Sau-Fraß oder Menschen-Essen

Puffbohnenernte

Puffbohnen samenerntereif

Ihren Ursprung hat die Puffbohne in Zentralasien (dazu gehören heute Kasachstan, Kirgisistan, Usbekistan, Tadschikistan und Turkmenistan). Einen mutmaßlichen Urtyp (Vicia faba forma major; syn Vicia pancijuga). findet man hingegen heute noch in Nordafrika und Spanien sowie eine nahe Verwandte im Himalaja: Vicia faba subsp. paucijuga (auch Vicia paucijuga genannt). Ob die Fababohne, wie sie auch genannt wird, seit 9000 Jahren oder länger Teil der menschlichen Ernährung ist und ob sie wirklich vor mind. 4000 Jahren erstmalig kultiviert wurde, kann heute wahrscheinlich keiner mehr ganz genau beweisen. Und so weichen die Angaben in den Quellen voneinander ab, oder werden aufgrund neuer archäologischer Funde immer mal wieder revidiert. Sie war jedenfalls in allen alten Kulturen ob Ägypten, Griechenland oder Rom, ein wichtiger Eiweißlieferant, der sogar den Erbsen als solchen überlegen ist. Die Griechen nahmen sie mit zur Urne, d.h. zur Wahl. Sie ist zwar nicht die allerälteste, doch eine unserer ältesten Altwelt-Kulturpflanzen.
Im nördlichen Europa ist ihr Anbau nun schon seit der Bronzezeit (ca. 1000 v. Chr.) belegt und bis zur Einführung der Kartoffel stellte die Fababohne ein Grundnahrungsmittel dar.
Die positive Einstellung der Menschen ihr gegenüber änderte sich in ganz Deutschland nach den Hungerszeiten in Folge des zweiten Weltkrieges. Außer im Rheinland wurde sie künftig als minderwertig abgelehnt und heute erhält man sie als Konserve hauptsächlich in rheinischen Supermärkten.
Leider ist auch von der einstigen Vielfalt nicht mehr viel übrig. Und wer weiß, ob nicht die Hürde der Zulassung bereits 1944, als die erste Sorte eingetragen wurde, zum Sortenschwund beigetragen hat. KÖRBER-GROHNE (1994) schreibt, dass 1983 beim Bundessortenamt nur noch 4 großkernige (Gemüse-) Fababohnen zugelassen waren. 2018 sind drei verhältnismäßig neue Sorten, nämlich: 'Piccola', 'Perla' und 'Mammut' beim Bundessortenamt gelistet.
Ein 1928 entdeckte Asteroid wurde zu Ehren der gesamten Pflanzengattung "Vicia" getauft.

Typen und Sortenkunde

Kreuzungsmöglichkeiten

Vicia KreuzungstabelleAlle Typen und Sorten innerhalb der Art Vicia faba kreuzen sich miteinander. Es gibt dadurch zwischen den hier aufgezählten Typen fließende Übergänge.

Kleinsamige, linsenförmige Formen werden als Acker- oder Taubenbohnen bezeichnet (Vicia faba ssp. minor var. minor; Vicia faba var. minuta) (Hundertkorngewicht ab 80g)

Die großsamige Form ist unsere klassische, als Gemüse genutzten Dicke Bohne oder Puffbohne (Vicia faba ssp. faba var. faba) (Hundertkorngewicht bis 200g) mit mehr als drei Samen pro Hülse.

Heutzutage speziell als Viehfutter genutzte Formen nennt man Pferde- und in Bayern Saubohnen (Vicia faba ssp. faba var. equina). Sie bilden länglichere Samen aus als die vorgenannten. In der Vergangenheit wurden sie genauso von den Menschen verzehrt, wie etwa andere trockene Bohnenkerne. Sie haben nur 2 bis 3 Samen pro Hülse.

Als nächste Verwandten werden derzeit die Mauswicke (syn. schwarze Ackerbohne Vicia narbonensis) und Vicia galilea gehandelt. Diese kreuzen sich aber nicht freiwillig mit Vicia fava ssp. da sie unterschiedliche Chromosomenzahlen aufweisen.

Als Wildgemüse in Maßen sammelbar, gehört dieser Gattung die Zaun-Wicke (Vicia sepium).

Auch die sogenannte Wickenlinse oder Steinlinse Vicia ervilia gehört zur Gattung und wurde früher als Nahrung, insbesondere aber zur Tierfütterung genutzt. Heute wird sie selten angebaut.

Sorten vor 120 Jahren

'Grüne Windsor'; 'Rote Windsor', 'Weiße Windsor', 'Erfurter Weiße', 'Grüne Mailänder', 'Mazagan', 'graugelbe Zwergpuffbohne', 'Becks Gem', 'Erbsengelbe Schwertbohne', 'Weißblühende Langschotige'

Sorten aus Roter Liste

'Ackerperle', 'Agua dulce Riesen-Puffbohne allergrösste und breitschotige', 'Breustedts Schladener kleine', 'Eckendorfer', 'Erfurter gewöhnliche', 'Francks Hohenloher', 'Friedrichswerther Berg', 'Frühe breite weißkernige', 'Füllbergs Dunsener', 'Herz Freya', 'Johnson's Wonderful', 'Juno', 'kleine Thüringer', 'Lohmanns Weender', 'Lüneburger', 'Mammoth Windsor', 'Niedrige frühe Mazagan-Puffbohne', 'Oberbehmer dicke Bohne', 'Osnabrücker Markt', 'Puffbohne', 'Rastatter kleinkörnige', 'Rosenhofer', 'Schurigs Pferdebohne', 'Sutton's Gigant Windsor', 'Trio', 'Wagners Perfecta'

Sorten für den Bioanbau 2017 von FIBL empfohlen

'Aqua Dulce', 'Windsor'

Open-Source-Sorten

leider keine bekannt

Sorten mit komischen Namen

keine gefunden

Sorten aus fremden Ländern für Jäger und Sammler

keine gefunden

Auslesekriterien und Saatgutgewinnung

Während des vegetativen Wachstums
  •  Aussaatzeitpunkt, Winterhärte
  • Mehr oder weniger bestockend
Während des generativen Wachstums
  • Blütenfarben (weiß, lila, rot mit und ohne Fleck)
  • Hitzeempfindlichkeit während Blüte (Blütenabwurf)
  • Anzahl der Hülsen pro Blütenstand
  • Die Stellung der Hülsen (stehend, nickend), Anzahl Samen pro Hülse
  • Farbe und Größe des Samens, Farbe des Nabels
  • Höhe der Pflanzen
  • Gesamt-Kulturdauer, Reifezeit
Nach der Ernte in Genussreife
  • Eigenschaft bei Kochen (weißbleibend)
  • Geschmack und Bekömmlichkeit: mehr oder weniger herzhaft, Blätter süßlich, roh oder gekocht leckerer, mit und ohne Tannin-, Vicin- und Convicingehalt
  • Wiederbestockung, Neuaustrieb
  • Frosthärte des Neuaustriebs
UPOV Test Guideline

No. 206

Vorschlag für unkonventionellen Züchtungsansatz

Ich vermute Forschungsbedarf hinsichtlich Saatgutqualität und Merkmalsausprägungen und einen Zusammenhang zur Stellung der Hülse am Stängel, d.h. ob sie eher Boden- oder Himmelsnah gewachsen ist.

Saatgutgewinnung ganz praktisch
Saatgut Dicke Bohnen

 

Man kann schwarze angetrocknete Hülsen von den Pflanzen nach und nach ernten (Wiederbestockung der Pflanze möglich) und zum durchtrocknen legen oder man rupft die auf dem vertrockneten kompletten Pflanzen aus und bringt sie an einen trockenen schattigen Platz bis zur Aufbereitung.

Die trockenen Hülsen springen irgendwann von allein auf. Das kann man etwas beschleunigen, d.h. die Hülsen können händisch aufgebrochen werden. Aufgrund der Größe der Samen ist eine Reinigung unnötig. Kleinere, form- und farblich sortenuntypische Samen sollten ausgelesen werden.

Der Ausschuss kann in der Küche verwertet werden oder für ein Wintergemüse neu ausgesät werden, welches aber nicht für Saatgutpflanzen taugt.

Anbautipps für Gärtner und Köche

  • Junge Huelsen

    Milchreife nicht verpassen!

Junge Puffbohnen

Puffbohnen Jungplanzen

Puffbohnn auf Markt Kroatien

Puffbohnn auf Markt Kroatien

§  Die Puffbohne bevorzugt gut wasserhaltende schwerere Böden und feuchtes Klima, auf Sandböden gedeiht sie mäßig. Deswegen propagierte sie SCHLIPF anstelle des wärmeliebenderen  Maises auf lehmig-tonigen Böden, denn vor 150 Jahren war der Mais noch nicht so angepasst. 

§  Von allen Leguminosen sind sie diejenigen, welche die höchste Säuretoleranz mitbringen. 

§  Von allen Bohnen verlangt sie zum Start auch die höchste Düngegabe, wobei SCHLIPF vor 150 Jahren sogar die Mistgabe noch kurz vor Aussaat empfohlen hat.

§  Eine Herbstaussaat ist bei kleinsamigen Sorten und insb. den Ackerbohnen durchaus üblich. Die Herbstaussaat war in England von alters her verbreitet. 

§  Von einem Friesen erfuhr ich, dass in Norddeutschland der Mischanbau von Puffbohnen mit Kartoffeln üblich war. Die Reihenabstände müssen dann aber größer gewählt werden um beiden Kulturen Platz für ihre Entwicklung zu geben. 

§  Die Puffbohnen können bei hohen Temperaturen ihre Hülsen nicht entwickeln, deswegen sollen sie möglichst früh im Jahr schon blühen, damit sie nicht in die trockene Sommerhitze hineinwachsen. 

§  Der Fruchtansatz wird auch von der Bestandsdichte, also den Pflanzabständen beeinflusst, unter 10 cm in der Reihe sollte man nicht gehen. 

§  Als Feldfrucht werden Reihenabstände von 50 – 60 cm empfohlen, bei Aussaat von Doppelreihen sogar bis 90 cm. Das trifft aber auf die händisch gepflegten Gartenkulturen nicht zu. 

§  Gerade hohe Sorten können umfallen. Beeinflusst wird die Standfestigkeit von der Saattiefe, d.h. wer auf leichteren Böden anbaut, kann bis zu 8 cm tief säen und ggf. zusätzlich später anhäufeln. Trotzdem sind sie im Allgemeinen wesentlich unempfindlicher gegenüber Wind als beispielsweise Buschbohnen. 

§  Puffbohnen bilden eine Pfahlwurzel, die ihrer Wuchshöhe entspricht. Wenn nach der Hülsenernte die Stängel handhoch über der Erde abgeschnitten werden, treibt sie bis zum Herbst ein weiteres Mal und die jungen Triebe können gegessen werden. 

§  Puffbohnen danken einen offen krümeligen Boden, der immer mal wieder gehackt wird, damit ihre Wurzeln, bzw. die aeroben Knöllchenbakterien genügend Sauerstoff erhalten.

§  Man kann die Spitzen nach dem zehnten Blattknoten kappen und kochen. Dies ist zu einem Befallsbeginn der schwarzen Bohnenblattlaus besonders zu empfehlen. Die Laus tritt gerne bei trockener, heißer Witterung auf. 

§  Die Pflanzen lieben eine stickstoffhaltige Kopfdüngung zu Beginn des Fruchtansatzes. 

§  Guter Samenansatz verlangt regelmäßiges Gießen. Der Wasserbedarf der Puffbohnen ist höher als der von Erbsen, weswegen Standorte mit hoher Luftfeuchte ideal für sie sind. 

§  Die Samen werden unreif geerntet, da sie reif nicht so bekömmlich sind oder lange eingeweicht werden müssen. Manche Menschen reagieren allerdings auf rohe Bohnen allergisch.

Tipps für Erhalter

Puffbohne Hangdown Green in Bluete

Puffbohne in Blüte

Puffbohne bestockt nach Ernte

Wiederbestockung

Puffbohne im Winter

Puffbohne im Winter

§   Je früher die Faba-Bohnen ausgesät werden, desto weniger steuern sie ihren Blütezeitpunkt nach der Tageslänge, d.h. sie sind weniger photosensitiv. 

§  Es ist davon auszugehen, dass die Neigung zu Bestockung und Wuchshöhe nicht nur sortenabhängig ist, sondern auch von der Aussaatdichte beeinflusst wird. 

§  Die kurzgestielten Blütentrauben werden erst ab dem sechsten Blattknoten angesetzt und bestehen aus 2 bis 9 Blüten, später gleichviel Hülsen. 

§  Die Hülsen werden zur Samen-Reifezeit durch eine natürliche Fermentation schwarz. Gleichzeitig beginnt die Pflanze von unten ihr Laub abzuwerfen. Das ist also zu diesem Zeitpunkt nicht beunruhigend. 

§  Die Samen fallen sehr spät und nur bei extremer Trockenheit aus. Die Hülsen werden händisch vom Stroh gerupft und dann geöffnet. 

§  Larven des Bohnenkäfers versuchen in den Samen zu überwintern, das gelingt ihnen nicht, wenn diese durchfrieren (bei Ausfallsaatgut natürlich wenn der Boden durchfriert oder bei gesammelten Samen in der Gefriertruhe). 

§  Gerade die Pferdebohnen bringen eine bessere Frostverträglichkeit mit, so dass sie trotz ihrer kleineren Samen für rauere Lagen als Gemüsebohnen empfohlen werden können. Sie wurden in England als Winterfrucht angebaut, d.h. im Herbst ausgesät. 

§  Ich konnte in meinem Garten an Puffbohnen Erdhummeln beobachten, die am Blütenboden knabberten, um einfacher an den Nektar zu gelangen. 

§  Die Samen dunkeln beim Trocknungsvorgang nach.