Erfahrungen aus erster Hand aus Coras Garten

Saatgutgewinnung ganz praktisch

Die Samen-Knospen, also Fruchtstände komplett abknipsen, kurz bevor sie sich mit den fertigen Fallschirmen (als Pusteblume), sozusagen zur "zweiten" Blüte öffnen. Die Fruchtstände in einem Eimer in der Sommerwärme nachtrocknen. Sie öffnen sich von selbst. Nur im Eimer geht kein Samenkörnchen verloren. Hingegen, wenn man versucht die aufgeblühten Sterne von Hand ganz abzupflücken, hat man seine liebe Not. Die Samen sind i.d.R. schon vorher reif. Das wissen auch Distelfinken, die die Kelche anpicken.

 

Tipps für Erhalter

  • Desto frischer das Saatgut, desto größer der Anbauerfolg, deswegen plädiere ich für eine Aussaat der frisch gepflückten Samen bereits im Juli.
  • Der Pflanzabstand hat einen enormen Einfluss auf das Schossverhalten, denn je dichter die Pflanzen stehen, desto eher meinen sie in Blüte gehen zu müssen.
  • Auch die Weißwurzeln sind nicht vor Schädlingen gefeit, bei großflächigem Anbau sind andernorts folgende Schädlinge aufgetreten: Möhrenrostfliege, Nematoden, Drahtwürmer, Schnecken.
  • Im Feldbau kann Wildverbiss auftreten, die Tiere wissen auch, dass die Pflanzen süß und nahrhaft sind.
  • Es gibt Arten, die nach der Blüte (die i.d.R. im Jahr nach der Keimung kommt) sterben und solche die Mehrjährig sind.
  • Die im äußersten Ring sitzenden Samen sind oft größer:
    Wenn man Erkenntnisse von dubius auf T. porrifolius übertragen darf, dann besitzen die unterschiedlich nah am Zentrum postierten Samen unterschiedliche Eigenschaften hinsichtlich der natürlichen Verbreitung, denn je leichter desto wind-beweglicher! (TATE et al.; 2009).
  • Die Samen überleben auch im Boden nicht länger und tragen nicht zur Bodensamenbank bei.
  • Ich kann mir vorstellen, dass die grasähnlichen (oder mit Safran, Knoblauch vergleichbaren) Blätter in Koevolution auf Wiesenstandorten entstanden sind.

 

Anbautipps für Gärtner und Köche

  • Die ausführlichsten Kulturanleitungen findet man auf spanischen Internetseiten, welche dank "Translater", für uns alle lesbar werden!
  • Weißwurzeln bevorzugen Trocken - und Halbtrockenrasen, sie kommen also dank ihren Pfahlwurzeln mit wenig Wasser zurecht. Allerdings fördert regelmäßige Wassergaben die Qualität der Wurzeln (Größe, Saftigkeit), Mulchen fördert die Qualität ebenfalls.
  • Als Vorfrucht sind Kartoffeln oder andere Hackfrüchte (hinterlassen lockeren Boden) geeignet.
  • Allerdings würde ich sowohl Wiesenbocksbart als auch den Großen Bocksbart als abtragende Frucht anbauen.
  • Die Purpurne Haferwurzeln würde ich in 2. Bis 3. Tracht anbauen. Zu viel Stickstoff verursacht nämlich matschige oder platzende Wurzeln.
  • Der Gartenboden sollte zudem kalkhaltig d.h. leicht basisch sein (meiner Erfahrung nach kann der Boden sogar frisch gekalkt sein).
  • Tiefgründigkeit des Gartenbodens führt zu schöneren Wurzeln: lehmige Böden sind ideal. Die Wurzeln sind, verglichen mit Schwarzwurzeln, unempfindlicher
  • Je nach Art und Unterart wächst die Pflanze am subtropischen Mittelmeer oder noch im klimatisch gemäßigten Norden
  • In milden Winter ist die Aussaat im Herbst sinnvoll, ansonsten allerspätestens 2 Wochen vor dem letzten Frühjahrsfrost (also Ende April)
  • Mischkultur funktioniert mit vielen Pflanzen wie Knoblauch und Zwiebeln, Kohl und Sellerie X), u.a. sogar mit Endivien, die wachsen auf Wiesen ja auch neben den Bocksbärten wild, auch wenn sie zur gleichen Pflanzenfamilie gehören.
  • Weißwurzeln sind sonnenliebende Pflanzen, sie folgen mit ihren Blüten dem Sonnenlauf, wie wir es von den Sonnenblumen kennen. Der englische Name "salsify" kommt von sol = Sonne, der Sonne folgend.
  • Ernte ab Oktober bis zum Schossbeginn im zweiten Jahr, denn dann verholzt die Wurzel.
  • Die Wurzeln kann man vor oder nach dem Kochen geschält werden:
    Vor: mit Sparschäler unter fließendem Wasser arbeiten und in sofort in Topf mit Wasser und einem Spritzer Zitrone oder Essig und einem Löffel Mehl legen. In diesem Sud aufkochen. Dann bleiben die Wurzeln schneeweiß.
    Nach: die Wurzelrinde kann wie bei Rote Beete oder Topinambur einfach abgerieben werden.
  • Blätter können gegessen werden, genauso wie junge ganze Pflanzen. Ob die Blätter wirklich nach Frosteinwirkung noch süßer schmecken, muss man einfach ausprobieren.
  • Die Pflanzen beginnen i.d.R. im zweiten Standjahr zu verholzen. D.h. mit der generativen Wachstumsphase. Die Wurzelernte beginnt im Oktober.
  • Wenig verletzte Wurzeln halten länger, d.h. es ist sehr wichtig, beim Ausgraben die komplette Wurzel zu erfassen und wenig Nebenwurzeln zu kappen.
  • Die Wurzeln können eingeschlagen werden und halten dann bis zu 4 Monaten. In den Kühlschrank (oder Erdkeller) gelegt, halten sie immerhin einen Monat.
  • Zu spät geerntete, schon verholzte Wurzeln, lassen sich trocknen und rösten zur Verwendung als Kaffeeersatz, wie man das auch von Zichorie kennt.
  • Über Geschmack lässt sich sowieso streiten: ich kann nicht sagen, ob die Wurzel nach Austern schmeckt, ich habe noch nie eine gegessen, ich empfinde eine leichte Selleriegeschmacksnote!

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