Erfahrungen aus erster Hand aus Coras Garten

In den Jahren wo in meiner Nachbarschaft die Bauern Mais anbauen, brauche ich keinen Anbauversuch zu machen, es wehen garantiert Pollen vom Futter- und Biogasmais herüber. Das sieht man dann sogar an den Körnern, da sehen einige nicht mehr nach Zuckermais aus. Da aber die konventionellen Fruchtfolgen recht eng sind, ist das nur jedes dritte Jahr der Fall.

Indianermais duftet! Davon war ich sehr überrascht, denn er ist ja ein Windbestäuber.

Saatgutgewinnung ganz praktisch:

Maissaatgut von Hand zu gewinnen tut weh: wenn man die Körner mit dem Daumen von den Spindeln reibt, dann wird die Haut recht schnell wund. Deswegen rate ich, die Kolben mit ihren Lieschblättern zu Zöpfen zu binden und diese aufzubewahren, dann bei Bedarf von jedem Kolben einige Körner herunterreiben und ggf. abbacken. Die Körner an der Spitze der Kolben sind oft kleiner, diese also verwerfen! Auch die Samen der ersten Reihe, also direkt am Stängel, welche manchmal etwas unförmig sind, säe ich nicht aus.

Oder man besorgt sich für größere Mengen einen "Stripper", "Maisentkörner". Diser muss aber für die harten, nicht die milchreifen Samen geeignet sein (traditionelle Ringe haben nur zwei Zähne).

Tipps für Erhalter

  • Ursprünglich war Mais eine Kurztagspflanze. Sie hat sich aber sehr schnell an die Sonnenstandsverhältnisse in der alten Welt angepasst
  • Natürliche Hybridisierung zwischen gewaltfrei entstandenen Sorten sollte in großen Beständen zugelassen werden, da die Pflanzen insgesamt vitaler dadurch werden und angepasster mit der Umwelt reagieren. Diese Toleranz war das Geheimrezept der uramerikanischen Bauern!
  • Nach DEPPE (2000) zeigt Mais bei Selbstbestäubung schnell Inzuchtdepressionen. Wie oft hintereinander die Selbstung "funktioniert", sagt sie nicht.
  • Ab 33°C findet keine Bestäubung mehr statt.
  • Bei Handbestäubung rechnet man 1 Teelöffel voll Pollen pro weiblicher Kolben.
  • Die Pollenentwicklung zieht sich pro Pflanze  über 14 Tag hin. Der frische Pollen ist aber nur sehr kurz haltbar und sollte am gleichen Tag verbraucht werden. Gekühlt hält er sich weinige Tage.
  • Pollen erntet man, indem man die Fahnen mit Papiertüten einsackt und gut zubindet. Die beste Erntezeit ist der frühe Morgen. Die Fahnen werden einfach gebogen, so dass der Tütenboden nach unten schaut und dann geschüttelt.
  • Der Pollen keimt am besten bei etwas Luftfeuchte, also sollte die Bestäubung auch in den frühen Morgenstunden vorgenommen werden.
  • Die Fahnen der Mutterpflanzen schneidet man sicherheitshalber ab bevor sie ihre Pollen streuen (Diese Kastration betrachte ich als gewaltsam).
  • Damit nicht die falschen Pollen auf die weiblichen Bärte der Kolben gelangen, tütet man auch diese sowohl vor als auch nach der händischen Bestäubung ein.
  • Die weiblichen Bärte sehen glänzend saftig aus, wenn sie empfängnisbereit sind. Sie können eingekürzt werden, das verbessert das Befruchtungsergebnis im Allgemeinen, da dann wirklich alle Haare ein Pollenkörnchen abbekommen (das empfinde ich nicht als gewaltvoll, weil es die Pflanze nicht an ihrem Daseinszweck, der Vermehrung hindert).
  • Beim Mais blühen erst die männlichen Rispen, genannt Fahnen und erst danach werden die weiblichen Bärte, also die Griffel, fruchtbar. Für den Züchter bedeutet das, dass man am besten einige Vater-Pflanzen zwei Wochen früher aussät, vorzieht und auspflanzt, so dass diese dann die späteren Mutter-Pflanzen bestäuben können.
  • Wenn die männlichen Maisblüten (Rispen) blühen, dann duften sie, und locken Tracht sammelnde Insekten an, die Insekten beteiligen sich aber nicht an der Bestäubung..
  • Manche Sorten, insbesondere die von Zuckermais, schaffen es mehrere Kolben auszubilden (3 Kolben pro Pflanze). Dann kann einer für die Gemüseernte und der ältere, erstangesetzte für die Samenernte aufgespart werden.
  • Zuckermais-Saatgut hat immer gerunzelte Körner, wie Zuckererbsen auch! Daraus folgt, dass diejenigen, die anders aussehen, aussortiert gehören, denn "falsche" Körner können auf Kreuzungen hindeuten.
  • Der optimale Zeitpunkt für die Samenernte ist die Gelbreife. Trotzdem sollte man die Kolben an ihren Mutterpflanzen nachtrocknen lassen um letzte Nährstoffe als Vorrat für den Embryo aufzunehmen.
  • Zuckermais sollte immer im Block und nie in einer langen Reihe angebaut werden. Das erhöht die Möglichkeit der Bestäubung zwischen den Pflanzen.
  • Der Maispollen ist der schwerste Pollen im Gemüsereich und wird aufgrund seines Gewichtes nicht so weit vom Wind vertragen. Die gesetzlich angegebenen Isolierabstände sind aus diesem Grund übertrieben.
  • Das Zuckergen, welches die Umwandlung von Zucker in Stärke steuert, wird rezessiv vererbt.
  • Hybridmais von unseren Feldern kann Nachwuchs haben, ist also sehr wohl fertil, wird aber i.d.R. als unerwünschte Gründüngung wieder untergepflügt.

 

Anbautipps für Gärtner und Köche

  • Da junger Mais kurzfristig geringen Frost verträgt, kann die Aussaat schon vor den "Eisheiligen" im Beet geschehen.
  • Durch Spätfröste geschädigte Blätter bedeuten nicht den Tod der Pflanze! Allerdings können solche Ereignisse zu einer Wachstumsverzögerung führen, weswegen die sehr süßen Sorten besser vorgezogen und noch bis Anfang Juni auf's Feld kommen können.
  • Man sollte die jungen vorgezogenen Maispflanzen tief einsetzen, da sie Nebenwurzeln bilden, die ihnen dann Standfestigkeit geben. Früher hat man sogar angehäufelt oder Dämme gezogen.
  • Mais wächst deswegen so enorm schnell sobald es warm genug ist, weil er, wie einige andere tropische Pflanzen auch, einen effektiveren Stoffwechsel besitzt. Man nennt diese Pflanzen C4-Pflanzen..
  • Geernteter Zuckermais sollte sofort zubereitet werden, da sein Zuckergehalt mit der Dauer der Lagerung abnimmt. Eine Woche nach der Ernte schmecken die Kolben nur noch leer und mehlig.
  • Drei Wochen nach der Blüte ist der Kolben reif für den Verzehr. Den besten Zeitpunkt für die Gemüseernte erkennt man am Bart, dieser wird langsam trocken und braun, wohingegen die durch die Lieschblätter verdeckten Haare noch saftig grün aussehen. Aus den Körnern lässt sich die Stärke wie ein Teig herausquetschen.

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