Häufige Fragen - kurz und bündig erklärt

LTP und KTP - Langtag- und Kurztagpflanzen

Was sind eigentlich Langtagpflanzen, bzw. was sind Kurztagpflanzen?

Dieser Begriff bezieht sich auf die Tageslänge in der Jahreszeit, wann eine Pflanze üblicherweise zu blühen beginnt. Es gibt Pflanzen, die dann blühen, wenn die Tage besonders lang sind und solche, die nur dann blühen, wenn die Nächte ausreichend lang sind. Im Fachjargon spricht man von Photoperiodismus.

Die einen blühen dadurch in unserem mitteleuropäischen Erst- u. Vollfrühling bis zum Hochsommer und die anderen, wenn sie bei uns angebaut werden, im Herbst.

Da Pflanzen aktive reagierende und wahrscheinlich auch empfindende Wesen sind, nehmen sie ihre Umwelt wahr und werden nur dann "generativ", d.h. fruchtbar, wenn sie sicher sein können, dass ihre Kinder, also die Samen auch ausreifen können.

Jetzt könnte man sagen, warum blühen nicht alle Pflanzen im Frühjahr, da haben doch die Samen dann die meiste Zeit zu reifen .
Die meisten Pflanzen, die hier heimisch sind, machen das genau so, z.B. unsere Obstbäume. Also stimmt das doch? .... Ja, aber nicht überall und generell!

Denn lange Tage mit mehr als um die 13 Stunden (+/- 1h) pflanzenverwertbares Licht gibt es "nur" bei uns, d.h. auf der nördlichen Halbkugel in den gemäßigten Breiten. Weiter im Süden, Richtung Äquator sind Nächte und Tage fast 365 Tage im Jahr gleich lang (zwischen 11 und 13 Stunden) und gen Nordepol wird es bis zum nicht endenden Polartag um Mitsommer dann durchgängig hell.

Deswegen richten sich Pflanzen, die eher in den Tropen (also um den Äquator rum) wachsen garnicht nach dem Tageslicht), sie sind meistens in der Lage, dass ganze Jahr über zu blühen oder zu fruchten. Oder sie legen auf eine ausreichend lange Dunkelphasen von um die 12 Stunden wert und sind somit Kurztagspflanzen.

Und Kulturpflanzen, die ihre Heimat im (sub-) tropischen Amerika haben, gehören häufiger zu den Kurztagspflanzen, z.B. Mais, Tabak und Phaseolus-Bohnen. Als sie erstmalig zu uns gebracht wurden und von uns angebaut wurden, waren sie ganz schön durcheinander. Sie setzen sehr spät im Jahr Blüten an. Erst durch geeignete Sortenentwicklung (also mit Hilfe des Menschen) wurden diese Arten meist so an unser Klima angepasst, dass sie auch hier ausreifen. Manche haben diesen Prozess noch vor sich, wie etwa Inkagurken.

Pflanzen wissen wo und wann sie sind! Sie haben (wie wir Menschen) ein Zeitgefühl! Sie wissen auch, wie die Witterung mit den Jahreszeiten wechselt, sie kennen ihre Jahreszeiten an ihrem Ursprungsort! Mit anderen Worten, sie wachsen dann, wenn die Jahreszeit üblicherweise genügend Regen und Wärme mit sich bringt. Und sie blühen dann, wenn in der Jahreszeit Bestäuber-Insekten (oder Wind) unterwegs sind. Und schließlich reifen ihre Früchte (zumindest bei trockenen Samen) dann, wenn die Jahreszeit Trockenheit verspricht.

(2022-07)

Neuzucht, Erhaltungszucht: Was versteht man darunter?

Grob gesagt gibt es die Neuzüchtung auf der einen und Erhaltungszüchtung auf der anderen Seite.

Das Ziel der Neuzüchtung ist es neue Sorten hervorzubringen, die dann zum Verkauf (in Verkehr bringen) angemeldet werden können. Zur Anmeldung müssen die Züchter die Werteigenschaften peinlichst genau beschreiben.
Wer wissen möchte, was da so alles beschrieben wird, dem, empfehle ich mal eine UPOV TESTGUIDLINE zu lesen. Die sind öffentlich und sogar auf deutsch im Netz zugänglich.

Das Ziel der Erhaltungszüchtung ist es, bekannte und schon angemeldete Sorten zu erhalten: d.h. solche Anbaumaßnahmen zu ergreifen, die zum Erhalt der sortenspezifischen Werteigenschaften, beitragen.

Bei den sogenannten Erhaltersorten spielt die Erhaltungszucht die entscheidende Rolle.
Sie würden sich sonst mit der Zeit, aufgrund der Umwelteinflüsse, verändern. Das verhindert die Erhaltungszucht.
Die Erhaltersorten werden auch Amateursorten genannt, sie werden aber nicht von Amateuren, sondern von Profis erhalten.

Auch Hybridsorten unterliegen einer Erhaltungszucht.
Bei ihnen werden die Sorteneigenschaften aber erst nach dem abgeschlossene Vermehrungszyklus bewertet, d.h. nach der Kreuzung der Inzuchtlinien.
Genau betrachtet, werden bei Hybridsorten die Inzuchtlinien erhalten.

Aus professioneller Sicht kann ich als Laie gar nichts erhalten, da ich ja nie die Werteigenschaften meiner Lieblinge genau beschrieben oder gelesen habe, und man traut mit professionelle Erhaltungszucht nicht zu.

Das Wort "Züchtung" finde ich ziemlich doof, aber es ist eben etabliert und wird wissenschaftlich so verwendet. Mir selbst gefällt "Entwicklung" besser. Auch, weil ich mich dann zurücknehme und die Umwelt als den großen Steuerer akzeptiere, nicht den egoistischen, ständig auf Mehrertrag bedachten Menschen.Aus laienhafter Sicht ist mir das pupsegal. Weil ich nicht alles beherrschen will. Somit dürfen meine Lieblinge auch Geheimnisse tragen. Ich will nicht mit dem Zollstock und Waage durch den Garten rennen und ihnen alle Werteigenschaften entreißen oder sie genau auf diese Werteigenschaften festlgegen.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass unsere Vorfahren, egal ob in Ost oder in West, mit Hilfsmitteln durch den Garten gerannt sind, wohl aber mit ihren wachen Sinnen (Geschmack, Tast- und Sehsinn).

Was versteht man unter Notreife?

Bei Notreife wächst eine Pflanze erst verzögert und versucht dann die Entwicklungsverzögerung wieder aufzuholen. Bei "Schossern" ist es genau umgekehrt, sie blühen verfrüht!Wenn die Natur und die Witterung es nicht optimal mit Pflanzen meint, sie etwa zu spät blühen oder sich zu langsam entwickeln, dann versuchen Pflanzen mit all ihren Kräften doch noch Samen hervorzubringen. Diese sind meist kleiner, weswegen man bei Getreide auch von "Kümmer- oder Schmachtkörnern" spricht.

Allgemein hat solches Saatgut keine gute Triebkraft, Keimfähigkeit und auch die Haltbarkeit leidet unter der sogenannten Notreife. Denn umgekehrt gilt: je länger Pflanzen Nährstoffe im Samen einlagern können, desto besser ist auch ihre Triebkraft und Samenhalttbarkeit.

Trotzdem kommt man als Samenbauer manchmal nicht umhin, mit notgereiftem Saatgut vorlieb zu nehmen.

Mal war man zu spät mit dem Ansäen und Anpflanzen dran, ein anderes Mal bleibt das Wetter über Sommer zu kalt, so dass die Pflanzen zu langsam wachsen. Oder man hat sich zu sehr auf den Klimawandel verlassen und auf einen sehr warmen Herbst gesetzt… .

Denn notgereifte Samen sind immer noch besser als gar keine Samen!

Bevor ich Gefahr laufe, dass mir eine Art oder Sorte aus meinem Garten ganz verschwindet, versuche ich mit solchen, schlechteren Samen im drauffolgenden Jahr weiterzumachen.

Notreife ist ein Hilfeschrei der Plfanze, welche ihren Gensatz trotz widriger Umstände unbedingt noch schnell weitergeben möchte. Notreife verändert nicht die Art und auch nicht die Sorteneigenschaften!

Mit besonders großer Hingabe und Pflege gelingt es häufig (nicht immer!) aus notgereiften Samen gute Pflanzen zu erhalten.

Keine Notreife besteht, wenn Pflanzen aufgrund von Hitze in Kombination mit Wassernot vor ihrer arttypischen Zeit in Blüte schießen, sozusagen nur, weil sie unter Trockenstress litten. Von diesen Pflanzen nehme ich kein Saatgut!

Man muss allerdings davon ausgehen, dass die erlebte "Not" sich epigenetisch sehr wohl niederschlägt, also dass die Pflanze ggf. bereits vorhandene Gene einschaltet, welche sie mit den erfahrenen Umständen besser klarkommen lässt. Die Schalterstellung vererbts sie durchaus an ihre Nachkommen. Diese Eigenschaften bleiben aber nicht über viele Generationen erhalten, d.h. bei guter und hingebungsvoller Betreuung, werden die Schalter bei den Nachkommen wieder auf Normalbetrieb umgestellt.

Nachgewiesen wurde das an traumatisierten Mäusebabys oder Kriegskindern, also warum sollen Pflanzen anders sein? X) X)

Was versteht man unter Samenruhe?

Einen Samenkorn befindet sich in der Samenruhe, wenn er auf Umwelteinwirkungen nicht reagieren kann.Unter Samenruhe definiert man den Zustand des voll ausgereiften Samens,
in welchem er gegen Umwelteinflüsse am unempfindlichsten ist.

In diesem Zustand hält Samen am längsten, da er kaum atmet, also nur minimalst stoffwechselt, etwa vergleichbar mit einem Tier im Winterschlaf. Weder mäßige Wärme noch Kälte (und nicht einmal Gefrierkälte) verderben ihn.

Der Samen geht in die Samenruhe, wenn er ausreichend trocken (unter 12% Wassergehalt) ist und seine Samenschale undurchlässig (hart) geworden ist. Der Keimling selbst ist "fett" und sein Nährgewebe, seine persönliche Vorratskammer, optimal mit Kohlehydraten und Lipiden gefüllt.

Viele Arten bringen Samen hervor, die eine Zeit lang "schlafen" müssen. Erst wenn eine bestimmte Zeit vergangen ist, können sie mit Wasser, etwas Wärme und u.U. Licht aus ihrer sogenannten Dormanz geweckt werden.

Arten der gemäßigten Klimatzone:

Dazu "messen" die Samen die Zeit über den Abbau von Hemmstoffen, welche sie selbst verstoffwechseln oder welche durch den Kontakt mit organischen Säuren im Boden abgebaut werden. Manche Samen nehmen Wärme bzw. Kälte wahr und "summieren" diese. Oder sie registrieren die Tageslänge. Arten, die das können, kommen überwiegend aus unseren gemäßigten Breiten mit Wintern, in denen die Natur eine Pause einlegt.

Arten der tropischen Klimazone:

Andere Arten bringen Samen hervor, die praktisch nicht in Samenruhe gehen, bzw. jederzeit geweckt werden können (durch viel Wasser und viel Wärme). Diese Arten kommen eher aus den Tropen, wo ein ganzjähriges Pflanzenwachstum möglich ist. Oft sind solche Samen auch nur äußerst kurz, teilweise nur Tage, haltbar. Ein Beispiel dafür ist die Muskatnuss. Die Muskatnuss in unserer Gewürzschublade keimt nicht mehr!

Was versteht man unter "AUSFALLEN" / "VERSAMEN"

AUSFALLEN … hat nix mit „ausgefallen“ zu tun. Es geht also nicht um Geschmack.

„Ausfallen“ meint einfach die Eigenschaft aller (!) Samen sich früher oder später selbständig zu machen, sprich auf den Boden zu fallen und selbst für die Vermehrung zu sorgen.

Manche Arten, bzw. manche Fruchtstände neigen sehr schnell zum Ausfallen, so etwa die einfachen und doppelten Dolden der Apiaceae, aber auch von Zwiebelgewächsen.

Selbst die Korbblüten halten ihre Früchte nicht lange auf dem Blütenboden, dem „Korb“ fest, denn die häufig mit Flugpappi ausgestatteten Samen werden vom Windhauch davon getragen.

Deswegen spricht der Gärtner auch von VERSAMEN.

Die Sache mit dem AUSFALLEN, respektive VERSAMEN ist, dass hier die Natur steuert, bzw. die Pflanze selbst, und nicht der Mensch.

Was versteht man unter Ausfallsaat?

Unter Ausfallsaat (z.B. Ausfallgetreide, Ausfallraps, ….) versteht man die Samen einer Ackerfrucht, die oft aus technischen Gründen nicht sämtlich mit der Ernte eingebracht werden können und so auf dem Acker verbleiben um dort in den Folgejahren wieder zu keimen und somit zum "Unkraut" oder "Fremdbesatz" der nächsten Ackerkultur zu werden.

Ausgefallene, d.h. selbst versamte Ackerfrüchte werden in der alternativen Landwirtschaft häufig durch Striegeln vor Aufgang der gewollt ausgesäten Feldfrucht eingedämmt und in konventioneller Landwirtschaft auch mal totgespritzt. 

Ausfallsaatgut hat gute und schlechte Seiten:
Postitv, wenn die besten und schnellsten Keimlinge von Gartenmelde, Baumspinat, Calendula, im nächsten Jahr, ganz ohne Mühe, bei mir im Garten wachsen.

Postiv, weil der Boden die beste Saatgutbank ist, denn er bietet für viele Pflanzensamen optimale Bedingungen (kühl, dunkel) um jahrzehntelang zu überdauern.

Postiv, wenn "Ausfallen", "Sich Versamen" bzw. "Durchwachsen" der einzige Weg für ökolologisch wichtige Ackerbeikräuter ist, ihre Art zu erhalten: etwa echte Kamille, Feldrittersporn, Kornblume, Klatschmohn, Gemüsemelde, Portulak etc..

Negativ, wenn sich über den Fahrtwind von LKWs an Autobahnen invasive Pflanzen zu einfach verbreiten, etwa Jakobs-Greiskraut (Jakobs-Kreuzkraut) ….

Negativ, wenn von Erntewagen, z.B. Raps von Clearfield ®-Produktionssystemen auf dem Weg zur Raiffeisen/Baywa-Zentrale etc. vom Wagen fallen. Somit könnten die Resistenz-Gene mit den schon bei Glyphosat diskutierten negativen Folgen unkontrolliert freigesetzt sein …

Was kostet Saatgut?

Samen kosten nichts, die Natur "produziert" sie gratis aber hoffentlich nicht umsonst!

Für Saatgut hingegen wird ein Preis kalkuliert, dieser setzt sich z.B. zusammen aus den eigentlichen Kosten der Feldproduktion, Begutachtungskosten (Feldanerkennung), Transportkosten, den Kosten aus der Saatgutreinigung und –aufbereitung und Verpackung, den Lizenzgebühren für Züchterlizenzen und für die Zertifizierung des Saatguts selbst (Laborkosten), den Kosten für Werbung und Verkauf und schließlich einem gewissen erwünschten Gewinn. Der Staat möchte dann obendrauf noch Mehrwertsteuer abkassieren.

 

Sind jemals schon Gemüsesorten ausgestorben?

Ja, leider.

Um dem entgegenzuwirken wurde von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung die "Rote Liste der gefährdeten einheimischen Nutzpflanzen in Deutschland" erstellt, kurz "Rote Liste".

Es gibt aber Sorten, die kurz vor dem Aussterben stehen und es nicht in diese Rote Liste geschafft haben! Dazu braucht es nämlich Vermehrer, die sich um die Sorte kümmern und diese bekannt machen.

Ich besitze solche Schätze seit Jahren.

Um die Dramatik des Sortenschwundes darzustellen, zähle ich bei meinen Kulturanleitungen Sorten auf, die vor 120 Jahren existierten und im Buch "Der praktische Gemüsesamenbau" empfohlen werden (GROSS, 1918) und schreibe explizit darüber, wie es ganz aktuell mit der Sortenvielfalt bestellt ist.

 

 

Sind jemals schon Kulturpflanzenarten ausgestorben?

Ja, leider.

Ein Beispiel ist der Hirsenschlingel. Dies ist eine Leguminose, welche bis ins Mittelalter als Gewürz für Brei diente. Der Hirsenschlingel ist zwischenzeitlich so vergessen worden, dass er nur noch in einem einzigen heute erhältlichen Buch beschrieben wird: Pfefferland. Auch alle Suchmaschinen der Welt finden keine weiteren Angaben zu diesem Kraut.

Die von den Vorfahren der Indianer angebaute Asteraceae Iva annua ist zwar als Art nicht ausgestorben, aber die Verwendung als Kuturpflanze ist komplett in Vergessenheit geraten und mit ihr die großfrüchtige Variante des Marshelder Iva annua var. macrocarpa X).

Wie lange ist Saatgut haltbar? Ist es etwa ewig haltbar?

Nein, ewig ist es nicht haltbar, auch wenn man mittels Einfrieren in Spitzbergen im "Weltweiten Saatgut-Tresor auf Svalbard" genau das versucht.

Saatgut hält je nach Art der geernteten Qualität und den Lagerbedingungen unterschiedlich lange.

Unter normalen haushaltsüblichen Lagermöglichkeiten, wird kaum ein Same älter als 10 Jahre.

Die Samen der meisten Arten können zwischen zwei und vier Jahren aufgehoben werden. Es gibt aber sehr kurzlebige Ausnahmen wie Schwarzwurzelsamen und auch sehr langlebige wie etwa Feuerbohnensamen.

Braucht man für die Samengewinnung spezielles Werkzeug?

Nein, braucht man nicht. Jedenfalls dann nicht, wenn man Saatgutgewinnung als Hobby betreibt.

In jedem Haushalt befinden sich Eimer, Schüsseln und Siebe. Das sind die wichtigsten Utensilien für Laien.

Selbst in der Küche gibt es Siebe mit unterschiedlichen Maschenweiten (etwa für Puderzucker, Mehl und Gries), und wenn man sich ein wenig umschaut, dann bekommt man selbst Erdsiebe in verschiedenen Stärken, die man nur noch umfunktionieren muss.

Auf professionellem Niveau braucht es spezielle Ernte- und Reinigungsmaschinen (spezielle Dreschmaschinen und Spezialsiebe oder/und Trieure). Nicht nur, weil die Mengen, die verarbeitet werden, größer sind, sondern auch, weil an eine gewerbliche Vermarktung (siehe Saatgutverkehrsgesetz) besondere Qualitätsansprüche gestellt werden, die mit Spezialwerkzeug besser zu gewährleisten sind.

Was ist eine Art? – Oder nicht jede Bohne ist eine Bohne …

Unter "Art" versteht man eine botanische Rangstufe in der alle Pflanzen zusammengefasst werden, die sich miteinander vermehren können. Innerhalb dieser Pflanzenvermehrungs-gemeinschaft sehen die Nachkommen im Großen und Ganzen wieder so aus wie ihre Eltern. Im Großen und Ganzen, weil evtl. sichtbare Unterschiede so gering sind, dass sie eben die Vermehrung nicht stören, wie etwa Blütenfarben.

Beispiel 1 Phaseolus vulgaris, Beispiel 2 Pisum sativum.

Die nächst höhere Rangstufe ist die "Gattung" in ihr sind nahe verwandte Arten zusammengefasst, die sich normalerweise nicht miteinander vermehren. Und wenn sie es (meist nur mit menschlicher Hilfe) doch tun, spricht man von kreuzen und das Ergebnis ist dann eine Arthybride). Die Kreuzungskinder tragen Eigenschaften von beiden Eltern, und sehen somit weder so aus wie die Pflanzen der Mutterart noch so wie die der Vaterart. Die Kreuzungskinder können unfruchtbar, also steril sein, d.h. sie selbst bringen keine oder verkrüppelte Samen hervor. Manchmal entsteht auf diese Weise aber auch eine neue Art.

Die deutschen Pflanzenbezeichnungen sind nicht eindeutig!

Beispiel 1 "Bohnen". Es gibt Buschbohnen, Feuerbohnen, Gartenbohnen, Kidneybohnen, Prunkbohnen, Stangenbohnen, Teparybohnen, Limabohnen, Wachtelbohnen.

Diese "Bohnen" gehören bereits zu vier Arten innerhalb der einen Gattung Phaseolus.

Phaseolus vulgaris: Buschbohnen, Gartenbohnen, Kidneybohnen, Stangenbohnen, Wachtelbohnen

Phaseolus coccineus: Feuerbohnen, Prunkbohnen

Phaseolus acutifolius: Teparybohnen

Phaseolus lunatus: Limabohnen

 

Beispiel 2 "Erbsen". Es gibt Gemüseerbsen, Kapuzinererbsen, Kefen, Kichererbsen, Knackerbsen, Palerbsen, Platterbsen, Schalerbsen, Schneeerbsen, Zuckererbsen und Zuckerschoten.

Diese "Erbsen" gehören bereits zu drei verschiedenen Arten! (In diesem Fall sind sogar zu drei Gattungen Pisum, Cicer und Lathyrus).

Pisum sativum: Gemüseerbsen, Kapuzinererbsen, Kefen, Knackerbsen, Palerbsen, Schalerbsen, Schneeerbsen, Zuckererbsen, Zuckerschoten

Cicer arietinum: Kichererbsen

Lathrus sativus: Platterbsen

Mehr dazu erfährst Du hier im Kapitel "Gärtnerlatein".

Wie macht man einen Keimtest?

Vorweg, es gibt zweierlei Keimteste: vor der Aussaat und nach der Samenernte!

Zum einen wird von Saatgutproduzenten unmittelbar nach der Saatguternte ein Keimtest durchgeführt, um den Vorschriften des Saatgutverkehrsgesetzes mit seinen Verordnungen zu genügen. Der Produzent weiß dann, dass er qualitativ hochwertiges und vor allem lebendiges Saatgut ausliefert und verkauft.

Zum anderen führen viele Gärtner, egal ob Profi- oder Hobbygärtner, einen Keimtest durch bevor sie die Samen auf dem Feld aussäen. Sie prüfen also, ob die Samen noch aufgehen, ob sie noch lebendig sind und ob sie genügend Triebkraft besitzen.

Ggf. passen sie ihre Aussaatstärke an die Keimfähigkeit, bzw. Triebkraft an, d.h. wenn die Samen schlechter keimen und länger brauchen, dann nehmen sie mehr Saatgut und/oder säen dichter.

Wie kommt eine Pflanze zu ihrem lateinischen Namen? – Wer "tauft" sie?

Nur der Vollständigkeit halber: Manchmal entdecken und beschreiben mehrere Botaniker die gleiche Pflanzenart und vergeben jeweils eigenständig Namen. Auf diese Weise kommen Synonyme zustande.

Eine Pflanzenart wird durch Gattung- und Artnamen korrekt und eindeutig bezeichnet.
Weil der Name aus zwei Wörtern besteht, nennt man das auch Binomen. Der Botaniker, der eine Art erstmalig entdeckt und beschreibt, darf sich auch den Namen aussuchen, er darf die Pflanze also "taufen" und ist damit der Autor des Binomens. Das Binomen ist lateinisch, damit es in der ganzen Welt verstanden wird. Der Botaniker wird dadurch geehrt, dass in Bestimmungsbüchern sein Initial, sein Kürzel, in Klammern hinter dem Binomen genannt wird.

Der eindeutige botanische Name einer Art wird üblicherweise kursiv geschrieben. Zuerst wird die Gattung, dann die Art genannt.

Hier einige bekannte Botaniker und ihr Initial: "L". für Carl von Linné; "Lam." für Jean Baptiste Antoine Pierre Monnet de Lamarck und "Vilm." für Pierre Louis Francois Levêqze de Vilmorin.

Mehr dazu erfährst Du hier im Kapitel "Gärtnerlatein".

Gibt es Wege mehrere Sorten einer Art im Garten zu vermehren?

Ja, die gibt es. Diverse technische und teils chemische Methoden werden von erfahrenen Gärtnern angewendet um Kreuzungen zu verhindern.

Gibt es zu allen fremdbestäubten Gemüsen amtlich vorgegebene Mindestabstände?

Das einhalten von Mindestabständen zu möglichen Kreuzungspartnern ist ein Weg sortenreine Sorten zu erzeugen. Für Hobbysamenbauer sind die Vorgaben meist utopisch. Deswegen beschreibe ich unter "Saatgutqualität unter dem Aspekt der Machbarkeit …" gangbare Methoden auch für kleine Gärten und Laien.

Selbstbestäubende Arten betrachtet die Verordnung gar nicht!

Nein, die Saatgutverordnung formuliert die Mindestabstände, bzw. die Bedingung "Sortenreinheit" und "Virusfreiheit" speziell für 4 Gemüse-Gruppen in Abhängigkeit von der Saatgutgüte.

Größere Abstände werden beim höherwertigem Basissaatgut gefordert.

Kleinere Abstände beim geringerwertigem Zertifiziertem Saatgut.

  • Beta – Rüben 300 / 1000 m
  • Brassica – Arten 600 / 1000 m
  • Alle anderen Fremdbefruchter 300 / 500 m
  • Wirtsarten von Virosen 300 / 500 m

Darüber hinaus lässt die Verordnung sogar eine Unterschreitung dieser Mindestabstände zu, "sofern der Feldbestand ausreichend gegen Fremdbefruchtung oder Übertragung von Viruskrankheiten abgeschirmt ist." (Nr. 7.3.1)

Was versteht man unter Keimfähigkeit?

Wenn ein Samen lebendig ist, dann kann er mit Wasser und Wärme, je nach seiner Eigenheit mit oder ohne Licht aus seinem "Schlaf" geweckt werden und keimen, er ist also keimfähig: Aus der Samenschale brechen dann ein kleines Würzelchen und schließlich auch Keimblätter hervor. Wenn diese beiden Organe ausgebildet sind, ist die Keimung abgeschlossen. Erst mal sagt die Keimfähigkeit nichts darüber aus, wie schnell dieser Vorgang abläuft.

Im Saatgutgeschäft versteht man unter dem Begriff "Keimfähigkeit" aber die mittels Keimfähigkeitstest ermittelte Rate, wieviele Samen von i.d.R. 100 ausgesäten unter kontrollierten Bedingungen (auf Filterparpier) nach einer bestimmten Zeit aufgegangen sind. Für solche Tests sind sogar internationale Regeln aufgestellt worden (ISTA Rules). Weil ein solcher Keimtest nach einer bestimmten Zeit abgebrochen wird, sozusagen vorzeitig, denn es könnten ja stark verzögert noch Nachzöglinge kommen, sagt er indirekt auch etwas über die Triebkraft aus.

Was sind Sorten? - Ist das alles natürlich entstanden?

"Wir müssen bedenken, daß die meisten unserer Gemüsearten nichts anderes als der Natur aufgezwungene, als künstlich am Leben erhaltene und fortgepflanzte Abweichungen (Abnormitäten) sind. Die Kopfbildung bei Kraut und Salat, die Rosenbildung bei Blumenkohl, die Zweijährigkeit der Möhre, Petersilie, Schwarzwurzel sind durchaus nichts Natürliches, sie sind künstlich gesteigerte Abweichungen von dem Üblichen, Vorgezeichneten." (BECKER-DILLINGEN, 1946)

Sorten sind Menschenwerk

Im Gegensatz zu Gattung und Art, die in den allermeisten Fällen in der Natur entstanden sind, werden Sorten vom Menschen ausgelesen.

Es sind Varietäten mit klitzekleinen für den Menschen interessanten Unterschieden (z.B. unterschiedliche Blatt-, Blüten- oder Fruchtfarben, sehr große Früchte, wenig Giftstoffe).

Alle Sorten einer Art können sich miteinander kreuzen. Das Ergebnis nennt man Sortenhybriden.

Sortenhybriden tragen Eigenschaften von beiden Elternsorten. Sortenhybriden können immer gesunde fruchtbare Samen ausbilden, d.h. sie sind immer fertil.

Wenn der Mensch bewusst Sorten miteinander kreuzt, können neue Sorten entstehen.

Wenn der Mensch eine Sorte mit allein ihren eigenen Eigenschaften erhalten will, dann muss er Kreuzungen verhindern.

Als Anfänger im Vermehrungs- und Erhaltungsgeschäft empfehle ich, sich für eine einzige Sorte einer Art im eigenen Garten zu entscheiden! Manchmal ist halt weniger mehr, in diesem Fall "mehr Qualität".

Mehr dazu erfährst Du hier im Kapitel "Gärtnerlatein".

Wieviel Abstand sollte man bei Selbstbestäubern zwischen Sorten einhalten?

100-prozentige Selbstbefruchtung findet man in der Natur relativ selten. Die meisten Arten halten sich ein "Hintertürchen" offen um an frisches Genmaterial zu kommen.

Es gibt 

- strenge Selbstbestäuber (fast 100%),
- überwiegend selbstbestäubende (oft um 70- 80%) und
- fakultativ selbstbestäubende Pflanzen.

Der Fachausdruck heißt "autogam, Autogamie".

Selbstbestäubung führt zu Reinerbigkeit,
d.h. dass die mütterlichen Gene das Spiegelbild der väterlichen Gene sind.
Die Pflanze ist "homozygot".

Reinerbigkeit führt dazu, dass der Genotyp dem Phänotyp entspricht.
Reinerbige selbstbestäubende Arten sind von Natur aus "samenfest" oder "samenecht".

Weil Kreuzungen selten bis unwahrscheinlich sind,
ist es einfach bei Selbstbestäubern die "Sortenreinheit" zu erhalten,
denn man muss theoretisch weder Abstände, noch andere Isolationstechniken
(Netze, Gewächshaus, Handbestäubung) einhalten.

Praktisch empfiehlt es sich, doch etwas Abstand (5 – 10 m) oder andere Isolationstechniken anzuwenden. Sicher ist sicher.

Wer nicht auf Nummer sichergehen muss, bzw. wem das ganze viel zu kompliziert ist, der beschränkt sich im eigenen Garten auf eine Sorte einer Art.

Wieviel Abstand sollte man bei Fremdbestäubern durch Insekten zwischen Sorten einhalten?

Es gibt Fremdbestäuber, die ihren Pollen durch Insekten transportieren lassen.
Insekten können in aller Regel wenige Kilometer weit fliegen und soweit den Pollen auch mitnehmen.

Jedoch sind gerade Bienen erstaunlich "blütenstet", d.h. sie naschen an einem Tag nur von einer Art Nektar und Pollen.
Sie fliegen ihre Trachtpflanzen systematisch in einem engen Umkreis ab.

Prinzipiell kann man Insekten auch durch ein Gewächshaus oder ein Netz ein- oder aussperren und so Fremdbestäubung verhindern.

Praktisch erlangt man mit Abständen von 20 m oder Pflanzungen auf verschiedenen Seiten einer Bebbauung ausreichend Sortenreinheit für den Laiengebrauch (keine 100%ige!).

Wer nicht auf Nummer sichergehen muss, bzw. wem das ganze viel zu kompliziert ist, der beschränkt sich im eigenen Garten auf eine Sorte einer Art.

Was versteht man unter Triebkraft?

Während bei der Keimfähigkeit hauptsächlich beurteilt wird, ob ein Same lebendig ist (ja oder nein), verstanden Gärtner früher unter dem altmodischen Begriff "Triebkraft" wesentlich mehr, nämlich die Vitalität, die Gesundheit, den Lebenswillen, der sich in Schnelligkeit und Stärke des Keimvorgangs ausdrückt.

Nur ausreichend triebkräftige Samen schaffen es in der Natur oder auf dem Acker und dem Beet zu keimen. Denn in der Natur sind die Keimbedingungen oft nicht ideal und schon lange nicht standardisiert, wie im Labor. Wenn Bauern vom "Feldaufgang" sprechen, dann sehen sie das Ergebnis der Triebkraft ihres ausgesäten Saatguts.

Was ist eigentlich Gemüse?

Es gibt keine offizielle Definition für Gemüse. Genausowenig wie es keine für Obst gibt. Was man zum einen und was zum anderen zählt ist vorallem kulturell bedingt und hängt mit der Weise zusammen, wie man gelernt hat das Lebensmittel zuzubereiten (z.B. zu kochen).

Meine "Gebrauchsdefinition" lautet: "Für mich ist Gemüse alles das, was an saftigem Pflanzenmaterial als Nahrung

  • roh oder gekocht in größeren Mengen gegessen werden kann (im Gegensatz zu Gewürzen und Heilmitteln),
  • mehr herzhaft als süß schmeckt oder in deftigen Gerichten verwendet wird,
  • meist ein- oder zweijährig angebaut, d.h. auf Beet oder Acker kultiviert wird,
  • und nicht oder wenig verholzt (d.h. keine typischen Sträucher und Bäume)".

Jede Pflanze, die meiner eigenen "Gebrauchsdefinition" von Gemüse entspricht, wandert in meine "kleine" Pflanzendatenbank, mit zwischenzeitlich knapp 800 Arten aus mehr als 50 Familien.

Wieviel Abstand sollte man bei Fremdbestäubern durch Wind zwischen Sorten einhalten?

Es gibt Fremdbestäuber, die ihren Pollen dem Wind anvertrauen.
Der Wind trägt diesen sehr weit, unter Idealbedingungen kilometerweit.

Wind wird aber durch Häuser, Hecken und andere Landschaftsmerkmale gebrochen.
Viele Gärten sind an windstilleren Ecken angelegt worden, nicht da wo es täglich stürmt und pfeift.

Prinzipiell steigert jeder Meter Entfernung die Qualität hinsichtlich Sortenreinheit.

Praktisch ist keine genaue Angabe machbar. Erfahrung mit dem eigenen Standort ist gefragt!

Was sind definitv keine Sorten? Wo liegt der Unterschied zum Sortiment?

In den wöchentlichen Prospekten der Diskounter und auch der Baumärkte findet man regelmäßig Angebote, die namentlich Sorten anpreisen, aber keinswegs echte eingetragene Sorten im Sinne des Saatgutgesetzes sind!

Beispiele:

  • Tomaten in den "Sorten" rot und gelb oder rund, Cocktail- und Fleischtomaten;
  • Kartoffeln in den "Sorten" festkochend und mehligkochend, rotschalig und gelbschalig;
  • Paprika in den "Sorten" Spitzpaprika und bunte Gemüsepaprika;
  • Salatpflanzen in den "Sorten" Kopfsalat grün oder rot, Eissalat grün oder rot;
  • Zwergobst in den "Sorten" Apfel, Süßkirsche, Sauerkirsche, Pflaume, Birne Pfirsich, Nektarine und Aprikose;
  • Ziergehölz in den "Sorten" Rhodeodendron, Koniferen, etc.;
  • Sommerschlingpflanzen in den "Sorten" Schwarzäugige Susanne oder Helmbohne

Hier handelt es sich um phantasievolle Sortimentsbezeichnungen von Händlern, manchmal angelehnt an Artbezeichnungen, an handelsüblichen Qualitätskriterien oder frei erfunden.

Im Lebensmittelhandel findet man äußerst selten, und nur auf ganz wenigen Produkten ausnahmsweise mal echte Sortenbezeichnungen:

  1. Apfelsaft gehört nicht dazu, er wird mal klar und mal trüb angeboten.
  2. Auch Bier gehört nur gelegentlich dazu, denn die Begriffe "Weizen", "Pils", "Lager", "Keller" beziehen sich auf die unterschiedlichen Brauverfahren, selten schreibt eine Brauerei die Hopfen- oder die Gestensorte auf das Etikett, z.B. 'Spalter Aromahopfen', Braugerste 'Steffi', etc.
  3. Nur bei Weinen findet man die Sortenbezeichnung der Trauben regelmäßig auf dem Etikett: 'Grauer Burgunder', 'Nero Davolo', 'Riesling', 'Silvaner', 'Müller Thurgau'
Wieviele Pflanzen braucht man für die Vermehrung und Erhaltung?

Diese Frage ist leider nicht eindeutig zu beantworten!

Soweit das Ausgangssaatgut eine hohe innere Qualität hat, d.h. sich keine Inzuchtschäden und negativ Mutationen angesammelt haben, genügt es für die Gewinnung von vitalem Saatgut bei Selbstbefruchtern die Früchte und Samen einer einzigen Pflanze zu gewinnen. Bei Fremdbefruchtern genügen zwei Pflanzen, die miteinander abblühen.

Meist möchte man aber nicht einfach vitales Saatgut einmalig für die nächste Gemüseproktion gewinnen, sondern man möchte eine Sorte erhalten!  Sortenerhalt bedeutet, dass man über Jahre immer wieder aus dem eigenen Saatgut neues gewinnt und trotzdem die in der Sorte innewohnende genetische Vielfalt mit erhält.

Hier empfehlen die amerikanischen Seedsavers bei Fremdbefruchtern den Anbau von mindestens 80 Pflanzen und bei Selbstbefruchtern mindestens 40 - 50 Pflanzen (BUTTALA, 2015).

In der Biologie gibt es den Begriff der "kleinsten überlebensfähigen Population" (engl. Minimum Viable Population), damit wird eine Anzahl an Mitgliedern angenommen, die über einen langen Zeitraum von 100 Jahren nicht zum Aussterben durch Naturkatastrophen oder Inzuchtdepression kommt. Im spektrum-Lexikon der Biologie steht dazu: "Kurzfristig sollte eine MVP nie weniger als 50, langfristig nie weniger als 500 Individuen umfassen (50/500-Regel)."

Da ja nicht alle einmal ausgesäten oder gepflanzten Setzlinge optimal wachsen und dann blühen oder weil es immer einige Exemplare gibt, die man aussortiert, weil sie nicht so "schön" geraten sind, empfehle ich mindestens 100 Pflanzen einer Sorte anzubauen, wenn man über Jahre eine Sorte in ihrer vollen genetischen Vielfalt erhalten möchte. Dies empfehle ich auch für Selbstbestäuber.

Ich gehe aber davon aus, dass es auch möglich ist, sich mit weiteren Vermehrern zusammenzutun und die 100 Pflanzen über viele Gärten verteilt anzubauen, solange man das Saatgut wieder zusammenführt.

Was ist eigentlich der Phänotyp? – Mit den Sinnen wahrnehmen

Mit der Beschreibung der Pflanze erfasst man ihren Phänotyp.

Dabei fragt man sich:
- Wie sieht die Pflanze aus? (Blüten, Blätter, Spross mit Stengel und Verzweigungen, Wurzeln)
- Wie schmeckt sie?
- Wie riecht sie?
- Wie fühlt sie sich an?
- Wo wächst sie freiwillig und mit wem zusammen wächst sie gerne"
D.h. rundherum woran erkenne ich sie als Mitglied einer Art oder einer Sorte?

Wenn ich eine Pflanze mit meinen Sinnen erfasse und dann beschreibe, habe ich ihren Phänotyp wahrgenommen.

In unseren Pflanzenbestimmungsbüchern (z.B. ROTHMALER oder SCHMEIL, FITSCHEN) sind die Pflanzenfamilien, Gattungen und Arten anhand ihrer phänotypischen Merkmale geordnet worden.

Zu einer guten Beschreibung des Phänotypes gehören fundierte Kenntnisse der Botanik bzw. der Pflanzenmorphologie.

Auch Sorten (die menschlichen Auslesen aus der Art) werden anhand ihres Phänotyps so beschreiben, dass sie voneinader unterscheidbar sind.

Extrem detaillierte Hilfen zur Beschreibung bieten z.B. die UPOV Test Guidelines.
Früher gab es beim Bundessortenamt auch beschreibende Sortenlisten für Gemüse.

Das Wort "phaino"  kommt aus dem Griechischen und wir kennen es auch von den phänologischen Jahreszeiten, die ja nicht mit den Kalendarischen übereinstimmen.

Was ist eigentlich der Genotyp? – Labortechnisch die Bauanleitung ausdrucken

Der Genotyp beantwortet die Frage nach den einzelnen Genen selbst (geordnet nach Chromosomen) und ihrer Reihenfolge die eine Pflanze in ihren Zellen besitzt. D.h. welchen genetischen Fingerabdruck (Genom) hat das Individuum, die Sorte, die Art?

Welche Gene sind an- und welche ausgeschaltet (Epigenetik)?

Welche Gene lassen sich vererben?

Jeweils ein oder mehrere Gene zusammen bestimmen die Eigenschaften, die wir dann phänologisch mit unseren Sinnen wahrnehmen.

Auch wenn wir mit unseren Sinnen gleiche Phänotypen erkennen könnten diese auf unterschiedliche Genotypen zurückzuführen sein.

Können Bienen und andere Insekten etwas mit Windbestäubern anfangen?

Ja, sie können. Auch windbestäubte Gemüsearten produzieren Pollen, die von Wildbienen und Käfern gerne als Eiweißlieferant gefressen wird. In meinem Garten konnte ich das bei Gemüsemais und Mangold beobachten. Interessanterweise dufteten beide Arten zur Blütezeit wunderbar süßlich und lockten damit Insekten an.

Was versteht man unter Schneesaat?

Ein jeder Gemüsesamen braucht zum Keimen gleichmäßig Feuchtigkeit. Da es im Frühjahr in manchen Jahren lange und trockene Schönwetterperioden gibt, ist den Menschen die Idee gekommen, die ersten Aussaaten dirket auf den Schnee zu praktizieren. Denn während der Schnee schmilzt bekommt der Sämling ausreichend Flüssigkeit ohne dass man selbst noch gießen müsste. Das funktioniert allerdings nur mit Gemüsearten, die heimisch sind und bei niedrigen Temperaturen, bei unter 5°C, keimen können. Gleichzeitig bekommen die Keimlinge aber einen Kältereiz, der, wenn er lange genut andauert, später die Blüte induziert. D.h. so ausgesäte Samen können unter Umständen bereits vernalisiert sein und dadurch, wenn die Pflanzen groß genug sind, blühen.

Trotzdem hat man das früher bei Petersilie regelmäßig gemacht. Mit Kerbelrüben ist es sogar ratsam nur so zu verfahren, denn die Herbstsaat  ist risiko, d.h. verlustreicher.

Allgemein macht man eine Schneesaat frühestens Mitte Februar und spätestens Anfang April.

Weiter geeignet sind robuste Sorten (!das ist ganz wichtig, nicht jede Sorte der genannten Arten verträgt das!) von:

  • Erbsen (aber nicht auf den Schnee, schon 2cm tief)
  • Fababohnen (Dicke Bohnen) (aber nicht auf den Schnee, schon 2cm tief)
  • Feldsalat
  • Gartenmelde
  • Kerbelrübe
  • Kresse
  • Möhren
  • Petersilie
  • Radies und Rettich
  • Schwarzwurzel
  • Spinat
  • Weißwurzel

Andere Gemüse, wie Beta-Rüben, Kohl, Radieschen und Lauch keimen zwar auf diese Weise, hier ist es aber besonders wichtig, geeignete Sorten zu wählen, sonst schießen sie im Anbaujahr bereits. Diese vorzeitige Blüte ist bei den Zweijährigen unerwünscht und solche Pflanzen werden nicht zur Samenproduktion hergenommen.