Das einstige Fruchtbarkeitssymbol zur Jungfernfrüchtigkeit verdammt

Cucumis Bio aber KZ Gurke

Bio aber doch eben Gewächshausgurken mit Plastikeinsatz

Die Gurken haben in ihren länglichen Beeren sehr viele Samenansätze. Bis zu 500 Samen können es pro Frucht sein. Diese dürfen sie auch bei älteren Sorten ansetzen. Allerdings macht es nicht besonders Spaß auf die vielen Samen im Salat zu beißen, so dass die Menschen auf die Idee gekommen sind, Gurken ohne Samen zu produzieren. Dies haben sie auf zwei Wegen erreicht:
1. Regelmäßiges, d.h. tägliches Abzupfen der männlichen Blüten, und zwar sobald diese als solche zu erkennen sind (das wurde früher tatsächlich praktiziert!).
2. Man hat Sorten gezüchtet, die nur noch weibliche Blüten hervorbringen, d.h. überwiegend weiblich sind.

Aber wie können die rein weiblichen Sorten überhaupt noch Samen für die nächste Generation bilden?

Das funktioniert mit einer chemischen Geschlechtsumwandlung, denn wenn auf die weiblichen Blütenanalgen das Salz Silbernitrat und Gibberiline (man könnte also sagen, dass männliche Geschlechtshormon der Pflanzen) gesprüht wird, dann entwickeln sich Staubblätter mit Pollen. Der Nachwuchs von solch traktierten Gurken ist allerdings wieder rein weiblich so dass immer wieder chemisch nachgeholfen werden muss.

Wie gut dass solche Methoden im ökologischen Landbau verpönt sind, denn letztlich wird die Pflanze um ihre Geschlechtlichkeit betrogen. Allerdings brauchen auch die Bio-Erwerbsgärtner sogenannte jungfernfrüchtige Sorten und deswegen gibt es unter den alternativen Züchtern einige Sorten mit diesem Merkmal (z.B. 'Helena' von Kultursaat e.V.). Die Jungfernfrüchtigkeit hat noch einen Vorteil, solche Beeren sind garantiert weniger bitter, denn die Produktion von Bitterstoffen wird erst nach einer Befruchtung in Gang gesetzt.

Generell sind an der Bitterkeit mehrere Gene beteiligt, diese können in der Pflanze weiter vorhanden, aber inaktiv geschaltet sein.

Über den Ursprung der Gurke findet man unterschiedliche Angaben, die Mehrzahl der Forscher sagt, sie kämen aus Indien, die anderen vermuten ihre Heimat auf dem afrikanischen Kontinent, weil es dort Gurken mit der gleichen Anzahl von Chromosomen wie C. sativus gibt. Ob die Ägypter auch eine afrikanische Gurkenart oder nur C. melo vor 3000 Jahren kultivierten, ist nicht ganz klar. Körber-Grohne (S.304) schreibt, dass 9000 Jahre alte Gurkensamen in den Ruinen von Nimrud in der Nähe von Mossul im Irak ausgegraben wurden.

In das kalte Europa nördlich der Alpen kam die Gurke vielleicht ein erstes Mal um Christi Geburt mit dem Römer, Kaiser Tiberius, dessen Lieblingsgemüse sie war. Zumindest wäre es möglich, dass dieser die Gurke auf seinen Eroberungszügen nach Germanien und auf den Balkan mitgenommen hat. Möglicherweise haben auch die Slawen sie 500 Jahre später (ein weiteres Mal?/vielleicht bekamen sie von Tiberius Gurken auf dem Balkan überreicht), bei dem Ereignis, das man historisch nicht ganz korrekt Völkerwanderung nennt, verbreitet. Nach Körber-Grohne (S. 306) liebten die slawischen Völker (Polen, Tschechen, Wenden etc.) schon immer die milchsauer vergorenen kühlenden Früchte. In Krakau wurden Samen aus dem Jahr 650 gefunden. Auch das Capitulare de Villis (800) führt sie auf.

Richtig beliebt wurden Gurken erst ab dem 16. Jahrhundert. Seit dem fehlen sie in keinem Kräuterbuch mehr, so sagt Fuchs, dass die 'gemeine' Gurke um Nürnberg herum angebaut wird.

In die berühmteste Gurkenregion, den Spreewald gelangten die Gurken allerdings über einen Umweg, denn Flamen brachten die Samen im 17. Jhd. mit in die Region um Lübbenau. Heute kann man sich diese jüngere Gurkengeschichte im Gurkenmuseum in Lübbenau erklären lassen. Jedenfalls waren die dunklen sich schnell erwärmenden Torfböden für die Gurkenkultur ideal.

Cucumis Reife Zitronengurken

Samenreife Zitronengurken

Für mich sind Essiggurken etwas typisch Fränkisches, denn ich habe noch erlebt, wie wichtig es für die fränkischen Hausfrauen war, ihre eigenen Gurken einzuwecken, obwohl schon damals das Glas aus dem Supermarkt wesentlich preiswerter war. Manchmal etwas zu weich gekocht, schmeckten sie dank hauseigener Rezepturen doch meist köstlich. Und ohne sie ist ein Brotzeitteller auf dem Keller (wie man in Franken zum Biergarten sagt) nicht denkbar.

Um Nürnberg herum werden keine größeren Mengen Gurken mehr angebaut, dafür kommt jetzt der Gurkenflieger (Erntegerät, auf welchem die Erntehelfer liegen) auf den fruchtbaren Gäuböden Niederbayerns zum Einsatz.

 Vielleicht erinnert sich der ein oder andere noch an Schlangengurken von früher. Da war grundsätzlich das schmale Gurkenstück nahe des Stiels bitter. Was machte man? Man schnitt den Ansatz großzügig weg.

Bitterstoffe an sich regen übrigens allgemein unsere Verdauung an, wirken also positiv auf unsere Entgiftungsprozesse indem sie die Lebertätigkeit anregen. Darüber hinaus stimulieren sie unser Immunsystem, also unsere Abwehr gegen Krankheitserreger oder gar Krebszellen.

Und Gemüsegärtner, die noch ihr eigenes Einleggurkensaatgut genommen haben, können sich vielleicht noch daran erinnern, dass man nur die Samen aus Gurken herausschöpfte, deren Fruchtfleisch beim Geschmackstest nicht bitter war. Das Gleiche gilt für Zucchini und Kürbisse.

Daneben haben Gurken aufgrund ihres Kaliumgehaltes einen positiven Einfluss auf den menschlichen Blutdruck, denn nur mit einer ausreichenden Kaliumversorgung ist dieser normal.

Typen und Sortenkunde

Kreuzungsmöglichkeiten

Vorfahr bzw. lebender nächster Verwandter von C. sativus sind C. hystrix und C. hardwickii, letzterer wird auch als ein Kulturflüchtling betrachtet. Zumindest kreuzt er sich mit C. sativus.

Gurken werden einerseits nach ihrer Herkunft, andererseits nach der Verwendungsart und oder nach ihren Wachstumscharakteristika unterschieden, in:

  1. Endlich und endlos wachsende Typen.
  2. Parthenokarpe und samenbildende Sorten.
  3. Anbauort: Glas-, Kasten- und Treibhausgurken im Gegensatz zu Land- oder Feldgurken
  4. Verwendungsart: Salat-, Treib- Schäl- oder Schlangengurke im Gegensatz zu Einleggurken mit Sorten welche als Essig-, Senfgurken oder als Cornichons verarbeitet werden.
  5. Nach ihrer Form in längliche und in runde Gurken, welche in den USA bekannter sind als bei uns.
  6. Nach ihrer Herkunft: Indische Netzgurken, Sikkim-Gurke (wird teils als Sorte, als Gruppe oder gar eigene Art behandelt: C. sativus sikkimensis),
    China Gurken (Gruppe Xishuangbannesis; syn. C. sativus var. xishuangbannesis) und
    anguria, welche sicher aus Afrika stammt und in Russland für Mixed Pickles angebaut wird.

Kreuzungen mit C. melo oder C. lanatus sind nicht beschrieben worden, man kann also davon ausgehen, dass man Melonen und Gurken nebeneinander anbauen darf. Anbei eine Tabelle über beschriebene Kreuzungen (x) und wahrscheinlich mögliche (?):Cucumis Kreuzungsmoeglichkeiten

Sorten vor 120 Jahren

'Alt-Reichskanzler'; 'Bisenzer (mährische) Salzgurke'; 'Bismarck'; 'Borowskis Traubengurke'; 'Delfter Weiße'; 'Delikateß'; 'Deutscher Sieger'; 'Erfurter Grüne'; 'Erfurter lange Weiße'; 'Französiche lange Weiße'; 'Französische Trauben'; 'Goliath'; 'Grüne Trauben'; 'Hampels Juwel'; Hampels verbesserte Mistbeetgurke'; 'Hampels verbesserte Treibgurke'; 'Japanische Klettergurke'; 'Königsdörfer'; 'Muroms Traubengurke'; 'Naunburger Lange'; 'Noas Treibgurke'; 'Paragon'; 'Persische Traubengurke'; 'Schwanenhals'; 'Telegraph'; 'Unikum'; 'Walzengurke von Athen'; 'Weiße Pariser'; 'Weiße Trauben'; 'Zitronengurke gelb'

Sorten aus Roter Liste

'Arnstädter grüne Riesen-Schlangen-Gurke'; 'Berliner Aal'; 'Beste von Allen'; 'Bismarck'; Boda; Conqueror; 'Cool and Crisp'; 'Deutsche Schlangen'; 'Deutsche Sieger'; 'Deutsche Trauben'; Dickfleischige Gelbe; Dukara; 'Erfurter Ausstellungsgurke'; Fleckenlose; Grazer Essig; 'Grochlitzer lange'; Grochlitzer mittellange'; 'Hampels Treibhaus-Gurke'; 'Hoffmanns Domina'; 'Hunderup'; 'Japanische Klettergurke'; Königsdörffer's Unermüdliche; 'Konkurrent'; Lusia; 'Mittellange grüne'; 'Mittellange grüne volltragende'; 'Mittellange volltragende'; 'Mittellange volltragende (Erfurter und Liegnitzer Typ)'; Modell; 'Noa's Treib'; Pixi; Produkta; 'Reform'; 'Riesen Schälgurke'; 'Rochford's Market'; 'Russische Trauben'; Rytow's Zimmer-Gurke; Salgu; 'Spiers'; 'Spotresisting'; 'Torpedo'; 'Trauben Venloer'; 'Triumph'; 'Volltreffer'; 'Wusena'

Sorten für den Bioanbau 2017 von FIBL empfohlen

'Addison' F1; 'Cadence' F1; 'Corinto' F1; 'Diamant' F1; 'Galaxy' F1; 'Kasshib' F1; 'Kenia' F1; 'Meresto' F1; 'Pradera' F1; 'Profi' F1; 'Quarto' F1; 'Solverde' F1; 'Torreon' F1; 'Verdon' F1

Open-Source-Sorten

leider keine bekannt

Sorten mit komischen Namen

'Zitronengurke', die so gar nichts mit Zitronen zu tun hat und auch nicht sauer schmeckt.

Sorten aus fremden Ländern für Jäger und Sammler

keine gefunden

Auslesekriterien und Saatgutgewinnung

Während des vegetativen Wachstums
  • Rankenbildung (pro Blattachsel jeweils eine einfingrige Ranke)
  • Widerstandsfähigkeit gegen Witterungseinbrüche
  • Charakteristischer Wuchs
Während des generativen Wachstums
  • Verhältnis von männlichen zu weiblichen Blüten
  • Zahl der Fruchtblätter (3 oder 5)
Nach der Ernte in Genussreife
  • Fruchtform: glatt, gerieft, stachelig, warzig, länglich, rund (nur wenn sie frei wachsen kann, d.h. nicht aufliegt)
  • Fruchtfarbe: grün, gelb, gestreift
  • Beschaffenheit der Fruchthaut zur Genussreife: ledrig, hart, weich
  • Farbe der Nähte der Früchte
  • Bestimmung des Erntefensters und der Lagerfähigkeit
  • Konsistenz –Biss
  • Bitterstoffbildung im Fruchtansatz oder ganzer Frucht
UPOV Test Guideline

No. 61

Vorschlag für unkonventionellen Züchtungsansatz

Mit der Zeit werden neu angesetzte Gurkenblätter immer definierter, d.h. spitziger, was auf einen qualitativen Unterschied aufgrund des Alters schließen lässt. Ob sich diese wie immer geartete Wirkung auch in später angesetzten Früchten positiv ausprägt, wäre zu beobachten.
Auch das Geschlecht der Blüten wird wohl mit von dem Grad der Verzweigung beeinflusst, denn weibliche Blüten sitzen gerne an Trieben höherer Ordnung. Das könnte darauf hindeuten, dass in diesen Zweigen die Gibberilinkonzentration zurückgeht. Vielleicht tendieren ja Samen aus Gurken von Trieben höherer Ordnung wiederum zu mehr weiblichen Blüten. Auch das wäre zu ergründen.

Saatgutgewinnung ganz praktisch

Erst wenn sich die gallertartige Plazenta leicht vom eigentlichen Samen löst, sind Gurkensamen wirklich reif. Von außen erkennt man das am Farbumschlag der Gurkenschale. Diese wird je nach Sorte weiß, gelb, orange oder braun. Zur Sicherheit kann man Gurkenfrüchte noch monatelang in der Speisekammer oder im kühlen, frostfreien Keller aufbewahren und erst dann aufschneiden, wenn man im Winter Zeit dafür hat. Der Rest ist einfach: Mit einem Löffel schabt man die Samen aus in ein Sieb. Dann walkt man händisch die Masse gegen das Sieb um die Gallerten zu lösen. Anschließend füllt man den "Batz" in eine Schüssel und gießt mit Wasser auf. Jetzt sollten die Plazentas oben auf schwimmen und die Samen zu Boden sinken. Die Plazentas kippt man ab. Ggf. Vorgang mehrfach wiederholen, bis keine Plazentas mehr zu sehen sind. Den Samen dann abfiltern und zum Trocknen legen.

Cucumis Gurkensamenernte

Samen auskratzen

Gurkensamenernte Reinigung

Reinigung der Gurkensamen

Cucumis Gurkensamen zum Trocknen in Kaffeefilterpapier

Samen zum Trocknen auf Filterpapier

 

Anbautipps für Gärtner und Köche

 

Cucumis Geburt einer Gurke

Geburt einer Gurke

Cucumis Keimblatt

Keimblatt und ein Laubblatt - Reif für's Auspflanzen

Cucumis Ranke

Junge Gurkenranke

Ө  Der Anbau von Gurken setzt viel Wärme voraus, d.h. am besten schafft man für sie im Garten "Weinbauklima"(siehe dazu Kasten Seite….) oder man baut von vornherein in Kästen und Gewächshäuser. Feldgurken werden gerne auf den sich schnell erwärmenden Sandböden angebaut, wenn die Lagen gleichzeitig windgeschützt sind. Auch dunkler Boden oder schwarze Mulchpapiere erhöhen die Bodentemperaturen.

Ө  Sie lieben trockene und heiße Sommer: Wenn andere Gemüse aufgrund der Hitze ihr Wachstum einstellen, da gedeihen sie noch fröhlich. In der Literatur findet man Angaben dass es ihnen noch bis 40°C gut geht. In guten Gewächshäusern erreicht es trotz Lüftung im Sommer noch heißere Temperaturen.

Ө  Sie lieben gut ausgereiften Kompost und Mulch zur Abdeckung ihrer weitstreifenden, flach nach Nährstoffen suchenden Wurzeln. Wenn die Gurken aus den Gewächshäusern geräumt wurden, habe ich meterlange Wurzeln aus dem Boden gezogen).

Ө  Gurken haben eine sehr kurze Voranzuchtdauer, d.h. man sät sie eine Woche vor Pflanzung aus! Nur Anfänger säeen sie zur gleichen Zeit wie ihre Tomaten aus!

Ө  Gurken sollten auch bei Voranzucht nicht pikiert werden, denn damit würde man die sich am Stengelhals bildenden Adventivwurzeln verletzen. Stattdessen legt man zwei Samen in ein Töpfchen und köpft den schlechteren Keimling. Die Gurken sind fertig zum Auspflanzen, wenn sie ihre Keimblätter und ein bis zwei zusätzliche Blätter zeigen. Sie sollten sehr tief gepflanzt werden, so, dass ihre Keimblätter auf dem Boden liegen, dann bilden sie weitere Adventivwurzeln. Der Boden sollte sich tagsüber dann schon auf 20°C erwärmen können.

Ө  Eine Direktsaat von (Feld-) Gurken sollte erst erfolgen, wenn sich der Boden dauerhaft auf 14°C erwärmt hat, hat. Die Samen werden sehr tief (5 cm) abgelegt. Wenn Erdflöhe die Keimlinge heimsuchen, dann ist von der Direktsaat abzusehen und das Pflanzen von kräftigen Jungpflanzen zu bevorzugen. Inkrustierters oder pilliertes Saatgut bildet einen gewissen Schutz, wird aber hauptsächlich wegen der besseren Dosierbarkeit verwendet.

Ө  Im Erwerbsbau ist die Vliesabdeckung üblich, da sie Gemüseernten bereits ab Mitte Juni ermöglicht. Ab Juli fliegt der Gurkenflieger dann 3x wöchentlich über die Felder.

Ө  Man kann Gurkenpflanzen auch veredeln. Als Unterlage kann man C. moschata, C. pepo, C. ficifolia verwenden. Allerdings würde ich dies nicht bei Pflanzen betreiben von denen ich Saatgut ernten möchte, da ich annehme, dass dies einen qualitativen Einfluss auf das Saatgut hat.

Ө  Alle Gurken bilden Seitentriebe, wenn man sie lässt nur ist das bei Glaushausgurken unerwünscht, da bricht man sie aus. Bei Feldgurken hingegen, fördert man die Seitentriebbildung indem man die Pflanzen nach dem 6. Laubblatt entspitzt.

Ө  Gurken stellen hohe Ansprüche an ein gutes Düngemanagement. Sie brauchen viel Kalium für ihren Wasserhaushalt, dieses darf ihnen aber nicht als chloridhaltiger Dünger (KCl) zugeführt werden.

Ө  Die Feldgurken danken eine stickstoffarme, kalium- und phosphorbetonte Kopfdüngung, insbesondere nach Starkregen.

Ө  Vor allem zur Fruchtreife brauchen alle Gurken viel Wasser. Im Haus gießt man idealerweise regelmäßig (der Boden soll nie austrocknen) mit lauwarmen weichem Wasser und verschafft ihnen hohe Luftfeuchtigkeit oder sprüht und nebelt sogar.

Ө  Eine Gewächshausgurke kann innerhalb von 2 Wochen 400 g schwer werden, wenn sie sich nicht auf die Samenproduktion konzentrieren muss, d.h. parthenokarp ist.

Ө  Aus meiner Gärtnerzeit weiß ich noch, dass die Hausgurken gerne beschattet werden, insbesondere wenn sie gesprüht wurden und dann die Sonne scharf brannte.

Ө  Allgemein heißt es im Gartenbau zwar, dass einmal hacken einmal gießen erspart, für die flachwurzelnden Gurken empfehle ich jedoch lieber zu gießen als zu hacken und eben zu mulchen.

Ө  Die Gemüseernte muss bis Mitte August im Freiland abgeschlossen sein, weil dann die Nächte wieder kühler werden und der Mehltau über die Pflanzen herfällt. Feldgurken setzt man deswegen auch gerne, wie Erdbeeren auf Stroh.

Ө  Man kann Feldgurken für Salate nutzen und umgekehrt sehr junge Schlangengurken einmachen (besonders lecker als Senfgurken).

Ө  Die Samen sind wie bei Kürbissen essbar und es gibt andernorts Sorten, wo sogar Öl aus ihnen gewonnen wird.

Ө  Gurken können Nitrate nicht speichern, sind also durch ihr basisches Fruchtfleisch ein wahrer Jungbrunnen.

Ө  Ihr typischer Geruch, den manche so sehr lieben geht auf einen Stoff zurück, der auch in Duftveilchen enthalten ist: Chemisch heißt er Nonadienol ((3Z,6Z)-3,6-Nonadien-1-ol. 

Tipps für Erhalter

Cucumis Farbumschlag Vorgebirgstrauben

Farbumschlag bei Vorgebirgstrauben

Cucumis Blueten

Männliche Gurkenblüten

Ө  Eine besonders wertvolle Pflanze ist auch vegetativ durch Stecklingsvermehrung erhaltbar, dazu werden Triebe abgeschnitten, die in der Lage sind Adventivwurzeln zu bilden.

Ө  Normale, d.h. nicht parthenokarpe Gruken setzen anfänglich männliche Blüten an. Die männlichen Blüten werden ausgerechnet von Langtagsbedingungen in unserem Sommer noch gefördert. (Ganz extrem zeigt dieses Verhalten die Inkagurke, die zu einer anderen Gattung der Kürbisgewächse gehört).
Ө  Es wäre auszuprobieren, ob sich Gurken nicht durch verlängertes nächtliches Abdecken und damit Verkürzung des Tages (wie bei Weihnachtssternen) in Blühstimmung versetzen lassen. Technisch parktikabel wäre dies bei wenigen Quadrametergroßen Beständen von Feldgurken oder in Gewächshäusern, mit Beschattungs/Verdunkelungsmöglichkeiten.

Ө  Die Blüte beginnt erst, wenn die Nächte über 15°C warm sind, d.h. sie ist zusätzlich Temperaturgesteuert.

Ө  Selbstbestäubung kommt bei Gurken zwar hin und wieder vor, sollte aber nicht noch durch den Anbau weniger Pflanzen und Gewächshauskultur ohne Bestäuber gefördert werden.

Ө  Die Reife des Pollens erkennt man an seiner dunkelgelben Farbe. Er keimt am besten bei Temperaturen zwischen 24° und 30°C. Ab 35°C findet kaum noch eine Befruchtung statt.

Ө  Für die Saatgutgewinnung lässt man pro Pflanze nur einen Bruchteil der Früchte (4 – 5) ausreifen. Wobei ja hinsichtlich Gemüseernte schon ein gewisser Kompromiss gefunden werden kann, z.B. indem man Babygürkchen für Pickels erntet. Die Gurke schafft es von der Blüte bis zur Samenreife in gerad mal 8 Wochen.

Ө  Die Samenernte beginnt im Idealfall erst dann, wenn der Fruchtstiel anfängt trocken zu werden und die Frucht sich natürlich abnabelt. Eine Nachreife der Früchte ist aber problemlos über 4 – 6 Woche im Haus möglich, da die Früchte selbst monatelang haltbar sind.

Ө  Allgemein ist die Samenreife auch am Farbumschlag der Früchte zu erkennen, z.B. werden sie sortenabhängig weißlich, gelblich oder sogar bräunlich. Ob man die optimale Reife erkannt hat, sieht man nach dem Öffnen der Frucht, wenn sich das Plazentagewebe einfach mechanisch abtrennen lässt.

Ө  Zur Samenernte werden die Früchte aufgeschnitten und mit einem Löffel ausgestrichen.
Die Samen gehen nicht kaputt, wenn man sie mit Wasser aufgießt und mit einem Mixer mit stumpfen Messern kurz durchquirlt. Der gute Samen sinkt im Gefäß nach unten und Plazentas und hole Samen können abgegossen werden. Allerdings schwimmen fette Samen auch, wenn sie noch in der Plazenta stecken!

Ө  Anschließend wird nochmal in einem Sieb gespült. Wem dann der Samen noch immer zu sehr klebt, kann dieser vorsichtig mit Sand abgerieben werden, dazu wird Samen und Sand in einer Schüssel geschwenkt und anschließend wieder durch sieben getrennt.

Ө  Um die Plazentas von den Samen zu lösen kann man auch die Nassaufbereitung wählen, dazu lässt man den Samen mit Wasser ggf. unter Zusätzen von Chemikalien oder Mist (Tipp von Becker-Dillingen) gären. Die Empfehlungen aus verschiedenen Büchern gehen von "nicht länger als 24 Stunden" bis zu einer Woche Gärdauer. Meiner Erfahrung nach ist dieser Aufwand überhaupt nicht nötig, wenn die Früchte wirklich samenreif sind.

Ө  Man kann die Plazentas auch belassen und mit Samen einzeln auf Toilettenpapier aufkleben. Die zuckerhaltige Plazenta fördert sogar später den Bodenschluss. Allerdings ist diese Methode nur für winzig kleine Mengen praktikabel.

Ө  Wenn man die weiße Farbe der Samen erhalten will, trocknet man sie in milder Sonne. Sie vertragen bis 40°C beim Trocknen.