Erfahrungen aus erster Hand aus Coras Garten

Fexergewinnung ganz praktisch

Da Meerrettich keine Samen mehr bildet, obwohl er blüht, beginnt und endet seine Vermehrung mit den Fechsern. Beim Meerrettich sind das die kräftigeren Seitenwurzeln, die hauptsächlich am »Fuß« der alten Stange, aber auch an ihrer »Schulter« entspringen. Man versucht bei der regulären Meerrettichernte im Herbst, möglichst kräftige, mindestens 30 Zentimeter lange Seitentriebe – eben Fechser – zu gewinnen. Um oben und unten nicht zu verwechseln, schneidet man an der Mutterpflanze gerade ab und versieht die Spitze mit einem schrägen Schnitt, wobei die dünne Wurzel insgesamt 30 bis 40 Zentimeter lang ist.

Profis heben die Fechser bis zur Pflanzung im zeitigen Frühjahr gebündelt im kühlen Keller oder in Sand eingeschlagen auf. Den Fechsern macht ein Frost nichts aus, im Gegenteil, bei minus 1 °C bleiben sie circa acht Monate lang gesund. Die Fechser werden dann sehr schräg in den Boden gelegt, sodass ihre Schulter nur zu 5 Zentimeter und ihre Spitzen zu circa 15 Zentimeter mit Erde bedeckt sind.

Wer schönen Meerrettich, das heißt dicke Stangen, für die Küche ernten will, für den beginnt jetzt die eigentliche Arbeit. Denn im Juni werden die Fechser komplett freigelegt und die kleinen neuen Seitenwurzeln durch Abreiben mit der Hand entfernt. Nur an der Schulter und an der Spitze belässt man die Wurzeln, damit die Pflanze weiterwachsen kann.

Sie sollten sich nicht wundern, wenn die zukünftigen Stangen noch hauchdünn sind, denn das eigentliche Dickenwachstum beginnt erst, wenn die Tage wieder deutlich kürzer werden, also im September. Mit der Küchenernte sollte man noch so lange warten, bis die Pflanzen von selbst einzuziehen beginnen; das heißt, bis das Laub gelb wird. Dann erst fängt die Ernte der Stangen und die Gewinnung von neuen Fechsern für die kommende Saison an.

Tipps für Erhalter

  • Ohne Samen ist eine Auslese auf Merkmale sehr schwierig. Irgendwie haben sich aber dennoch schärfere und auch bitterere Herkünfte gebildet. Vielleicht gelingt ja einem Hobbyzüchter das kleine Wunder, und er bringt seine Pflanzen nicht nur zum Blühen, sondern auch zum Fruchten.
  • Gegebenenfalls schafft es der Meerrettich, einige Samen anzusetzen, wenn zwei extrem unterschiedliche Herkünfte gemeinsam abblühen dürfen. Denn vielleicht ist er ja nur, wie einige andere Kreuzblütler auch, gegen seinen eigen Pollen sozusagen »allergisch«.

Anbautipps für Gärtner und Köche

  • Meerrettich wächst am liebsten auf mittelschwerem Boden, kommt aber auch sehr gut mit sandigen Böden zurecht. Hauptsache, der Boden ist tiefgründig gelockert, und keine Steine behindern die Meerrettichstangen am Wachstum.
  • Wiesenauen oder Niedermoore mit ihrem relativ hohen Grundwasserstand sind besonders geeignet. Wessen Garten nicht in so einem begünstigten Gebiet liegt, der muss durch gleichmäßiges Gießen eine gute Wasserversorgung sicherstellen.
  • Gute Meerrettichstangen kann man ernten, wenn man den Boden mit reichlich Humus anreichert, zum Beispiel durch reifen Kompost.

 >> Zurück zur Familie Kreuzblütengewächse