Erfahrungen aus erster Hand aus Coras Garten

Der Winterkürbis* ist verhältnismäßig kälteverträglich, seine Früchte halten sogar leichten kurzen Frost aus und sein Laub ist nicht ganz so Mehltau-anfällig wie das von C. pepo's. Bei mir im Garten handelt es sich eigentlich immer um den echten Mehltau, der die Pflanzen ggf. zum Ende der Saison hinrafft. HEISTINGER (2010) schreibt im Handbuch Bio-Gemüse aber, dass die Pflanzen anfällig seien für falschen Mehltau.

Ich lagere die Kürbisse vor der Haustür. Bis ordentlicher Frost kommt, reifen sie dort nach und wandern dann in die Speisekammer. Wenn ich alles richtigmache und nicht zu lange warte, dann bekommt meine Lieblingssorte 'Rouge Vif d'Etampes' keine Lagerfeule. HEISTINGER meint, dass die besten Lagertemperatuen zwischen 12 und 17°C lägen. Ich finde auch nicht, dass die Sorte langweilig schmeckt! Es kann aber sein, dass meine aus Frankreich stammende Linie wirklich "besser" ist, als die hier verkauften.

*) Der Begriff "Winterkürbis" beruht auf der Verwendung der Früchte, und ist somit botanisch nicht wirklich korrekt. Jedoch sind gerade die beliebtesten C. maxima, wie 'Hokaido' und 'Rouge vif d'Etampes' haltbare, d.h. lagerfähige Winterkürbisse mit besonders robuster Schale (auch wenn diese lange weich und verzehrbar bleibt). Das 'Gegenteil' zu Winterkürbissen wären die im Sommer, meist unreif geernteten, Sommerkürbisse. Bei uns gehören die bekanntesten Sommerkürbisse, etwa die Zucchinis, zur Art C. pepo.

**) Der Begriff "Speisekürbis" geht ebenfalls auf die Verwendung und nicht die exakte Art zurück. Das 'Gegenteil' zu Speisekürbissen, wären Zierkürbisse. Oft wird davon ausgegangen, dass nur Speisekürbisse essbar wären und die Zierkübisse nicht. Hier geht es aber rein um das Aussehen, d.h. auch Zierkürbisse können bitterfrei sein und Speisekürbisse als Herbstdekoration herhalten.

Saatgutgewinnung ganz praktisch – Ernte von Hand

Man denkt immer, es sei ganz einfach aus Kürbissen Saatgut zu nehmen. Mir geht es aber darum, qualitativ hochwertiges Saatgut zu gewinnen.

Dazu gehört, dass die die Samen optimal ausgereift sind, denn Genussreife ist nicht gleich Samenreife!

Deswegen lasse ich die Ende September bis Mitte Oktober geernteten Kürbisse vor meiner Haustür mindestens bis über Allerheiligen als Deko weiterreifen. Wenn es bis Dezember keine stärkeren Fröste gibt, dann bleiben sie sogar bis dahin draußen. Durchfrieren lasse ich sie nicht.

Wenn ich dann im Winter auskerne habe ich garantiert, fette, gewölbte, also nicht eingefallene, Samen, die sich sehr einfach vom Fruchtfleisch lösen. Die Kürbisse zeigen zu dieser Zeit im Inneren schon einen Hohlraum. Das Fruchtfleisch ist sehr mehlig und mürbe, aber immer noch für eine Suppe gut.

Ich brause die Samen nur kurz ab und belasse das dünne Häutchen, welches getrocknet, wie erhitztes Pergamentpapier zerbröselt.

Saatgut muss immer von vielen Beeren geerntet werden. Kürbis hat in der Regel einen hohen Anteil an Fremdbefruchtung, dennoch ist er selbstverträglich und es kommt bei frei abgeblühten Pflanzen auch zu "Selbstungen", hierbei wird Pollen von Bienen auf die Narben derselben Pflanze übertragen. Im Qualitätsstandard für die ARCHE NOAH Saatgutvermehrung "Kürbis" wird den Erhaltern ans Herz gelegt mit mindestens 12 bis 24 Pflanzen zu arbeiten. Das entspricht einem Platzbedarf von 12 bis 24 m2 und sprengt die Verhältnisse in den meisten Hausgärten.

Mir gelingt es seit Jahren meinen aus Frankreich mitgenommenen 'Rouge vif d'Etampes' zu erhalten, indem ich nur 3 bis 4 Pflanzen anbaue, die Bestäubung per Hand zwischen den Pflanzen übernehme und die Samen dann getrennt pro Pflanze ernte.

Bei der nächsten Aussaat achte ich darauf, dass ich die Samen von verschiedenen Pflanzen aussäe, die besonders fett sind. Wenn ich genügend Platz habe, dann nehme ich Saatgut von zwei Jahrgängen. Bisher klappt's. Wann das ganze aufgrund von Inzucht kippt, kann mir keiner sagen. Auch die Angaben von Arche Noah mit "12 bis 24 Pflanzen" sind sehr ungenau. Notfalls werde ich irgendwann mal frisches Saatgut aus anderer Quelle der gleichen Sorte, nach Möglichkeit aus Frankreich (Vilmorin), kaufen müssen.

"Mein" Roter aus Etampes hat nämlich einen recht ausgeprägten grünen Fleck um den Popo (Fruchtunterseite), was die hier erhältlichen Linien nicht haben. Angeblich war 'Rouge Vif D' Etampes der in den 1880iger Jahren in Paris meistverkaufte Kürbis X). Seine Schale ist so weich, wie die von Hokkaidos und trotzdem hält er monatelang. In Amerika wird diese Sorte als Heirloom, also als "Alte Sorte" gehandelt. Sie soll das Vorbild für Cinderellas, des amerikanischen Aschenputtels, Kusche sein.

Anbautipps für Gärtner und Köche

Mit reichlich Wasser und viel Dung, da wachs ich mit Begeisterung! (Quelle: KOEHLER, 1952: Das praktische Gartenbuch)

  • Es gibt die Strategie so früh wie möglich anzufangen (sprich im April bereits auszusäen). Dieser Strategie folge ich nicht. Ich sähe lieber direkt aus und zwar nach den Eisheiligen.
  • Cucurbita-Samen kann man zwar flach auslegen, stecken, mit der Spitze voran ist aber physiologisch richtiger, denn die Keimwurzel durchbricht die Samenschale an der spitzen Stelle, wo der Samen am Nabel hing.
  • Kürbisse (als auch Zucchini) sind nicht so empfindlich wie Gurken. Es gibt aber sehr große Sortenunterschiede.
  • Der Wasserbedarf richtet sich vor allem nach der Größe der Früchte: Je größer und desto mehr geerntet wird, desto anspruchsvoller ist die Wasserversorgung. Sie sind mit ihrem Wurzelwerk aber in der Lage, es sich aus mehreren Metern Tiefe zu holen, zumindest, wenn sie direkt gesät wurden und damit ihr natürliches Wurzelsystem haben ausbilden dürfen.
  • Die Anzahl der Früchte hängt ab von der Ernte, je mehr und je jünger beziehungsweise unreifer geerntet wird, desto mehr neue Früchte werden angesetzt. Da man die meisten großen Kürbisse aber eher wirklich ausgereift verzehrt, sollte man mit wenigen vollreifen Früchten zufrieden sein.
  • Kürbisse können auch bis hoch in Obstbäume oder über Sträucher ranken, wenn man ihnen ein bisschen die Wuchsrichtung vorgibt; das heißt die Ranken in eine Astgabel hineinhebt. Ihre rankenden Triebe werden dabei bis zu 10 Meter lang. Das sieht dann im Herbst sehr hübsch aus.
  • Kürbispflanzen sterben ab, wenn ihre Früchte im Herbst richtig reif sind.
  • Es ist eine besondere Kunst innerhalb der kurzen Sommerzeit Preisgewinnende Schwergewichte zu ziehen.
  • Mit der Reife wird die Schale härter und widerstandsfähiger. Je fester die Schale ist, desto besser halten sie im Winterlager. I.d.R. lässt sich die Schale nicht mehr mit dem Fingernagel ritzen. Bei guter Lagerung – das heißt optimaler Weise um die 12 °C – bis zu sechs Monate. Aber auch hinsichtlich der Ausprägung der Schale gibt es große Sortenunterschiede ('Hokkaido' bis 'Gelber Zentner')

Tipps für Erhalter

Ein Verweis auf die sehr gute Anleitung von Dreschflegelerhalter und Autor Jens Eichler sei erlaubt Kapitel Selektion in Samenbau: Kürbis und Zucchini.

  • Es ist sehr wichtig mit Samen von verschiedenen Pflanzen zu arbeiten, insbesondere, wenn man nur wenige Pflanzen vermehren konnte, d.h. die Samen getrennt nach Pflanzen aufheben!
  • Bereits bei der Inspektion des Fruchtknotens der weiblichen Blüten vor der Befruchtung kann der Experte erkennen, ob die Sorte sortenrein ist.
  • Weibliche Blüten werden durch das Pflanzenhormon Äthylen, welches im Stängel gebildet wird, gefördert (Horticultureandsoilscience-wiki).
  • Allerdings verhindert der Fruchtansatz, den Ansatz weiterer weiblicher Blüten (das nennt man Erste-Frucht-Dominanz).
  • Ideal wäre es zur Samengewinnung, höchstens zwei Kürbisse pro Pflanze zu belassen und alle weiteren als Blüte oder sehr, sehr jung zu verspeisen.
  • Auf Stroh oder Holzwolle kann man die Beere zur Nachreife optimal lagern. Sie wird dann garantiert lange Zeit nicht faulig. Alternativ kann man auch einen Backstein oder ein Holzbrettchen nehmen.
  • Die Reife der Beere ist erreicht, wenn sie von der Pflanze nicht mehr versorgt wird; das heißt, wenn der Fruchtstiel korkig und trocken wird. Oft wird als Reifemerkmal die Samenschale herangezogen. Diese wird bei vielen Sorten sehr hart, nicht mehr mit dem Fingernagel ritz bar. Allerdings haben wir Sorten gezüchtet, die ihre weichen Schalen behalten, wie etwa die Hokkaido-Kürbisse.
  • Da in unserer modernen Landwirtschaft oft nur eine einzige bevorzugte Sorte angebaut wird, besteht auch bei dem auf dem Wochenmarkt erstandenen Hokkaido eine hohe Wahrscheinlichkeit, wieder einen Hokkaido-Typ nachbauen zu können. Zudem sind typische Gemüsefelder oft weit entfernt von sortenreichen Hobbygärten, ein Verkreuzen ist somit unwahrscheinlicher. Allerdings kann es natürlich sein, dass man eine Hybridfrucht ('Zora' F1, 'Orange Summer' F1, 'Flexi Kuri' F1) eingekauft hat. Aber ehrlich, warum nicht einfach mal sehen, was da rauskommt?

 

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