Erfahrungen aus erster Hand aus Coras Garten

Saatgutgewinnung ganz praktisch

 

Anbautipps für Gärtner und Köche

  • Alle Neuweltbohnen brauchen Wärme zum Keimen. Bei Direktsaat sollte der Boden tagsüber bereits über 20°C warm werden. Keimtermperaturen von 32° C werden vertragen!
  • Achtung: Durch Versuche hat man herausgefunden, dass die Bodentemperatur während der Keimung Einfluss auf den Fruchtansatz hat, je höher desto reichlicher ist die Ernte.
  • Bohnen tief (bis 5 cm) aussäen schützt vor Vogelfraß, allerdings begünstigt es das Verfaulen, wenn die Keimtemperaturen noch nicht passen.
  • Einzig die Feuerbohnen kann man nicht an ihren Keimblättern erkennen, da sie hypogäisch, also unterirdisch keimen.
  • Anfänglich können alle Bohnen eine Stickstoffgabe vertragen, denn die Knöllchenbakterien müssen erst "anbeißen". Zumindest wenn die jungen Blätter gelblich sind, sollte man moderat Stickstofffutter geben.
  • Jedoch sollten Bohnen nicht in erster Tracht, oder in frischen Stallmist gedüngten Boden gesetzt werden.
  • Eine Kalkdüngung nehmen sie gerne an (pH darf ruhig über 7 sein)
  • Regelmäßige Ernte bei Stangenformen erhöht den Ertrag, da ständig zur Weiterblüte angeregt wird. Auch missgebildete Hülsen sollten regelmäßig entfernt werden.
  • Feuerbohnen sind für Gärten im höheren Mittelgebirge und in kalten Regionen geeignet, denn die Pflanzen (nicht die Keimlinge!) halten sogar zu Beginn und am Ende der Vegetationsperiode kurzfristig Temperaturen um 0° aus. Hingegen können Gartenbohnen ihre bereits angesetzten Blüten oder sogar ihre Blätter abwerfen wenn während der Schafskälte die Temperaturen unter 12°C sinken.
  • Alle Neuweltbohnen lieben es ausführlich gegossen zu werden. Ein Sprichwort besagt, dass sie erst an der Stange hoch ranken, wenn ihre Füße und der Kopf feucht sind, d.h. wenn der Boden feucht ist und es zusätzlich regnet. Für den ersten Wachstumsschub muss der Regen dann auch noch warm sein.
  • Auch die Hülsen werden knackiger, wenn die Wasserversorgung über die stimmt, also regelmäßig gießen.
  • Alle Bohnen danken grobes Mulchmaterial, welches ihre Wurzeln feucht hält und (im Falle von Buschbohnen) kein Unkraut hochkommen lässt.
  • Falls sich ein kühler, feuchter Sommer abzeichnet, welcher Pilzbefall fördert, können die untersten Blätter zur besseren Durchlüftung des Bestandes entfernt werden.
  • Die Drüsenhaare auf der Blattunterseite sondern ein Sekret ab, das Kaliumkarbonat enthält und hygroskopisch wirkt, so dass sie von hoher Luftfeuchtigkeit profitieren X)
  • Stangenformen können Seitentriebe bilden. Deswegen sollten von Schnecken abgefressene Pflanzen stehen bleiben, sie treiben wieder aus solange der Vegetationskegel in einer Achsel in Ruhe gelassen wurde.
  • Bohnen akzeptieren keine zu dicken und kantigen (Dach-)Latten, zum Ranken bevorzugen sie dünne und runde Hilfen. Anfänglich kann man ihnen den Weg zur Rankhilfe weisen, dann müssen sie nicht solange suchen. Wer Fichtenstangen verwendet sollte diese vorab entrinden, weil sich unter der Rinde Schädlinge (Rote Spinne) verstecken können.
  • Wenn Bohnen an Schnüren aufgeleitet wurden, dann kann man zur Ernteverlängerung diese "absenken", d.h. einfach die Schnur verlängern und den unteren bereits abgeernteten Pflanzenteil am Boden schleifen lassen oder aufwickeln.
  • Bohnen sind für windgeschützte Ecken im Garten dankbar und lohnen dieses mit besseren Erträgen.
  • Junge Hülsen schmecken am besten und haben garantiert noch keinen Faden ausgebildet. Denn mit dem Alter wird wirklich jede Bohne irgendwann fädig.
  • Als wahre Sonnenfetischisten blühen Bohnen umso besser, desto mehr Licht sie erhalten: Bohnenzelte haben also immer eine schlechte Seite und Bohnenstangenreihen sollte Süd-Nord ausgerichtet werden.
  • Buschformen wachsen determiniert, d.h. sie stellen ihr Wachstum nach Ausreife ihrer Früchte ein. Stangenformen wachsen und tragen unendlich weiter, bis die Herbstwitterung es nicht mehr zulässt.
  • Wem überhängede Ranken stören, der schneidet am "Ende der Bohnenstange" (=Sprichwort!) einfach ab.
  • Das Entfernen von "Unkräutern" wird bei Buschformen, die in Furchen ausgesät werden, einfacher, da die schneller keimenden Kräuter abgehackt werden können ohne die jungen Böhnchen zu beschädigen. Stangenbohnen wachsen den sogenannten Beikräutern davon, bzw. man kann sogar Bohnenkraut oder Knollensauerklee zu ihren Füßen pflanzen. Das funktioniert solange reichlich Licht auf die "Unterpflanzung" fällt. Wer Mais als Rankhilfe (3 Schwestern) anbauen möchte, sollte diesem einen Vorsprung gewähren und als allerletztes, wenn sich Bohnen mit Mais etabliert haben, die Kürbispflanzen dazu setzen.
  • Die mittelamerikanische Bevölkerung grub gewöhnlich im Herbst die rübenartig verdickten Wurzeln der Feuerbohnen aus, welche nach dem Kochen essbar sind. Somit konnten die Menschen nicht nur die Bohnenkerne nutzen, sondern auch die Knöllchen (HERTEL 1981).
  • Bohnen können sehr gut auch in Kübeln gezogen werden: Stichworte "Balkongarten", "Tiny Gardening" und "Vertical Gardening". Wer mit gekaufter Erde arbeitet, bedenke aber, dass darin garantiert keine Knöllchenbakterien leben, d.h. diese müssen entweder vorab mit alter Bohnengartenerde oder mit Bakterienkultur geimpft werden. Diese Kulturen kann man über das Internet kaufen.

Tipps für Erhalter

  • Über ihre botanischen Eigenheiten ist wenig veröffentlicht. Deswegen sind eigene Beobachtungen sehr wertvoll. Einige Vorschläge hierzu:
    - Welche Sorte wirft ab einer bestimmten Temperatur ihre bereits angesetzten Blüten wieder ab?
    - Gibt es Sorten, die mit trockenen Sommern gut zurechtkommen?
    - Gibt es im Garten Hummeln, die an den Blüten von Gartenbohnen nagen und naschen?
    - Lassen sich aufgrund des Klimawandels auch bei uns schon durch Thripse verursachte Verkreuzungen von Gartenbohnen beobachten, wie in den Tropen üblich (GEORGE, AT 2009)
    Wie selbstverträglich sind Feuerbohnen, d.h. ist es möglich sie mehrere Jahre auf dem gleichen Beet ohne Ertragseinbußen zu pflanzen? (Da die Feuerbohne ja ursprünglich eine Staude ist, könnte das selbstverträglicher sein als allgemein angenommen).
  • Unsere Neuweltbohnen sind tagneutral. Ursprünglich müssen sie mal Kurztagpflanzen gewesen sein und einige Sorten neigen wohl noch dazu (GEORGE, 2009))
  • Temperaturen um die 30°C hindern die Bohnen sowohl am Wachsen, als auch am Blühen: sie können sogar ihre Blüten abwerfen. Oft ist um die heißen Hundstage herum kein Wachstumsfortschritt zu beobachten und Hülsen bleiben sortenuntypisch kurz.
  • Einzelne Blütentrauben können bis zu 10 Hülsen ansetzen
    (üblich bei endlos wachsenden Formen sind 2 – 6 Hülsen).
  • Die Blühdauer einer Einzeltraube liegt bei ca. 2 Wochen. Die der gesamten Pflanze über drei Monate.
  • Nach ACKERYOD (2017) tragen weiß- oder rosablühende Feuerbohnen reichlicher als rotblühende Sorten.
  • Nicht in jedem Garten gibt es Bohnenkäfer, aber wenn man geplagt ist, dann sind tiefgekühlt überwinterte Samen garantiert frei von ihnen, bzw. die Larven werdn so abgetötet.
  • Es heißt, dass weiße Bohnen insb. weiße Feuerbohnen ungiftiger (Blausäure) seien als Bunte X).
  • Unerwünschte Verkreuzungen lassen sich zum Teil an untypischen Samenfarben erkennen. Allerdings nicht, wenn man eine rotblühende, buntsamige Feuerbuschsorte und eine rotblühende, buntsamige rankende Sorte einsetzt.
  • Kreuzungen von Phaseolus vulgaris x coccineus wurden von Mendel Bereits er stellte aber fest, dass die Nachkommen meist steril sind. Wer das Experiment nachmachen möchte, der nehme den Pollen von Gartenbohnen und bestäube damit Feuerbohnen (nicht umgekehrt). Die Feuerbohnenknospen müssen vorab entmannt sein.
  • DEPPE (2000) hat experimentell herausgefunden, dass die Hülsenfarbe Blau als auch das Gen für den endlosen Wuchs und die Samenfarbe Bunt bei Gartenbohnen dominant vererbt werden.
  • Die Blütenfarbe Rot bleibt den Feuerbohnen vorbehalten und lässt darauf schließen, dass sie einst auf spezielle Schmetterlinge als Bestäuber setzten, denn nur die können rot erkennen.

HEGI X)  betont, dass die Unterteilung nach Wuchstypen (begrenzt – endlos) nicht haltbar wäre, da der Wuchstyp der Phaseolus-Bohnen stark durch Tageslänge, Temperatur und andere Wachstumsfaktoren modifiziert wird.

 

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