Kulturdatenblatt

Typen und Sortenkunde

Wie ist es mit der Sortenvielfalt bestellt?

Die Art ist (zum Recherchezeitpunkt 04-2021) nicht im Europäischen Sortenkatalog und auch nicht in Listen des Internationalen Verbandes zum Schutz von Pflanzenzüchtungen (UPOV) (geschweige denn, dass es Testguidlines gäbe) aufgeführt. Das ist erfreulich für alle, die Saatgut von Gartenmelde vertreiben wollen.

Es sind zwar (zumindest weltweit betrachtet) viele Sortennamen im Umlauf, aber an diese Sorten heranzukommen ist eine ganz andere Sache! Außerdem hat noch niemand diese auf Übereinstimmung untereinander gerprüft, so dass es sehr wahrscheinlich ist, dass die selbe Sorte unter verschiedenen Namen vertrieben wird.

Im Lexikon der alten Gemüsesorten (SERENA et. al, 2014 ) werden folgende Sorten aufgeführt:
Alter Spinat von Monthey, Butterkraut, Enz, Gelbe aus Österreich, Grüne Amriswil, lauerz, Purpurfarbene, Rote Blauetikett, Rote Lesass, Rote Lebeda, Rote Richterswill und Violette Richterswill.

Kokopelli (Frankreich) bietet 'Blonde', 'Magenta Magic', 'Maufe', 'Ruby Gold', 'Triple Purple', 'Verte', 'Violette a Feulles Pontues' und 'Opera' an.

Beim Seed Savers Exchange findet man 'Blackl und Bly', 'Bulgarian', 'Gelbe Lacherez', 'German Spinach', 'Giant Swiss Mountain Spianch', 'Golden', 'Meldra', 'Mill Kohl Mountain Spinach', 'Red', 'Old Fashioned Mountain Spinach' and 'Purple'.

Aus einer indischen Studie, die das Ziel hatte die morphologische Diversität innerhalb der Gartenmelde festzustellen sind Herkünfte aus den Tälern Nubra, Indus und Suru gesammelt worden TSEWANG RINCHEN (2017).

Es muss eine Kupferfarbene Sorte in Amerika geben, die dort selten angeboten wird X)

Weitere Namen und Bezeichnungen

Weitere Namen

In vielen Sprachen und Dialekten der alten Welt gibt es ein Wort für die Melde, ein Hinweis darauf, dass sie wohl allgemein bekannt und einst auch genutzt wurde:

Zusammengestellt aus verschiedenen Quellen, hauptsächlich https://www.healthbenefitstimes.com/orach/Deutsch: Garten-Melde, Gemüsemelde, Spanischer Spinat, Moiken, Molken;
Norwegisch: Matmelde, Fjellspinat, Hagemelde;
Dänisch: Have-Mælde, Melspinat;
Schwedisch: Trädgårdsmålla, Tarhamaltsa, Mållspenat;
Holländisch: Tuinmelde;
Frisisch: Guardmial;
Englisch: Garden orach, Mountain spinach, Sea purslane, Garden saltbush, French spinach, Butter leaves;
Walisisch: Llygwyn yr ardd;
Französisch
: Arroche des jardins, Arroche épinard, Epinard géant, Bonne-dame, Belle-Dame, Chou d’Amour, follette;
Italienisch: Atriplice degli orti, Bietolone rosso, spinacione;
Rumänisch: Lobodă, ştir
Spanisch: Armuelle mole, Bledos moles, Armuella de huerta, Armuelle, Cogolletes, Espinaca de Carne, Ramos de Coral, verdolaga hortense, Armoles, ceniglo;
Baskisch: Garadaizka
Katalanisch: Armoll, Blet moll; Espinac de carn, Moll;
Portugisisch: Armolas
Galizisch: Armol;
Finnisch: Tarhamaltsa sadova, lutyha sadova ;
Ungarisch: Kerti laboda;
Russisch: Lebeda sadovaya;
Polnisch: Łoboda Ogrodowa;
Tschechisch: Lebeda zahradní;
Albanisch: Labot;
Bulgarisch: Gradinska loboda;
Kroatisch: Vrtna pepeljuga;
Ukrainisch: Loboda;
Serbisch: Bashtanka loboda;
Slovakisch: Loboda záhradná;
Slovenisch: Loboda vrtna;
Litauisch: Daržinė balandūnė;
Estisch: Aedmalts;
Griechisch: Atríplia;
Türkisch: Kara pazı, hayat süpürgesi;
Arabisch: rghl bstany;
Indisch/Tibetisch: Phaltora;
Assam
: Pahari paleng;
Kashmiri: Vasta Haak;
Chinesisch: Yu qian bo cai;
Japanisch: Akaza;

Botanisch: Die meisten Botaniker benennen die Gartenmelde mit dem Gattungsnahmen Atriplex, wenige auch mit Chenopodium. Als Artname folgt am häufigsten hortense bzw. hortensis, aber auch solch tolle Artbezeichnungen, wie pharaonis, spectabilis werden verwendet; oder benghalensis, welche hin und wieder als eigene Art angesehen wird.

Ob es sich bei den Farbvarianten um Sorten oder echte Varianten handelt, wie einige Autoren durch var. rubra, betae, virgata und benghalensis betonen, sei dahingestellt. Eine etwaige Verwandtschaft zur Glanzmelde wird durch das Synonym Atriplex hortensis subsp. nitens ausgedrückt. Sie scheint aber neuerer Untersuchungen zur Folge, nicht gegeben zu sein X) .

Vorfahren und lebende Verwandte

Atriplex aucheri

Atriplex micrantha (syn. A. heterosperma)

Atriplex benghalensis (unter der Voraussetzung, dass dies eine eigene Art ist)

Atriplex nitens (nach neueren Untersuchungen ist die Glanzmelde eher nicht der Vorfahr X))

Kreuzungsmöglichkeiten

Den Blütenstand nennt man botanisch eine "lockere Ähre", die meisten Blüten werden windbestäubt.

Es gibt männliche, weibliche und zwittrige Blüten auf einer Pflanze (das Verhältnis der männlichen zu weiblichen zu zwittrigen Blüten ist sortenabhängig). Die Melde blüht vormännlich. Sie zeigt zweierlei Samen, nämlich gut in Vorblätter verpackte als auch nackte, unverpackte Samen. Das nennt man Heterospermie. Sie ist nach einer Untersuchung enger mit der Gattung Chenopodium als mit der Gattung Amaranthus verwandt (JELLEN et al., 2020). Gattungshybriden zwischen diesen sind mir jedoch nicht bekannt, Arthybriden hingegen gibt es.

GROSS (1918) rät bereits vor 120 Jahren, auf ausreichend Abstand zu achten, wenn man mehrere Sorten oder Farben anbaut! Die Pflanzen bestäuben sich teilweise selbst, Windbestäubung überwiegt aber. Prozentuelle Angaben dafür liegen mir leider nicht vor.

Da in meinem Bestimmungsbuch, dem ROTHMALER (1994), verschiedene Bastarde, also Kreuzungen, beschrieben sind, gehe ich davon aus, dass sich die Gartenmelde sehr wohl mit weiteren wildwachsenden Gattungsangehörigen kreuzen könnte:

Atriplex triangularis x parula
Ariplex oblongifolia x patula.

Es gibt auch eine sogenannte verschiedensamige Melde (Atriplex micrantha) die sich entlang von Autobahnen extrem ausgebreitet hat X). Ich erwähne sie hier, da sie mit meiner Sorte der Gemüsemelde die "Verschiedensamigkeit" und den "Hauch" ins "Rotfarbige" gemein hat X). D.h. es gibt Samen, die frei liegen und solche, die in Vorblättern eingehüllt bleiben (Heterospermie). Auch die Samenfarbe kann an einer Pflanze mal hellbraun oder schwarz sein und entsteht nicht unbedingt nur durch eine Notreife, sondern einfach natürlich und ohne Qualitätseinbußen.

Sorten vor 120 Jahren

Auch GROSS (1918) kennt "gelb-, rot- und grünblätterige Gartenmelden". Wobei Erstere als Gemüse am geeignetsten sei, meinte er.

Sorten aus Roter Liste

Leider keine

Sorten für den Bioanbau 2017 von FIBL empfohlen

Leider keine Empfehlungen

Open-Source-Sorten

leider keine bekannt

Mitglieder in der Slowfood "Arche des Geschmacks"

Leider keine

Sorten mit komischen Namen

'Schöne Dame von Neusath' X Link zum Film); alias 'Bonne Dame von Lindach' (= Bamberger oder fränkische Melde)

Walter, Erich (1999); Die Gartenmelde (Atriplex hortensis L): Eien fast vergessenen Nutzpflanze bäuerlicher Gärten (oder die "bonne dame" von Lindach); Heft1/1999 Heimat Bamberger Land; Verlag Thomas-Gunzelmann, Bamberg

Sorten aus fremden Ländern für Jäger und Sammler

Kokopelli (Frankreich) bietet 'Blonde', 'Magenta Magic', 'Maufe', 'Ruby Gold', 'Triple Purple', 'Verte', 'Violette a Feulles Pontues' und 'Opera' an.

Beim Seed Savers Exchange findet man 'Blackl und Bly', 'Bulgarian', 'Gelbe Lacherez', 'German Spinach', 'Giant Swiss Mountain Spianch', 'Golden', 'Meldra', 'Mill Kohl Mountain Spinach', 'Red', 'Old Fashioned Mountain Spinach' and 'Purple'.

Aus einer indischen Studie, die das Ziel hatte die morphologische Diversität innerhalb der Gartenmelde festzustellen sind Herkünfte aus den Tälern Nubra, Indus und Suru gesammelt worden TSEWANG RINCHEN (2017).

Sorten mit anderen Verwendungen

Die eiweißreiche Pflanze kann als Viehfutter verwendet werden, vom etwas verwandten weißen Gänsefuß (Chenopodium album) ist das in Teilen Amerikas ebenfalls bezeugt. X) 

Samen vermahlen für "Hungerbrot" X) wie dies auch vom weißen Gänsefuß bekannt ist.

Domestikations- und Kulturgeschichte

Eine Übersicht über alle "Jahreswesen" bietet der NABU an. Ich habe mir daraus alle Gemüse ausgesucht und für meine Leser verlinkt. Du findest sie hier. Auf biologie online wird behauptet, dass der NABU selbst die Melde ausgelobt hat.

Als im Jahr 2000 der "Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt" in einer Veranstaltung zusammen mit dem NABU gemeinsam die Gartenmelde zum Gemüse des Jahres krönten, ahnten seine Mitglieder nicht, dass im fränkischen Bamberg ein ungehobener Schatz im Garten meiner langjährigen Freundin wuchs. Ziemlich zur gleichen Zeit erhielt ich diese Kostbarkeit von Magdalena, mit den Worten, sie hätte die Melde in den 90er Jahren von ihrem ehemaligen Arbeitskollegen erhalten, der diese Sorte wiederum in der Fränkischen Schweiz bei einer alten Dame im Hausgarten entdeckt hatte: Das waren damals ein paar Samenträger einer dickblättrigen, saftigen, grün-roten Melde mit wunderbar gestreiften Stängeln.

Die Geschichte dieser Sorte geht noch weiter in die Vergangenheit: Die Sorte wurde von einem Herrn Walter in Lindach (bei Heiligenstadt) entdeckt. Die Besitzerin des Gartens erklärte, dass sie ihre Gartenmelde von ihrer Großmutter über ihre Mutter "geerbt" habe. Das bedeutet, dass diese Sorte bereits vor dem zweiten Weltkrieg bei ihr im Garten gewachsen sein muss (Walter, 1999). Die Geschichte dieser Sorte wird in der Oberpfalz weitergeführt: Im April 2021 wurde diese Sorte in das Freilichtmuseum Oberpfalz gebracht. Dort darf sie sich in zwei Hausgärten etablieren. Ein kleiner facebook-Film zeigt wie aus der grün-roten Bamberger Melde der 'Bonne Dame von Lindach' die 'Guten Frau von Neusath' wird.

Bis heute bezieht sich das allgemein verfügbare Saatgutangebot nur auf gelbe, hellgrüne, grüne und rote oder violette, auf jeden Fall einfarbige Typen bzw. Herkünfte. Auch anderswo bekommt man über das Internet keine zweifarbigen grün-roten Varianten angeboten. Es sei denn, man traut sich in Übersee in Amerika zu bestellen X) X). Nicht einmal bei den Gärtnern der "Gärtnerstadt Bamberg" X) X) oder über den Museumsshop des Gärtner und Häckermuseums kann man die grün-rote Sorte kaufen, die vom Entdecker, einem Herrn Walter X), wie im französischen 'Bonne Dame von Lindach' "getauft" wurde (Walter, 1999). (Recherche 2021-Frühjahr).

Dabei sind die Qualitäten dieses Gemüses vielfältig X)! Und so verwundert es, dass dieses unproblematisch anzubauende Blattgemüse kaum züchterisch bearbeitet wurde, und auch nicht auf den Wochenmärkten feilgeboten wird.

Die tiefwurzelnde Melde saugt viele Minerale, u.a. Eisen und Kupfer, aus dem Boden bis in ihre Blätter und produziert jede Menge Vitamin A und C. Sie ist in vielen Eigenschaften dem Spinat ebenbürtig und entwickelt zudem weniger Oxalsäure, was sie insgesamt bekömmlicher macht.

Zu der Liste der Wirkungen gehört neben realistischen Angaben, wie die Verbesserung der Verdauung, Blutdrucksenkung und positive Effekte auf das Augenlicht (verhindert die Makuladegenartion dank Vit. A), auch ein Effekt auf die Knochengesundheit und auf die Nieren (Achtung, wenn sich etwa in älteren Pflanzen zu viel Oxalsäure angesammelt hat, dann bewirkt der Genuss das Gegenteil, d.h. er wirkt dann nierenreizend und knochenschädigend) X). Der indischen Volksmedizin zufolge, hilft der Genuss der Blätter sogar gegen Krebs und Warzen.

Aus der Domestikationsgeschichte

Die Gartenmelde wird im Capitulare de Villis genauso erwähnt, wie in Werken der Hildegard von Bingen. In den Heilkräutersammlungen der Renaissance (LONICERUS, 1679) taucht sie nicht mehr auf.

TSEWANG RINCHEN (2017), meint, dass Gartenmelde "one oft the oldest wild edible plants" sei. Das finde ich übertrieben, denn außerdem wird fast jedes Gemüse mit diesem Titel belegt. Sicher ist, dass die Römer und Griechen die Gemüsemelde kannten und aßen (Theophrast, Dioskorides) und dieses Gemüse rund ums Mittelmeer verbreiteten (von Spanien aus muss sie nach Deutschland "mitgenommen worden" sein, weswegen sie dann auch "spanischer Salat" genannt wurde (KÖRBER-GROHNE, 1994).

Die Gartenmelde wurde bis ins Hochmittelalter geschätzt, dann aber mehr und mehr vom "neumodischen" echten Spinat als Blattgemüse abgelöst oder verdrängt.

Weitere Wurzeln hat sie bis nach Indien und China, wo ihr Nahrungswert bis heute anerkannt und sie darüber hinaus als eiweißreiches Viehfutter genutzt wird. In Indien finden sich aktuell zahlreiche Herkünfte, die 2017 in eine Untersuchung einflossen, deren Ziel es war, die morphologische Varianz festzustellen (TSEWANG RINCHEN; 2017).

Anwendung

Je nach Geschmack werden nur die ganzen Pflanzen im (sehr kurzandauernden) "Rosettenstadium", also, wenn sie ca. 20 cm hoch sind, geerntet oder auch noch die immer herzhafter werdenden jüngsten Blätter der schießenden Pflanzen. Ich habe auch schon knackige ca. 30 cm lange Stängelstücke wie Spargel zubereitet.

Selbst die Samen sind essbar, egal ob als Mehl oder als Sprossengemüse gekeimt. Allerdings eignen sich dafür nur die nackten Samen und nicht solche, die in Hochblättern eingeschlossen sind. Mir ist es einfach zu mühsam, die "Extraverpackung" von Hand zu entfernen. Meine rot-grüne 'Bonne Dame' schenkt mir Jahr für Jahr besonders viele solcher blanken Samen! Die Verwendung als Mehl wurde immer wieder mal in Notzeiten mit verschiedenen Chenopodiaceae praktiziert. Das daraus gebackene Brot nannte man Hungerbrot X). Ähnlich wie aus Färberamaranth lässt sich aus roten Meldeblättern ein Anthocyan haltiger Farbstoff gewinnen, der zumindest für Ostereier gut geeignet ist, denn Anthocyane lassen sich nicht dauerhaft auf Stoffen fixieren. Wer hingegen Haare oder Stoffe dunkelgrün bis schwarz färben möchte, der muss die Samen dafür verwenden und mit dem richtigen Fixateur lichtecht machen X) X).

Gartenmelde und noch keine Gentechnik

Auch die Gartenmelde, dieses vergessene Gemüse, fiel schon einer Genomsequenzierung (JELLEN et al., 2020) zum Opfer. Ich sage das so, weil das für mich der erste Schritt in Richtung einer gentechnischen "Nutzung" bzw. "Veränderung" sein kann. In der Transgen-Datenbank steht nichts zur Gartenmelde (April 2021), was zeigt, dass die Gartenmelde noch ein unbedeutendes Gemüse bei uns ist. Wenn sich das in Zukunft ändern sollte, dann wird sicherlich auch das Interesse an gentechnisch veränderten Varianten aufkommen.

 

 

Erfahrungen aus erster Hand aus Coras Garten

Meine Melde, ist sehr unproblematisch. Anfangs habe ich etwas Etablierungsprobleme gehabt, d.h. mit Jungpflanzen funktioniert es besser, als mit Saatgut, aber seit sich die Melde selbst ausbreiten darf (sie hat sich sozusagen "selbständig" gemacht), kommt sie jedes Jahr zuverlässig und ich rupfe alles was mir zu viel ist, für Gründüngung aus. Sie hat, obwohl ich nie besonders viel Exemplare abblühen lasse, auch noch keine Inzuchtdepressionen gezeigt, d.h. sie sieht aus, so wie ich sie vor 20 Jahren bekommen habe.

Sie eignet sich zum Einfrieren genauso wie zum Frischverzehr. Allerdings mag ich die fast schon fleischigen, dicken Blätter nur von den jungen Pflanzen. Die Stängel sind als knackiges Spargelgemüse auch zu gebrauchen.

 

Saatgutgewinnung ganz praktisch

Die Seedsavers schreiben zur Melde: "Melde ist schwierig und erfordert sorgfältiges dreschen. Sobald das geerntete Material trocken ist kann man die Samen von den Zweigen per Hand abstreifen. Dazu sollte man einen Eimer darunter gestellt haben. … Meldesamen sind eine Herausforderung, da es drei Typen Samen gibt: Die größten Samen sind gelblich-bräunlich und von großen papiernen Hochblättern umhüllt. Dann kommen die mittleren, schwarzen Samen in kleineren Hochblättern. Und schließlich die nackten schwarzen kleinsten Samen. … Die schwarzen Samen haben geringere Keimraten als die Braunen, welche keine Keimruhe brauchen [also sofort keimen] (BUTTALA et al., 2015).

Zwar sind die trockenen Zweige der Samenträger einfach abzuschneiden, dann aber muss man sich entscheiden, ob man diese einfach in eine Papiertüte steckt und im Ganzen aufbewahrt oder, sie versucht zu Saatgut aufzubereiten. Damit meine ich, sie so zupft, vereinzelt und siebt, dass die Samen portionierbar werden. Ich nehme sehr grobe Erdsiebe zur Hand und trenne so die Samen mit den größten Vorblättern von den kleineren. Sehr einfach erhalte ich die Nacktsamen, da sie sich bereits in meinen Pflücktüten am Boden sammeln, so dass ich sie nur in ein Sieb mit einer Maschenweite schütte, bei der sie im Sieb bleiben und nur der Staub durchfällt.

Ob schwarze und braune Samen unterschiedlich sind hinsichtlich Keimruhe (Dormanz), wie es die Seedsavers behaupten, kann ich nicht sagen.

Auslesekriterien und Saatgutgewinnung

Mekmale alter Sorten

Die Melden sind so ursprünglich, dass es eher darum geht Auslesekriterien für eine Verbesserung festzulegen.

Während des vegetativen Wachstums
  • Alle morphologischen Details, wie Blattdurchmesser, Blattgröße, Blattdicke und Blattrandformen, natürlich auch die Blattfarbe
  • Langes Jugendstadium, spätes Schossen, bzw. Stauchung des Triebs und damit deutlicheres und längeres Rosettenstadium
  • Zartheit, Fleischigkeit der Stängel
  • Eignung für Gründüngungsmischungen
Während des generativen Wachstums
  • Auslese in frühe und späte Sorten (setzt Beobachtung des photoperiodischen Verhaltens voraus)
  • Auslese hinsichtlich der Bestäubungsbiologie
  • Länge des Blütenstands, Verzweigung (erster und weiterer Ordnung)
Nach der Ernte in Genussreife
  • Geschmack und damit Inhaltsstoffe der Blätter: weniger Oxalsäure und mehr Ascorbinsäure, Eiweißqualität, wenig Nitrat, zart und nicht bitter, Geschmack meines Erachtens noch verbesserungswürdig 
Nach der Ernte des Saatguts
  • Haltbarkeit der Samen
  • Gewicht und Größe des Samens
  • Anteil mit und ohne Vorblätter
Vorschlag für unkonventionellen Züchtungsansatz
  • Beim Salat ist es gelungen, den Spross so zu stauchen, dass schließlich Kopfformen entstanden. Warum soll dies nicht bei der Melde gelingen? Vielleicht hat es nur einfach noch niemand versucht? Dazu müssten Sorten ausgelesen werden, die niedriger bleiben und verkürzte Internodien (Länge des Stängels zwischen zwei Blättern) zeigen. In der Literatur findet man Wuchshöhen von 50 cm bis 200 cm!
  • Für die Züchtung wäre es sicherlich interessant zu wissen, ob es Pflanzen gibt, die unterschiedlich auf die Tageslänge (Photoperiode) reagieren. Da Melde früher von China über Indien bis Spanien angebaut und gegessen wurde, ist anzunehmen, dass es Varianten gibt, die eher im Langtag blühen, und solche, die mehr auf den Kurztag ansprechen.
  • Ein gewisses Forschungsinteresse gibt es angeblich hinsichtlich der Eignung der Melde als Energiepflanze, so wird das zumindest auf der Seite "Plants for a Future" behauptet.
Technisch-Gentechnische Vergewaltigungs- und Forschungsansätze

Gartenmelde und noch keine Gentechnik

Auch die Gartenmelde, dieses vergessene Gemüse, viel schon einer Genomsequenzierung (JELLEN et al., 2020) zum Opfer. Ich sage das so, weil das für mich der erste Schritt in Richtung einer gentechnischen "Nutzung" bzw. "Veränderung" sein kann. Noch ist Gartenmelde ein unbedeutendes Gemüse bei uns, wenn sich das in Zukunft ändern sollte, dann wird sicherlich auch das Interesse an gentechnisch veränderten Varianten aufkommen. Im April 2021 gab es keinen Artikel zur Art in der Transgen-Datenbank.

Anbautipps für Gärtner und Köche

  • Die Gemüsemelde ist eine der wenigen Arten, die auch für halbschattige Gärten geeignet ist.
  • In der fränkischen Schweiz und bei mir in der Oberpfalz wächst sie prächtig auf sehr Carbonat haltigen Böden (Jura).
  • Viele Arten der Gattung haben ihr Verbreitungsgebiet in Küstennähe, oder sie mögen nährstoffreiche Ruderalstellen, also Orte, an denen der Mensch alten Haus- und Gartenschutt abgelagert hat.
  • Wie bei vielen Blattgemüsen sollte auch hier einer Nitratanreicherung in den Blättern vorgebeugt werden, indem die Pflanze nicht überversorgt wird. Sie kann durchaus in zweiter oder sogar dritter Tracht stehen, denn sie wurzelt tief und holt sich ihre Nährstoffe auch aus tieferen Schichten.
  • Die Gemüsemelde kommt gut mit Trockenheit aus, aber sie schmeckt besser, bzw. wächst saftiger, wenn sie reichlich Wasser bekommt.
  • Die Blätter verändern mit dem Wachstum der Pflanze ihren Geschmack. Je länger und älter die Pflanze wird, desto schlechter schmecken sie. Manche Menschen empfinden sie schließlich zur Blütezeit ungenießbar, also zu bitter, zu hart und zu sauer.
  • Wenn zu viele Samen ausgefallen sind und nach dem Winter keimen, kann man diese Pflanzen als erste Gründüngung nutzen.
  • Die ausgefallenen Samen werden auch gerne von den Spatzen gefressen.
  • Anstatt fortlaufend in Sätzen anzubauen, lassen sich die Blätter auch im knackigsten und mildesten Stadium ernten, blanchieren und einfrieren.

Tipps für Erhalter

  • Ich finde das Aussamen nicht störend und ernte immer noch genug Saatgut, so dass ich keine Netze über die reifenden Samenstände spanne. Meiner Ansicht nach ist der Gartenboden der allerbeste Ort für die Samen der Gartenmelde. Dort hält der Samen am besten und keimt dann bereits ab Februar.
  • Der Samen ist von einer papierartigen Hülle (Vorblätter) umgeben, von der manche Autoren (HEISTINGER, 2004) meinen, sie solle nicht entfernt werden. Meiner Erfahrung nach vertragen die harten Samen einiges an Reibung durch Aufbereitung ab. Den Samen macht das Entfernen der Vorblätter also nichts aus, mir schon, denn es ist äußerst mühsam.
  • Der Reiz für die generative Phase, also die Blütenbildung, wird weniger von der Tageslänge als vielmehr von den Umweltbedingungen gesteuert, insbesondere der Wasserversorgung. Die Gartenmelde ist sehr ursprünglich und weist noch Eigenschaften von »Unkräutern« auf. Sie keimt, wächst und blüht nahezu das ganze Jahr über, soweit sie genügend Wärme (nicht Hitze), Nährstoffe und Bodenfeuchtigkeit vorfindet. Hier bietet sich dem Hobbyzüchter also noch ein weites Feld für die Auslese, auch bezüglich der Eignung für den Frühjahrs-, Sommer- und Herbstanbau.
  • Damit nicht zu viele Samen produziert werden, aste ich Pflanzen zum Teil auf, d.h. ich ernte nur Primärzweige ab ca. 50 cm Höhe und am liebsten die Spitze (ca. 30 cm) des Mittelzweigs.

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