Spinat

Erfahrungen aus erster Hand aus Coras Garten

Saatgutgewinnung ganz praktisch

Bis weit in die 50iger Jahre des letzten Jahrhunderts war es üblich, Blumenkohlsaatgut in Deutschland anzubauen. Erfurt war mit einigen lokal gezüchteten Sorten sogar dafür bekannt. Nur die Samen der ganz späten Sorten kamen aus Algier und anderen frostfreien Ländern.

Wenn der Nachbau in Deutschland möglich war, warum versuchen wir es dann nicht einfach wieder?

Ein Problem, das beim Nachbau von Brokkoli und Blumenkohl besteht, ist die lange Zeit, die die Pflanzen bis zur Blüte brauchen. Sie blühen erst ab Juli und August. Die Samen haben im Herbst dann kaum noch die richtigen Bedingungen, um auszureifen.

Diesem Umstand hat man schon früher versucht entgegenzusteuern, indem man bereits im Januar oder – noch früher – im vorausgehenden Herbst ausgesät hat. Die Pflanzen mussten dann im Jungpflanzenstadium nahezu frostfrei und verhältnismäßig trocken überwintert werden. Die Überwinterung im Mistbeet oder Frühbeetkasten stellte anno dazumal große Probleme dar, denn viele Pflanzen verfaulten über den Winter.

Heute haben private Gartenbesitzer häufig ein Gewächshaus, wie mein Nachbar, dem es regelmäßig gelingt, seinen (konventionellen, aber selbstgezogenen) Blumenkohl wie auch seinen Brokkoli über den Winter gesund zu erhalten. Durch Lüften und mäßiges Gießen hat er bis in den März leckere Kohlröschen zu essen.

Ich habe 2016 im März mehrere Sorten (u.a. auch eine Hybride) Brokkoli ausgesät. Die Sorte 'Rosalind' hat Samen angesetzt. Der lange trockene Herbst machte es möglich. Zwar waren es nur wenige Samen, und die noch von Läusen befallen, aber immerhin! Übrigens war das auch diejenige Sorte, die am besten keimte, also die höchste Triebkraft besaß.

Bei Dreschflegel findet man eine Beschreibung für die Vermehrung von Kopfkohlen allgemein, die sich auch auf Blumenkohl und Brokkoli übertragen lässt: Von ausgewählten Exemplaren sollte man so 10 – 15 Pflanzen zum Blühen bringen. Das sprengt die Größenverhältnisse vieler Hobbygärten. Aber: Tut euch mit Nachbarn zusammen (3 Gärtner mit 5 Pflanzen ergibt auch 15!).

Von den geernteten Samen haben dann alle Beteiligte mindestens die nächsten 4 Jahre etwas.

Tipps für Erhalter

  • Die Sämlinge für Sommerkohl müssen Ende Januar bei gleichbleibenden Temperaturen angezogen werden. Temperaturschwankungen machen sie schwach.
  • Mit der Aussaat von Frühkohl beginnt man am besten schon im September und versucht die Jungpflanzen im Topf und Gewächshaus zu überwintern. Die Jungpflanzen sind verhältnismäßig kälteunempfindlich. Problematisch sind Umfallkrankheiten, die sich unter feucht-kühlen Bedingungen ausbreiten.
  • Spätkohl kann bestenfalls ausgewachsen im Topf und Gewächshaus überwintert werden. Wenn die Pflanzen nicht bis März verfault sind, hat man gute Chancen auf 1a Saatgut.
  • Nach ca. 4 Wochen, im 5 – 6-Blatt-Stadium sollten Jungpflanzen einen größeren Topf oder einen Platz im Gewächshaus erhalten. An ein Auspflanzen ins Freie ist frühestens ab Mitte März, und dann immer noch mit doppelten Vlies oder Folie, zu denken.
  • Blumenkohl und Brokkoli vernalisieren automatisch durch die frühe Aussaat, allerdings ist gerade bei Blumenkohl eine Vernalisation durch Trockenheit gefürchtet, die zu vorzeitiger Blüte führt.
  • Auch die Anzucht aus Stecklingen, etwa bei Brokkoli ist möglich. Mittels Bewurzelungshormon hat man da heute ganz gute Karten. Prinzipiell sind die Brassica-oleracea-Kohle ja mehrjährige Pflanzen. Früher hat man sogar bei Blumenkohl durch abmoosen Stecklinge gewonnen!
    Die Stecklinge müssen ab Februar angetrieben werden um noch im gleichen Jahr zu fruchten.
  • Brokkoli braucht nicht ganz so lange wie Blumenkohl von der Aussaat bis zur Samenernte.
  • Die Samenträger werden im gleichen Abstand gesetzt wie zum Gemüseanbau. Eine Pflanze braucht i.d.R. ¼ m3 Platz, also stehen nicht mehr als 3 - 4 Pflanzen auf dem Quadratmeter.
  • Die Samenqualität, d.h. die Abreife gesunder Schoten klappt besser, wenn weit und breit kein Raps oder Senf angebaut wird, da sich die Arten die gleichen Schädlinge teilen.
  • Die natürliche Eigenschaft von samenechten Brokkolisorten, sich nicht von eigenem Pollen befruchten zu lassen, entwickelt sich erst im Verlauf der Blüte (DEPPE).
  • Ob es besser ist, die gesamte Mittelknospe blühen zu lassen oder einen Teil auszuschneiden, da scheiden sich die Geister. Einerseits muss die Pflanze sehr viel Energie in die gesamte Blüte stecken, andererseits sind Schnittflächen pilzgefährdet.
  • Die Standfestigkeit von Samenträgern kann mittels Anhäufeln erhöht werden. Auch sollte der Samenstand beizeiten an einem Stab festgebunden werden.
  • Untypische Verfärbungen der Blume können auch auf Hitzeeinflüssen beruhen. Beispielsweise ist gelber Blumenkohl nur einen "Sonnenbrand". Solch eine Pflanze kann immer noch für die Samengewinnung ausgewählt werden.

Anbautipps für Gärtner und Köche

  • Wer nichts mit Saatgut am Hut hat, und mit vorgezogene Pflanzen aus der Gärtnerei arbeitet, sollte diese unbedingt nach der Sorte befragen um CMS-freie Jungpflanzen zu erhalten!
  • Gut abgehärtete gesunde Jungpflanzen können letzte Spätfröste ertragen.
  • Brokkoli und Blumenkohl dürfen tief gepflanzt werden; das heißt, ihr Wurzelhals darf mit Erde bedeckt sein. Das beugt auch Schädlingen vor, die sich in den Wurzelhals bohren.
  • Alle Brassica-oleracea-Kohle, stehen als sogenannte Starkzehrer in erster Tracht. Sie vertragen im Herbst ausgebrachten Stallmist außerordentlich gut. Stickstoff-Dünger, wie Mist darf jedoch nicht gleichzeitig mit Kalk ausgebracht werden!
  • Das Wachstum wird durch zusätzliche Kopfdüngegaben mit Pflanzenjauchen gefördert.
  • Die Fruchtfolgen sind im gewerblichen Anbau mit teils unter 3 Jahren sehr eng.
  • Sinnvolle Fruchtfolge: nach Zwiebelpflanzen oder Salaten. In der Landwirtschaft nach Getreiden.
  • Das Geheimnis großer Blumen und knackiger Sprosse ist die kontinuierliche Bewässerung Auch wenn die Pflanzen bis 90 cm Tiefe wurzeln, sollen sie doch über die Hauptwachstumsphase nahezu täglich gegossen werden.
  • Spätsorten können die ersten Bodenfröste auf dem Feld gut überleben, Brokkoli überlebt in meinem Garten im Freien bis Weihnachten.
  • Wenn im Sommer die Temperaturen plötzlich fallen, dann können Pflanzen herzlos bleiben.
  • Das Wachstum von Blumenkohl ist sehr von der Temperatur gesteuert: niedrige Temperaturen können bei Blumenkohl zu Mehrtriebigkeit führen.
  • Zubereitung: Nicht zerkochen, sonst entweicht der gesunde Schwefel, besser dünsten.
  • Wer ganz weiße Blumenkohlköpfe ernten will, der muss frühzeitig, wenn die Blume faustgroß ist 3 bis 4 Umblätter über die Blume knicken.
  • Lila Sorten werden beim Kochen oft grün. Vergilbte Blumenkohle haben nur einen optischen, keinen geschmacklichen Mangel.
  • Gerade Brokkoli ist im Winter eine gute Vitamin C Quelle.

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