Altweltbohnen

Erfahrungen aus erster Hand aus Coras Garten

Das erste Mal kam ich mit während meiner Lehrzeit mit, wie ich sie intuitiv nannte "Halbmeterbohnen", also Kuhbohnen der Gruppe Sesquipedalis, in Berührung

Die wärmeliebenden Pflanzen wurden durch einen Folientunnel geschützt und bildete massenhaft 60 – 80 cm lange, nicht strohig werdende, wunderschön über das Laub hängende Bohnenhülsen aus. Der Anbauversuch wurde 1991 aber nicht fortgeführt.

Das nächste Mal begegneten mir Mungbohnen in Form von frittierten, süßen Konfekt. Das war in Sri Lanka wo ich auf dem Land eingeladen war.

Die im Chinarestaurant verzehrten "Sojasprossen" wusste ich damals noch nicht richtig, d.h. zur Gattung Vignia einzuordnen.

2020 habe ich mir ettliche Sorten im Internet besorgt und werde selbst mit Freunden einen Anbauversuch wagen.

Saatgutgewinnung ganz praktisch - Ernte von Hand

Zur Samenreife zeigen die Hülsen einen Farbumschlag, d.h. vorher grüne, gepunktete oder
lila Hülsen werden braun. Falls die Gefahr besteht, dass die Früchte nicht an der Pflanze
ausreifen, dann kann man die kompletten Pflanzen ausreißen und sie auf dem Dachboden
wie Kräuter zum Nachtrocknen aufhängen.
Die Hülsen springen bei leichtester Berührung auf! Ggf. Tuch unterlegen.
Der Klang trockener Bohnen ist anders als der von noch zu feuchten.
Bohnen können, wenn ganz trocken eingefroren werden. Dies tötet auch etwaige
Bohnenkäfer.
Tausendkorngewicht: 100 – 250 g (sehr gering im Vergleich zu Phaseolus vulgaris: TKG
250 – 550 g)

Tipps für Erhalter

  • Vegetative Vermehrung für Laien aus Stecklingen möglich (kriechende Arten können an Nodien Wurzeln bilden). Auch mit Schnitten aus Keimblättern und anschließender Kultur auf sterilem Nährmedium ist die vegetative Vermehrung bei entsprechender Laborausstattung möglich.
  • Kreuzungen durch Insekten sind beschrieben, aber sehr selten.
  • Bei Handbefruchtung müssen die ausgesuchten Blüten am Vortag, also als Knospe entmannt werden, um die Selbstbestäubung sicher zu verhindern.
  • Die Staubblätter sind bereits 7 bis 8 Stunden vor der Blütenöffnung befruchtungsfähig, also bereits nachts (wenn es jemand mit Handbefruchtung probieren möchte, muss er sehr früh aufstehen!) Der geerntete Pollen bleibt bei Raumtemperatur bis 24 Stunden lebensfähig.
  • Die Blüte schließt bereits mittags, bzw. fällt nach Befruchtung ab.
  • Selektion für Zweinutzungspflanze stand immer im Vordergrund, d.h. für die menschliche und die tierische Ernährung.

Anbautipps für Gärtner und Köche

Keimsprossen von Mungbohnen (Green Gram) "Sojasprossen" davor Samen zwölf bis 18 Stunden in 22 – 25°C warmen Wasser einweichen, direkt im Glas, nicht auf Vlies (Sprossen bilde besonders viel Vitamin C): 2 – 3 x tägl. Spülen. Bei 18°C und gespannter Luft nach 3 Tage erntefähig. Keimung macht Bohnensamen (alle) ungiftig!!

  • Am besten wächst sie geschützt im Gewächshaus! Oder man pflanzt im Container auf heißen Südbalkonen
  • Pflanzung nicht vor Ende Mai! Harrington (2009) schreibt: "…all thought of frost a dim memory."
  • Mungbohnensorten mit kurzer Kulturdauer haben eine Chance im Weinbauklima (90 – 100 Tage).
  • Wenn es Sorten gibt, die im nördlichen Japan wachsen, dann haben die ebenfalls eine Chance bei uns.
  • Niederländische Gärtner haben auf Tagneutralität selektiert.
  • Die Vignia wächst auch auf schlecht, bzw. nicht gedüngten Böden als Subsistenzfrucht.
  • Zink- und Molybdänmangel sind häufig. Beides pH-Abhängige Mängel.
  • Typische Mischkulturpartner sind Yams, Taro und Süßkartoffeln aber auch Sorghum und Perlhirse (von dieser gibt es Ziersorten).
  • Die Gemüseernte von Kuhbohnen beginnt erst, wenn die Tage wieder deutlich kürzer werden. Im Gewächshaus ist die Hülsenernte teils nach 50 – 100 Tagen nach Ausaat möglich.
  • Stilechte Kletterhilfe: Bambus („kennen“ die Kuhbohnen aus Südostasien).
  • Manche Sorten blühen nicht in Regenphasen und sind anfällig für echten Mehltau und andere Pilze
  • Kann Mosaikviren bekommen, dieser scheint aber auf die Art angepasst zu sein, d.h. er wird nicht von Tabak oder Gurken übertragen.
  • Kuhbohnen werfen die Blüten bei Hitze nicht ab!
  • Asiatische Herkünfte brauchen mehr Wasser als afrikanische Herkünfte.
  • Während der Blüte und der Hülsenentwicklung haben sie allgemein einen hohen Wasserbedarf. Trotzdem dürfen die Wurzeln nicht permanent nass sein (etwa durch Dauerregen).
  • Falls wirklich mal rote Spinnen plagen sollten, hilft gießen.
  • Junge Hülsen sind roh essbar, egal wie lang sie sind (Ernte unreif).
  • Beim Kochen werden die Hülsen schneller gar als die von Altweltbohnen. Die Hülsen sind delikater, d.h. sie werden nicht strohig. Auch die Blätter und die jungen Triebe sind als Gemüse essbar.

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