Domestikations- und Kulturgeschichte

Seit mindestens 40 Jahren wird vermutet, dass der wilde Lattich (Lactuca seriola) der Vorfahr aller modernen Salatgruppen sei (Tronickova, 1985). Bestätigt wurde das erst vor kurzem durch Genanalysen. Die Herkunft liegt wahrscheinlich in den asiatischen Bergregionen um den Himalaya.

Die ersten, die Salat nachweislich nutzten, waren aber die im warmen Afrika wohnenden Ägypter vor mehr als 4600 Jahren. Viele Wandgemälde deuten auch auf eine kultische Verwendung des Salates hin. Salat war bei den Nilvölkern mit Fruchtbarkeit verbunden, vielleicht wegen des Milchsaftes. Allerdings nutzen sie wohl in erster Linie nicht die Blätter, sondern die Samen zur ÖlgewinnungX). Im Internet kann man Lattichöl heute noch teuer erstehen. Von Ägypten aus wurde der Salat im ganzen Mittelmeerraum in der Antike bekannt. Die Römer kochten angeblich den Salat. Wahrscheinlich kochten sie eher den Strunk, wie wir es von Spargelsalaten kennen.

Bereits in der frühen Neuzeit (ab 300 n. Chr.) gab es mehre Typen, nämlich den römischen und den griechischen Salat, der auf der Insel Cos gezüchtet wurde.

Im 9. Jahrhundert empfiehlt Karl der Große Salat zum Anbau auf seinen Gütern (Capitulare de Villis).

Die feste Kopfform war bis ins 16. Jahrhundert unbekannt. FUCHS (1543) bildet in seinem Kräuterbuch zwei kultivierte Formen blühenden Salates ab, davon evtl. einen Kopfsalat.

Im 17. Jahrhundert kamen dann aus Frankreich besonders auf Farbe gezüchtete Sorten hinzu.

Die letzte Entwicklung stellt der Eissalat dar. Dieser wurde um 1900 in Amerika von einem Hr. Jagger aus der Sorte 'Nepal' heraus gezüchtet. Ihm zu Ehren gilt der botanische Name Lactuca sativa var. capitata nidus jaggeri weiterhin. Bis heute findet man in den USA die Sorte 'Iceberg'.

Salat, die unkonventionelle Droge

Die Gattung Lactuca enthält die Bitterstoffel Lactucin, Lactupicrin und Lactucerol. Diese Stoffe wirken in geringer Dosis verdauungsfördernd, schmerzlindernd und beruhigend (schlaffördernd) und in höherer Dosis sogar berauschend oder einfach giftig, daher der Name "Salatopium".

Freaks verwenden Giftlattich als legale psychedelische Droge. Moderne Salatsorten sind sehr arm an diesen richtig dosiert sehr gesunden Bitterstoffen und entwickeln diese nur, wenn sie schießen.

Vielleicht ist das auch der Grund, warum man auf die Idee kam aus Salatblättern Tabak freie Zigarren zu rollen?

Wie der winterfeste Salat zur Mimose wurde

Der aus den kalten asiatischen Gebirgen stammende Salat ist prinzipiell winterhart. Jungpflanzen mit 3 bis 12 Blättern überstehen auch harsche Winter im Beet. Allerdings sind ausgewachsene Köpfe dazu nicht mehr in der Lage. Das mag daran liegen, dass unsere Salate alle auf Herkünfte rund um das Mittelmeer zurückzuführen sind oder auch daran, dass bereits am Hof von Ludwig dem 14. Salate unter Glas angebaut wurden. Spätestens im 19. Jahrhundert wurden dann bewusst Sorten für die Treiberei z.B. im Mistbeet ausgelesen. Wer weiß, ob nicht durch das ständige verhätscheln die Art verweichlichte. Auch heute unterscheiden Gärtner zwischen Sorten für den Unterglasanbau und nicht ganz so zarten Freilandsorten.

Salat im Brauchtum

Beim jüdischen Seder-Abend, dem Beginn des Pessach-Festes, an welchen an den Auszug aus Ägypten gedacht wird, werden neben dem ungesäuerten Brot, gerne Salate als Bitterkraut gereicht. 

Erfahrungen aus erster Hand aus Coras Garten

Manche Salatsorten, z.B. 'Forellenschuss' neigen zum verwildern, bzw. zum versamen, d.h. mir ist gelungen, diese über Jahre mit relativ wenigen Pflanzen im Garten zu halten.

Erfahrungen aus erster Hand aus Coras Garten

Saatgutgewinnung ganz praktisch

Ich ernte grundsätzlich die kompletten Pflanzen. Ich rupfe sie an sonnigen Tagen aus, wenn ein Teil Flugpappi sichtbar sind und einige Blüten noch gelb sind. Die Pflanzen lasse ich umgedreht in einem Eimer trocknen. Dann schlage ich mit den Blütenständen gegen den Eimerrand, dabei rieseln die Samen aus. Da auch viele unreife Samen so ausgeschlagen werden muss ich unbedingt im Anschluss windsichten. Denn die vollen Samen sind schwerer und fallen bei leichtem Luftzug zurück in den Auffangeimer, während Spreu und taube Samen davongeweht werden. 

Anbautipps für Gärtner und Köche

  • Freiland- und insbesondere Direktsaat-Salat ist gesünder, weil er weniger anfällig für Nitratanreicherung ist, als die unter Glas gezogenen Salate. Zudem bilden die Sämlinge dann eine Pfahlwurzel aus, die sie selbst in Trockenzeiten gut mit Wasser versorgt.
  • Direktsaat-Salat wird eher von den Schnecken gemieden, als Vorgetriebener. Besonders mögen Schnecken Eissalate. Vielleicht zeigen die schleimigen Wächter der Natur damit, dass diese Monstrosität eigentlich nicht mehr alleine lebensfähig ist, da sich diese Weichtiere gewöhnlich als erstes auf alles Welke und Kranke stürzen.
  • Salat ist neben Postilein und Gartenmelde das erste Frühjahrsgemüse welches nach dem Winter ausgepflanzt werden kann. Pflücksalat überseht problemlos Spätfröste bis -5 °C.
  • Als Jungpflanzen überwinterter Salat hat genug Zucker eingelagert, um nicht einzufrieren.
  • Salat muss im Wind flattern, d.h. er wird sehr hoch gepflanzt. Wenn mit Presstöpfchen gearbeitet wird, dann sind diese so in die Erde zu setzten, dass 1cm Rand über dem Beet sichtbar bleibt.
  • Pflücksalate haben die kürzeste Kulturdauer, da sie ja jung verzehrt werden (6 Wochen)
  • Salat ist ein ausgesprochenes Lichtkind, deswegen kann schon ein Glasdach sein Wachstum einschränken.
  • Salat kann man mit Mulchfolie oder Strohmulch, wie Erdbeeren, vor Nässe und Welke schützen, denn er muss nach jedem Gießen oder Regen gut abtrocknen.

Tipps für Erhalter

  • Falls im Sommer der Samen nicht keimen will, dann legt man vor der Aussaat den Samen drei bis fünf Tage in den Kühlschrank.
  • Salat blüht über vier Wochen lang, infolgedessen reifen auch die Samen nach und nach ab. Einerseits sollte man warten, bis die Samen von alleine ausfallen, weil sie dann optimal trocken und ausgereift sind, anderseits kann man dann allerdings schlecht die gesamte Ernte einbringen, weil eben ein Teil unbemerkt ausfällt. Wenn ca. 2/3 des Samens erntereif sind, dann kann man die gesamte Salatpflanze ausrupfen und kopfüber über eine Wanne oder Tuch den Samen abrieseln lassen.
  • Am Einfachsten und ohne Hilfe schossen Pflück- und Bindesalate. Hingegen sollte man feste Kopfsalate oder Eissalate zur Hälfte bis zu zweidrittel köpfen. Dann können die Blütenverzweigungen besser durchstoßen und sich entfalten.
  • Die Blüte von Salat ist einerseits durch die Tageslänge gesteuert, anderseits aber auch stark durch hohe Boden- und Lufttemperatur, als auch Wasserverfügbarkeit
  • Samen von zu früh geschossenen Salaten ergeben immer noch einen passablen "Wintersalat", wie Feldsalat.
  • Handebestäubung ist bei Salat sehr schwierig durchzuführen. Man muss den richtigen Zeitpunkt erwischen, um die fertilen Pollen von den Blüten zu waschen. Salat ist vormännlich, d.h. der Pollen ist vor der Narbe geschlechtsreif. Die Narben kringeln sich nach erfolgter Bestäubung, bzw. wenn sie am abwelken sind. Das ist bei den kleinen Blüten schwer mit bloßem Auge erkennbar.
  • Die Gene, für Schossfestigkeit, als auch für Samen und Blattfarbe sind bekannt, manche davon sind rezessiv, andere wiederum dominant (DEPPE, 2000). Wer also Farben von Kreuzungen beobachtet wird schwer ein Muster herauszählen können. Immerhin zeigt sich die Anthocyan-Bildung bereits am Keimling, so dass man rechtzeigt Pflanzen ggf. verwerfen kann.

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