Sommerzwiebeln

Erfahrungen aus erster Hand aus Coras Garten

Saatgutgewinnung ganz praktisch

Bei der Zwiebel liegen zwischen der vegetativen Phase und der generativen ein oder sogar zwei Winter.

Für Samenträger wird die Zwiebel (mindestens 5 cm dick) dabei aus der Erde genommen und frostfrei aber kühl bis zur Wiederpflanzung im Frühjahr gelagert.

Die Kinderphase durchlaufen die Zwiebeln bei einer Aussaat der Samen im März. Bis zum Oktober wachsen sie auf Steckzwiebelgröße heran. So klein (1 cm dick) können sie weder durch Kälte noch durch Licht in Blühstimmung versetzt werden, könnten also bei robusten Sorten theoretisch auch im Boden belassen werden.

Im nächsten Jahr wachsen die auf dem Feld verbliebenen oder gesteckten Samenträger vegetativ weiter, um im zweiten Herbst dann als Küchenzwiebel geerntet zu werden oder im dritten Frühling nach einem sortenabhängigen Kältereiz (Temperaturen unter 10°C) den Blütenschaft zu schieben.

Zwiebelsamen sind supereinfach - und bitte bei trockenem Wetter - zu ernten (egal von welcher Art oder Sorte). Man schneidet die zu ca. 2/3 vertrockneten Samenträger ab und lässt sie in einem Papiersack oder Eimer weitertrocknen. Die Kapseln springen auf und geben die Samen frei. Notfalls drischt man die Scheindolden an der Eimerwand aus, indem man sie ausklopft. Reine Handernte führt zu großen Samenverlusten. Wenn man wartet, bis die komplette Dolde trocken ist, verliert man einige Samen durch Selbstaussaat.

Mit Sieben zwischen 1,5 und 3mm lassen sich die Samen supersauber bekommen.

Tipps für Erhalter

  • Zwiebelsamen ist nicht lange haltbar, weil er Öl haltig ist dieses ranzig werden kann. Man muss praktisch spätestens jedes zweite Jahr nachbauen. (Überaltertes Saatgut kann aber noch als Gewürz verwendet werden).

  • Samenträgerzwiebeln dürfen (im März) sehr tief gesteckt werden. Die daraus resultierende Langhalsigkeit spielt bei ihnen keine Rolle. Die dadurch bessere Standfestigkeit jedoch schon.

  • Die Zwiebel wird neben Licht, Wasserversorgung und Temperatur sehr von ihrer eigenen Entwicklung (Wachstum), sprich Größe gesteuert: so sind Steckzwiebeln (< 2cm) nicht anfällig für Frost und werden durch Kälte nicht blühwillig. Kleine Steckzwiebeln sind die qualitativ besten.
    Anders sieht das aus, wenn sie so dick geworden sind, dass man sie für die Küche ernten könnte. Bei solchen Zwiebeln sorgen kühle Temperaturen im Frühjahr (unter 10°C), knappes Wasser und die sortentypische Tageslänge für die Induktion der Blüte, d.h. sie schießen.

  • Im ersten Jahr sät (nicht steckt!) man aus wie für Gemüsezwiebeln. Eine Voranzucht mit 4 bis 6 Samen pro Presstöpfchen ist möglich, bringt aber wenig Vorteile und keine echte Verfrühung. Man kann so aber den kräftigsten Keimling, also den, der die Samenkapsel am ehesten "wegpeitscht" aussuchen.

  • Die Entnahme aus dem Feld und Lagerung im Winterquartier ermöglicht die Beurteilung hinsichtlich der sortentypischen Eigenschaften. Bei südländischen und empfindlichen Sorten ist sie zwingend.

  • Im Winterlager (luftig, dunkel und um 2°C) oder auf dem Feld verbliebene eingefrorene Zwiebeln dürfen nicht berührt werden, sie könnten Druckstellen bekommen, die dann faulen.

  • Die Zwiebelform wird mit von der Stecktiefe beeinflusst. Es gehört allerdings eine Portion Erfahrung dazu, um zu beurteilen, was noch sortentypisch und was schon anbaubedingt ist.

  • Eine moderate Stickstoffgabe im zweiten Standjahr und eine ordentliche Kaliumgabe fördert die Blütenbildung.

  • Die Anzahl der Blütenschäfte, die eine Bolle treibt, hängt ebenfalls von ihrer Größe (also Versorgungskraft) ab.

  • Während der Blüte vertragen Zwiebeln Regen, später zur Samenreife sollte der Boden trocken sein und jegliche Bewässerung eingestellt werden.

  • Die Pollen werden gleichzeitig mit der ersten Blütenöffnung früh am Morgen reif, während die Narben erst einige Tage später empfängnisbereit sind. Man kann das am Längenwachstum des Griffels erkennen, welcher über die Staubfäden hinausschauen muss.

  • Die Blüte einer Pflanze dauert bis zu einem Monat.

  • Gemäß DEPPE (2000) unterliegen Zwiebeln sehr schnell Inzuchtdepressionen. Sie meint, das passiert bereits nach 2 Generationen.

Anbautipps für Gärtner und Köche

  • Wilde Alliumarten können an ihren Naturstandorten große Bestände bilden, was darauf hindeutet, dass sie sehr wohl selbstverträglich sind. Nichts desto trotz rät man zu peinlichsten rotierenden weitgestellten Fruchtfolge, da sich im modernen Anbau viele Virus und Pilzkrankheiten im Boden anreichern (Fusarium, Alternaria, Phytophtora, Cladosporium, Yellow dwar virus (Striefigkeit), Erwinia, Echter und falscher Mehltau).

  • Gute Steckzwiebeln sind klein, im Langtag gewachsen und haben ein großes Herz (das innerste Blatt), damit sie nicht schießen.

  • Steckzwiebeln sät man gerne sehr dicht aus und vereinzelt ggf. d.h. bei sehr gutem Feldaufgang.

  • Zwiebeln dürfen nicht in erster Tracht stehen. Zwiebelfliegen werden von frischen Mist und weichem Zwiebellaub magisch angezogen. Sie sind sehr genügsam und wachsen auch in dritter Tracht sehr gut! Dann enthält ihr Laub auch garantiert kein schädliches Nitrat.

  • Zwiebeln wachsen auch auf sandigen aber humosen Böden gut. Gute Zwiebelstandorte sind solche mit einer guten Drainage.

  • Angeblich sind Zwiebeln Flachwurzler, das kann ich bei diesen trockenheitstoleranten Wasserkünstlern aber nicht ganz glauben. Vielleicht trifft das nur auf gepflanzte und gesteckte Pflanzen zu, nicht aber auf direkt gesäte.

  • Während ihres vegetativen Wachstum lieben sie warmes Regenwasser, damit sie ihr Speicherorgan gut ausbilden können. Doch wollen sie es von unten nicht ständig nass haben und sie sollten nach dem Gießen schnell abtrocknen.

  • Wer in den kühlen Morgenstunden gießt, fördert in den kühleren Übergangszeiten den falschen Mehltau.

  • Man sagt allgemein, dass Lauchzwiebeln hinsichtlich ihrer Temperaturansprüche robuster sind als Küchenzwiebeln. Die Gemüsezwiebeln sind am empfindlichsten.

  • Tierische Schädlinge (Zwiebelfliege, Zweibelminierfliege) lassen sich nicht durch Möhren vertreiben, denn unverletzte Möhren duften zu wenig. Netze über die Kultur gespannt sind da wirkungsvoller.

  • Frisch geerntet, also wenn das Laub gerade anfängt einzuziehen sind Zwiebeln am allerschärfsten. Ihren "Biß" verlieren sie nach und nach mit Reife und Lagerung.

  • Einerseits dürfte man aus diesem Grund keine gekauften Zwiebelschalen auf den eigenen Kompost schmeißen, da man ja nicht genau weiß, ob sie Krankheitskeime tragen und ob der eigene Kompost sich genügend hoch erhitzt, dass alle Krankheitserreger abgetötet werden. Anderseits ernähren sich sowohl im Kompost als auch im gesundem Boden viele Lebewesen von den Pathogenen.

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