterschiedlichen Maschenweiten (etwa für Puderzucker, Mehl und Gries), und wenn man sich ein wenig umschaut, dann bekommt man selbst Erdsiebe in verschiedenen Stärken, die man nur noch umfunktionieren muss.

Auf professionellem Niveau braucht es spezielle Ernte- und Reinigungsmaschinen (spezielle Dreschmaschinen und Spezialsiebe oder/und Trieure). Nicht nur, weil die Mengen, die verarbeitet werden, größer sind, sondern auch, weil an eine gewerbliche Vermarktung (siehe Saatgutverkehrsgesetz) besondere Qualitätsansprüche gestellt werden, die mit Spezialwerkzeug besser zu gewährleisten sind.

Was ist eine Art? – Oder nicht jede Bohne ist eine Bohne …

Unter "Art" versteht man eine botanische Rangstufe in der alle Pflanzen zusammengefasst werden, die sich miteinander vermehren können. Innerhalb dieser Pflanzenvermehrungs-gemeinschaft sehen die Nachkommen im Großen und Ganzen wieder so aus wie ihre Eltern. Im Großen und Ganzen, weil evtl. sichtbare Unterschiede so gering sind, dass sie eben die Vermehrung nicht stören, wie etwa Blütenfarben.

Beispiel 1 Phaseolus vulgaris, Beispiel 2 Pisum sativum.

Die nächst höhere Rangstufe ist die "Gattung" in ihr sind nahe verwandte Arten zusammengefasst, die sich normalerweise nicht miteinander vermehren. Und wenn sie es (meist nur mit menschlicher Hilfe) doch tun, spricht man von kreuzen und das Ergebnis ist dann eine Arthybride). Die Kreuzungskinder tragen Eigenschaften von beiden Eltern, und sehen somit weder so aus wie die Pflanzen der Mutterart noch so wie die der Vaterart. Die Kreuzungskinder können unfruchtbar, also steril sein, d.h. sie selbst bringen keine oder verkrüppelte Samen hervor. Manchmal entsteht auf diese Weise aber auch eine neue Art.

Die deutschen Pflanzenbezeichnungen sind nicht eindeutig!

Beispiel 1 "Bohnen". Es gibt Buschbohnen, Feuerbohnen, Gartenbohnen, Kidneybohnen, Prunkbohnen, Stangenbohnen, Teparybohnen, Limabohnen, Wachtelbohnen.

Diese "Bohnen" gehören bereits zu vier Arten innerhalb der einen Gattung Phaseolus.

Phaseolus vulgaris: Buschbohnen, Gartenbohnen, Kidneybohnen, Stangenbohnen, Wachtelbohnen

Phaseolus coccineus: Feuerbohnen, Prunkbohnen

Phaseolus acutifolius: Teparybohnen

Phaseolus lunatus: Limabohnen

 

Beispiel 2 "Erbsen". Es gibt Gemüseerbsen, Kapuzinererbsen, Kefen, Kichererbsen, Knackerbsen, Palerbsen, Platterbsen, Schalerbsen, Schneeerbsen, Zuckererbsen und Zuckerschoten.

Diese "Erbsen" gehören bereits zu drei verschiedenen Arten! (In diesem Fall sind sogar zu drei Gattungen Pisum, Cicer und Lathyrus).

Pisum sativum: Gemüseerbsen, Kapuzinererbsen, Kefen, Knackerbsen, Palerbsen, Schalerbsen, Schneeerbsen, Zuckererbsen, Zuckerschoten

Cicer arietinum: Kichererbsen

Lathrus sativus: Platterbsen

Mehr dazu erfährst Du hier im Kapitel "Gärtnerlatein".

Was sind Sorten? - Ist das alles natürlich entstanden?

"Wir müssen bedenken, daß die meisten unserer Gemüsearten nichts anderes als der Natur aufgezwungene, als künstlich am Leben erhaltene und fortgepflanzte Abweichungen (Abnormitäten) sind. Die Kopfbildung bei Kraut und Salat, die Rosenbildung bei Blumenkohl, die Zweijährigkeit der Möhre, Petersilie, Schwarzwurzel sind durchaus nichts Natürliches, sie sind künstlich gesteigerte Abweichungen von dem Üblichen, Vorgezeichneten." (BECKER-DILLINGEN, 1946)

Sorten sind Menschenwerk

Im Gegensatz zu Gattung und Art, die in den allermeisten Fällen in der Natur entstanden sind, werden Sorten vom Menschen ausgelesen.

Es sind Varietäten mit klitzekleinen für den Menschen interessanten Unterschieden (z.B. unterschiedliche Blatt-, Blüten- oder Fruchtfarben, sehr große Früchte, wenig Giftstoffe).

Alle Sorten einer Art können sich miteinander kreuzen. Das Ergebnis nennt man Sortenhybriden.

Sortenhybriden tragen Eigenschaften von beiden Elternsorten. Sortenhybriden können immer gesunde fruchtbare Samen ausbilden, d.h. sie sind immer fertil.

Wenn der Mensch bewusst Sorten miteinander kreuzt, können neue Sorten entstehen.

Wenn der Mensch eine Sorte mit allein ihren eigenen Eigenschaften erhalten will, dann muss er Kreuzungen verhindern.

Als Anfänger im Vermehrungs- und Erhaltungsgeschäft empfehle ich, sich für eine einzige Sorte einer Art im eigenen Garten zu entscheiden! Manchmal ist halt weniger mehr, in diesem Fall "mehr Qualität".

Mehr dazu erfährst Du hier im Kapitel "Gärtnerlatein".

Gibt es Wege mehrere Sorten einer Art im Garten zu vermehren?

Ja, die gibt es. Diverse technische und teils chemische Methoden werden von erfahrenen Gärtnern angewendet um Kreuzungen zu verhindern.

Was versteht man unter Keimfähigkeit?

Wenn ein Samen lebendig ist, dann kann er mit Wasser und Wärme, je nach seiner Eigenheit mit oder ohne Licht aus seinem "Schlaf" geweckt werden und keimen, er ist also keimfähig: Aus der Samenschale brechen dann ein kleines Würzelchen und schließlich auch Keimblätter hervor. Wenn diese beiden Organe ausgebildet sind, ist die Keimung abgeschlossen. Erst mal sagt die Keimfähigkeit nichts darüber aus, wie schnell dieser Vorgang abläuft.

Im Saatgutgeschäft versteht man unter dem Begriff "Keimfähigkeit" aber die mittels Keimfähigkeitstest ermittelte Rate, wieviele Samen von i.d.R. 100 ausgesäten unter kontrollierten Bedingungen (auf Filterparpier) nach einer bestimmten Zeit aufgegangen sind. Für solche Tests sind sogar internationale Regeln aufgestellt worden (ISTA Rules). Weil ein solcher Keimtest nach einer bestimmten Zeit abgebrochen wird, sozusagen vorzeitig, denn es könnten ja stark verzögert noch Nachzöglinge kommen, sagt er indirekt auch etwas über die Triebkraft aus.

Was versteht man unter Triebkraft?

Während bei der Keimfähigkeit hauptsächlich beurteilt wird, ob ein Same lebendig ist (ja oder nein), verstanden Gärtner früher unter dem altmodischen Begriff "Triebkraft" wesentlich mehr, nämlich die Vitalität, die Gesundheit, den Lebenswillen, der sich in Schnelligkeit und Stärke des Keimvorgangs ausdrückt.

Nur ausreichend triebkräftige Samen schaffen es in der Natur oder auf dem Acker und dem Beet zu keimen. Denn in der Natur sind die Keimbedingungen oft nicht ideal und schon lange nicht standardisiert, wie im Labor. Wenn Bauern vom "Feldaufgang" sprechen, dann sehen sie das Ergebnis der Triebkraft ihres ausgesäten Saatguts.

Wie macht man einen Keimtest?

Vorweg, es gibt zweierlei Keimteste: vor der Aussaat und nach der Samenernte!

Zum einen wird von Saatgutproduzenten unmittelbar nach der Saatguternte ein Keimtest durchgeführt, um den Vorschriften des Saatgutverkehrsgesetzes mit seinen Verordnungen zu genügen. Der Produzent weiß dann, dass er qualitativ hochwertiges und vor allem lebendiges Saatgut ausliefert und verkauft.

Zum anderen führen viele Gärtner, egal ob Profi- oder Hobbygärtner, einen Keimtest durch bevor sie die Samen auf dem Feld aussäen. Sie prüfen also, ob die Samen noch aufgehen, ob sie noch lebendig sind und ob sie genügend Triebkraft besitzen.

Ggf. passen sie ihre Aussaatstärke an die Keimfähigkeit, bzw. Triebkraft an, d.h. wenn die Samen schlechter keimen und länger brauchen, dann nehmen sie mehr Saatgut und/oder säen dichter.

Wie kommt eine Pflanze zu ihrem lateinischen Namen? – Wer "tauft" sie?

Nur der Vollständigkeit halber: Manchmal entdecken und beschreiben mehrere Botaniker die gleiche Pflanzenart und vergeben jeweils eigenständig Namen. Auf diese Weise kommen Synonyme zustande.

Eine Pflanzenart wird durch Gattung- und Artnamen korrekt und eindeutig bezeichnet.
Weil der Name aus zwei Wörtern besteht, nennt man das auch Binomen. Der Botaniker, der eine Art erstmalig entdeckt und beschreibt, darf sich auch den Namen aussuchen, er darf die Pflanze also "taufen" und ist damit der Autor des Binomens. Das Binomen ist lateinisch, damit es in der ganzen Welt verstanden wird. Der Botaniker wird dadurch geehrt, dass in Bestimmungsbüchern sein Initial, sein Kürzel, in Klammern hinter dem Binomen genannt wird.

Der eindeutige botanische Name einer Art wird üblicherweise kursiv geschrieben. Zuerst wird die Gattung, dann die Art genannt.

Hier einige bekannte Botaniker und ihr Initial: "L". für Carl von Linné; "Lam." für Jean Baptiste Antoine Pierre Monnet de Lamarck und "Vilm." für Pierre Louis Francois Levêqze de Vilmorin.

Mehr dazu erfährst Du hier im Kapitel "Gärtnerlatein".

Wieviel Abstand sollte man bei Fremdbestäubern durch Insekten zwischen Sorten einhalten?

Es gibt Fremdbestäuber, die ihren Pollen durch Insekten transportieren lassen.
Insekten können in aller Regel wenige Kilometer weit fliegen und soweit den Pollen auch mitnehmen.

Jedoch sind gerade Bienen erstaunlich "blütenstet", d.h. sie naschen an einem Tag nur von einer Art Nektar und Pollen.
Sie fliegen ihre Trachtpflanzen systematisch in einem engen Umkreis ab.

Prinzipiell kann man Insekten auch durch ein Gewächshaus oder ein Netz ein- oder aussperren und so Fremdbestäubung verhindern.

Praktisch erlangt man mit Abständen von 20 m oder Pflanzungen auf verschiedenen Seiten einer Bebbauung ausreichend Sortenreinheit für den Laiengebrauch (keine 100%ige!).

Wer nicht auf Nummer sichergehen muss, bzw. wem das ganze viel zu kompliziert ist, der beschränkt sich im eigenen Garten auf eine Sorte einer Art.

Gibt es zu allen fremdbestäubten Gemüsen amtlich vorgegebene Mindestabstände?

Das einhalten von Mindestabständen zu möglichen Kreuzungspartnern ist ein Weg sortenreine Sorten zu erzeugen. Für Hobbysamenbauer sind die Vorgaben meist utopisch. Deswegen beschreibe ich unter "Saatgutqualität unter dem Aspekt der Machbarkeit …" gangbare Methoden auch für kleine Gärten und Laien.

Selbstbestäubende Arten betrachtet die Verordnung gar nicht!

Nein, die Saatgutverordnung formuliert die Mindestabstände, bzw. die Bedingung "Sortenreinheit" und "Virusfreiheit" speziell für 4 Gemüse-Gruppen in Abhängigkeit von der Saatgutgüte.

Größere Abstände werden beim höherwertigem Basissaatgut gefordert.

Kleinere Abstände beim geringerwertigem Zertifiziertem Saatgut.

  • Beta – Rüben 300 / 1000 m
  • Brassica – Arten 600 / 1000 m
  • Alle anderen Fremdbefruchter 300 / 500 m
  • Wirtsarten von Virosen 300 / 500 m

Darüber hinaus lässt die Verordnung sogar eine Unterschreitung dieser Mindestabstände zu, "sofern der Feldbestand ausreichend gegen Fremdbefruchtung oder Übertragung von Viruskrankheiten abgeschirmt ist." (Nr. 7.3.1)

Wieviel Abstand sollte man bei Selbstbestäubern zwischen Sorten einhalten?

100-prozentige Selbstbefruchtung findet man in der Natur relativ selten. Die meisten Arten halten sich ein "Hintertürchen" offen um an frisches Genmaterial zu kommen.

Es gibt 

- strenge Selbstbestäuber (fast 100%),
- überwiegend selbstbestäubende (oft um 70- 80%) und
- fakultativ selbstbestäubende Pflanzen.

Der Fachausdruck heißt "autogam, Autogamie".

Selbstbestäubung führt zu Reinerbigkeit,
d.h. dass die mütterlichen Gene das Spiegelbild der väterlichen Gene sind.
Die Pflanze ist "homozygot".

Reinerbigkeit führt dazu, dass der Genotyp dem Phänotyp entspricht.
Reinerbige selbstbestäubende Arten sind von Natur aus "samenfest" oder "samenecht".

Weil Kreuzungen selten bis unwahrscheinlich sind,
ist es einfach bei Selbstbestäubern die "Sortenreinheit" zu erhalten,
denn man muss theoretisch weder Abstände, noch andere Isolationstechniken
(Netze, Gewächshaus, Handbestäubung) einhalten.

Praktisch empfiehlt es sich, doch etwas Abstand (5 – 10 m) oder andere Isolationstechniken anzuwenden. Sicher ist sicher.

Wer nicht auf Nummer sichergehen muss, bzw. wem das ganze viel zu kompliziert ist, der beschränkt sich im eigenen Garten auf eine Sorte einer Art.

Was ist eigentlich Gemüse?

Es gibt keine offizielle Definition für Gemüse. Genausowenig wie es keine für Obst gibt. Was man zum einen und was zum anderen zählt ist vorallem kulturell bedingt und hängt mit der Weise zusammen, wie man gelernt hat das Lebensmittel zuzubereiten (z.B. zu kochen).

Meine "Gebrauchsdefinition" lautet: "Für mich ist Gemüse alles das, was an saftigem Pflanzenmaterial als Nahrung

  • roh oder gekocht in größeren Mengen gegessen werden kann (im Gegensatz zu Gewürzen und Heilmitteln),
  • mehr herzhaft als süß schmeckt oder in deftigen Gerichten verwendet wird,
  • meist ein- oder zweijährig angebaut, d.h. auf Beet oder Acker kultiviert wird,
  • und nicht oder wenig verholzt (d.h. keine typischen Sträucher und Bäume)".

Jede Pflanze, die meiner eigenen "Gebrauchsdefinition" von Gemüse entspricht, wandert in meine "kleine" Pflanzendatenbank, mit zwischenzeitlich knapp 800 Arten aus mehr als 50 Familien.

Wieviel Abstand sollte man bei Fremdbestäubern durch Wind zwischen Sorten einhalten?

Es gibt Fremdbestäuber, die ihren Pollen dem Wind anvertrauen.
Der Wind trägt diesen sehr weit, unter Idealbedingungen kilometerweit.

Wind wird aber durch Häuser, Hecken und andere Landschaftsmerkmale gebrochen.
Viele Gärten sind an windstilleren Ecken angelegt worden, nicht da wo es täglich stürmt und pfeift.

Prinzipiell steigert jeder Meter Entfernung die Qualität hinsichtlich Sortenreinheit.

Praktisch ist keine genaue Angabe machbar. Erfahrung mit dem eigenen Standort ist gefragt!

Was sind definitv keine Sorten? Wo liegt der Unterschied zum Sortiment?

In den wöchentlichen Prospekten der Diskounter und auch der Baumärkte findet man regelmäßig Angebote, die namentlich Sorten anpreisen, aber keinswegs echte eingetragene Sorten im Sinne des Saatgutgesetzes sind!

Beispiele:

  • Tomaten in den "Sorten" rot und gelb oder rund, Cocktail- und Fleischtomaten;
  • Kartoffeln in den "Sorten" festkochend und mehligkochend, rotschalig und gelbschalig;
  • Paprika in den "Sorten" Spitzpaprika und bunte Gemüsepaprika;
  • Salatpflanzen in den "Sorten" Kopfsalat grün oder rot, Eissalat grün oder rot;
  • Zwergobst in den "Sorten" Apfel, Süßkirsche, Sauerkirsche, Pflaume, Birne Pfirsich, Nektarine und Aprikose;
  • Ziergehölz in den "Sorten" Rhodeodendron, Koniferen, etc.;
  • Sommerschlingpflanzen in den "Sorten" Schwarzäugige Susanne oder Helmbohne

Hier handelt es sich um phantasievolle Sortimentsbezeichnungen von Händlern, manchmal angelehnt an Artbezeichnungen, an handelsüblichen Qualitätskriterien oder frei erfunden.

Im Lebensmittelhandel findet man äußerst selten, und nur auf ganz wenigen Produkten ausnahmsweise mal echte Sortenbezeichnungen:

  1. Apfelsaft gehört nicht dazu, er wird mal klar und mal trüb angeboten.
  2. Auch Bier gehört nur gelegentlich dazu, denn die Begriffe "Weizen", "Pils", "Lager", "Keller" beziehen sich auf die unterschiedlichen Brauverfahren, selten schreibt eine Brauerei die Hopfen- oder die Gestensorte auf das Etikett, z.B. 'Spalter Aromahopfen', Braugerste 'Steffi', etc.
  3. Nur bei Weinen findet man die Sortenbezeichnung der Trauben regelmäßig auf dem Etikett: 'Grauer Burgunder', 'Nero Davolo', 'Riesling', 'Silvaner', 'Müller Thurgau'
Wieviele Pflanzen braucht man für die Vermehrung und Erhaltung?

Diese Frage ist leider nicht eindeutig zu beantworten!

Soweit das Ausgangssaatgut eine hohe innere Qualität hat, d.h. sich keine Inzuchtschäden und negativ Mutationen angesammelt haben, genügt es für die Gewinnung von vitalem Saatgut bei Selbstbefruchtern die Früchte und Samen einer einzigen Pflanze zu gewinnen. Bei Fremdbefruchtern genügen zwei Pflanzen, die miteinander abblühen.

Meist möchte man aber nicht einfach vitales Saatgut einmalig für die nächste Gemüseproktion gewinnen, sondern man möchte eine Sorte erhalten!  Sortenerhalt bedeutet, dass man über Jahre immer wieder aus dem eigenen Saatgut neues gewinnt und trotzdem die in der Sorte innewohnende genetische Vielfalt mit erhält.

Hier empfehlen die amerikanischen Seedsavers bei Fremdbefruchtern den Anbau von mindestens 80 Pflanzen und bei Selbstbefruchtern mindestens 40 - 50 Pflanzen (BUTTALA, 2015).

In der Biologie gibt es den Begriff der "kleinsten überlebensfähigen Population" (engl. Minimum Viable Population), damit wird eine Anzahl an Mitgliedern angenommen, die über einen langen Zeitraum von 100 Jahren nicht zum Aussterben durch Naturkatastrophen oder Inzuchtdepression kommt. Im spektrum-Lexikon der Biologie steht dazu: "Kurzfristig sollte eine MVP nie weniger als 50, langfristig nie weniger als 500 Individuen umfassen (50/500-Regel)."

Da ja nicht alle einmal ausgesäten oder gepflanzten Setzlinge optimal wachsen und dann blühen oder weil es immer einige Exemplare gibt, die man aussortiert, weil sie nicht so "schön" geraten sind, empfehle ich mindestens 100 Pflanzen einer Sorte anzubauen, wenn man über Jahre eine Sorte in ihrer vollen genetischen Vielfalt erhalten möchte. Dies empfehle ich auch für Selbstbestäuber.

Ich gehe aber davon aus, dass es auch möglich ist, sich mit weiteren Vermehrern zusammenzutun und die 100 Pflanzen über viele Gärten verteilt anzubauen, solange man das Saatgut wieder zusammenführt.

Was ist eigentlich der Phänotyp? – Mit den Sinnen wahrnehmen

Mit der Beschreibung der Pflanze erfasst man ihren Phänotyp.

Dabei fragt man sich:
- Wie sieht die Pflanze aus? (Blüten, Blätter, Spross mit Stengel und Verzweigungen, Wurzeln)
- Wie schmeckt sie?
- Wie riecht sie?
- Wie fühlt sie sich an?
- Wo wächst sie freiwillig und mit wem zusammen wächst sie gerne"
D.h. rundherum woran erkenne ich sie als Mitglied einer Art oder einer Sorte?

Wenn ich eine Pflanze mit meinen Sinnen erfasse und dann beschreibe, habe ich ihren Phänotyp wahrgenommen.

In unseren Pflanzenbestimmungsbüchern (z.B. ROTHMALER oder SCHMEIL, FITSCHEN) sind die Pflanzenfamilien, Gattungen und Arten anhand ihrer phänotypischen Merkmale geordnet worden.

Zu einer guten Beschreibung des Phänotypes gehören fundierte Kenntnisse der Botanik bzw. der Pflanzenmorphologie.

Auch Sorten (die menschlichen Auslesen aus der Art) werden anhand ihres Phänotyps so beschreiben, dass sie voneinader unterscheidbar sind.

Extrem detaillierte Hilfen zur Beschreibung bieten z.B. die UPOV Test Guidelines.
Früher gab es beim Bundessortenamt auch beschreibende Sortenlisten für Gemüse.

Das Wort "phaino"  kommt aus dem Griechischen und wir kennen es auch von den phänologischen Jahreszeiten, die ja nicht mit den Kalendarischen übereinstimmen.

Was ist eigentlich der Genotyp? – Labortechnisch die Bauanleitung ausdrucken

Der Genotyp beantwortet die Frage nach den einzelnen Genen selbst (geordnet nach Chromosomen) und ihrer Reihenfolge die eine Pflanze in ihren Zellen besitzt. D.h. welchen genetischen Fingerabdruck (Genom) hat das Individuum, die Sorte, die Art?

Welche Gene sind an- und welche ausgeschaltet (Epigenetik)?

Welche Gene lassen sich vererben?

Jeweils ein oder mehrere Gene zusammen bestimmen die Eigenschaften, die wir dann phänologisch mit unseren Sinnen wahrnehmen.

Auch wenn wir mit unseren Sinnen gleiche Phänotypen erkennen könnten diese auf unterschiedliche Genotypen zurückzuführen sein.

Können Bienen und andere Insekten etwas mit Windbestäubern anfangen?

Ja, sie können. Auch windbestäubte Gemüsearten produzieren Pollen, die von Wildbienen und Käfern gerne als Eiweißlieferant gefressen wird. In meinem Garten konnte ich das bei Gemüsemais und Mangold beobachten. Interessanterweise dufteten beide Arten zur Blütezeit wunderbar süßlich und lockten damit Insekten an.

Was versteht man unter Schneesaat?

Ein jeder Gemüsesamen braucht zum Keimen gleichmäßig Feuchtigkeit. Da es im Frühjahr in manchen Jahren lange und trockene Schönwetterperioden gibt, ist den Menschen die Idee gekommen, die ersten Aussaaten dirket auf den Schnee zu praktizieren. Denn während der Schnee schmilzt bekommt der Sämling ausreichend Flüssigkeit ohne dass man selbst noch gießen müsste. Das funktioniert allerdings nur mit Gemüsearten, die heimisch sind und bei niedrigen Temperaturen, bei unter 5°C, keimen können. Gleichzeitig bekommen die Keimlinge aber einen Kältereiz, der später die Blüte induziert. D.h. so ausgesäte Samen sind bereits Vernalisiert und können, wenn die Pflanzen groß genug sind, blühen.

Trotzdem hat man das früher bei Petersilie regelmäßig gemacht. Mit Kerbelrüben ist es ratsam nur so zu verfahren, denn die Herbstsaat  ist risiko, d.h. verlustreicher.

Weiter geeignet sind robuste Sorten von:

  • Erbsen
  • Fababohnen (Dicke Bohnen)
  • Feldsalat
  • Kerbelrübe
  • Kresse
  • Möhren
  • Petersilie
  • Schwarzwurzel
  • Spinat

Andere Gemüse, wie Beta-Rüben, Kohl, Radieschen und Lauch keimen zwar auf diese Weise, schießen aber dann im Anbaujahr schneller in Blüte. Diese vorzeitige Blüte ist bei den Zweijährigen unerwünscht.