Domestikations- und Kulturgeschichte

Zahlungsmittel der Unterwelt

Als Zahlungs- und Nahrungsmittel (auch für die Toten!) wurden Vorfahren des Lauchs bereits sehr früh in Ägypten, vielleicht wirklich beim Bau der Pyramiden, wie Herodot schreibt, genutzt. Rund ums Mittelmeer findet man immer noch verwilderte und diverse kultivierte Formen des A. ampeloprasum. Ein Rezept auf einer babylonischen Tafel bestätigt die Zubereitung von Lauch mit Hammelfleisch vor 4000 Jahren.

Bei uns ist der Lauch erst ab dem frühen Mittelalter bekannt geworden. Jedoch muss er recht schnell einen Siegeszug bis nach Irland angetreten haben. Denn bereits im 7. Jahrhundert muss ein walisischer Fürst mit Namen Cadwaladr seine Mannen angewiesen haben, diese Pflanze als Erkennungszeichen mit in die Schlacht zu nehmen und im 16. Jahrhundert erwähnt Shakespeare den Lauch als Nationalpflanze der Waliser. Der Fürst wurde später umbenannt oder zumindest gleichgesetzt mit einem David, der nach seiner Heiligsprechung zum Nationalheiligen der Waliser wurde. Und so wird am 1. März, am St. Davids Day, ihm zu Ehren der Brauch, Lauch zu tragen, wiederholt. Vielleicht ist mit dem alten deutschen Namen Welschzwiebel ja wirklich mal Wales als Herkunft gemeint? Zumindest insofern, als dass die Römer den Lauch nördlich der Alpen bis nach Britannien verbreitet haben und romanisierte Kelten allgemein Welsche genannt wurden. Der wohl bekannteste Lauchesser war Nero, er bekam deshalb den Spitznamen Porrophagus. 

Im CAPITULARE DE VILLIS aus dem 8. Jahrhundert wird Lauch auf deutschen Königsgütern schon zum Anbau empfohlen.

In BASILIUS BESLERS Buch (1613) "Hortus Eystettensis" ist ein A. ampeloprasum abgebildet, der eine verdickte Zwiebel, flache breite Blätter, aber eine große Blüte trägt. Natürlich kann man nicht sehen, ob diese Blüte fruchtbare Samen hervorbringt oder steril ist. Elefantenknoblauch bildet jedenfalls keine Samen mehr, unser Gemüselauch schon und zwar an Blüten, die groß sind, meist weiß und gern besucht von Fliegen, Bienen und Hummeln aller Art.

LEONARD FUCHS beschreibt in seinem "Kräuterbuch", welches er vor ca. 480 Jahren verfasste, zweierlei Laucharten: Die bei den Römern Porrum kephalon und bei den Griechen Prason und bei ihm selbst Eschlauch genannte Pflanze entspricht in der Beschreibung vielleicht alten Gemüselauch- oder Elefantenknoblauchsorten. Er beschreibt diese weiter so, dass sie weder blüht noch samt und ebenfalls eine verdickte Zwiebel hat, aus welcher sich der Schaft erhebt. Vermehrt wird auch sein Lauch ausschließlich vegetativ, jedes Jahr neu gesteckt über die aus der Basis wachsenden Nebenzwiebeln.

FUCHS (1543) beschreibt den Lauch nicht als sehr bekömmlich! Der Lauch, den er kennt, scheint noch viel Schärfe besessen zu haben, die bei manch einem, vor allem roh und zu viel genossen, Blähungen und Bauchgrummeln bewirkte. Aber wer isst rohen Lauch schon in größeren Mengen? Er empfiehlt deshalb den Lauch mit Essig zu kochen oder mit Gerste zu vermengen. Seine harntreibende Wirkung kennt er aber schon. Aus modernen Kräuterbüchern weiß man, dass das im Lauch enthaltenes Allicin (ein enzymatisches Abbauprodukt aus der Aminosäure Alliin) bakterizid wirkt und deswegen bei wiederkehrenden Blasenentzündungen angezeigt ist.

Weitere Gesundheitsaspekte verdankt Lauch anderen Schwefelverbindungen

Durch seinen Gehalt an schwefelhaltigen Sulfoxiden (z.B. Cycloalliin) ist er bei übersäuertem Magen, Reflux und gar bei Geschwüren in Magen und Zwölffingerdarm zu verschreiben, denn er wirkt wie ein natürlicher Protonenpumpenhemmer. Ein weiteres Ätherisches Öl vom Lauch ist Allylsenföl.

Seinen speziellen Bezug zum Element Schwefel zeigt Lauch zusätzlich, durch seine Robustheit gegenüber SO2 (Schwefelsäure-Saurer Regen), diese Eigenschaft teilt er allerdings mit Gurken und Mais, welche definitiv nichts mit Zwiebelgewächsen zu tun haben (ROEBER, SCHALLER, 1985, S. 143).

Heutzutage nimmt Gemüselauch als fast ganzjährig käufliches Wurzelgemüse den 9. Platz unserer Frischgemüse ein.

Übrigens, dass Lauch für Hunde und Katzen angeblich giftig ist, stimmt nur für große und täglich zugeführte Mengen, die diese Tiere natürlich freiwillig nie fressen würden. Gegen eine gelegentliche Zufütterung von gekochtem Lauch spricht eigentlich nichts.

Erfahrungen aus erster Hand aus Coras Garten

Saatgutgewinnung ganz praktisch

Die Samen sollten erst geerntet werden, wenn sie schwarz sind und sich nicht mehr einfach zerquetschen lassen und keine "Milch" oder "Teig" mehr ausgedrückt werden kann. Der Lauch als Staude, lässt den Stängel des Blütenstandes lange Zeit nicht vollständig vertrocknen, das ist also kein Reifemerkmal! Bei sehr trockenem Wetter können reife Samen ausfallen, i.d.R. halten die einfachen Dolden jedoch die Samen lange fest. Wer sicher gehen will, der schaut mindestens alle Woche einmal nach ob einzelne reife Samenstände zu ernten sind. Am besten man schneidet sie mit Blütenschaft ab und legt sie auf ein Tablett zum Trocknen. Die kleinen Kapseln öffnen sich dann freiwillig und man muss nur die leeren Sterndolden absammeln und hat recht sauberen Samen auf dem Tablett liegen. Ggf. mit etwas Schütteln nachhelfen.

 

Anbautipps für Gärtner und Köche

  • Lauchsamen keimt nicht über 24°C. Es wäre einen Versuch wert, ihn wie Salat zu betrügen, indem man den Samen über Nacht in einen Kühlschrank legt.

  • Wenn Voranzucht, dann kleine Töpfchen wählen, 2x2cm.

  • Anschließende Pflanzung der bleistiftdicken Setzlinge 15 cm tief.

  • BECKER-DILLINGEN meint, dass große Reihenabstände zur Zwischenpflanzung von Buschbohnen oder Gurken im ersten Jahr genutzt werden könnten.

  • Direktsaat bringt gesündere Pflanzen und höhere Erträge (ist aber erst ab Herbstlauch möglich).

  • Jedoch ist die Beikrautregulierung vor allem anfangs schwieriger.

  • Lauch wächst auch auf schweren Böden, ist da nur schwerer zu ernten, bringt aber mehr Ertrag.

  • Wenn Boden zu Staunässe neigt, bietet sich die Dammkultur an.

  • Er mag keinen Moorboden, weil diese zu sehr durchfrieren. Kahlfrost ist auch nicht nach seinem Geschmack.

  • Nicht gleichzeitig mit der Pflanzung Kalk düngen.

  • P und K im Vorjahr düngen.

  • Wenn N-Kopfdüngung, dann erst spät in der Zeit wo sich die Stange sichtbar verdickt.

  • Wenn die jungen Blätter vergilben, dann kann das mit Stickstoffmangel zusammenhängen, viel eher aber mit Zwiebelfliegen-Alarm.

  • Selbst Schnecken mögen Lauch, wenn nix anders da ist, d.h. bevor sie verhungern.

  • Die Jugendphase dauert mit 2 Monaten extrem lang, in dieser Zeit ist Lauch sehr konkurrenzschwach.

  • In dieser Zeit will er oft aber flach gehackt werden oder man mulcht ihn.

  • Lauchstangen vertragen kein heißes Wetter, ab 28°C stellen sie ihr Wachstum ein.

  • Hingegen lieben sie Vollsonne, wenn es nicht zu heiß wird.

  • Viele Sorten sind winterfester als vermutet, das Absterben der äußeren Blätter schadet meist nicht, denn der Vegetationskegel sitz gut geschützt tief im Boden und kann wieder austreiben.

  • Lauch kann bei milder Winterwitterung sogar weiterwachsen.

  • Häufeln bringt nicht längere Schäfte, aber weißere. Wobei der Weißanteil auch sortenabhängig ist.

  • Häufeln birgt die Gefahr von schmutzigen Blättern.

  • Die Überwinterung fällt Lauch angehäufelt einfacher.

  • Je dunkelgrüner eine Sorte, desto frostbeständiger und desto besser geschützt gegen saugende Insekten, da das Wachs dicker.

  • Die Ernte ist den ganzen Winter bei offenem Boden möglich.

Tipps für Erhalter

  • Der Anbau im ersten Jahr erfolgt wie für Gemüselauch der entsprechenden Sorte.

  • Es gibt Früh- Sommer und Herbstformen, das geht, weil Porree nicht so sehr Licht- und Temperaturgesteuert ist wie die Zwiebel.

  • Die Vernalisation findet bei 8 – 11°C statt und dauert ca. 4 – 6 Wochen.

  • Sorten aus dem Süden schossen bei uns, d.h. sind hier einjährig (Vernalisation bereits bei höheren Temperaturen als unsere heimischen Sorten).

  • Die Schaftdicke wird von der Aussaatdichte und Pflanzdichte beeinflusst.

  • Um sortentypische Gestalt zu beurteilen, sollte Wert auf gleichförmige Setzlinge nicht über 28g, aber auch nicht unter 7g gelegt werden, bzw. bei Direktsaat dementsprechend verzogen werden.

  • Der Weißanteil wird von der Pflanztiefe mitbestimmt, d.h. man sollte sehr gleichmäßig tief pflanzen/säen.

  • Die Schaftlänge hingegen ist sortenabhängig, wie die Blattspreizungswinkel!

  • Auch eine zwiebelförmige Verdickung ist sortenabhängig und spricht für Erbmaterial aus historischen Sorten.

  • Je dunkelgrüner ein Blatt erscheint, desto dicker die Wachsschicht und desto unempfindlicher gegenüber Kälte und saugenden Insekten (Thirpse und Lauchmotten, Lauchminierfliegen).

  • Falls das Wetter nass bleibt, müssen die Stern- Dolden z.B. auf einem trockenen Wäschedachboden nachgetrocknet werden.

  • Sie können sogar noch bei Frost gedroschen werden.

  • Vermehrung über Nebenzwiebeln kann gefördert werden, indem der Blütenstand abgeschnitten wird.
    Nebenzwiebelbildung auch sortenabhängig.

  • Da Lauch auch mehrjährig wachsen kann, kommt es vor, dass vergessener Lauch im dritten Jahr Nebenzwiebeln ansetzt.

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