Die Kartoffel der Zukunft?

Oxalis HungersnoeteDa die Oka in England 1840 schon bekannt war, hätte die zweitwichtigste Andenknolle nach der Kartoffel und vor der bei uns unbekannten Ullucu im vom England abhängigen Irland die Hungersnot verhindern können, wäre sie dort großflächig angebaut worden.

Denn bereits 10 Jahre früher (genau 1829) wurden Okas auf die Insel gebracht und lösten dort für kurze Zeit einen Hype unter den Gärtnern aus. Also waren die kulinarischen Vorzüge der Oka durchaus bekannt als das schlechte Wetter und die Kartoffelkäfer die kohlehydrahtliefernde Erdknolle der armen Iren vernichteten.

In Neuseeland war dem Gewächs ein besseres Schicksal beschert: dort wurde sie 1869 eingeführt und erlangte soviel Bekanntheit, dass sie den Namen New Zealnd Yam erhielt. Es etablierte sich der Anbau (Hickmott) und 100 Jahre später wurde die Neuseeland Jams sogar eine regelrechte Modefrucht in Bio- und Gesundheitsläden.

Die Oka wurde ausnahmsweise mal nicht von Linné erstbeschrieben, sondern im Jahre 1789 von seinem Zeitgenossen Molina6), der ihr dann auch den gültigen botanischen Namen Oxalis tuberosa gab. Molinas Lebensgeschichte, ist mindestens genauso interessant wie die des schwedischen Naturforschers Linné, Molina war ein Jesuitenpater, der in Chile lebte und wirkte. Als die Spanier die Jesuiten aus dem Land vertrieben, flüchtete er nach Italien und fing an über seine geliebte Heimat zu schreiben. Aus seinen Werken geht eine Hochachtung vor den Leistungen der indigenen Bevölkerung hervor.

In der Literatur findet man für Oka auch noch den botanischen Namen Oxalis crenata, der als Synonym von der Zweitbeschreibung übrig blieb. Groß kennt Anfang des 19. Jahrhunderts bereits mehrere "Spielarten" der Sauerkleerübchen, wie er "O. crenata" nennt. Seit dem sind nicht nur in Deutschland dutzende Versuche gemacht worden, aus Oka auch hier ein genügsames, stärkehaltiges Grundnahrungsmittel zu machen. Allerdings nur von "Freaks" also Menschen die in der Lage sind über sich selbst hinauszugehen, denn so oft wie der Anbau empfohlen wurde, so häufig wurden Züchtungsansätze wieder ad acta gelegt. Die im Herkunftsgebiet zweitwichtigste Knolle ist bei uns bis zum heutigen Tag leider nur ein ziemlich unbekannter Exot.

Und als Exot ist auch nicht viel Verlässliches über Oka an Literatur zu finden, und das von mir dort gesammelte Wissen erscheint mir durchaus widersprüchlich.

Die beste und detaillierteste Anbauanleitung welche ich gefunden habe, steht auf www.cultivariable.com. Hier bekommt man auch einen kleinen Einblick über wahre Okavielfalt. Mir ist es in drei Jahren Sammeltätigkeit gerade mal gelungen rote und gelbe Sauerkleerübchen zu bekommen. Dafür schaffen es vergessene Spindeln bei mir im Boden zu überwintern.

Typen und Sortenkunde

Kreuzungsmöglichkeiten

Oxalis KreuzungsmoeglichkeitenManch ein Autor behauptet, dass die Knollen seit Jahrtausenden (Weaver) angebaut würden, was aber in Zusammenhang mit Inka-Knollen nicht so ganz stimmen kann, denn ihre Hochkultur verlief parallel zu unserem Mittelalter! D.h. der nachweisliche Anbau ist grad mal höchstens 800 Jahre belegbar. In ihrem Ursprungsgebiet gibt es heute noch sehr viele Sorten. www.cultivariable.com listet allein 18 davon auf. Manche Autoren behaupten, dass es in Mexiko tagneutrale Sorten gäbe (Crawford, Toensmeier), andere verneinen das wiederum vehement 1) . Allerdings sind in Mexiko 30% der ursprünglich bekannten Sorten verschwunden. Vielleicht war ja eine tagneutrale Sorte unter den Ausgestorbenen dabei?

Toensmeier behauptet bzw. schlägt vor O. tuberosa mit O. tetraphylla (deppei), O. violacca oder O. montana zu kreuzen. Das geht sicherlich nur auf sehr technische Weise, denn WWW.Variable.com schreibt, dass Kreuzungen nur mit in Amerika heimischen Sauerkleegewächsen Erfolg versprechen. Mit anderen Worten hier tut sich noch ein weites Experimentierfeld auf.

Die Knollen unterscheiden sich in ihrer Schalenfarbe, Augenfarbe, Größe, Länge und Form. Oka neigt zu somatischen Mutationen, d.h. bei wem eine Knolle auftaucht, die "halb halb" erscheint, kann diese durchschneiden und wird in Folge 2 Sorten haben.

Sorten vor 120 Jahren

GROSS weiß, dass es verschiedene 'Spielarten' gibt, d.h. verschiedene Knollenfarben.

Sorten aus Roter Liste

keine genannt

Sorten für den Bioanbau 2017 von FIBL empfohlen

keine bekannt

Open-Source-Sorten

leider keine bekannt

Sorten mit komischen Namen

'Amarillo' hat sicher nichts mit Marillen (Aprikosen) zu tun.

'Grande Hopin', 'Sockeye' (Socke mit Loch!)

Sorten aus fremden Ländern für Jäger und Sammler

www.cultivariable.com

'Longview' , 'Macrocks', 'Redshift', 'Siwash', 'Sockeye'

Auslesekriterien und Saatgutgewinnung

Während des vegetativen Wachstums
  • Frostfestigkeit der frischen Triebe
  • Frostfestigkeit gegen Ende der Saison im Herbst
  • Farbe der Stängel
  • Dicke und Saftigkeit der Stängel
  • Geschmack der Stängel und Blätter
Während des generativen Wachstums
  •  Blütezeit in unsere Vegetationsperiode verschieben (ich habe leider noch keine Blüte an meinen Ocas entdecken können)
Nach der Ernte in Genussreife
  •  Knollen-, Fleisch und Augenfarben: weiß, gelb, orange, rot, dunkelrot, lila bis fast schwarz, gesprenkelt
  •  Knollenform: zusammengewachsen, zapfenförmig, länglicher, rundlicher
  • Knollenhaut: wachsartig, pergamentartig
  • Geschmack: mehlig, süß, sauer, bitter
  • Eignung für Nachreifung in Sonne als auch zur Sofortnutzung
  • Eignung für Konservierungsmethoden (Gefriertrocknung, Caya-Käse, Marmeladen, etc.)
Nach der Ernte des Saatguts

Wenn es denn mal hier gelingt Samen zu bekommen, dann sollten die lange Jahre keimfähig bleiben.

Heterostylie muss bei erfolgreichen Kreuzungen berücksichtigt werden:

Oxalsi GuteSchlechte Pollengeber

www.cultivariable.com

UPOV Test Guideline

No.

Vorschlag für unkonventionellen Züchtungsansatz

Neigung zu zusammenwachsenden Stengeln (im engl. 'fasciated') – könnte allerdings auch durch Infektionen hervorgerufen sein und kann dann allerdings nicht genetisch beeinflusst werden.

Saatgut-/Pflanzgutgewinnung ganz praktisch

Keine Erfahrungen zur Saatgutgewinnung vorhanden

Das Pflanzgut hält im November oder sogar Dezember ausgegraben bis zu einem halben Jahr. Es wird am gleichen Ort wie Kartoffeln oder Dahlienknollen aufbewahrt.

Anbautipps für Gärtner und Köche

Oka Klee Blaetter

Okablätter

Oka bei Hitze

Oka leidet bei Hitze

>  Oka bevorzugt sandig, humosen Boden mit leicht saurer Reaktion.

>  Ihren Ursprung hat sie auf Basaltböden.

>  Ich vermute, dass saure (auf Vulkanstein basierende) Böden mit wenig Kalzium die Oxcalat-Bildung unterbinden. D.h. die Knollen von solchen Standorten sind für uns gesünder.

Vielleicht ist Oka ein Zukunftsgemüse für den Alpenraum, aber dann eher für die Basaltböden und nicht für unsere Kalkalpen, denn er wächst bis 4000 m Höhe.

>  >  Bei uns sind Okas wenig krankheitsanfällig, da sich noch keine Krankheit auf sie spezialisiert hat (Anbau zu gering). Im Ursprungsgebiet kommen Drahtwürmer, Nematoden und Stängelfäulen als auch Viren vor (und zwar solche, die auch Kartoffeln befallen: Potato black ringspot virus und Potato virus)

>  Die allseits in deutschen Quellen empfohlene Topfanzucht ab März, halte ich für unsinnig, angesichts des späten Knollenansatzes, es sei denn, man legt Wert auf die jahreszeitunabhängige Ernte der Stängel und Blätter.

>  Eine Mischkultur mit Fabas oder Alliums ist bei uns noch nicht ausprobiert worden.

>  Bei mir wachsen die Okas gerade zwischen den Kartoffeln und Amaranth: also auf meinem "Inkabeet".

>  Angeblich (Heistinger 2010) haben die amerikanischen Einheimischen Oca mit Mais in Mischkultur angebaut, das habe ich aber noch nirgendwo in der Fachliteratur bestätigt bekommen.

>  Sprossen kriechen etwas bevor sie sich aufrichten (Sprosslänge bis zu 1m insgesamt) Höhe der Pflanze 30 – 45 cm.

>  In meinem Boden haben Spindeln den Winter 2018/19 überstanden und neu ausgetrieben. Auch den Spätfrost im Mai haben die jungen Triebe überstanden (meine Kirschen aber nicht!)

>  Für die Permakultur empfehlen ich die Oka trotzdem nicht, da die im Boden vergessenen Spindeln zwar neu austreiben aber ggf. klein bleiben.

>  Bis Spindeln ausgewachsen sind vergehen drei Monate, auch wenn sie bereits nach 6 Wochen vermehrungsfähig, aber klein geerntet werden können.

>  Anhäufeln bringt zwar mehr Spindeln, diese bleiben ebenfalls kleiner, also kein echter Vorteil.

>  Eine Dammkultur hilft nur, wenn Böden partiell überschwemmt werden.

>  Oka bevorzugt maritimes Klima. Die angebliche Trockentoleranz kann ich nicht bestätigen: wenn ich nicht genug gieße schlappen die Blättchen recht schnell.

>  Wenn Sommertemperaturen über 27°C zu erwarten sind, ist der Anbau im Halbschatten zu bevorzugen, auch wenn die Pflanze an sich ein Sonnenkind ist.

>  Erst wenn die Tage deutlich kürzer sind werden Knollen angesetzt.

>  Die Tageslänge kann künstlich, wie z.B. bei Weihnachtssternen, durch Abdecken mit dunkler Folie vor dem eigentlichen Sonnenuntergang verkürzt werden.

>  Die Vegetationsperiode kann mit Vliesen im Herbst verlängert werden, so dass die Triebe nicht beim ersten Nachtfrost abfrieren.

>  Geerntet wird, wenn die oberirdischen Triebe abgefroren sind, d.h. der Stoffwechsel zum Erliegen gekommen ist.

>  Die Knollen können nicht grün werden und enthalten nie Solanin.

>  Angeblich sind bis zu 40 t/ha (Fern) als Ertrag möglich.

>  Das Putzen ist sehr einfach, sie müssen nicht geschält werden.

>  Die Oxalsäure variiert sorten- und lagerabhängig zw. 80 – 200 mg 1). Die Oka-Oxalsäure ist normalerweise schlecht bioverfügbar.

>  Während der Lagerung baut sich die Oxalsäure weiter zu Zucker um.

Tipps für Erhalter

Oka am austreiben

Oka im Frühjahr vorgetrieben

Oka Ernte

Oka im Herbst zur Erntezeit

>  Der Spindelansatz (Sprossknollen) findet deutlich im Kurztag ab 12, selten bei Sorten ab 13 h Tageslänge statt.

>  Große Knollen erfordern weite Pflanzabstände, große Knollen sind als Pflanzgut zu bevorzugen (nicht wie bei Kartoffeln!)

>  Tetraploide Sorten (oft aus Sämlingen) sind häufig saurer und weißlich 1) .

>  Seit 2007 gibt es Amateur-Breeding für Okas.

>  Oka ist eine natürliche Hybride, d.h. Pflanzen aus Saatgut können nicht gleich fallen wie ihre Eltern! Im Gegenteil es braucht zwei zur gleichen Zeit blühende Sorten (mit ausreichend genetischer Verschiedenheit) für die vegetative Vermehrung.

>  Eine Stecklingsvermehrung ist erfolgreich, genauso wie Vermehrung über Absenker der oberirdischen Triebe. Das macht Sinn, wenn somatische Mutationen erkannt wurden (Trieb sieht anders aus als Rest von Pflanze, oder Knolle mit 2 Farben).

>  Bei zweifarbigen Knollen, schneidet man die eine Seite weg und verwirft sie, wohingegen man nur die Sprosse der präferierten Seite vermehrt.