Signatur

Ich sehe einen Zusammenhang zwischen dem Element Kohlenstoff und den Gräsern als unseren ersten Alkohol, Stärke und Zuckerlieferanten. Über die Vermittlung der Gräser bewirkte der Kohlenstoff das Sesshaftwerden der Menschheit.

Planet: Erde (Sonne)

Farbmagie: Goldgelb - gleißend, Schwarz-Weiß

Schlüsselzahlen: 3 - 6 - 12

Themen: Entweder - Oder

Bezug: Kohlenstoff - Humus

Gemüse und mehr

Allgemein bekannte Gemüse

Für Sprossgemüse:

  • Goldbambus (Bambusa aurea syn. Phyllostachys aurea X)
  • Gemeiner Baumbus (Bambusa vulgaris; syn. Phyllostachys striata X))
  • Dorniger Bambus (Bambusa bambos)
  • Süßer Bambus (Phyllostachys dulcis  )
  • Mosobambus (Phyllostachys edulis)
  • Noch ein Bambus (Phyllostachys rubromarginata)
  • Ein Zierbambus (Yashania anceps)
  • Schmalblättriger Rohrkolben X) (Typhia angustifolia)
  • Breitblättriger Rohrkolben X) X) (Typhia latifolia)
  • Australischer Rohrkolben, Cumbungi X) (Typhia orientalis, syn. T. domingensis)

Für Zuckersäfte:

  • Zuckerrohr echtes (Saccharum officinale; =Saccharum officinarum)
  • Zucker-Hirse (Sorghum bicolor X) X) X) Sorte 'Sugar Drip') 
  • Zucker-Mais (Zea mays ssp. die Stängel)

Mit Pilzen infizierte Fruchtstände

  • Gaosun, Manchuria Wildreis (Zizania lativolia mit Ustilago esculenta infiziert) X) X)
  • Huitlacoche    (Zea mays mit Ustilago maydis infiziert) X)
Lebende Vorfahren und nahe Verwandte
  • Sorghum-Vorfahr: (Saccharum robustum) X)
  • Mais-Vorfahr: (Zea mexikana)
Gemüse mit Entwicklungsbedarf oder für den Klimawandel
  • Erdbeer-Mais
Gründüngepflanzen
  • Hafer (läßt sich einfach ausrupfen und zumindest jung leicht einarbeiten)
Einjährige Arzneipflanzen für Jauchen, Tees und Beizen

Für die Anwendung an Pflanzen keine bekannt, eigentlich erstaunlich, da ja in der menschlichen Ernährung durchaus vitalisierende Graspresssäfte eingesetzt werden. Ob solche Vitamin- und Hormoncocktails eine Bewurzelung von Stecklingen beschleunigen wäre auszuprobieren!

Nicht blühende Gräser sind hervorragend als Mulch auf Gemüsebeeten geeignet.

Unkräuter weltweit
  • Quecke (Elymus repens)
  • Fingergras, Blutrote Fingerhirse (Digitaria sanguinalis)
  • Borstenhirse (Setaria viridis)
  • Hühnerhirse (Panicum gallicum; syn. Echinochloa grus-galli)

Süßgräser

Domestikations- und Kulturgeschichte, Hinweise zu verbreiteten Inhaltsstoffen, Düngung und alchemistische Gedanken

Die wichtigsten Einfachzucker heißten Glucose und Fructose. Sie werden ausschließlich von Pflanzen produziert. Stärke, ein Reservebaustein von Pflanzen und ist ein Mehrfachzucker mit der Summenformel C6H10O5. Die Einfachzucker, aus welchen Stärke besteht, sind hier a-glycosidisch verknüpft. Zellulose ist eine pflanzliche Stützfaser und ebenfalls ein Mehrfachzucker mit der Summenfomel C12H20O10. Der Unterschied zur Stärke besteht in der Verknüpfung der Einfachzucker untereinander, die in diesem Fall b-glycosidisch geschieht.

Den Namen Süßgräser haben Botaniker schon ganz passend für diese Pflanzenfamilie gewählt: ihr Geschmack ist süßlich. Und schließlich beruht unsere Ernährung zum Großteil aus Stärke und Zucker welche aus den hierzu gehörenden Gräsern ausgemahlen, verkocht, gebacken oder als Saft ausgepresst werden. Denn diese Pflanzenfamilie benutzt Zucker und Stärke im besonderen Maße als Reservestoff in ihren Samen, die wir dann als Korn verwerten. Zucker ist chemisch gesehen, eine Verbindungen aus Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff C6H12O6 . Und deswegen habe ich bei dieser Familie die Verbindung zum Kohlenstoff gewählt.

Orte der Domestikation und deren Süßgräser: Israel (Levante): Einkorn, Emmer, Gerste, Hafer X) X); China: Reis, Bambus (als Gemüse und Baustoff); Mittel- und Südamerika: Mais; Nordamerika: Kleine Gerste Hordeum pusillum, wilder Indianerreis (Ziziania palustris) X); Neuguienea und Taiwan: Zuckerrohr  X) X); Australien: Panicum -Hirse X) X), Spinnifex X) X) (als Faserpflanze); Afrika, Äthiopien: Diverse Hirsen, z.B. Sorghum, Setaria, Panicum, Pennisetum und Eleusine X)Je nach Fundort und beschreibendem Autor muss der Beginn der Domestikation unserer Nutzpflanzen, zwischen 20000 und 10000 Jahr her sein. Mehr und mehr Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass der Beginn des Acker- und Gartenbaus nicht nur im Zweistromland mit den typischen Gründerfrüchten (Levante) begann, sondern nahezu parallel auch in China, in Amerika, in Neuguinea, in Äthiopien und sogar in Australien!

Dabei gründeten sich alle ersten landwirtschaftlichen Systeme auf Gräser oft in der Verbindung mit Leguminosen. Ob das daher kam, dass unsere Vorfahren schon immer Getreidekörner von Wildgräsern naschten oder weil man den im Grasland weidenden Herden nachzog, das bleibt zumindest mir verborgen. Jedenfalls haben Forscher weltweit Mahlsteine gefunden, die vor der Sesshaftwerdung noch von Jägern benutzt wurden! Die süßen Wildgetreidekörner und vielleicht auch die saftigen Stängel waren es wohl Wert, die Sammelarbeit auf sich zu nehmen und das Mahlen zu erfinden.

Süßgräser und die jüngere Geschichte der Menschheit

Der Anbau von Zuckerrohr, Mais, Weizen und Reis hat die Menschheitsgeschichte der letzten Jahrhunderte ebenfalls nachhaltig beeinflusst. Dabei waren es nie die Pflanzen an sich, sondern jeweils das was der Mensch mit ihnen machte,


… wie etwa beim sogenannten transatlantischen Dreieckshandel ab dem 17. Jahrhundert  X):

Um ihre Schiffe nie leer über den Atlantik segeln zu lassen, nahmen europäische Handelskompanien, die Großkonzerne der Kolonialzeit, in Europa Alkohol und Waffen an Bord, die in Afrika dazu missbraucht wurden, Menschen zu unterdrücken und als Sklaven, also als Ware an Bord nach Südamerika zur Arbeit auf den Zuckerrohrfeldern zu verschleppen. In Südamerika wurde Rohrzucker an Bord genommen um diesen in Nordamerika bis Europa zu verkaufen oder zu Rum zu verbrennen. Der Zuckerrohrschnaps, nichts Anderes ist Rum, und andere "Kolonialwaren" wurden wiederum nach Europa importiert.

… und zur Finazkriese um 2008:

In den 2010er Jahren, auf dem Höhepunkt der jüngsten allgemeinen Finanzkriese, bahnte sich in Asien (vom reichen Westen relativ unbemerkt) zusätzlich ein Reiskrieg an X) . Ähnlich wie beim Mais (Story siehe dort) ist der Reispreis auf den Weltmarkt an den Ölpreis gekoppelt. Steigende Rohölpreise verteuern auch Importreis. Und so konnten sich in weiten Teilen der asiatischen Welt die vorallem die landarme Bevölkerung, ihr Hauptnahrungsmittel kaum noch leisten. Und wer noch Reisfelder hatte, dem verdarb das "klimagestörte" Wetter mehrere Jahre hintereinander die Ernte.

Den vermeintlichen Ausweg aus der Krise propagierte das IRRI (heute IMRI), die Bauern sollten Hybridsorten und Genreis pflanzen X) . Diesen Spruch habe ich schon vor knapp 30 Jahren gehört, und zwar während eines Symposiums an meiner Uni. Es kam ein Vertreter des IRRI zu Wort. Bereits damals meinte er, dass es mittels Hybrid- und Gentec möglich sei, die Reisschüsseln der Welt zu füllen, und er verteilte gleichnamige Broschüren: "Filling the world`s Rice Bowl". Wie klug ist das denn, wenn man nach einem Vierteljahrhundert immer noch nicht erkannt hat, dass man auf dem Holzweg ist. Wie wäre es stattdessen mit einer Entkoppelung der Nahrungsmittelpreise von Rohstoffpreisen? Oder wie wäre es stattdessen mit einer Förderung bäuerlicher Subsistenz mit genetisch breit aufgestellten, meist alten Sorten, soweit diese noch vorhanden sind? Natürlich würde dazu auch eine Rückführung privaten Ackerlands gehören am besten in eine Allmende!

Zucker Gesund oder Sucht

Wichtige Zuckerpflanzen: Zuckerrohr, Zuckerrübe, Zuckerpalme, Zuckerahorn, Zuckerhirse; Wichtige Stärkepflanzen: Mais, Weizen, Reis, Kartoffel

Auch wenn alle Pflanzen auf diesem Planeten Zucker und Stärke aufbauen, so gewinnen wir den Reinstoff doch nur aus einer Handvoll überwiegend den Süßgräsern angehörigen Arten.

Süß ist eine der Nahrungsmittel-Grundqualitäten, die unsere Zunge direkt erkennt. Je nach Auffassung erkennen wir fünf oder sechs, mit Schärfe als Schmerz, sogar sieben Geschmacksrichtungen.

Im Mund beginnt auch die Zerlegung der Stärke durch Enzyme, nämlich sogenannte Amylasen. Die Fähigkeit Stärke in Einfachzucker zu zerlegen haben wir Menschen im Verlauf unserer Evolution gleich mehrfach in unseren Genen kodiert. Wahrscheinlich um ganz sicher zu sein, dass wir ja genug süße Energie in unserer Nahrung erkennen und auch essen. Und diese hauptsächlich für unser Gehirn, denn das verbraucht bekanntermaßen 20 % der täglich notwendigen Energie. Dieses überlebensnotwendige Programm scheint sich heute gegen uns zu richten, denn egal aus welchem Gras (oder aus welcher Rübe) wir Kristallzucker oder Weißmehl gewinnen, wir essen viel zu viel davon. Und so gehen sogar seriöse Forscher mittlerweile davon aus, dass reiner (raffinierter) Zucker süchtig machen kann oder zumindest unser Belohnungssystem regelmäßig stark aktiviert. X) Trotzdem gibt es noch keine verpflichtende Lebensmittelampel, denn das weiß u.a. die Zucker-Lobby zu verhindern  X) X) was jeder im "Weißbuch Zucker" (Hrs. Wirtschaftliche Vereinigung Zucker e.V.) selbst nachlesen kann X).

Wie immer, wenn es um Gesundheit geht, macht die Dosis das Gift und beim Umgang mit Süßgräsern aber noch vielmehr der Grad der Veredelung, bzw. die Raffination: Dabei scheint es eine Regel zu sein, dass je stärker ein Nahrungsmittel technisch verwandelt wird, desto schädlicher wird es: Zuckerkristalle kommen in der Natur eben praktisch nicht vor!

Gedanken zur Fruchtfolge

Gräser werden in Gemüse-Nutzgärten selten angebaut (Ausnahme Wiese unter Obstbäumen). Sie gehören, bis auf Gemüse-Mais, nicht zur Fruchtfolge im Gemüsebeet. Ihre Nutzung geschieht aber sehr wohl, und zwar in Form von Mulch aus frischem Grasschnitt oder aus Stroh. Je trockener und damit sickstoffärmer der Mulch ist, desto eher muss man an einen Ausgleich mit diesem Nährstoff denken, um das C-N-Verhältnis wieder zu optimieren.

Da Gräser keine tiefen Pfahlwurzeln, hingegen aber sogenannte Büschelwurzeln bilden, lockern sie den Boden sehr intensiv und hinterlassen in den obersten Bodenschichten (bis 30 cm) auch ordentlich Futter für das Bodenleben. Wenn darüber hinaus auch noch die Halme eingearbeitet werden, dann ist der mit der "Korn"-Ernte abgefahrene Nährstoffverlust recht überschaubar.

Botanik, Blütenökologie und Bestäuber

Blütenformel: P[2] + 2 A3 + 0 G(3)

Bei der Keimung zeigen alle Gräser zuerst ein einziges Keimblatt und gehören damit zu den Monokotyledonen. Sie haben die Fähigkeit aus, aus dem Spross Seitenwurzeln zu entwickeln, die wie zum Beispiel beim Mais auch eine stützende Funktion oder der vegetativen Fortpflanzung dienen.

Hinsichtlich ihrer Statik sind die Gräser ein Meisterwerk der Natur, so können alle Süßgräser mit ihrem meist flach ausgebreiteten Wurzelwerk den im Verhältnis dazu extrem hohen schlanken Blütenschaft im Wind optimal stützen. Gräser können bestocken und dann horstartig wachsen oder, Ausläufer, sogenannte Stylonen, wie unsere Quecke bilden, welche sogar essbar sind.

Das wohl typischste Merkmal von Gräsern sind die schmalen lanzettartigen Blätter. Diese Blätter haben immer parallel laufende Blattadern (Blattnerven). Damit ähneln sie im Gemüsereich sowohl den Lilien- als auch den Lauchgewächsen (Liliaceae, als auch den Alliaceae).

Sie bilden vielgestaltige Fruchtstände, wie Ähren (gestauchte Spindeln), lose hängende Rispen oder Monsterähren, wie die Kolben vom Mais. Die eigentliche Frucht, das Ährchen, ist fast immer eine Karyopse, das bedeutet, dass die sogenannte Samenschale mit der darunter befindlichen Fruchtschale verwachsen ist. Die Samenschale ist auch das, was beim Vollkornmehl im Mahlprodukt verbleibt.

Die Bambusgewächse haben z.T. gar keine Samen oder Steinfrüchte. Die Grasfamilie setzt auf Windbestäubung, auf Selbstbestäubung und häufig auf vegetative Vermehrung. Bienen und andere Insekten spielen als Bestäuber keine Rolle, wohl aber als Pollenräuber.

Techniken zur Kreuzung, Bastardisierung, Hybridisierung

Professionelle Hybridisierung ist mit Kastration verbunden. Entmannt werden dabei die Mutterpflanzen. Bei den sehr kleinen Blüten der meisten Gräser ist das oft nur mit Pinzette zu bewerkstelligen. Neuerdings werden auch sterilisierende Chemikalien benutzt. Bei Mais ist das Kappen der "Fahnen" einfach. Ich empfinde diese Aktion als Gewalt gegen die Pflanze, weil sie sich gegen im Grunde arttypische Reproduktion richtet.

Ich bevorzuge es, einer Pflanze eine Kreuzung anzubieten, indem ich sie so anbaue, dass ich Kreuzungen wahrscheinlicher mache: das gelingt, wenn man eine Reihe Vaterpflanzen neben einer Reihe Mutterpflanzen im stetigen Wechsel setzt. Damit bewege ich mich innerhalb der von der Natur gesetzten Grenzen und akzeptiere nötigenfalls wenn Pflanzen sich nicht miteinander paaren lassen wollen.