Domestikations- und Kulturgeschichte

Eine Pflanze bestimmt die Welt

Einst schrieb Henry HOBHOUSE (1992) ein Buch über 5 Pflanzen die die Welt veränderten. Damals rechnete er Mais nicht dazu. Heute müsste er sein Buch umschreiben, denn es ist nur eine einzige Pflanze, die das Antlitz der Erde radikal verändert und das ist der Mais!

Ein ähnliches Paradoxon ist in der Theosphie der Mayas enthalten: Ihr erste Maisgott wurde sogar schon vor der eigentlichen Schöpfung geboren! Er brachte das Leben schlechthin, das Leben ist also die Voraussetzung für die Schöpfung  (WOLTERS, 1996)

In der trockenen Höhle von Guila Naquitz bei Mexico fand man 6000 Jahre alte Maiskolben neben Kürbissamen X) (WOLTERS, 1996). SEIDEL (2012) spricht sogar von 7200 Jahre alten 2cm großen Kölbchen. Jedoch müssen die ersten Domestikationsschritte des Maises mindestens nochmal ein paar Tausend Jahre länger her sein, wie die Funde von Stärkekörner in Mexico (Xihuatoxtla Höhle X) und auch aus Panama beweisen. Zum gleichen Ergebnis, nämlich ca. 9000 Jahre zurück, kommen Wissenschaftler, die sich an Mutationsraten orientierten X). Vor 5000 Jahren waren die Kolben dann schon 7 cm groß und vor 3500 Jahren war Mais so groß wie wir ihn heute kennen und in ganz Amerika von Meereshöhe bis auf 4000 m in den Anden (SEIDEL, 2012) in seiner vollen Pracht verbreitet.

Spannend und paradox zugleich finde ich die These, dass wohl bereits Jäger und Sammler vor 11000 Jahren Mais pflanzten X), also bevor sie sesshaft wurden und die "eigentliche" Landwirtschaft erfanden! .

Man geht davon aus, dass die Kulturpflanze Mais sowohl Vorfahren im Hochland als auch im Tiefland hatte, wobei der eine Elter, die Teosinthe X) aus dem Tiefland Guatemalas stammt und der Hochlandelter durch die Hybridisierung wahrscheinlich verloren ging. Wahrscheinlich, weil doch immer wieder etliche Kandidaten benannt werden.

Ursprünglich wurden Mais und Chili X)  nebeneinander angepflanzt, denn wo Archäobotaniker uralte Maisstärkekörnchen analysierten, konnte auch Chili nachgewiesen werden. Der Anbau der sogenannten "drei Schwestern" (Mais, Kürbis, inkl. Bohnen) war wohl eine etwas spätere Erfindung der sesshaften uramerikanischen Bauern.

Nach Europa brachte das "corn" Christoph Columbus höchstpersönlich bei seine Rückkehr 1493. Genau 10 Jahre später war es in Spanien bereits ein übliches Handelsgut X) X) . Von dort aus wurde der Mais im gesamten Mittelmeerraum beliebt. Er wurde in Spanien, Portugal, Ägypten genauso wie auf dem Balkan und der Türkei bereitwillig von der hungrigen Bevölkerung gepflanzt.

SCHLIPF S. 152 u. S.181 (1859) empfiehlt vor 150 Jahren den Mais nur als Viehfutterpflanze und empfiehlt ja die richtige Sorte zu wählen: "Diese hängt hauptsächlich von der Beschaffenheit des Klimas ab.": "Derselbe [Mais] ist in warmen Gegenden und kräftigem Boden ein sehr schätzbares und empfehlenswertes Futtermittel,…"

Zum sogenannten "Türkenkorn" wurde Mais, als er sozusagen vom Balkan aus über die Alpen rückimportiert wurde. Wobei Mais in den gemäßigten Breiten erst durch Züchtungserfolge im 20. Jahrhundert wirklich Fuß fassen konnte, denn vorher war er zu wärmebedürftig und es dauerte zu lange bis er ausreifte.

Aber auch diesseits der Alpen pflanzten Fürsten das exotische Gras gerne an einem Wetter-geschützten Ort um damit in ihren Schlossparks prunken zu können. Spätestens seit der Beschreibung im Kreutterbuch des deutschen Gelehrten Hieronmus Bock 1542 kannte es die Oberschicht als Zierpflanze.

 

Mais als Super-Energiepflanze – Ihre Bedeutung im 21. Jahrhundert

Die Pflanze die einst den Wohlstand und Aufstieg aller mittelamerikanischen Kulturen der Mayas, der Azteken als auch später der Inkas begründete, ist heute ein Grund für Hunger sowohl in Afrika als auch seinem Ursprungsland Mexiko. In Deutschland ist ihr Anbau Thema bei Großdemonstrationen zur Agrarwende, zur Energiewende und gegen Gentechnik.

Wie kann eine Pflanze so viele vordergründig unterschiedliche Themen ansprechen?

Ganz einfach, Mais wird mehr als Energie- denn als Nahrungsquelle genutzt. Aus Mais wird Industriealkohol und Treibstoff, Biogas und sogar Ersatzplastik erzeugt.

Somit stehen die Industrie-Maisfelder in Konkurrenz um das Land auf welchem auch Nahrungsmittel angepflanzt werden könnten, etwa in Kenia X). Aufgrund der Produktion von "Biotreibstoffen" ver(un)edelt etwa in unserem E5 und E10 landet, ist der Maispreis direkt an den Erdölpreis gekoppelt worden. Das Grundnahrungsmittel Mais wird damit unerschwinglich. Und wenn in einem Land die Erdölpreise steigen, dann werden alle Lebensmittel teurer, nicht nur der Mais allein.

Vergleichsweise damit wird in Deutschland auf einem hohen Wohlstandsniveau demonstriert, hier geht es "nur" um auslaufende Förderung von Biogasanlagen. Diese kann man mit vielen Dingen füttern. Sinnvoll z.B. mit Gülle, aber eben auch mit heutzutage einfach anzubauenden und schnellwachsendem Mais.

Vielerorts haben sich "Biogaserer" und "Häuslebauer" zusammengetan und sind über ein Nahwärmenetz verbunden. Diese positiven, klimaneutralen Kleinstprojekte werden sich ggf. ohne Förderung nicht mehr rechnen.

Der neueste Trend aus Mais scheint Bio-Plastik zu sein, das seit einigen Jahren nicht nur in unseren Biotonnen als Tüte zu finden ist, sondern jetzt auch als Besteck und Einmalgeschirr. Wohlgemerkt, nicht das Geschirr soll gegessen werden, sondern das Fastfood obendrauf! Als Mulchfolie im Spargelbau oder vielleicht sogar kurzlebige Silofolie lasse ich mir das ja noch eingehen X): Aber Besteck und Geschirr lässt sich spülen und damit mehrfach verwenden, da brauch ich solches vermeintlich ökologische "Zeug" nicht! Auch dieser Trend wird die Maisanbauflächen eher erweitern und damit die Konkurrenz zwischen Nahrungsmais und Bio-Energiemais befeuern.

 

Mais, seine Götter und die natürliche Vielfalt

Die Ureinwohner Amerikas haben tausende von Varianten für diverseste Zwecke ausgelesen, etwa für Brei, Tortillas, zum Poppen, für Bier (Chicha) für Feste und Zeremonien, Flechtmaterial, Zigarettenpapier, Kerzen X), zur Farbgewinnung und erst zuletzt für Futter.

Dabei war ihnen wohl eine 100%ige Sortenreinheit weniger wichtig X) als die Erhaltung der Vitalität und Förderung der Vielfalt, die sie erreichten indem sie mit ihren Sorten sogar Mischanbau betrieben! Ähnliches wurde auch mit Kartoffeln praktiziert, wo immer wilde Pflanzen im Beet aufgehen durften (SATTLER/WISTINGHAUSEN, 1985).

Allerdings kamen immer nur die besten Pflanzen und schönsten Körner für Saatgut in Betracht. Bei der Vermehrung halfen den Bauern wohl auch ihre Maisgötter. Ob Mayas, Azteken oder Inkas, sie alle hatten gleich mehrere Maisgötter. Sogar für jede Samenfarbe gab es bei den aztekischen Bauern einn Gott: Iztacuhca für Weißen, Tlatlauhca für Roten, Cozauhca für Gelben und schließlich noch Yayauhca Cinteotl, für schwarzen Mais X). Es gab aber auch arbeitsteilige Maisgottheiten, etwa bei den Maya, die sich entweder um die Aussaat, das Wachstum oder den Ertrag kümmerten bzw. welche ausschließlich für die Qualität zuständig waren X). Von diesen ist Quetzalcoatl wohl der bekannteste. Aber auch wir im alten Europa kennen einen Maisgott, nämlich "Mondamin", den allerursprünglichsten Maisschöpfergott, der vor der Schöpfung existierte und "dessen" gleichnamiges Produkt als Stärkpulver heute unsere Soßen andickt X).

Bei der züchterischen Kreativität und dem Erfolg den die Ureinwohner Amerikas bei Mais an den Tag legten, kann ich mir nicht vorstellen, dass der erste Zuckermais wirklich erst 1779 auf Feldern auftauchte. Ich kann mir eher vorstellen, dass er dann erst bewusst von den weißen Siedlern wahrgenommen wurde. Die anfangs des 20. Jahrhunderts offiziell auf den Markt gebrachte süße Sorte hieß übrigens 'Golden Bantam' und ist heute nur noch bei Sammlern (Erhaltern) erhältlich. Die Zukunftsstiftung Landwirtschaft fördert sie und hat sogar einen eigenen Slogan erfunden: "Gentechnikfrei seit 1902" X) . Und damit zum nächsten Kapitel, welches die Gemüter bewegt.

 

Mais und die Gentechnik

Meine Meinung: Gute Argumente gegen Bt-Mais können nicht in der Aufzählung von Risiken bei der Anwendung oder im Anbau gesucht werden (z.B. Honig X) verunreinigt). Diese werden sofort mit mehr oder weniger guten Argumenten von Gentechnik-Freunden entkräftet, bzw. in ein Chancen-Nutzen-Verhältnis gebracht welches sich immer zu Gunsten der großen Agrarfirmen neigen wird (z.B. Bt-Mais ist besser, weil er weniger Pilzgifte X) enthält). Gute Argumente müssen die kurzfristige Sichtweise dieses Tuns aufzeigen und alternative Wirtschafmethoden in den Vordergrund stellen die die Sinnlosigkeit der Gentechnik und verwandter Verfahren verdeutlichen!

Zwei zwischenzeitlich weltweit agierende Schädlinge riefen die Gentechniker auf den Plan. Der Maiszünsler und der Maiswurzelbohrer. Der gefürchtete Maiszünsler stammt übrigens aus Europa X) . Früher hat er sich wohl von Hopfen und Hirse, Buchweizen, Alant und Beifuß u.a. ernährt. Der Maiswurzelbohrer stammt aus Amerika und ist bei uns eingeschleppt worden, in Amerika ernährt er sich auch von Amaranth, Sonnenblumen, Gänsefüßen und der Ambrosia. Beide tötet das Bakteriengift von Bacillus thuringiensis, welches sogar im biologischen Landbau eingesetzt werden darf.

Praktischer findet es das Agrobusiness, wenn der Mais es gleich selbst produziert. Und so bastelten Biotechnologen den genetisch veränderten sogenannten Bt-Mais.

Zwar ist allgemein bekannt, dass Schädlinge Resistenzen bilden können und diese sind mittlerweile auch bei Bt-Mais beobachtet worden X) X), das hindert das Agrobusiness weltweit aber nicht an der weiteren Ausdehnung der Maisanbauflächen. Mais ist die meistgepflanzte Feldfrucht weltweit. Sie bedeckt jährlich 190 Millionen Hektar, was in etwa der gesamten Fläche von Mexiko entspricht (= 1,9 Mio km2) X) X) X)   . Auch in der EU und zwar in Spanien X) steht gentechnisch veränderter Mais auf den Feldern. Und global betrachtet ist ein 1/3 des weltweit angebauten Maises bereits verändert, d.h. GOM X) 

 

Mais und der Klimawandel

Es ist nicht der Mais der den Klimawandel beschleunigt! Es ist das was wir mit dieser Frucht machen! Sie selbst wird auf unseren viel zu großen Feldern in Reih- und Glied soldatisch geknechtet. Sie wird so oft mit sich selbst vermehrt, dass sie ihre ursprüngliche Vielfalt eingebüßt hat und von den Bauern in den meisten Fällen nicht mehr werterhaltend nachgebaut werden kann. Der Mais, welcher einst sowohl im feuchteren Tiefland als auch im alpinen Hochland wuchs, mit humosen als auch nährstoffarmen Böden auskam, leidet heute selbst unter dem Klimawandel. Auch auf unseren Äckern zeigt er seinen Durst durch Starrtracht und Kümmerwuchs. Dadurch, dass er selten mit Unterkultur oder in Mischkultur gebaut wird, bläst der Wind den Boden um seine Stängel herum in Sandstürmen auf die Straßen und begünstigt Massenkarambolagen, wie etwa auf der A19 im Jahr 2011.

 

Mais und die letzten Erkenntnisse aus der Forschung

Nur für eine Handvoll Pflanzen wurden international agierende Forschungszentren gegründet. Mais gehört dazu. Das CIMMYT trägt in seinem Namen seine Aufgabe, es geht um die Verbesserung des Maises. Ich finde es absurd zu glauben, dass nach einer mindestens 9000 Jahre währenden Koevolution an dieser Pflanze noch etwas zu optimieren sei. Wie wäre es, wenn wir stattdessen die menschliche Haltung zur Umwelt verbesserten?

Hier drei Beispiele die zeigen, wie phantastisch das Gras Mais ist:

Beispiel 1: Knackende Maiswurzeln und klopfende Stängel. Kann der Mais sprechen? Wissenschaftler konnten jüngst die Wachstumsgeräusche der Pflanze mit hochsensiblen Mikrophonen aufzeichnen. X) X) X) . Für mich steht fest: "Sicher kommunizieren Maispflanzen untereinander, vielleicht nicht mit Geräuschen, gewiss aber mit Gerüchen und anderen elektrischen Signalen." Auch wenn die Wissenschaft das bisher nur bei einer Handvoll Pflanzen (wie etwa unter Bäumen, Pilzen und eben dem Mais) belegen konnte, so gehe ich davon aus, dass Kommunikation in der gesamten Pflanzenwelt üblich ist.

Beispiel 2: Bisher ist die Stickstoffbindung über Symbiosen mit Bakterien eine Domäne der Hülsenfrüchte gewesen. Jüngst entdeckte man die Verbindung von Paenibacillus brasilensis mit Mais. Auch hier handelt es sich um eine echte Symbiose, denn der Mais produziert an seinen Luftwurzeln ein süßes Sekret extra für das Bakterium und erhält dafür ordentlich Stickstoff zurück, frisch aus der Luft gezapft! Wer weiß welche Pflanzen auf unserem Planeten noch solche Symbiosen eingegangen sind?  X) X) X)

Beispiel 3: Das Maisgenom ist plastischer als sich die konventionelle Züchtung bisher einzugestehen traut. Das hat weitreichende Konsequenzen hinsichtlich der klassisch angewandten mendelschen Genetik. Bereits in den 50iger Jahren des letzten Jahrhunderts entdeckte die Wissenschaftlerin Barbara McClintock, dass ihr Mais Gensequenzen enthielten, die wandern (springen) oder sich verdoppelten konnten. Bildlich gesprochen, würde ich das so umschreiben: Die Pflanze kann sowohl neue Worte zu ihrer Bauanleitung hinzufügen als auch Sätze umstellen.  Fast ein halbes Jahrhundert später, im Jahr 1983 wurde Frau McClintock für ihre revolutionäre Entdeckung mit dem Nobel Preis belohnt. Zwischenzeitlich hat man diese Mechanismen bei vielen, wenn nicht fast allen Lebewesen nachgewiesen. Begonnen hat es aber mit dem Mais.

Mais in der Heilkunde und in der Ernährung

Ob "Indianer" oder "Weiße", der Mais fand Einzug in viele Materiea Medica, also Medizinbücher. Anbei zwei Anwendungsbeispiele und zwei Krankheiten die durch Mais verursacht wurden, angeblich….

Medizin gegen Blasenentzündung: Vor 35 Jahren hatte eine Bekannte von mir eine Blasenentzündung. Vielleicht aus einem älteren Kräuterbuch (WILLFORT, 1959) wusste sie, dass der Maisbart (also die Griffel der jungen Kolben) als Tee getrunken heilt (Voraussetzung:  nur garantiert gesund Haare verwenden, auf die noch kein Pollen gefallen ist). Heute rät man von dieser Anwendung abgekommen, da auf dem Bart auch gerne giftige Pilze wie Aspergillus flavus wachsen. Sowohl die Indianerfrauen als auch die jungen Siedlerinnen, die es von ihnen lernten, haben auf getrocknete Maishaare bei Blasen- und Niereninfekten geschworen (STAMMEL, 1986).

Medizin zur Geburtenkontrolle: Abtreibungsmittel oder Leckerei: Auch wenn ich es aufgrund fehlender eigner Erfahrung nicht zur Nachahmung empfehle, aus manch einer Plage kann man einen kullinarischen Nutzen ziehen. So ist das zumindest mit dem Maisbeulenbrand Ustilago maydis. Jedenfalls wenn man weiß, in welchem Stadium die betroffenen Kolben geerntet werden darf. Die gräulich-vergrößerten Kolben heißen in Mexiko Huitlacoche und sind vergleichbar mit den bei uns bekannten Schopftintlingen und Kartoffelbovisten, die ja auch jung, also vor der Sporenproduktion gegessen werden können. Esther Kern traut sich die Zubereitung zu X). Und in der Schweiz kann man den verpilzten Maiskolben wohl sogar kaufen X). Voll ausgebildet enthalten die Sporen einen dem Mutterkorn Claviceps purpurea verwandten Stoff und können abortiv wirken. In der Indianerfrauenheilkunde waren sie deswegen ein probates Mittel zur Regulation des Bevölkerungswachstums. Immerhin hat der Maisbeulenbrand Eingang in die Homöopathie gefunden und zwar mit einem ähnlichen Anwendungsgebiet wie der heimische Mutterkornpilz (WILLFORT 1958).

Pellagra: Nicht nur in Italien kam es ab 1735 vermehrt zu Fällen einer seltsamen Krankheit, die extrem schwach machte und gleichzeitig zu "brauner Haut" führte. Sie wurde allgemein unter dem Begriff Pellagra bekannt und trat nur da auf, wo sich die arme Bevölkerung einseitig von Mais ernährte. Heute weiß man, dass es sich dabei um die Folgen eines Vitamin-B Mangels handelt. Da Mais (als auch gewisse Hirsen) arm an den Vorstufen des Vitamins ist (Aminosäuren: Tryptophan und Lysin) führt sein "übermäßiger" Verzehr zu dieser Krankheit. Die uramerikanischen Bauern erkrankten nie an Pellagra, denn sie wussten wie man die Maiskörner mit Asche und Kalk in einem Auszug aus dem vierflügeligem Salzbüschel (Atriplex canescens) einweichen lässt (WOLTERS, 1996) damit ihr Maisbrei bekömmlicher und leckerer wurde. Außerdem ernährten sie sich vollwertig, d.h. auch von vielen sättigenden Pflanzen, und bekamen so alle notwendigen Aminosäuren.

Darmkrebs: Ob Bourbon Whiskey eher ein Nahrungs- oder ein Medikament ist darf jeder selbst entscheiden, aus Mais wird er schon lange gebrannt.

Zuckersirup aus Mais wird gerne als Zuckeraustauschstoff weiterverarbeitet. Auch bei uns findet man auf Getränken oder Marmeladengläsern Hinweise darauf: Glucose-Fructose-Sirup oder einfach Maltose heißen sie X). Klingt gesund, soll aber im Übermaß genossen nicht nur dick machen, sondern auch Darmpolypen, d.h. evtl. Krebsvorstufen, im Wachstum beschleunigen X) X). Allerdings fehlt noch die Untersuchung ob das nicht andere Zucker auch tun. Und um ehrlich zu bleiben, der gleiche Stoff fällt ebenfalls bei der Rübenzuckerproduktion an. Wie immer wird es um die Menge gehen, d.h. eine Cola macht nicht fett und krank, viele Hamburger aber schon! Vielleicht kommt ja doch mal die Lebensmittelampel für alle diejenigen, die nicht wissen, dass sich hinter der Endung –ose auf Lebensmittelverpackungen ein Zucker verbirgt. 

Erfahrungen aus erster Hand aus Coras Garten

In den Jahren wo in meiner Nachbarschaft die Bauern Mais anbauen, brauche ich keinen Anbauversuch zu machen, es wehen garantiert Pollen vom Futter- und Biogasmais herüber. Das sieht man dann sogar an den Körnern, da sehen einige nicht mehr nach Zuckermais aus. Da aber die konventionellen Fruchtfolgen recht eng sind, ist das nur jedes dritte Jahr der Fall.

Indianermais duftet! Davon war ich sehr überrascht, denn er ist ja ein Windbestäuber.

Saatgutgewinnung ganz praktisch

Maissaatgut von Hand zu gewinnen tut weh: wenn man die Körner mit dem Daumen von den Spindeln reibt, dann wird die Haut recht schnell wund. Deswegen rate ich, die Kolben mit ihren Lieschblättern zu Zöpfen zu binden und diese aufzubewahren, dann bei Bedarf von jedem Kolben einige Körner herunterreiben und ggf. abbacken. Die Körner an der Spitze der Kolben sind oft kleiner, diese also verwerfen! Auch die Samen der ersten Reihe, also direkt am Stängel, welche manchmal etwas unförmig sind, säe ich nicht aus.

 

 

Anbautipps für Gärtner und Köche

  • Da junger Mais kurzfristig geringen Frost verträgt, kann die Aussaat schon vor den "Eisheiligen" im Beet geschehen.
  • Durch Spätfröste geschädigte Blätter bedeuten nicht den Tod der Pflanze! Allerdings können solche Ereignisse zu einer Wachstumsverzögerung führen, weswegen die sehr süßen Sorten besser vorgezogen und noch bis Anfang Juni auf's Feld kommen können.
  • Man sollte die jungen vorgezogenen Maispflanzen tief einsetzen, da sie Nebenwurzeln bilden, die ihnen dann Standfestigkeit geben. Früher hat man sogar angehäufelt oder Dämme gezogen.
  • Mais wächst deswegen so enorm schnell sobald es warm genug ist, weil er, wie einige andere tropische Pflanzen auch, einen effektiveren Stoffwechsel besitzt. Man nennt diese Pflanzen C4-Pflanzen..
  • Geernteter Zuckermais sollte sofort zubereitet werden, da sein Zuckergehalt mit der Dauer der Lagerung abnimmt. Eine Woche nach der Ernte schmecken die Kolben nur noch leer und mehlig.
  • Drei Wochen nach der Blüte ist der Kolben reif für den Verzehr. Den besten Zeitpunkt für die Gemüseernte erkennt man am Bart, dieser wird langsam trocken und braun, wohingegen die durch die Lieschblätter verdeckten Haare noch saftig grün aussehen. Aus den Körnern lässt sich die Stärke wie ein Teig herausquetschen.

Tipps für Erhalter

  • Ursprünglich war Mais eine Kurztagspflanze. Sie hat sich aber sehr schnell an die Sonnenstandsverhältnisse in der alten Welt angepasst
  • Natürliche Hybridisierung zwischen gewaltfrei entstandenen Sorten sollte in großen Beständen zugelassen werden, da die Pflanzen insgesamt vitaler dadurch werden und angepasster mit der Umwelt reagieren. Diese Toleranz war das Geheimrezept der uramerikanischen Bauern!
  • Nach DEPPE (2000) zeigt Mais bei Selbstbestäubung schnell Inzuchtdepressionen. Wie oft hintereinander die Selbstung "funktioniert", sagt sie nicht.
  • Ab 33°C findet keine Bestäubung mehr statt.
  • Bei Handbestäubung rechnet man 1 Teelöffel voll Pollen pro weiblicher Kolben.
  • Die Pollenentwicklung zieht sich pro Pflanze  über 14 Tag hin. Der frische Pollen ist aber nur sehr kurz haltbar und sollte am gleichen Tag verbraucht werden. Gekühlt hält er sich weinige Tage.
  • Pollen erntet man, indem man die Fahnen mit Papiertüten einsackt und gut zubindet. Die beste Erntezeit ist der frühe Morgen. Die Fahnen werden einfach gebogen, so dass der Tütenboden nach unten schaut und dann geschüttelt.
  • Der Pollen keimt am besten bei etwas Luftfeuchte, also sollte die Bestäubung auch in den frühen Morgenstunden vorgenommen werden.
  • Die Fahnen der Mutterpflanzen schneidet man sicherheitshalber ab bevor sie ihre Pollen streuen (Diese Kastration betrachte ich als gewaltsam).
  • Damit nicht die falschen Pollen auf die weiblichen Bärte der Kolben gelangen, tütet man auch diese sowohl vor als auch nach der händischen Bestäubung ein.
  • Die weiblichen Bärte sehen glänzend saftig aus, wenn sie empfängnisbereit sind. Sie können eingekürzt werden, das verbessert das Befruchtungsergebnis im Allgemeinen, da dann wirklich alle Haare ein Pollenkörnchen abbekommen (das empfinde ich nicht als gewaltvoll, weil es die Pflanze nicht an ihrem Daseinszweck, der Vermehrung hindert).
  • Beim Mais blühen erst die männlichen Rispen, genannt Fahnen und erst danach werden die weiblichen Bärte, also die Griffel, fruchtbar. Für den Züchter bedeutet das, dass man am besten einige Vater-Pflanzen zwei Wochen früher aussät, vorzieht und auspflanzt, so dass diese dann die späteren Mutter-Pflanzen bestäuben können.
  • Wenn die männlichen Maisblüten (Rispen) blühen, dann duften sie, und locken Tracht sammelnde Insekten an, die Insekten beteiligen sich aber nicht an der Bestäubung..
  • Manche Sorten, insbesondere die von Zuckermais, schaffen es mehrere Kolben auszubilden (3 Kolben pro Pflanze). Dann kann einer für die Gemüseernte und der ältere, erstangesetzte für die Samenernte aufgespart werden.
  • Zuckermais-Saatgut hat immer gerunzelte Körner, wie Zuckererbsen auch! Daraus folgt, dass diejenigen, die anders aussehen, aussortiert gehören, denn "falsche" Körner können auf Kreuzungen hindeuten.
  • Der optimale Zeitpunkt für die Samenernte ist die Gelbreife. Trotzdem sollte man die Kolben an ihren Mutterpflanzen nachtrocknen lassen um letzte Nährstoffe als Vorrat für den Embryo aufzunehmen.
  • Zuckermais sollte immer im Block und nie in einer langen Reihe angebaut werden. Das erhöht die Möglichkeit der Bestäubung zwischen den Pflanzen.
  • Der Maispollen ist der schwerste Pollen im Gemüsereich und wird aufgrund seines Gewichtes nicht so weit vom Wind vertragen. Die gesetzlich angegebenen Isolierabstände sind aus diesem Grund übertrieben.
  • Das Zuckergen, welches die Umwandlung von Zucker in Stärke steuert, wird rezessiv vererbt.
  • Hybridmais von unseren Feldern kann Nachwuchs haben, ist also sehr wohl fertil, wird aber i.d.R. als unerwünschte Gründüngung wieder untergepflügt.

>> Literatur und Internetquellen zur Kulturpflanze Mais

>> Zurück zur Familie der Gräser