Kulturdatenblatt, Botanik, Typen und Sortenkunde, Auslesekriterien
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Domestikations- und Kulturgeschichte

Erbsen sind eine der ersten Nahrungspflanzen, die der Mensch der alten Welt in Kultur genommen hat. Sie begleiten uns schon seit über 10000 Jahren, also seit Beginn des Ackerbaus in Mesopotamien.

Der Anbau im Alpenraum ist für die letzten 5000 Jahre nachgewiesen.

Erbsen sind einfach zu vermehren, schließlich sind sie die Gemüseart, an welcher Gregor Mendel noch vor Entdeckung der Chromosomen und der Gene die immer noch gültigen Regeln der Vererbungslehre entdeckte.

Er stellte fest, dass lila blühende Erbsen, die er von Hand mit weiß blühenden Erbsen kreuzte, als Kinder (sogenannte F1) lauter rosa blühende Erbsen hervorbrachten. Und als er die Kinder aussäte waren ein Viertel der Enkel (sogenannte F2) lila, ein viertel weiß und die letzte Hälfte rosa.

Heute muss jeder Schüler diese Vererbungsregeln lernen.

Die Regeln können dann angewendet werden, wenn das sichtbare Merkmal von einem einzigen Gen bestimmt wird, das ist bei der Blütenfarbe der Erbse der Fall.

Die Gene von Vater und Mutter müssen zusätzlich noch gleich "kräftig" sein (wie beim Farbkasten: das Mischen von Weiß und ergibt dann ein perfektes Rosa, wenn die Farben gleich "kräftig" sind, hingegen wenn die eine, z.B. das Deckweiß verwässert ist, setzt sich die „kräftigere“, z.B. das Rote durch). In der Vererbungslehre spricht man fallweise von dominanten (mit Großbuchstaben) und rezessiven, d.h. unterlegenen (mit kleinen Buchstaben) Genen, bzw. Merkmalen.

Erfahrungen aus erster Hand aus Coras Garten

Anbautipps für Gärtner und Köche

  • Erbsen mögen Böden mit guter Wasserhaltefähigkeit, die sich schnell erwärmen können
  • Wer noch nie Erbsen im Garten hatte, der sollte seinen Boden mit den Knöllchenbakterien "impfen". Dies geht mit "Effektiven Mikroorganismen" (EMA) oder auch mit ein paar Eimern Erde von einem Beet, auf welchem schon Leguminosen standen.
  • Man sagt, dass frühe Sorten nicht so stark von Läusen heimgesucht werden (ausprobieren).
  • Ein Vlies über dem Beet hält Amseln (die "Hühner" des Kleingärtners, weil Hühner in Gemüsegärten durch Scharren Schäden anrichten) davon ab, die auflaufenden, d.h. keimenden Samen zu picken
  • Wer Erbsen bereits im Oktober aussät, d.h. über den Winter anbaut, der riskiert, dass ein großer Teil auswintert, trotzdem vertragen die Samen an sich die Winterkälte und –nässe, einen Versuch ist es wert

Tipps für Erhalter

  • Es gibt Sorten, die selbstragend sind. Meist bleiben diese auch niedriger als Erbsen, welche Kletterhilfen benötigen. Die Wuchsform hängt mit der Länge der Internodien zusammen (das ist das Stengelstückchen zwischen zwei Blättern oder Ästen) als auch dem Grad der Verholzung der Stängel. Höher wachsende Sorten haben nicht automatisch auch einen höheren Ertrag, aber sie haben meist eine längere Blüte- und damit längere Erntezeit.
  • Gewisse Mehltauresistenzen sind wahrscheinlich nur von jeweils einem einzigen Gen abhängig. Erbsen bieten sich an für Experimente mit Rückkreuzungen, z.B. um eine entdeckte Pilzresistenz in eine beliebte Sorte zu überführen, weil sie große Blüten haben, die von Hand bestäubt werden können.
  • Die einzelne Erbsenblüte ist ganze drei Tage lang fruchtbar
  • Hin und wieder tauchen hübsche fiederblättrige Mutationen

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