Gartenmelde

Erfahrungen aus erster Hand aus Coras Garten

Meine Melde, ist sehr unproblematisch. Anfangs habe ich etwas Etablierungsprobleme gehabt, d.h. mit Jungpflanzen funktioniert es besser, als mit Saatgut, aber seit sich die Melde selbst ausbreiten darf (sie hat sich sozusagen "selbständig" gemacht), kommt sie jedes Jahr zuverlässig und ich rupfe alles was mir zu viel ist, für Gründüngung aus. Sie hat, obwohl ich nie besonders viel Exemplare abblühen lasse, auch noch keine Inzuchtdepressionen gezeigt, d.h. sie sieht aus, so wie ich sie vor 20 Jahren bekommen habe.

Sie eignet sich zum Einfrieren genauso wie zum Frischverzehr. Allerdings mag ich die fast schon fleischigen, dicken Blätter nur von den jungen Pflanzen. Die Stängel sind als knackiges Spargelgemüse auch zu gebrauchen.

 

Saatgutgewinnung ganz praktisch

Die Seedsavers schreiben zur Melde: "Melde ist schwierig und erfordert sorgfältiges dreschen. Sobald das geerntete Material trocken ist kann man die Samen von den Zweigen per Hand abstreifen. Dazu sollte man einen Eimer darunter gestellt haben. … Meldesamen sind eine Herausforderung, da es drei Typen Samen gibt: Die größten Samen sind gelblich-bräunlich und von großen papiernen Hochblättern umhüllt. Dann kommen die mittleren, schwarzen Samen in kleineren Hochblättern. Und schließlich die nackten schwarzen kleinsten Samen. … Die schwarzen Samen haben geringere Keimraten als die Braunen, welche keine Keimruhe brauchen [also sofort keimen] (BUTTALA et al., 2015).

Zwar sind die trockenen Zweige der Samenträger einfach abzuschneiden, dann aber muss man sich entscheiden, ob man diese einfach in eine Papiertüte steckt und im Ganzen aufbewahrt oder, sie versucht zu Saatgut aufzubereiten. Damit meine ich, sie so zupft, vereinzelt und siebt, dass die Samen portionierbar werden. Ich nehme sehr grobe Erdsiebe zur Hand und trenne so die Samen mit den größten Vorblättern von den kleineren. Sehr einfach erhalte ich die Nacktsamen, da sie sich bereits in meinen Pflücktüten am Boden sammeln, so dass ich sie nur in ein Sieb mit einer Maschenweite schütte, bei der sie im Sieb bleiben und nur der Staub durchfällt.

Ob schwarze und braune Samen unterschiedlich sind hinsichtlich Keimruhe (Dormanz), wie es die Seedsavers behaupten, kann ich nicht sagen.

Tipps für Erhalter

  • Ich finde das Aussamen nicht störend und ernte immer noch genug Saatgut, so dass ich keine Netze über die reifenden Samenstände spanne. Meiner Ansicht nach ist der Gartenboden der allerbeste Ort für die Samen der Gartenmelde. Dort hält der Samen am besten und keimt dann bereits ab Februar.
  • Der Samen ist von einer papierartigen Hülle (Vorblätter) umgeben, von der manche Autoren (HEISTINGER, 2004) meinen, sie solle nicht entfernt werden. Meiner Erfahrung nach vertragen die harten Samen einiges an Reibung durch Aufbereitung ab. Den Samen macht das Entfernen der Vorblätter also nichts aus, mir schon, denn es ist äußerst mühsam.
  • Der Reiz für die generative Phase, also die Blütenbildung, wird weniger von der Tageslänge als vielmehr von den Umweltbedingungen gesteuert, insbesondere der Wasserversorgung. Die Gartenmelde ist sehr ursprünglich und weist noch Eigenschaften von »Unkräutern« auf. Sie keimt, wächst und blüht nahezu das ganze Jahr über, soweit sie genügend Wärme (nicht Hitze), Nährstoffe und Bodenfeuchtigkeit vorfindet. Hier bietet sich dem Hobbyzüchter also noch ein weites Feld für die Auslese, auch bezüglich der Eignung für den Frühjahrs-, Sommer- und Herbstanbau.
  • Damit nicht zu viele Samen produziert werden, aste ich Pflanzen zum Teil auf, d.h. ich ernte nur Primärzweige ab ca. 50 cm Höhe und am liebsten die Spitze (ca. 30 cm) des Mittelzweigs.

Anbautipps für Gärtner und Köche

  • Die Gemüsemelde ist eine der wenigen Arten, die auch für halbschattige Gärten geeignet ist.
  • In der fränkischen Schweiz und bei mir in der Oberpfalz wächst sie prächtig auf sehr Carbonat haltigen Böden (Jura).
  • Viele Arten der Gattung haben ihr Verbreitungsgebiet in Küstennähe, oder sie mögen nährstoffreiche Ruderalstellen, also Orte, an denen der Mensch alten Haus- und Gartenschutt abgelagert hat.
  • Wie bei vielen Blattgemüsen sollte auch hier einer Nitratanreicherung in den Blättern vorgebeugt werden, indem die Pflanze nicht überversorgt wird. Sie kann durchaus in zweiter oder sogar dritter Tracht stehen, denn sie wurzelt tief und holt sich ihre Nährstoffe auch aus tieferen Schichten.
  • Die Gemüsemelde kommt gut mit Trockenheit aus, aber sie schmeckt besser, bzw. wächst saftiger, wenn sie reichlich Wasser bekommt.
  • Die Blätter verändern mit dem Wachstum der Pflanze ihren Geschmack. Je länger und älter die Pflanze wird, desto schlechter schmecken sie. Manche Menschen empfinden sie schließlich zur Blütezeit ungenießbar, also zu bitter, zu hart und zu sauer.
  • Wenn zu viele Samen ausgefallen sind und nach dem Winter keimen, kann man diese Pflanzen als erste Gründüngung nutzen.
  • Die ausgefallenen Samen werden auch gerne von den Spatzen gefressen.
  • Anstatt fortlaufend in Sätzen anzubauen, lassen sich die Blätter auch im knackigsten und mildesten Stadium ernten, blanchieren und einfrieren.

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