Kulturdatenblatt

Typen und Sortenkunde

Wie ist es mit der Sortenvielfalt bestellt?

Die Art ist (zum Recherchezeitpunkt 04-2021) nicht im Europäischen Sortenkatalog und auch nicht in Listen des Internationalen Verbandes zum Schutz von Pflanzenzüchtungen (UPOV) (geschweige denn, dass es Testguidlines gäbe) aufgeführt. Das ist erfreulich für alle, die Saatgut von Gartenmelde vertreiben wollen.

Es sind zwar (zumindest weltweit betrachtet) viele Sortennamen im Umlauf, aber an diese Sorten heranzukommen ist eine ganz andere Sache! Außerdem hat noch niemand diese auf Übereinstimmung untereinander gerprüft, so dass es sehr wahrscheinlich ist, dass die selbe Sorte unter verschiedenen Namen vertrieben wird.

Im Lexikon der alten Gemüsesorten (SERENA et. al, 2014 ) werden folgende Sorten aufgeführt:
Alter Spinat von Monthey, Butterkraut, Enz, Gelbe aus Österreich, Grüne Amriswil, lauerz, Purpurfarbene, Rote Blauetikett, Rote Lesass, Rote Lebeda, Rote Richterswill und Violette Richterswill.

Kokopelli (Frankreich) bietet 'Blonde', 'Magenta Magic', 'Maufe', 'Ruby Gold', 'Triple Purple', 'Verte', 'Violette a Feulles Pontues' und 'Opera' an.

Beim Seed Savers Exchange findet man 'Blackl und Bly', 'Bulgarian', 'Gelbe Lacherez', 'German Spinach', 'Giant Swiss Mountain Spianch', 'Golden', 'Meldra', 'Mill Kohl Mountain Spinach', 'Red', 'Old Fashioned Mountain Spinach' and 'Purple'.

Aus einer indischen Studie, die das Ziel hatte die morphologische Diversität innerhalb der Gartenmelde festzustellen sind Herkünfte aus den Tälern Nubra, Indus und Suru gesammelt worden TSEWANG RINCHEN (2017).

Es muss eine Kupferfarbene Sorte in Amerika geben, die dort selten angeboten wird X)

Weitere Namen und Bezeichnungen

Weitere Namen

In vielen Sprachen und Dialekten der alten Welt gibt es ein Wort für die Melde, ein Hinweis darauf, dass sie wohl allgemein bekannt und einst auch genutzt wurde:

Zusammengestellt aus verschiedenen Quellen, hauptsächlich https://www.healthbenefitstimes.com/orach/Deutsch: Garten-Melde, Gemüsemelde, Spanischer Spinat, Moiken, Molken;
Norwegisch: Matmelde, Fjellspinat, Hagemelde;
Dänisch: Have-Mælde, Melspinat;
Schwedisch: Trädgårdsmålla, Tarhamaltsa, Mållspenat;
Holländisch: Tuinmelde;
Frisisch: Guardmial;
Englisch: Garden orach, Mountain spinach, Sea purslane, Garden saltbush, French spinach, Butter leaves;
Walisisch: Llygwyn yr ardd;
Französisch
: Arroche des jardins, Arroche épinard, Epinard géant, Bonne-dame, Belle-Dame, Chou d’Amour, follette;
Italienisch: Atriplice degli orti, Bietolone rosso, spinacione;
Rumänisch: Lobodă, ştir
Spanisch: Armuelle mole, Bledos moles, Armuella de huerta, Armuelle, Cogolletes, Espinaca de Carne, Ramos de Coral, verdolaga hortense, Armoles, ceniglo;
Baskisch: Garadaizka
Katalanisch: Armoll, Blet moll; Espinac de carn, Moll;
Portugisisch: Armolas
Galizisch: Armol;
Finnisch: Tarhamaltsa sadova, lutyha sadova ;
Ungarisch: Kerti laboda;
Russisch: Lebeda sadovaya;
Polnisch: Łoboda Ogrodowa;
Tschechisch: Lebeda zahradní;
Albanisch: Labot;
Bulgarisch: Gradinska loboda;
Kroatisch: Vrtna pepeljuga;
Ukrainisch: Loboda;
Serbisch: Bashtanka loboda;
Slovakisch: Loboda záhradná;
Slovenisch: Loboda vrtna;
Litauisch: Daržinė balandūnė;
Estisch: Aedmalts;
Griechisch: Atríplia;
Türkisch: Kara pazı, hayat süpürgesi;
Arabisch: rghl bstany;
Indisch/Tibetisch: Phaltora;
Assam
: Pahari paleng;
Kashmiri: Vasta Haak;
Chinesisch: Yu qian bo cai;
Japanisch: Akaza;

Botanisch: Die meisten Botaniker benennen die Gartenmelde mit dem Gattungsnahmen Atriplex, wenige auch mit Chenopodium. Als Artname folgt am häufigsten hortense bzw. hortensis, aber auch solch tolle Artbezeichnungen, wie pharaonis, spectabilis werden verwendet; oder benghalensis, welche hin und wieder als eigene Art angesehen wird.

Ob es sich bei den Farbvarianten um Sorten oder echte Varianten handelt, wie einige Autoren durch var. rubra, betae, virgata und benghalensis betonen, sei dahingestellt. Eine etwaige Verwandtschaft zur Glanzmelde wird durch das Synonym Atriplex hortensis subsp. nitens ausgedrückt. Sie scheint aber neuerer Untersuchungen zur Folge, nicht gegeben zu sein X) .

Vorfahren und lebende Verwandte

Atriplex aucheri

Atriplex micrantha (syn. A. heterosperma)

Atriplex benghalensis (unter der Voraussetzung, dass dies eine eigene Art ist)

Atriplex nitens (nach neueren Untersuchungen ist die Glanzmelde eher nicht der Vorfahr X))

Kreuzungsmöglichkeiten

Den Blütenstand nennt man botanisch eine "lockere Ähre", die meisten Blüten werden windbestäubt.

Es gibt männliche, weibliche und zwittrige Blüten auf einer Pflanze (das Verhältnis der männlichen zu weiblichen zu zwittrigen Blüten ist sortenabhängig). Die Melde blüht vormännlich. Sie zeigt zweierlei Samen, nämlich gut in Vorblätter verpackte als auch nackte, unverpackte Samen. Das nennt man Heterospermie. Sie ist nach einer Untersuchung enger mit der Gattung Chenopodium als mit der Gattung Amaranthus verwandt (JELLEN et al., 2020). Gattungshybriden zwischen diesen sind mir jedoch nicht bekannt, Arthybriden hingegen gibt es.

GROSS (1918) rät bereits vor 120 Jahren, auf ausreichend Abstand zu achten, wenn man mehrere Sorten oder Farben anbaut! Die Pflanzen bestäuben sich teilweise selbst, Windbestäubung überwiegt aber. Prozentuelle Angaben dafür liegen mir leider nicht vor.

Da in meinem Bestimmungsbuch, dem ROTHMALER (1994), verschiedene Bastarde, also Kreuzungen, beschrieben sind, gehe ich davon aus, dass sich die Gartenmelde sehr wohl mit weiteren wildwachsenden Gattungsangehörigen kreuzen könnte:

Atriplex triangularis x parula
Ariplex oblongifolia x patula.

Es gibt auch eine sogenannte verschiedensamige Melde (Atriplex micrantha) die sich entlang von Autobahnen extrem ausgebreitet hat X). Ich erwähne sie hier, da sie mit meiner Sorte der Gemüsemelde die "Verschiedensamigkeit" und den "Hauch" ins "Rotfarbige" gemein hat X). D.h. es gibt Samen, die frei liegen und solche, die in Vorblättern eingehüllt bleiben (Heterospermie). Auch die Samenfarbe kann an einer Pflanze mal hellbraun oder schwarz sein und entsteht nicht unbedingt nur durch eine Notreife, sondern einfach natürlich und ohne Qualitätseinbußen.

Sorten vor 120 Jahren

Auch GROSS (1918) kennt "gelb-, rot- und grünblätterige Gartenmelden". Wobei Erstere als Gemüse am geeignetsten sei, meinte er.

Sorten aus Roter Liste

Leider keine

Sorten für den Bioanbau 2017 von FIBL empfohlen

Leider keine Empfehlungen

Open-Source-Sorten

leider keine bekannt

Mitglieder in der Slowfood "Arche des Geschmacks"

Leider keine

Sorten mit komischen Namen

'Schöne Dame von Neusath' X Link zum Film); alias 'Bonne Dame von Lindach' (= Bamberger oder fränkische Melde)

Walter, Erich (1999); Die Gartenmelde (Atriplex hortensis L): Eien fast vergessenen Nutzpflanze bäuerlicher Gärten (oder die "bonne dame" von Lindach); Heft1/1999 Heimat Bamberger Land; Verlag Thomas-Gunzelmann, Bamberg

Sorten aus fremden Ländern für Jäger und Sammler

Kokopelli (Frankreich) bietet 'Blonde', 'Magenta Magic', 'Maufe', 'Ruby Gold', 'Triple Purple', 'Verte', 'Violette a Feulles Pontues' und 'Opera' an.

Beim Seed Savers Exchange findet man 'Blackl und Bly', 'Bulgarian', 'Gelbe Lacherez', 'German Spinach', 'Giant Swiss Mountain Spianch', 'Golden', 'Meldra', 'Mill Kohl Mountain Spinach', 'Red', 'Old Fashioned Mountain Spinach' and 'Purple'.

Aus einer indischen Studie, die das Ziel hatte die morphologische Diversität innerhalb der Gartenmelde festzustellen sind Herkünfte aus den Tälern Nubra, Indus und Suru gesammelt worden TSEWANG RINCHEN (2017).

Sorten mit anderen Verwendungen

Die eiweißreiche Pflanze kann als Viehfutter verwendet werden, vom etwas verwandten weißen Gänsefuß (Chenopodium album) ist das in Teilen Amerikas ebenfalls bezeugt. X) 

Samen vermahlen für "Hungerbrot" X) wie dies auch vom weißen Gänsefuß bekannt ist.

Auslesekriterien und Saatgutgewinnung

Mekmale alter Sorten

Die Melden sind so ursprünglich, dass es eher darum geht Auslesekriterien für eine Verbesserung festzulegen.

Während des vegetativen Wachstums
  • Alle morphologischen Details, wie Blattdurchmesser, Blattgröße, Blattdicke und Blattrandformen, natürlich auch die Blattfarbe
  • Langes Jugendstadium, spätes Schossen, bzw. Stauchung des Triebs und damit deutlicheres und längeres Rosettenstadium
  • Zartheit, Fleischigkeit der Stängel
  • Eignung für Gründüngungsmischungen
Während des generativen Wachstums
  • Auslese in frühe und späte Sorten (setzt Beobachtung des photoperiodischen Verhaltens voraus)
  • Auslese hinsichtlich der Bestäubungsbiologie
  • Länge des Blütenstands, Verzweigung (erster und weiterer Ordnung)
Nach der Ernte in Genussreife
  • Geschmack und damit Inhaltsstoffe der Blätter: weniger Oxalsäure und mehr Ascorbinsäure, Eiweißqualität, wenig Nitrat, zart und nicht bitter, Geschmack meines Erachtens noch verbesserungswürdig 
Nach der Ernte des Saatguts
  • Haltbarkeit der Samen
  • Gewicht und Größe des Samens
  • Anteil mit und ohne Vorblätter
Vorschlag für unkonventionellen Züchtungsansatz
  • Beim Salat ist es gelungen, den Spross so zu stauchen, dass schließlich Kopfformen entstanden. Warum soll dies nicht bei der Melde gelingen? Vielleicht hat es nur einfach noch niemand versucht? Dazu müssten Sorten ausgelesen werden, die niedriger bleiben und verkürzte Internodien (Länge des Stängels zwischen zwei Blättern) zeigen. In der Literatur findet man Wuchshöhen von 50 cm bis 200 cm!
  • Für die Züchtung wäre es sicherlich interessant zu wissen, ob es Pflanzen gibt, die unterschiedlich auf die Tageslänge (Photoperiode) reagieren. Da Melde früher von China über Indien bis Spanien angebaut und gegessen wurde, ist anzunehmen, dass es Varianten gibt, die eher im Langtag blühen, und solche, die mehr auf den Kurztag ansprechen.
  • Ein gewisses Forschungsinteresse gibt es angeblich hinsichtlich der Eignung der Melde als Energiepflanze, so wird das zumindest auf der Seite "Plants for a Future" behauptet.
Technisch-Gentechnische Vergewaltigungs- und Forschungsansätze

Gartenmelde und noch keine Gentechnik

Auch die Gartenmelde, dieses vergessene Gemüse, viel schon einer Genomsequenzierung (JELLEN et al., 2020) zum Opfer. Ich sage das so, weil das für mich der erste Schritt in Richtung einer gentechnischen "Nutzung" bzw. "Veränderung" sein kann. Noch ist Gartenmelde ein unbedeutendes Gemüse bei uns, wenn sich das in Zukunft ändern sollte, dann wird sicherlich auch das Interesse an gentechnisch veränderten Varianten aufkommen. Im April 2021 gab es keinen Artikel zur Art in der Transgen-Datenbank.