Erfahrungen aus erster Hand aus Coras Garten

Meine Pflanzen stehen im Halbschatten des Weins und gedeihen da jedes Jahr gut.

Direkt neben ihnen wachsen meine Rhabarberpflanzen, auch das dulden sie.

Die Pflanze lockt, wie die meisten Doldenblütler unzählige Bestäuber an, die sich gerne am Pollen bedienen. Sie wird von diversen Käfern und Schwebfliegen bestäubt. Sie duftet gut.

Saatgutgewinnung ganz praktisch

Eine einzige Pflanze kann bereits vitale Samen ansetzen, auch wenn Liebstöckel prinzipiell ein Fremdbefruchter ist. Die Samen sind wirklich nur sehr kurzfristig keimfähig und sollten deswegen sofort nach der Ernte wieder ausgesät werden. Vielleicht lassen sie sich vakuumiert länger aufheben, das habe ich aber noch nicht ausprobiert. Einfrierbar sind sie.

Die Samen können im August, wenn sie trocken und braun sind, einfach abgestreift werden. Die Samen der Mitteldolden sind am wertvollsten. Wenn bei der Ernte einige Blütenstängelchen mit ins Saatgut gewandert sind, dann lassen sich diese durch ein bis zwei Durchgänge Windsichten entfernen. Die Samen sind i.d.R. sehr gleichmäßig, so dass ich es nicht nötig finde, sie per Sieb nach Größe zu trennen.

Tipps für Erhalter

  • Heeger, E.F. (1956) beobachte an Liebstöckel noch 26 verschiedene Arten von Bestäubern. Damit ist Levisticum also eine hervorragende Insektentrachtpflanze, auch wenn kaum ein Standort heute noch auf diese Vielfalt kommen wird, weil sie gar nicht mehr vorhanden ist.

  • Im Thüringischen und in Sachsen-Anhalt gab es eine längere Anbautradition aus der aber keine unterscheidbaren Sorten ausgelesen wurden.

  • Interessant wäre ein Vergleich mit Sorten aus Ostländern (siehe "Sorten aus fremden Ländern")

  • Eine Beeinflussung der Wurzelform in Richtung Gemüse, wie bei Sellerie, ist nie vorgenommen worden. Schade, denn die Wurzel kann als Sellerieersatz genutzt werden, wenn man den richtigen Erntezeitpunkt für sie erwischt und sie noch nicht holzig ist. Der essbare Teil gehört botanisch korrekt zum Spross und zur Wurzel. So kennen wir das auch von Sellerie.

  • In Jahren mit großer Hitze und Trockenheit reifen die Samen nur not, d.h. sind qualitativ schlechter und keimen dann auch miserabler. Je älter die Pflanze wird, umso besser der Samen, d.h. qualitativ hochwertigere Samen nimmt man ab dem 3. Standjahr.

  • Liebstöckel ist wie Apiaceae allgemein, vormännlich (Protandrie X)). Der Pollen ist bei vielen Käfern sehr beliebt.

Anbautipps für Gärtner und Köche

  • "Eine bis zwei gut gepflegte Liebstockelstauden decken den Jahresbedarf einer großen Familie ausreichend. Bei der alle zwei bis drei Jahre vorzunehmendnen Teilung werden immer einige Wurzeln zum Trockenen geerntet." (KÖHLER, 1954)

  • Für eine medizinische Verwendung werden die Wurzelstöcke im Herbst von zwei bis dreijährigen Pflanzen geerntet. Sie dürfen dann schon verholzt sein.
  • Für eine Gemüseernte hingegen werden die Wurzeln von einjährigen Pflanzen genommen, im Spätherbst oder direkt nach der Überwinterung.

  • Für den Hausgebrauch kann man die Pflanzen auch durch Stockteilung (Wurzelteilung) vegetativ vermehren.

  • Bei Aussaat müssen die Keimlinge gut feucht gehalten werden (wie man das von Petersilie und Möhren auch kennt).

  • Liebstöckel wächst gerne in kräftig und frisch gedüngtem Boden. Sie steht also in erster Tracht. Schwere Tonböden führen jedoch zum Verderben.

  • Zudem ist Levisticum kalkhold. Kohlensaurer Kalk aus Natursteinbrüchen kann die Pflanzen nicht verätzen.

  • Die Pflanzen gedeihen auch im Halbschatten. Hitzige, vollsonnige, trockene Plätze sagen ihnen nicht zu.

  • Späteres Anhäufeln erhöht die Standfestigkeit und fördert die Bildung von "Wurzeln" aus dem Spross.

  • Wer nur an den Blättern interessiert ist, bricht regelmäßig die Blütenstände aus. Die Blätter können auch sehr gut getrocknet noch als Würze verwendet werden.

  • Das Maggikraut wird von Schnecken gemieden.

  • Wenn Rostflecken an den Blättern auftreten, dann könnte das der auf Levisticum spezialisierten Pilz Ramularia levistici oder Septoria apiicola sein. Zwar sind diese Krankheiten im Hausgarten seltener und eher unbedeutend, jedoch können sie im professionellem Anbau zu Ertragsausfällen führen.

  • Aufgrund seiner Inhaltsstoffe wird Liebstöckel nicht von allen Menschen vertragen.

    Inhaltsstoffe von Levisticum X), die wir als umami X) X) schmecken:

                Asparaginsäure 461,00 mg

                Glutaminsäure  691,00 mg

    Zudem ist Liebstöckel reich an Histamin senkendem Quercetin X)X).

 

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