Signatur

Aufgrund der heilkräftigen Potenz der Baldriangwächse, verbinde ich diese mit dem Element Eisen aus welchem seit der Steinzeit Waffen zur Verteidigung, aber auch chirurgische Instrumente geschmiedet werden.

Planet: alle alten Planeten

Farbmagie: grellweiß, grün wie das Leben, maigrün

Schlüsselzahlen: 4 - 8

Themen: ausgewogen, entschleunigt, abgebremst, 4 Jahreszeiten, Wintervorrat

Bezug: Eisen

Gemüse und mehr

Lebende Vorfahren und nahe Verwandte
  • Wollfrüchtiger Feldsalat (Valerianella eriocarpa)
  • Gezähnter Feldsalat (Valerinella dentata)
  • Gekielte Rapunzel (Valerianella carinata)
  • Gekrönte Rapunzel (Valerianella coronata)
(Diese Arten stehen teils unter Natur- und Artenschutz! Bitte nicht einfach mitnehmen, sondern vorab erkundigen.)
Allgemein bekannte Gemüse
  • Feldsalat (Valerianella locusta)
Gemüse mit Entwicklungsbedarf oder für den Klimawandel
  • Spornblume (Centranthus rubur) Blätter und Wurzeln essbar X)
  • Algiersalat, Füllhorn-Fedia, Schmelzkraut (Fedia cornucopiae)
  • Kooyah, Tabakwurzel, Mexikanischer Baldrian (Valerianella edulis, syn. V. obovata) kann bis 300 Jahre alt werden X)
Gründüngepflanzen
  • Feldsalat (Valerianella locusta)
Einjährige Arzneipflanzen für Jauchen, Tees und Beizen
  • Echter Baldrian (Valeriana officinalis)
  • Japanische Kessowurzel (Valeraina officinalis var. angustifolia)
  • Hoher Goldbaldrian, Chinesischer Heilbaldrian (Patrinia scabiosaefolia) TCM-Pflanze
  • Indische Duftnarde, Wohlrichende Narde, Tagar – Ganthoda (Nardostachys grandiflora; syn. N. jatamansi, Valeriana jatamansi; Valeriana wallichii) da als Art bedroht; Ayurvedapflanze aus dem Himalaja, nur homöopathisch anwenden!
Obst (aus nahe verwandter Familie der Geisblattgewächse)
  • Jelängerjelieber, Honigbeere X) (Lonicera caerulea, syn. kamtschatica, L. caerulea var. kamtschatica)
Beikräuter, Unkräuter weltweit - Invasive Pflanzen
  • Spornblume (Centranthus rubur)

Baldriangewächse

Kultur- und Domestikationsgeschichte, Hinweise zu verbreiteten Inhaltsstoffen, Düngung und alchemistische Gedanken

Der botanische Familienname kommt vom lateinischen "valere" und bedeutet kräftig, gesund und stark. Stark sind die Eisenzeit-Menschen durch ihre Waffen auch geworden, und somit ihren Steinzeitvorfahren überlegen. Allerdings, zumindest in Britannien, nicht so stark, dass sie die taktisch und mit besseren Waffen ausgestatteten Römer 43 v. Chr. zurückdrängen konnten. Einer der Präfekten der die römischen Provinz Britania Prima (in der auch Stonehenge liegt) regierte, hieß zufällig Valerius Lupercus, also "Der starke Lupercus". X)

Den Bezug zum Eisen habe ich gewählt, weil die Vertreter dieser Familie seit alters her als kräftigendes Kraut gegessen werden, sozusagen "eiserne" Gesundheit fördern, und sich einige bis heute gegen den Anbau, also die "domestizierende Eroberung" sozusagen mit eiserner Entschlossenheit "wehren", wie die Narde und die Tabakwurzel. Von den Baldrianwurzeln ist bekannt, dass sie zur Abwehr des Bösens als Amulett getragen wurden (BEUCHERT, 1995).

Der echte Baldrian (Valeriana officinalis), der dieser Familie seinen Namen gab, ist ein altbekanntes Heilkraut. Seine offizinell verwendete Wurzel schmeckt nicht als Gemüse, jedoch können seine jungen zarten Blättchen als Zugabe in Wildsalaten genutzt werden.

Ein kosmetisch genutzter Vertreter der Familie ist der echte Speik (Valeriana celtica). Seine Wurzeln geben der gleichnamigen Seife ihren typischen Duft.

Der Feldsalat, wie wir ihn heute im Winter schätzen und in Schälchen kaufen können, verdankt sein "Überleben" wahrscheinlich der Domestikation, denn viele seiner nahen Verwandten stehen unter Naturschutz. Unsere heutigen Anbaupraktiken, wie tiefes, wendendes Pflügen vernichteten seine ehemalige Lebensgrundlage, nämlich das über den Winter brachliegende Stoppelfeld.

Die von den "Indianern" genutzten Wurzeln der Tabakpflanzen könnten ein interessantes Zukunftsgemüse werden, wenn man es schafft sie nicht durch langes Kochen sondern durch züchterische Entwicklung schmackhafter zu machen.

Dann gibt es noch die als Zierpflanzen bekannten Spornblumen, die im Mittelmeerraum und in England wild vorkommen und nicht nur da ein rechtes Unkraut darstellen. Sie sind zwar nicht giftig aber sehr bitter, auch wenn sie in manch einem Buch ebenfalls als Wildgemüse vorgestellt werden. Vielleicht wird auch hier mit etwas Züchtungsglück ein passables Gemüse draus. Wüchsig und ertragreich wäre die Spornblume schon. Und im Winter im Jugendstadium geerntet, schmecken sie mir gar nicht so übel.

Dagegen sind die wilden Bestände der im Himalaja wachsenden Narde stark (Nardostachys jatamansi) bedroht. Die seit der Antike bekannte Pflanze, dessen Destillat zur Salbung von Königen verwendet wurde, lässt sich bis heute nicht kultivieren, sondern nur wild sammeln.

Gesundheitliche Aspekte

Die Familie ist für duftende ätherischen Öle (z.B. Valerian- als auch Valerensäure) aus ihren Wurzeln bekannt (die Stoffgruppe wird unter dem Namen Valepotriate X) zusammengefasst). Nicht nur der Goldbaldrian produziert diese Valepotriate. Auch aus der Narde und dem Spike werden die beruhigenden und entspannenden Stoffe extrahiert.

Der typische Geruch dieser Familie, wird neben den oben genannten, durch den Stoff Actinidin verursacht. X) . Dieser Stoff wirkt auf Katzen sogar berauschend und ist auch das Geheimnis des echten Baldrians und auch von der (nicht zu den Valerianaceae gehörenden) Katzenminze.

Actinidin ist nicht mit Actinidain gleichzusetzen! Letzteres kann bei der Verdauung helfen, ähnlich wie das bekanntere Papain (der Fleischzartmacher) aus der Papaya.

Die Baldriangewächse ziehen viele Mineralstoffe aus dem Boden, u.a. Eisen. Der erst jüngst domestizierte Feldsalat enthält eine gehörige Portion Eisen. Zwar weniger als das echte Wildgemüse Brennnessel, aber immerhin noch 2mg/100g und hat damit mehr als die meisten anderen üblichen Gemüse! Ob er deswegen von den Schnecken gemieden wird, weiß ich nicht (Schnecken lassen sich ja mit Eisen III-Phosphat vergiften).

Das meiste Eisen im Körper befindet sich im Blut (2,8g von 4,5g) und in der braunroten Leber (unserem Blutreinigungsorgan) X)  

Es gibt sogar eisenhaltige Enzyme und wenn der Körper diese nicht bilden kann, dann kommt es zu schweren Krankheiten:

Bei der Phenylketonurie fehlt das für den Eiweißumbau notwendige eisenhaltige Enzym Phenylalaninhydroxylase. Die Phenylketonurie ist eine erbliche Stoffwechselstörung. Im Biologieunterricht ist sie ein Paradebeispiel eines autosomal-rezessiven Erbgangs. Und für Pflanzenentwickler sollte sie eine Warnung darstellen, dass man nicht zu oft nahe Verwandte miteinander vermehrt, nur dann können sich rezessive Gene ansammeln und ausprägen.

Unter einer weiteren Erbkrankheit litt wahrscheinlich King George der Dritte (Film (1994): "King George – Ein Königreich für mehr Verstand") nämlich unter Porphyrie. Dies ist ebenfalls eine Stoffwechselerkrankung, bei welcher das eisenhaltige Hämoglobin  nicht richtig in der Leber abgebaut und deswegen über die Nieren mit braunroten, fast schwarzem Urin ausgeschieden wird. 

Gedanken zur Fruchtfolge

Da nur der Feldsalat im Gemüsegarten angebaut wird, besteht zu keinem weiteren Gemüse Verwandtschaft. Als abräumende Feldfrucht (sie steht in 3. Tracht) kann sie nach allen anderen angebaut werden, nur nicht eben auf frisch gedüngten Flächen.

In Gewächshäusern besteht die Gefahr, dass sich Mehltau aus Vorkulturen auch auf dem Feldsalat überträgt. Aber unter Glas gehört dieses Kraut meiner Ansicht nach sowieso nicht, es braucht den Schutz nicht und wird durch zu viel Wärme nur schwach und krankheitsanfällig.

Baldrianextrakt Kompostpräparat (507)

Nach Sattler und WISTINGHAUSEN (1985) vermittelt "der Saft aus den Blüten des Baldrians (Valeriana officinalis (507) … dem Dünger die Kräfte, sich in der richtigen Weise gegenüber dem Phosphor zu verhalten." Das Präparat wird auch auf wachsende Kulturen gesprüht, um Spätforstschäden zu minimieren. Es vermittelt also Wärme. Es wäre auszuprobieren, ob das Präparat dabei helfen kann empfindliche Arten so weit abzuhärten, dass die Eigenschaft auch genetisch weitergegeben werden kann.

Botanik, Blütenökologie und Bestäuber

Blütenformel: *↓ K(5) bzw. K(5) [C(3-5) A1-4] G(2-8) unterständig

Die Familie der Valerianaceae wird je nach Nomenklatur als eigenständige oder als Unterfamilie der nah verwandten Geißblattgewächse taxiert. Native Vertreter finden sich, außer in Australien, auf dem gesamten Globus.

Die Blütenstände werden als Zymen ausgebildet. Die Blütenblätter sind häufig verwachsen und 5-zählig. Die Blüten sind asymmetrisch und häufig gespornt.

Die Frucht ist ein Nüsschen.

Feldsalat, Fedia und Spornblumen zeigen während der rosettenförmigen Jugendphase Blätter ohne Stil und in der Blühphase gestengelte Blätter.