Erfahrungen aus erster Hand aus Coras Garten

Mit drei, aus Ausfallsaatgut aufgegangenen, kümmerlichen Pflanzen, unbekannter Sorte, habe ich 2016 begonnen. Bisher kann ich keine Inzucht erkennen. Vielleicht kommt das ja noch, denn ich habe seitdem fünf Generationen jeweils aus dem Vorjahressaatgut herangezogen. Aber ich glaube, ehrlich gesagt, an die Vitalität der Tomatillo.

Pflanzen, die erst Mitte Mai im Feld aufgehen, haben immer noch gute Chancen Früchte anzusetzen. Man kann sich also mit dem Tomatillo-Anbau ruhig Zeit lassen und ja nicht bereits im März mit der Voranzucht beginnen!

Falls die Entwicklung bis zum Herbst zu wünschen übriglässt, kann man ausgewachsene, zurückgeschnittene Pflanzen im Topf überwintern. Dazu ist ein kühler, aber frostfreier, heller Ort geeignet. Man gießt nur ganz wenig, um ein Austrocknen der Blumentopferde zu verhindern.

Insgesamt sind Tomatillo sehr robust, d.h. bei mir sind sie seit 2016 gesund. In der Hinsicht sind sie eine wertvolle Alternative zu den Phytophthora-geplagten Tomaten.

Saatgutgewinnung ganz praktisch

In vielen Büchern steht, dass die Samen mit den Früchten reif werden. Ich finde allerdings, dass man solange warten sollte, bis die Früchte richtig klebrig sind. Übrigens, in unserem Klima wächst nicht jede Beere so groß, dass sie die eigene Kelchhülle sprengt. Das ist also kein sicheres Reifezeichen. Man kann gepflückte oder abgefallene Früchte zur Nachreife einfach noch einen Monat liegen lassen.

Es gibt zwei Wege an die kleinen, aber harten Samen heranzukommen:

  • Die Früchte halbieren, in einen hohen Becher geben und diesen halbvoll mit Wasser füllen: Dieses Gemisch mit einem Pürierstab durchmixen. Das funktioniert, wenn die Messer des Gerätes schon etwas stumpfer geworden sind. Jetzt mit Wasser randvoll auffüllen.
  • Oder die Früchte in Scheiben schneiden und in einem Becher mit einem Kartoffelstampfer oder einem Cocktail-Muddler (Stößl) zerdrücken. Dann erst mit Wasser randvoll auffüllen.

Die gelösten Samen sinken beide Male im Becher ab. Die Fruchtpulpe kann über den Becherrand abgekippt werden.

Man füllt solange mit Wasser auf, bis man die letzte Fruchtpulpe auf diese Weise entfernt hat.

Sinnvollerweise kippe ich die Fruchtpulpe nicht weg, sondern fange sie in einem Sieb auf, so dass ich den Vorgang wiederholen kann. Das erhöht die Saatgutausbeute.

Die so gewonnenen Samen können ohne weitere Aufbereitung getrocknet werden. Eine Fermentation (wie bei Tomaten manchmal vorgeschlagen) ist absolut unnötig.

Sie sind sehr fein, und rutschen durch die herkömmlichen Küchensiebe durch. Deswegen sollte man, wenn man das Wasser das letzte Mal abgießt, ein Puderzuckersiebe verwenden.

Dann schlägt man die Samen aus dem Sieb auf einen Kaffeefilter zum Trocknen.

Sie sind trocken, wenn sich die Verklebungen zwischen den Samen mit den Fingern einfach lösen lassen.

 

Tipps für Erhalter

  • Tomatillo verkreuzen sich gerne. In diesem Punkt sind sie also völlig anders als Tomaten. Sie besitzen sogar einen Inkompatibilitätsmechanismus (Gametophytische Selbstincompatibilität), der eine Selbstbestäubung innerhalb einer Blüte verhindert. Allerdings setzt eine einzelne Pflanze, wie ich bei mir schon beobachten konnte, durchaus Früchte an, so dass Selbstbestäubung innerhalb der Pflanze nicht ganz ausgeschlossen ist. Wenn die Selbstbestäubung ein Kulturphänomen ist, dann zeigen Tomatillo noch ihre urwüchsige Seite, im Vergleich zu den überwiegend selbstbestäubenden Tomaten.
  • Im Englischen werden die Früchte auch als " Groundcherry ", also Erdkirsche, bezeichnet. Das kommt von der natürlichen Wuchsform. Die Pflanzen verzweigen sich stark und ihre Äste neigen sich mit den Beeren zum Boden um dort die Samen zu platzieren und um an den Sprossen neue Wurzeln zu bilden.
  • Tomatillo sind auch generativ vermehrbar, da sie eben in der Lage sind an den Sprossen Adventivwurzeln zu bilden. Man kann also bei einer Pflanze Äste absenken und nach dem Wurzeln die neue Pflanze von der Mutterpflanze trennen.
  • Die robusten Tomatillo wachsen in einem weiten klimatischen Spektrum: Von Meereshöhe bis auf 2600 Metern findet man sie in den tropischen und subtropischen mittelamerikanischen Gebirgen.
  • Die radiärsymetrischen Blüten mit oberständigen Fruchtknoten können handbestäubt werden. Die Elternblüten müssen nicht manipuliert werden, indem man etwa die Pollenblätter ausreist. Man nimmt von der Vaterpflanze einfach eine komplette Blüte und streicht sie über die ausgewählte Mutterblüte. Die Mutterblüte muss im Knospenstadium schon isoliert und dann nach der Bestäubung ebenfalls für bis zu einer Woche eingetütet werden. Solange braucht es, bis der Fruchtknoten anschwillt und man den Erfolg der Bestäubung sehen kann. Da die Frucht bis zur Samenreife noch weitere zwei bis drei Monate braucht, darf ja nicht die Kennzeichnung der Frucht vergessen werden.
  • Es wäre auszuprobieren, ob die Fruchtgröße auch durch Schnitt beeinflusst werden kann. D.h. ob wenige Blüten zu größeren Früchten führen.
  • Die Blätter erinnern an unsere gelben Nachtschatten, sind aber nicht so giftig, wie dieser.
  • Tomatillo leiden im Topf gerne mal unter Eisen- und Manganmangel. Dieser sollte nicht über Zusatzdüngung, sondern über pH-Wert – Steuerung behoben werden. Der Eisenmangel kann auch durch Staunässe, aber Trockenstress induziert werden! Wer viele Pflanzen hat, der kann es sich erlauben, solche Pflanzen nicht für die Samengewinnung zu nutzen.
  • Für mein "Elitesaatgut" nehme ich die ersten Früchte der Pflanzen. Später reifende Früchte wandern in meine Küche.

Anbautipps für Gärtner und Köche

  • Tomatillo wachsen gesünder als Tomaten, sie könnten diese teilweise ersetzen, sie bilden eine ideale Grundlage für Soßen, Salsas, Tunken und Chutneys.
  • Die Früchte sind reif, wenn die aus dem Kelch gebildete Papierhülle von allein aufreißt und die Fruchthaut etwas klebrig wird. Allerdings platzt die Papierhülle nicht immer, so dass dies kein sicheres Reifemerkmal ist. Überreife Früchte fallen auch mal ab, wenn man die Pflanzen streift. Diese sind besonders süß.
  • Für mexikanische Salsas werden die Früchte unreif geerntet, da man mehr Wert auf den unreif-zitronigen Geschmack als das Süße legt. Tomatillofrüchte beinhalten ungefähr so viel Säure wie Kaffee, ihr pH liegt bei unter 4,5 und manche Sorten sind sogar so sauer wie Zitronen.
  • Für den Rohverzehr haben die Mexikaner spezielle süßere Sorten ausgelesen, die oft auch anthocyanhaltig, also lilahäutig sind. Durch das feste Fleisch lassen sie sich, wie Paprika, auf den Grill legen.
  • Tomatillo werden einjährig kultiviert, auch wenn sie ursprünglich mehrjährig und leicht verholzend sind.
  • Tomatillo lieben stark humosen Boden mit leicht saurem pH-Wert (also durchaus pH 6,5 und tiefer).
  • Wichtig ist eine gute Drainage, sowohl bei Topfkultur, als auch auf dem Beet. Dann treten garantiert keine Fäulen auf.
  • Die Pflanzen wurzeln eher flach und sind in der Lage an Trieben Adventivwurzeln zu bilden.
  • In Topfkultur durchziehen sie diesen bis zum Saisonende mit einem dichten Wurzelgefleht, welches aussieht wie das Myzel eines Pilzes.
  • Die Pflanzen stehen am besten in voller Sonne. Selbst im Hochsommer benötigen sie keine Beschattung und bekommen keinen "Sonnenbrand".
  • Die Pflanzen werfen auch bei großer Hitze ihre Blüten nicht ab. Im Gegenteil, sie fühlen sich auch in den Tropennächten (Temperatur sinkt nicht unter 25°C) wohl, so dass sie in diesem Punkt den Tomaten überlegen sind.
  • Eine gute Kaliumversorgung ist für reichlich Blüte und Fruchtansatz wichtig.
  • Meiner Erfahrung nach, können bei Topfkultur Eisenmangel-Erscheinungen auftreten. Deswegen auf den pH-Wert des Substrates achten.
  • Eine Überwinterung ausgewachsener, stark zurückgeschnittener Pflanzen im Topf in einem frostfreien Kalthaus oder hellen Treppenhaus (analog zu Geranien) ist möglich.

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