Tomaten

Inhaltstoffe und Wirkung

Als Kind habe ich keine rohen Tomaten gemocht, weil sie in meinem Hals Kratzen verursacht haben. Die Ursache dafür war das Solanin welches zudem bitter schmeckt und bei empfindlichen Personen im Übermaß genossen, einen "schweren" Magen verursacht. Die Menschen wussten aber aus Erfahrung, dass ihnen die grünen, besonders alkaloidhaltigen Pflanzenteile nicht wohl bekamen, weswegen Kartoffeln geschält und bei unreife Tomaten (etwa Grüne-Tomaten-Chutney) vorab mehrfach mit Salz bestreut und das gezogene Wasser abgeschüttet wurde. Reife Tomaten sind äußerst gesund: neben vielen Mineralstoffen u.a. Kalium enthalten sie antioxidant wirkende Carotinoide, wie das Lycopin und Vitamin E und C X) . Nach Willfort (1978) hat die Tomate zusammen mit Spinat sogar die Österreicher nach dem zweiten Krieg vor der B1-Mangelkrankheiten BeriBeri bewahrt. Ihr Folsäuregehalt trägt zur Gesundheit von Schwangeren und Ungeborenen bei X).

In der Homöopathie gibt es die Anwendung von Tomatenglobuli bei Fettleibigkeit und Rheuma. X) Viele esoterische Betrachtungen zur Tomate gibt es darüberhinaus meines Wissens nicht. Vielleicht liege ich nicht ganz falsch, wenn ich die von Fuchs (1679) beim Schwarzen Nachtschatten angegebene Wirkung auf die Tomaten übertrage: "kalt im anderen Grad und zeucht zusammen … Nachtschattenblätter mit Salz zerrieben auf Grind zum Erweichen gelegt, gegen Eyter und Podagram" . Hinsichtlich Gicht, wie Podgram heute heißt, ist man sich in der Fachwelt noch nicht einig, ob die Tomate Anfälle provoziert oder sogar vorbeugend wirkt. X X).

 

Wie die Tomate berühmt wurde

Forscher nehmen den Beginn der Domestikation der Tomaten in Mexiko vor nur ca. 2500 Jahren an aber die meisten genetischen Verwandten lassen sich in Peru finden. Die Diskussion um die wahren Vorfahren hält noch an und durch Gensequenzierungen kommt man dem Domestikationsprozess jetzt langsam auf die Spur X)

Sowohl Azteken (14. – 16. Jhd) als auch schon die Mayas (3000 v. Chr. – 900 n. Chr.) benutzten Blätter medizinisch als Wundauflage und aßen die Beeren. Die Maya sahen im roten Fruchtgele eine Verbindung mit dem Blut und der Lebenskraft allgemein X);und die Atztekten stellten sogar einen direkten Zusammenhang zwischen dem Aussehen der Frucht (die Tomate hat einen "Nabel") mit der weiblichen Fruchtbarkeit her X, X) . Egal wie, die Tomate musste erstmal nach Europa und dafür sorgte Columbus mit seiner zweiten Expedition X) . In Europa angekommen machte der Liebesapfel schnell die Runde in den Fürstenhäusern. Sie galt als anstößig, etwas giftig, unsittlich. Trotzdem wurde sie als Aphrodisiakum geschätzt und in Adelskreisen sicher auch gegessen X  (DRESSENDÖRFER 2012). Ihr spezieller Duft hat etwas Animalisches und führte sowohl zu dem Gattungs- als auch Artnamen Lycopersicon- oder um (GENAUST 2017).

Es dauerte aber ganze vier Jahrhunderte bis die Tomate auch beim gemeinen Volk allgemeinen Anklang fand. GROSS (1918) schreibt vor mehr als 100 Jahren:

Die Tomate ist eine überaus beliebt gewordene Marktfrucht, deren Anbau von vielen Gemüsegärtnern schwunghaft betrieben wird. Wir genießen die Beeren verkocht als Tunken, wohl aber auch roh in Scheiben geschnitten als Salat",. Damals nahm ihre allgemeine Verbreitung dann auch in Deutschland Fahrt auf, die nur kurz von den beiden Weltkriegen unterbrochen wurde.

Heute ist die Tomate das wichtigste Gemüse auf dem Markt, sowohl national X) als auch weltweit X). Und die aufstrebende neue Weltmacht China ist der Haupterzeuger der Beeren. Einige unsinnige Genversuche inkl. Anbauzulassungen X) z.B. für Insektenresistenz sind auch in diesem Land erdacht worden. Für den chinesischen Markt soll es mit gentechnischer Gewalt geschaffene rosa Früchte geben.

 

30 Jahre und die Anti-Matsch-Tomate ist fast vergessen

Die Tomate war gleich hinter Petunien und Zuckerrüben für mich ein Paradebeispiel in den ersten Anti-Gentechnik-Diskussionen der frühen 90er. Wohl auch, weil sie zu den Modellorganismen X) gehört.

Auch damals ging es schon um zweifelhafte Veränderungen die allein zum Zweck der Markierung der Veränderung immer mit einer Antibiotika- oder Herbizidresistenz gepaart werden: aus dieser Zeit stammte die "Anti-Matsch-Tomate", richtig heißt die in England zuerst patentierte Sorte und Marke 'Flavr-Savr' ® X). Zu Ketchup verarbeitet war eine weitere gentechnisch veränderte Sorte trotz deutlichem Hinweis auf dem Etikett sogar ein Hype in England, wo das Produkt ab 96verkauft werden durfte X) X).

Allerdings war auch dieser Hype nach wenigen Jahren vorbei. Da frage ich mich, ob sich selbst unter einer kapitalistisch, ökonomischen Sichtweise die gentechnische Vergewaltigung gelohnt hat.

 

Schneller Züchtungserfolg dank weniger Mutationen

Die Tomatenart ist uns Menschen auch ohne Gentechnik sehr gewogen. STORL (2004) spricht sogar von helfenden Pflanzendevas, die er den Arten zuordnet. Sie neigt wohl zu freiwilligen Genmutationen, denn wie sonst wäre es dem Forscher Hans Stubbe X) aus Gatersleben in nur 16 Jahren gelungen, mittels Auslesezüchtung, aus einer sehr kleinfrüchtigen Wildtomate eine normalgroße (mehrere Zentimeter) Kulturtomate hervorzubringen (VOGEL 1996, S. 870). Bei der Wildtomate handelte es sich um Lycopersicon esculentum var.pimpinellifolium, welche damals noch als eigene Art L. pimpinellifolium benannt war.

Das geschah bereits 1960 und 80 Jahre später brüsten sich Wissenschaftler damit, dass sie mittels CRISPR/Cas, der beliebtesten aller Genscheren, in dreijähriger Forschungsarbeit aus Solanum pimpniellifolium (ein Synonym für L. pimpinellifolium) eine Kultrutomate entwickelten X). Ist das Fortschritt, wenn ich statt 16 Jahre nur 3 Jahre brauche? Warum soll alles immer schneller gehen? Brauchen wir "Turbo-Domestikation" oder "Züchtung im Zeitraffer", wie das BMBF-Portal Pflanzenforschung tituliert X)? Und glauben wir wirklich, dass eine Domestikation vor zigtausend Jahren nur über viele Menschengenerationen möglich war? Meine Thesen dazu im Merker rechts.

 

Dreckiges Saatgut – Kinderarbeit ohne Arbeitsschutz

Was mich allerdings viel mehr beunruhigt, als die gesamten gentechnischen Forschungen, ist die Tatsache, dass das Tomatensaatgut heutzutage in aller Welt produziert und dass es wahrhaft mit Gold aufgewogen wird. Ob bei der Produktion dann Kinder-, Frauen- und Arbeitsschutzrechte eingehalten werden, ist zweifelhaft (Soiled Seeds, 2015). Mit anderen Worten, Saatgutproduktion kann Ausbeutung bedeuten. Sehr schön dargestellt in dem Film "Das Saatgut-Kartell" X).

 

Unangepasstes Saatgut für unsere Gärtner

Auch kann solches Saatgut, beispielsweise aus Indien, nie an unsere Klimabedingungen angepasst sein (auch nicht auf epigenetischer Basis). So werden unsere gewerblichen Gärtner genarrt, denn sie müssen um existenzsichernde Ernten zu erzielen, ihre Tomaten mit Pflanzenschutzmitteln peppen.

 

Nahrungsmittelsouveränität sieht anders aus: Auf dem Weg zum Verkauf verliert sich die Sorte

Der professionelle Gärtner kennt noch die Sorte seiner Tomaten, wenn er aber dann zum Handel fährt, muss weder die Herkunft des Saatguts noch die Sorte auf der Verkaufspalette stehen. In den Discountern findet der Verkauf dann im Sortiment statt: "in den Sorten rot und gelb" oder "in den Sorten runde Tomaten, Cocktail- und Fleischtomaten"! Aufgepasst ihr Vielfaltsgärtner und Saatgutaktivisten: Das Supermarktsortiment hat nichts mehr mit Sortenvielfalt zu tun!

 

Von Anti-Matsch zu Long-Life

Und wer glaubt, dass die neuerdings gerne in kleinen Eimerchen angebotenen, aromatischeren Naschtomaten etwas ursprünglicher sind, als die "Hollandtomaten", der irrt gewaltig:

Denn auch das Saatgut solcher "Dattel"-oder "Pflaumentomaten" gibt es in biologischer Hybridqualität, etwa 'Bolstar Baloe' F1 oder 'Ardiles' F1. Höchstwahrscheinlich ist mittlerweile fast allen im Handel angebotenen Tomaten eigen, dass sie sogenannte "Long-Life" Varianten darstellen. Auch ohne Gentechnik ist es zwischenzeitlich Usus, Tomaten zu züchten, deren Schalen so platzfest sind, dass sie einen Sturz aus mehreren Metern Höhe unbeschadet überstehen, wie uns der Koch Nelson Müller im ZDF-Lebensmittelreport vor Augen führt. Den roten Tatzbällen macht die rabiate, industrielle Handhabung über Förderbänder und längere Transportwege nichts aus. Über die Sinnhaftigkeit solcher Züchtungsziele bitte ich zu diskutieren, denn sowohl empfindliche Pfirsiche als auch Eier schaffen es unbeschadet in den Supermarkt! Wenn ich die letzten Tomaten von meinen Pflanzen im späten September bis Mitte Oktober ernte, halten diese bei mir in der Speisekammer locker noch 6 Wochen. Und ein Arbeitskollege brachte kurz vor Weihnachten zu seiner Brotzeit nachgereifte eigene Freilandtomaten mit. "Long-Life" konnten unsere Tomaten schon immer! Auch mein Lehrbetrieb vor 30 Jahren bewahrte die beim Abräumen des Gewächshauses grün geernteten Tomaten in Steigen auf und brachte die nach und nach erröteten Exemplare zur Genossenschaft.

 

Trägt die Tomate zur Nutzpflanzenvielfalt bei?

Bewiesen ist, dass die Kulturtomaten, auch wenn wir heute tausende von Sorten kennen, im Vergleich mit ihren nächsten freien Verwandten genetisch verarmt sind X).

Ihre Vorfahren und wilden Verwandten sind noch überwiegend Selbstincompatibel und haben lange auf Fremdbefruchtung setzende Stempel X) . Damit wäre die Selbstbestäubung eine dem Domestikationsprozess geschuldete Degenerationserscheinung, wie die Schlappohren bei Hunden.

Trotzdem gibt es weltweit Tomatenfans, die teils rauschende Feste um ihre Beere feiern, z.B. bei La Tomatina X) genannten Tomatenschlacht in Spanien oder dem das Paradeiser-Fest 2016 in Schönbrunn: ARCHE NOAH der wohl bekannteste europäische Verein zur Erhaltung der Kulturpflanzen resümiert "Ein tolles Fest!" X) Unbestritten ist die Ausstellung von hunderten Tomatensorten beeindruckend. Allerdings trägt sie oberflächlich betrachtet kein bisschen zur Erhaltung von gefährdeten Nutzpflanzen bei: Tomatenfans gibt es weltweit und die Tomate ist derzeit die letzte Kulturpflanze die in ihrer Art oder Sortenvielfalt ausstirbt. Dafür gibt es einfach zu viele Sammler, Fans und Anbieter. Unzählige Internetseiten und Facebook-Gruppen beschäftigen sich mit den Beeren. Ganze Kochbücher und sogar Redewendungen und Songs (siehe Merker) sind nur über diese eine Frucht erdacht worden. Dabei scheren sich die meist semiprofessionellen Anbieter von Tomatensaatgut wenig um die einschlägige Gesetzgebung. Wer schaut wirklich nach, ob die Sorte in den Saatgutverkehr gebracht werden darf? Wer erhält die Sorte nach allen Regeln der Züchtungskunst? Und wo fängt der gewerbliche Anbau bzw. Vertrieb an? Da findet zum großen Teil eine recht lockere Auslegung der Saatgutgesetzgebung statt, meine ich. Rein rechtlich gesehen ist das zwar problematisch, aber moralisch betrachtet sehe ich in diesem Handeln die Möglichkeit echte Vielfalt zu bewahren und neu zu schöpfen. Aber nur, wenn wir das mit anderen Kultur- und Nutzpflanzen auch machen: Lasst uns alle Nutzpflanzen mit gleicher Freiheit vermehren!

Typen und Sortenkunde - Nomenklatur

Die Gattung wird einmal Solanum und ein andermal Lycopersicon genannt. Dem Gattungsnamen folgt als Artname lycopersicum oder esculentum.

Gemäß FloraWeb ist der aktuelle Name der Tomate Solanum lycopersicum, mit den berechtigten Synonymen Lycopersicon esculentum und Lycopersicon lycpersicum.

Sowohl das Bundessortenamt, die EU Plant variety database als auch UPOV/WIPO benutzen Solanum lycopersicum; die Rote Liste und das Handwörtebuch von Zander (2008) jedoch Lycopersicon esculentum.

ZANDER (2008 )unterscheidet zusätzlich folgende Varietäten (var.): esculentum, cerasiforme, pimpinellifolium und pyriforme.

Die Kulturtomaten werden kommerziell  nach Wuchsform, Anbaueignung, Fruchtgröße und Fruchtfarbe eingeteilt:

Es gibt endloswachsende Stab und begrenzt wachsende Buschtomatensorten.

Es wird zwischen Freiland und Gewächshauseignung unterschieden.

Die Fruchtgröße wird in durchschnittlichen Gramm angegeben. Auch die Form ob rund, dattel- oder birnenförmig spielt eine Rolle. Weitere für den Handel wichtige Attribute sind: (Mittelggroß, Rispen, Fleisch, San Marzano, Cocktail, Cherry, Datteln, Pflaumen.

Farblich weisen Tomaten ein weites Spektrum auf, von weißlich Gelb über Sonnengelb zum klassischen Rot, rosa und sogar Lilaschwarz, welche natürlicherweise X) durch einen gestörten Chlorophyllabbau und nie durch die Bildung von Anthocyanen entsteht (z.B. Black Krim).

Hinsichtlich der Verarbeitung wird zwischen Konserven- getrockneten/pulverisierten und Frischtomaten differenziert.

Auch in der Anzahl der zusammengewachsenen kammernbildende Fruchtblätter unterscheiden sich einzelne Sorten, so gibt es welche mit nur zwei und solche mit fünf und mehr Kammern.

Kreuzungsmöglichkeiten

Nahe Verwandte und mögliche Vorfahren der Gattung Solanum (respective Lycopersicon)
  • S./L. cerasiformae
  • S./L. cheesmaniae
  • S./L. chilense
  • S./L. habrochaites
  • S./L. humboldti
  • S./L. peruvianum
  • S./L. pimpinellifolium
Sorten vor 120 Jahren

'Johannisfeuer'; 'Königin der Frühen', 'Alice Roosevelt', 'Großfrüchtiger Roter', 'Courtet', 'König Humbert', 'Wunder von Italien', 'Mikado', 'Präsident Garfield', 'Triumpf des Marktes', 'Ficcarazzi'

'Großer Gelber', 'Ananas', 'Goldball', 'König Humbert', 'Lemon Blush', 'goldgelber Trophy'

Groß empfihlt für den Samenbau 50 m Entfernung zwischen Sorten. Und kennt schon weiße, pfirsichfarbene und lila Tomaten. Empfiehlt für die Samengewinnung nur am Stengel ausgereifte Früchte zu nehmen.

Sorten aus Roter Liste

'Acme'; 'Alice Roosevelt'; 'Allerfrüheste Freiland'; 'Augusta'; 'Beste von Allen'; 'Beymes Erntesegen'; 'Bides N.C.O'; 'Birnförmige gelbe'; 'Bison'; 'Bistro'; 'Blondköpfchen'; 'Blumenstrauß'; 'Bonner Beste'; 'Break o day'; 'Burbank Preserving'; 'Bymes Erntesegen'; 'Champion'; 'Colossal'; 'Columbia'; 'Comet'; 'Crimson Cushion'; 'Dänischer Export'; 'Delikatess gelbe'; 'Deutscher Fleiss'; 'Dominator'; 'Dwarf red'; 'Earliana'; 'Earliest of All'; 'Early Market'; 'Early Sunrise'; 'Erste Ernte'; 'Fanal'; 'Favorit'; 'Ficarazzi'; 'Fleischtomate'; 'Frührot'; 'Gelbe Pflaume'; 'Gelber runder kleiner'; 'Gnom'; 'Goldball'; 'Golden Perfektion'; 'Graf Zeppelin'; 'Greater Baltimore'; 'Große rote'; 'Gundula'; 'Harzer Kind'; 'Hellperle'; 'Idol'; 'Ilona'; 'Immun'; 'Impuls'; 'Islebia'; 'Isolde'; 'Johannisbeerfrüchtige rote'; 'Johannisfeuer'; 'Jubiläum'; 'Julimatador'; 'Kondine Red'; 'König der Frühen'; 'König Humbert'; 'König Humbert gelb'; 'König Humbert weiß'; 'Königin der Frühen'; 'Lemon Blush'; 'Long-keeper'; 'Lukullus'; 'Lyconorma'; 'Lycoprea'; 'Magnum Bonum'; 'Marktwunder'; 'Matador'; 'Mikado scharlachrot'; 'Money Maker'; 'Nadja'; 'Nesthäkchen'; 'New Penn State'; 'Noroton'; 'Novato'; 'Perfekta'; 'Pflaumenförmige gelbe'; 'Pflaumenförmige rote'; 'Phyra'; 'Pilot'; 'Ponderosa scharlachrot'; 'Ponderosa violettrot'; 'Potentate'; 'Präsident Garfield'; 'Pritchard'; 'Purpurkönig'; 'Radio'; 'Red Plum'; 'Renate'; 'Resista'; 'Rheinlands Ruhm'; 'Rosalind'; 'Rote frühe Zwerg'; 'San José Canner'; 'Schöne von Lothringen'; 'Sieger'; 'Sperls Zukunft'; 'Standard'; 'Stone dwarf'; 'Stonors Exhibition'; 'Stonor's M.P.'; 'Triumph'; 'Trophy scharlachrote'; 'Tuckwoods'; 'Überreich'; 'Uta'; 'Veni Vidi Vici'; 'Victory'; 'Vollendung'; 'Vortreffliche'; 'Westlandia'; 'Wunder des Marktes'; 'Yellow Cherry'; 'Yellow Plum'

Sorten für den Bioanbau 2017 von FIBL empfohlen

'Admiro F1', 'Annamay F1', 'Balee F1', 'Berner Rose', 'Conchita F1', 'Cristal F1', 'Cupido', 'Dolce Vita F1', 'Elegance F1', 'Favorita F1', 'Foronti F1', 'Honey Moon F1', 'Loreta F1

Mini Star', 'Phylovita F1', 'Portento F1', 'Robaigno F1', 'Roterna F1', 'Rugantio F1', 'Sungrape', 'Tomicia F1'

FIBL

Open-Source-Sorten

'Sunviva', 'Vivagrande', 'Vivaroma'

Sorten mit komischen Namen

'Blumenstrauß', 'Nesthäkchen', 'Deutscher Fleiß'

Sorten aus fremden Ländern für Jäger und Sammler

keine gefunden

Auslesekriterien und Saatgutgewinnung

Merkmale "alter" Tomatensorten
  • Größerer Anteil an Fremdbefruchtung durch lange Stempel
  • Reife nach und nach, nicht alle Beeren in einer Traube sind gleichzeitig reif
  • Unordentliche, mehrdimensionale Trauben bei großfrüchtigen Tomaten
  • Durchwachsen der Blütenstände, d.h. die Pflanze wächst an der Blütentraube selbst weiter
  • Reife sehr spät im Jahr, ab August September (teils auch Anbautechnik abhängig)
  • Ertrag geringer (dafür aber auch weniger hungrig nach Dünger)
  • Höherer Säure- und Solaningehalt

Schmecken können sowohl alte Sorten als auch Neuzüchtungen!

Während des vegetativen Wachstums
  • Verzweigungsfreudigkeit, bzw. Neigung zu unerwünschten Geiztrieben
  • Bätterform (Kartoffelförmig, Kleinblättrig)
  • Pilz- und Insektenanfälligkeit (Gurkenmosaikvirus, Mehltau, Fusarium, weiße Fliege, Kraut- und Knollenfäule)
  • Wachstumseigenschaften bei ungünstiger Witterung (Kälteeinbruch, Nässe)

 

Während des generativen Wachstums
  • Hitzetoleranz der Blüten, also Temperatur für Fruchtansatz
  • Toleranter Wasserhaushalt: keine Fruchtendfäule und Grünkragigkeit bei schwankender Bewässerungsintensität
  • Anzahl der Blüten pro Traube und deren Stellung in der Traube
  • Fruchtschale: Farbe und Musterung, Dicke
Nach der Ernte in Genussreife
  •  Zuckergehalt (Brix-Grad)
  • Säuregehalt
  • Solaningehalt
  • Geht der Kelch einfach ab
  • Lagerfähigkeit (Haltbarkeit: hängt mit Schalendicke und mit Reifegenen zusammen)
  • Fähigkeit Nachzureifen

 

UPOV Test Guideline

No.

44 für Kulturtomaten

294 für Tomatenunterlagen

Vorschlag für unkonventionellen Züchtungsansatz

Zulassen und Aushalten: Vielfalt durch umgelenkte Sortenkreuzungen mittels natürlicher Bestäuber provozieren, solange es schmeckt und man mit dem Ergebnis zufrieden ist.

Saatgutgewinnung ganz praktisch

Tomatensaatgut kann nass und trocken geerntet werden, damit sind die beiden gängigen Aufbereitungsarten gemeint.

  1. Samen aus der Beere ausschaben, waschen und trocknen
  2. Samen mit Fruchtfleisch einem Gärprozess unterwerfen, Gärung nach 24h bis 3 Tagen abbrechen wenn Samen zu Boden sinken und Fruchtfleisch aufschwimmt, waschen und trocknen

 

Optimale Reife zur Saatgutgewinnung:

Reife Tomatenfrüchte haben aufgehört zu wachsen und ihre endgültige Farbe ausgebildet. Im Idealfall konnten sie solange an der Pflanze reifen, bis sie weich zu werden beginnen. Bei optimaler Samenreife lässt sich die Plazenta, die Gallerte um die Samen leicht abwaschen, also mühelos so reinigen, dass sie kaum mehr kleben und sich leicht getrocknet auseinanderbröseln lassen. Den besten Zeitpunkt hat man verpasst, wenn die Samen in der Frucht zu keimen beginnen.

Anbautipps für Gärtner und Köche

  • Tomaten werden tief gepflanzt, da sie am Stengel Wurzeln (Adventivwurzeln) bilden.
  • Die 1m Tiefe tauchende Pfahlwurzel wird regelmäßig beim pikieren beschädigt.
  • Tomaten brauchen zwar Kalk, jedoch sollte dieser in der Vorsaison, also vor dem Winter eingebracht worden sein.
  • Eine im Feld gekeimte Tomate bildet eine ordentliche Pfahlwurzel aus (bei mir im Garten von selbst aufgegangene Tomaten sind immer die vitalsten und haben weniger Durst als ihre pikierten und getopften Gefährten).
  • Tomaten erst ins Freiland pflanzen, wenn die Bodentemperatur auf 14°C gestiegen ist, sonst gibt es Wachstumsstockungen.
  • Für ihr weiteres Wachstum verlangen Tomaten eine Mindesttemperatur von 10°C.
  • Wenn man geerntete Tomaten nachreifen oder aufheben möchte, dann bei mindestens 16°C , so dass sie nach und nach , fast ohne Qualitätseinbuße nachreifen können. Tomaten nie im Kühlschrank einsperren.
  • Tomaten kann es zu heiß werden, ab 35°C, setzen sie keine Blüten und damit Früchte mehr an.
  • Anstatt einen Trieb aufzuziehen kann man auch zwei Triebe aufleiten. Die Abstände zwischen den Stäben sollten dann etwas großzügiger gewählt werden.

Tipps für Erhalter

  • Ich bin in meiner Lehrzeit zwei mal wöchentlich durchs Gewächshaus geschickt worden, um an den Tomatenschnüren zu wackeln, um die Pollen auf die Narben der Blüten zu schütteln. Damals war das noch die beste Methode, die Bestäubung zu verbessern. Im Internet finden sich verrückte Anleitungen um die Bestäubung mittels elektrischer Zahnbürsten zu besorgen. Warum? Wenn es auch ohne Strom / Batterie geht?
  • Wer eine ganz besondere Tomatenpflanze hat und diese ganz sicher identisch nachzüchten möchte, kann diese auch über abgerissene Seitentriebe vegetativ (d.h. über Pfanzenorgane) vermehren. Die Seitentriebe bewurzeln wieder, wenn man diese Triebe genau so sorgfältig pflegt, wie die samenbürtigen
  • Tomatenpollen keimt am besten zwischen 18- 25°C. Gekühlt hält er bis zu drei Tagen
  • Hingegen ist die Narbe gerade mal einen Tag empfängnibereit und das am liebsten am Vormittag
  • Die Staubblätter bilden fast eine Röhre auf deren Innenseite die Staubbeutel liegen.
  • Tomatenpollen braucht eine Luftfeuchte von mindestens 60% um befruchten zu können.

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