Von Düngung zu Pflanzenentwicklung

In aller Kürze

Düngen wir mit Kohlenstoff? Dazu lade ich ein folgendes Gedankenexperiment zu wagen: Versuchen Sie Ihre Pflanzen mal nicht mit Kohlenstoff zu versorgen, sie zu isolieren. Das ist unmöglich! Denn die Pflanzen holen sich den nötigen Kohlenstoff gasförmig aus der "normalen" Luft und verarbeiten ihn in dem Stoffwechsel, den wir Photosynthese getauft haben.

Obwohl! Es ist möglich, in Gewächshäusern eine CO2 – Begasung (0,4 statt 0,04 Vol.-%) durchzuführen, die das Wachstum allgemein verbessert.Aber Kohlenstoff ist auch der Gerüststoff im Boden, denn dort ist er im Humus vorhanden. Kohlenstoff ist zwar kein klassischer Dünger, und doch geben wir Kohlenstoff zu, sobald wir den Boden pflegen. Zwischenzeitlich hat man ja auch erkannt, dass der Boden ein wertvoller Speicher zum Wohle einer Verhinderung der Erderwärmung ist.

Wirkungsdauer der Dungstoffe im Boden Tabelle aus unbekanntem Buch leicht abgewandelt und vereinfacht:

Es wirken zu einem Teil im

1. Jahr

2. Jahr

3. Jahr

Kompost

1/2

1/3

1/5

Stallmist allgemein

1/3

1/3

1/3

Schweinemist

1/3

1/3

1/3

Pferdemist

1/2

1/3

1/6

Rindermist

1/2

1/3

1/6

Schafmist

1/2

1/3

1/6

Taubenmist

2/3

1/6

1/6

Guano

2/3

1/6

1/6

Jauche und Urin

100 %

 -

-

Blutmehl

4/5

1/5

 -

Knochenmehl

1/3

1/3

1/3

Also "düngen" wir Kohlenstoff gerne in Form von aufbereiteten Pflanzenresten, z.B. Kompost. So betrachtet stimmt der Spruch "Pflanzen schaffen sich ihre eigene Erde".

Wie passt dieser Satz aber mit der allgemein bekannten Gärtnerweisheit zusammen, dass Gemüse als "Humuszehrer", also als "Bodenvernichter" gesehen werden? Je weniger Pflanzenmasse auf dem Beet verbleibt, also je mehr Erntegut abgefahren wird, desto mehr muss nach dieser einfachen Logik wieder zugeführt werden. Ich würde aber davon absehen Nährstoffe zu bilanzieren, wie im Rechnungswesen! Man kommt mit dem mathematischen Ansatz nicht weit, da jeder Garten ein komplexes und durchaus offenes Ökosystem bildet, wie man an den globalen Stoffkreisläufen der Basisbausteine (C, O, H und N) des Lebens erkennen kann.

Und doch beruhen viele althergebrachte Gartengeheimnisse auf zuerst mündlich tradierten Erfahrungswerten, wie etwa die Einteilung in Stark- Mittel- und Schwachzehrer und die dazu passende Anbauplanung nach erster, zweiter oder dritter Tracht. Wohlgemerkt, diese Art des Gärtnerns funktioniert nur bei Beet-weisem Anbau in Rein- oder zumindest in Reihenkulturen (siehe Chenopodiaceae).

Bei Mischkulturen sind die Wechselwirkungen zwischen den Pflanzen, dem Boden, der Luft und dem Wasser so vielfältig, dass sie nicht mehr in dieses einfache "0-8-15-Schema" gepresst werden können.

Formen des Kohlenstoffs: von abiotisch zu biogen

Kohlenstoff zeigt sich auf unserer Welt mal fest mal flüssig, mal schwarz dann wieder weiß oder sogar durchsichtig. Seine Gestalt kann er durch abiotische aber auch durch biogen gesteuerte Vorgänge verändern. So webt sich dieser Stoff durchs Leben und Tod.

Fest und durchsichtig: der Diamant

In den tiefsten Tiefen im Erdmantel unter unendlichem Druck entstand aus reinstem Kohlenstoff der Diamant, der härtesten aller Edelsteine. Seine Grundform ist der Tetraeder, ausgehend von seinem vierzähligen Kristallgitter. Auch bei Diamanten gibt es solche, deren Kohlenstoff einst in Lebewesen eingebaut war, diesen biogenen Ursprung kann man über Kohlenstoffisotope nachweisen X) X) X).

Fest oder flüssig aber schwarz: Kohle und Erdöl

Nicht ganz so tief liegt oder besser lagen (weil teils abgebaut) Erdöl und Kohle. Diese Kohlenstoffe sind höchstwahrscheinlich ausschließlich biogenen Ursprungs, auch wenn es eine Theorie gibt, dass Öl ebenfalls durch Druck im Erdinneren entstände X) X) .

Biegsam und schwarz:  Carbonfasern

Künstlich hergestellte und anschließend verwobene Kohlenstoffketten bilden die Carbonfasern etwa zur Bewehrung also Stabilisierung von Beton, oder auch verwoben zu flexiblen aber stabilen Hüllen für exklusive Fahr- und Flugzeuge.

Flüssig und durchsichtig: Pflanzensaft

Zuckerhaltiger Pflanzensaft – die biochemische Komposition des Netzwerkers Kohlenstoff mit den Bestandteilen des Wassers bildet das "Blut" der Pflanzen.

Fest und durchsichtig: Zucker

Auch die Zuckerkristalle zeigen sich häufig kubisch oder orthogon, d.h. ihre Form wird noch sehr vom Kohlenstoffgitter bestimmt. Zucker können wir in Reinform dann wieder aus dem Pflanzensaft auskristallisieren lassen. Üblicherweise kennt man Zucker aus Zuckerrohr, Zuckerrüben, Ahornsaft und wenigen weiteren Pflanzen. Bienen waren schon lange vor uns in der Lage Zucker zu produzieren. Sie dicken den Blütensaft, also Nektar von allen Blütenpflanzen zu Honig ein der im Glas auch mal verzuckert, d.h. Kristalle ausfällt. Zucker ist sozusagen der biogene mit Sauerstoff und Wasserstoff veredelte Diamant.

Biegsam und weiß: Stärke und Cellulose

Die aus (einfach) Zucker pflanzlich umgebauten Ketten, ergeben einerseits den Reservebaustein Stärke und anderseits die gerüst- oder gespinst-bildende Cellulose, welche es den Pflanzen ermöglicht sich gegen die Schwerkraft zur Sonne zu erheben. Sowohl extrahierte Speisestärke, Mehl als auch Zellulosepulver, erscheinen uns Weiß.

Biegsam und weiß: Aminosäuren

Aminosäuren, die ca. 20 Grundsteine des Lebens bestehen aus mindestens zwei Kohlenstoffatomen, die sich mit Stickstoff- und Sauerstoffatomen binden. Als weißliches Pulver werden sie gerne als Nahrungsergänzungsmittel angeboten.

Fest und schwarz: vegetabile Kohle

Holz und Zucker hinterlassen abgebrannt schwarze Rückstände. Cellulose, also Holz erscheint, wenn es unvollständig verbrennt "kohlpechrabenschwarz" und Zucker wird zu einem dunkelbraunen bis schwarzen Sirup der beim erkalten erstarrt (Melasse, Zuckercouleur). Der Tod, also das Ende des Lebens erscheint uns in der westlichen Tradition schwarzgekleidet.

Gasförmig und durchsichtig: CO2

Kohlendioxid scheint die gefährlichste Variante des Kohlenstoffs zu sein. Schließlich ist es das "Zeug", was unser Klima aufheizt und die Meere versauern lässt.

Doch wirklich? Denn das Gas ist absolut lebensnotwendig, sowohl für Pflanzen und indirekt für Tiere, denn die grünen Planetenbewohner atmen es täglich ein, verarbeiten es in ihrem sogenannten C3 oder C4-Stoffwechsel, um daraus für uns alle, die wir nicht Grün sind, Sauerstoff zu extrahieren und einen Teil der C-Atome in Stärke und Cellulose einzubauen. Unsere Atemluft besteht heute aus 0,04% CO2. Dieser Wert ist in nur 30 Jahren durch uns Menschen um 0,01% gestiegen. Diese vermeintlich homöopathische Dosis schafft es das Jahrmillionen lang bestehende Kohlenstoffgleichgewicht zum Kippen zu bringen, wie man deutlich an der Versauerung der Meere erkennen kann.

einen Teil der C-Atome in Stärke und Cellulose einzubauen. Unsere Atemluft besteht heute aus 0,04% CO2. Dieser Wert ist in nur 30 Jahren durch uns Menschen um 0,01% gestiegen. Diese vermeintlich homöopathische Dosis schafft es das Jahrmillionen lang bestehende Kohlenstoffgleichgewicht zum Kippen zu bringen, wie man deutlich an der Versauerung der Meere erkennen kann.

Herstellung, Gewinnung, Aufbereitung

Kompost – Das Zusammengesetzte – ein Gemengedünger

Ein Kompost ist der Platz zur beschleunigten Umsetzung der Gartenrückstände. Kompostieren ist eine der Natur nachempfundene menschliche Kulturtechnik! Das Ziel einer Kompostwirtschaft ist die Erzeugung von Humus als Bodenstabilisator. Da es keinen Weg gibt, Humus mechanisch herzustellen, bedienen wir uns (Gott-sei-Dank) des Bodenlebens zur Veredelung des toten Pflanzenmaterials. Deswegen sprechen Anthroposophen mit Recht von der "Verlebendigung des Bodens". Es gibt verschiedene Wege, die den Umbau der Gartenabfälle beschleunigen, etwa die Zugabe von Milchsäurebakterien und Zuführung von Sauerstoff durch geschickte Schichtung und/ oder gute Mischung der Haufen.

Guter Kompost durchläuft drei Phasen:
1. Erwärmungsphase (10 – 14-Tage)
2. Heißphase (einige Wochen) Hitzesterilisation
(selbst Rhizoctonia und Phythium haben keine Chance)
3. Abkühlphase (2-3 Monate): Rückbesiedelung bis hin zu Regenwürmern
Jetzt kann der Kompost auch umgesetzt, bzw. gewendet werden (siehe Sauerstoff)

Viele anaeroben Faulprozesse bilden hingegen Giftstoffe und sind deswegen unerwünscht.

Guter Kompost bewirkt durch seine Inhaltsstoffe mehr als nur eine gute, stabile Krümelstruktur:

  • Er enthält Antibiotika, die sogar von Pflanzenwurzeln absorbiert und in die pflanzeneigene Immunabwehr integriert werden.
  • Er enthält Stoffe, die den Stoffwechsel der Pflanze anregen, insbesonder das Wurzelwachstum (p-Cumarinsäuren).
  • Er enthält eine Vielzahl von Krankheitsgegenspielern (Antagonisten zu Krankheitspathogenen)
  • Und schließlich enthält er Dünger, d.h. Nahrung für das Bodenleben, z.B. Springschwänze, Regenwürmer, Nematoden etc. Die Förderung des Edaphons bewirkt erst die Bildung der Krümelstruktur.
  • Die Krümelstruktur sorgt für wiederum für viele Poren in denen Wasser und Luft genauso Platz haben wie Pflanzenwurzeln, Pilze und Bakterien: der Boden wird lebendiger!

 

Bokashi – Allerlei

Bokashi ist eine recht neue Weise der Resteverwertung und liefert hauptsächlich einen Flüssigdünger. Sie wurde vor 40 Jahren in Japan entwickelt X) und ist auch in städtischen Haushalten praktizierbar. Der Clou besteht in der milchsauren Gärung. Wie beim Sauerkraut werden die leicht zerkleinerten Gartenabfälle zuerst fest und damit sauerstoffarm, in ein großes Fass (oder kleinen Bokashi-Eimer) gestopft, darauf meist mit effektiven Mikroorganismen und ggf. etwas Fruchtzucker für den Start versetzt (genauso gut aber auch Molke, Kwas (=Brottrunk), Kombucha, verdünntem Hermann-Teig oder altem Sickersaft). Dann wartet man, bis die Fermentation abgeschlossen ist und sich Sickerwasser gebildet hat, welches man durch einen Zapfhahn ablässt.

Solange das Ergebnis lecker duftet -ähnlich wie Sauerkraut, Silage, Wein und Tabak- ist der Saft als Flüssigdünger verdünnt zu gebrauchen. Milchsäure bildende Organismen sind sowohl in unserer Verdauung als auch im Boden vorhanden. Sie bereiten abgestorbene Pflanzenteile wieder pflanzenverfügbar auf. Früher nannte man diese Bakterien "Destruenten". Diesen Begriff lehne ich ab, weil er negativ besetzt ist und die eigentliche Leistung dieser Lebewesen nicht ausdrückt:

Den festen Bokashi-Rückstand muss man allerdings entweder auf einen Kompost geben oder er wird in spatentiefen Gräben auf den Beeten eingebracht.

Stinkender, also verdorbener, fehlgegorener Bokashi muss auf dem Kompost entsorgt bzw. dort wieder "verlebendigt" werden.

Terra Preta – Holzkohle, Pflanzenasche, Brandrodung

Terra preta ist ein Begriff aus der Bodenkunde und bezeichnet eigentlich die durch menschliches Zutun über Jahrhunderte entstandene und Jahrtausende genutzte besonders fruchtbare Bodenschicht in bestimmten Gebieten des Amazonas X) . Manch ein Forscher geht davon aus, dass die dazugehörigen Verfahren mehrere Tausend Jahre alt sind X) . Die Uramerikaner haben vermutlich alles zusammengekratzt was entsorgt werden musste: also nicht nur Pflanzliches, sondern auch Fischabfälle und Fäkalien. Zusammen mit Holzkohle fermentierte die Mischung in eingegrabenen Tonfässern. Da Holzkohle mit ihrer großen Oberfläche Schadstoffe bindet, so wie wir es auch von Medizinalkohle gegen Durchfall kennen, kippte der Umsetzungsprozess nicht: Es entstanden hochwertige Huminsäuren und keine Giftstoffe. Die auf den Beeten ausgebrachten Rotterückstände machten den Boden so fruchtbar, dass sie sehr hohe Bevölkerungsdichten zuließen.

Seit einigen Jahren werden Gartensubstrate unter dem Namen Terra-preta als Wundermittel verkauft. Ob es wirklich ökologisch ist, extra Holz- und Pflanzenkohle herzustellen, um diese weiter zu Terra Preta zu veredeln, betrachtet der der NABU kritisch X). Das kaufbare Fertigprodukt hat noch den Nachteil, dass es in Säcken portioniert und transportiert werden muss. Für Balkongärtner mag das akzeptabel sein, nicht jedoch für Menschen mit eigenem Garten. Deswegen hier eine Anleitung zum Selbstherstellen. Die Mischung ist angeblich sofort verwendbar, ich würde sie trotzdem mit der gleichen Menge normaler Gartenabfällen strecken und eine Zeitlang kompostieren lassen:

Man nehme 10 Teile Pflanzenkohle, 3 Teile Gülle oder Urin, 1 Teil Ton- oder Urgesteinsmehl, 1/2 Teil milchsauer vergorene Flüssigkeit (siehe Bokashi). X)

Ob selbst Bio-Grillkohle als Basis wirklich nicht geeignet ist, wage ich zu bezweifeln, weil sie ja "eigentlich" nur aus Holz besteht. "Eigentlich", sage ich, weil bekannt ist, dass Bäume Schadstoffe, wie Schwermetalle aus der Luft aufnehmen und speichern X) . Karnivore Gärtner verzichten trotzdem im Sommer nicht darauf ihre Würstchen zu grillen, obwohl man weiß, dass Grillrauch ungesund ist.

Unvollständig verbrannte Lagerfeuerrückstände, die noch schwarz und nicht zu Asche zerfallen sind, von Feuern mit vertrauenswürdiger Holzquelle, sollten jedoch geeignet sein.

Mulch (siehe auch Stickstoff)

Mulch ist die gartenbaulich weiterentwickelte Variante des im Wald natürlich anfallenden Auflagehumus. Er besteht aus grob zerkleinerter, meist angetrockneter organischer Streu vom Rasen, der Wiese oder aus nicht in den Boden eingearbeiteten Ernterückständen. Er verhindert Bodenerosion, Wasserverdunstung und vor allem die Keimung von unerwünschten Kräutern, da er den Boden beschattet.

Im Biolandbau wird die flache oberflächliche Verteilung von Kompost in der Vegetationszeit empfohlen, also dann, wenn das Edaphon besonders aktiv ist (Beratungsbuch "Abfall"). Von diesem wird der Mulch nach und nach in den Boden gezogen und aufgefressen. So entsteht die wertvollere Variante des Humus, der sogenannte Einbauhumus. Erst dieser verbessert die Bodenfähigkeit Wasser zu speichern. 

Hilfe bei der Pflanzenentwicklung

Viele Gerüche bestehen aus Kohlenwasserstoffen (Limonen C10H16). Die Pflanzen synthetisieren arttypische Düfte in ihren Blüten, aber auch in Wurzeln oder Samen. Auch im Notfall, etwa beim Angriff von Schadinsekten produzieren Pflanzen Duftstoffe mit denen sie etwa Artgenossen warnen oder Nützlinge anlocken. Und speziell die Blütendüfte locken bekanntermaßen fliegende Bestäuber an. Wie genau sich Bienen und Co ihre Trachtpflanzen aussuchen und ob sie etwa DNS riechen können, weiß man noch nicht. Von Hunden wird das zwischenzeitlich behauptet X) X) X) . Bienen können aber wesentlich besser riechen als Hunde X) X)  und vielleicht können sie DNS wahrnehmen, nur wir haben es eben noch nicht wissenschaftlich belegt. Vielleicht finden sie auf diese Weise von der Pflanze gelenkt, die aus natürlichen Gesichtspunkten besten Kreuzungspartner.

Wenn an dieser von mir aufgestellten Behauptung etwas dran ist, dann sollten wir die Insekten nicht einfach als bloße Bestäuber abtun, sondern sie zusätzlich als Pflanzenentwickler schätzen. Selbst wir Menschen finden unseren Partner mit der Nase. Wir riechen ob jemand zu uns passt und wir mit ihm erfolgreich Nachwuchs bekommen könnten (Stichwort Pheromone).

Klassische, anthroposophische  Kompostpräparate:  Schafgarbe (502), Kamille (503), Brennessel (504), Eichenrinde (505), Löwenzahn (506), Baldrian (507) ;  Fladenpräparat nach Maria Thun: Mist von trächtigen Kühen, Basalt, Eierschalen  ;  Rottebeschleuniger auf Basis von Mikroorganismen  ; Kompostbeschleuniger auf Basis von Wurmhumus

Unser eigener Geruchssinn war immer schon ein Leitsinn, auch zum Erkennen von gesundheitsförderlichen und giftigen Stoffen. Zu diesem Zweck sollten wir unseren Geruchs- und Geschmackssinn bei der Pflanzenentwicklung einsetzen, d.h. unbedingte Geschmack- und Duftauslese betreiben.

Biologisch-dynamische Pflanzenzüchtung ohne entsprechenden Kompost ist für Anthroposophen undenkbar: Sie legen extrem viel Wert auf Kreislaufwirtschaft, und Kompost ist dabei ein essentieller Bestandteil. Sie stellen Komposte her, die durch spezielle "homöopathische" Mittel veredelt sind.

Kohlenstoff, der Netzwerker und "Stein der Weisen"

1.850.000.000 mal 109 Tonnen Kohlenstoff befinden sich auf unserem Planeten X) X) X) . Davon liegen 99,9% unter seiner Oberfläche, und nur ein verschwindend geringer Teil ist gelöst in unserer Atmosphäre- sowie Hydrosphäre, also in der Luft und im Meer. Wissenschaftler sprechen von einem empfindlichen und ausgeklügelten Gleichgewicht zwischen diesen drei Komponenten (Erde - Himmel – Wasser), welches der Mensch durch seinen Energiehunger zunehmend ins Wanken bringt. Wohlgemerkt: Ein Gleichgewicht welches über Milliarden von Jahren stabil war X) X) X) !

Das Jahr, als das Übel begann, war 1858: Um den Beginn des Erdöl- und Plastikzeitalters streiten sich mindestens drei Ortschaften, eine davon liegt in der Lüneburger Heide. Die andere ist Titusville in Pennsylvania. An beiden Orten trafen die Ingenieure jeweils im Jahr 1858/59 in wenigen Metern Tiefe auf Rohöl. X) Im gleichen Jahr wurde auch in Kanada in Campbell bereits gefördert. X)Ich möchte unserer Erde allen Ernstes Weisheit (und damit Lebendigkeit und Bewußtsheit) zusprechen, weil sie den schädlichen Kohlenstoffüberschuss in ihrem "Inneren" als Öl, Kohle, Diamant und Graphit vor uns verschlossen hat.

Und was machen wir Menschen? Wir fangen an zu graben! Wir treiben Stollen und Bohrgestänge in die Eingeweide unseres Heimatplaneten um ihn auszubeuten. Und dann brauchen wir gerade mal 100 Jahre um die "Haut" des Planeten, unsere eigene Biosphäre, zu vergiften. Und das alles nur, weil wir anfangs die Zusammenhänge nicht verstanden haben, jetzt im 21. Jahrhundert zwar verstehen, aber konsequent ignorieren. Wir scheuen den ökonomischen Crash unserer auf Erdöl und Kohle gegründeten Wirtschaft und riskieren lieber den Untergang unserer eigenen Spezies!

Dabei war der Kohlenstoff in Form von diversen Zuckern und Stärken für das evolutionäre Wachstum unseres Gehirns einst förderlich, denn dieses braucht den schnell verfügbaren Energieträger zum Denken X) X). Mit unserem Denkorgan häufen wir heute viel Wissen an, und doch fehlt es uns an echter Weisheit, nämlich der Fähigkeit unser Wissen zu aller Lebewesen Wohle einzusetzen.

Vielleicht sollte man lieber schreiben, dass das Leben IN der Erde begann. Als erstes wies STANLEY MILLER die Entstehung von Aminosäuren in seiner "Ursuppe" genannten experimentell nachgebauten Uratmosphäre nach. Heute weiß man, dass die gleichen Voraussetzungen in der Nähe sogenannter "weißer Raucher", also bei Vulkanen am Meeresgrund existieren. Methan ist hier das Zaubermittel, der Stein der Projektion: Ein Kohlenstoffatom, welches vier Wasserstoffatome festhält.

Fast ironisch finde ich es dabei, dass das Element Kohlenstoff erst das Leben auf der Erde ermöglichte! Kohlenstoff ist das Gerüst und das Netz der Welt!

Mit seinen "vier Verbindungsarmen", bildete es die ersten stabilen Biomoleküle und hat damit die Grundlagen für die Hüllen, also Zellmembranen ermöglicht, die das organisch Lebendige von der Umwelt trennen und uns in einen geordneten Stoffwechsel mit der ihr eintreten lassen.

Kohlenstoff ist dabei wirklich das einzige irdische Element, welches in vielen seiner Verbindungen gegen spontane (Molekül-)Auflösung etwa durch Lösungsmittel gefeit ist. Leben braucht Beständigkeit und Wandelbarkeit in Einem. Leben braucht genau diesen Widerspruch X) um sich fortzuentwickeln.

Und noch eins: Kein weiterer Urstoff kann so viele verschiedene Verbindungen eingehen und so lange Molekülketten bilden, ist also so wandelbar! Sowohl der umstrittene Rudolf Steiner, als auch andere Philosophen und Alchemisten betrachten deswegen den Kohlenstoff als den eigentlichen "Stein der Weisen". Die Nachfolger der Alchemisten erforschen den wandelbaren Stoff heute in einer eigenen Fachrichtung, der organischen Chemie.

Die Zahl 4, wie vier Verbindungen und das Leben: Im Hinduismus hat ausgerechnet der Schöpfergott vier Arme, wie das Element Kohlenstoff. Vishnu ist wie der christiliche Gott eine Trinität, hier Trimurti genannt, bestehend aus dem eigentlichen Schöpfergott Brahma, dem Erhalter Vishnu und dem Zerstörer Shiva.

Den in unserer Welt vorhandenen Kohlenstoff verdanken wir wiederum dem Untergang von Sonnen wie unserer eigenen. Diese erbrüteten während ihrer strahlenden "Lebensphase" aus Helium die C-Atome und verschleuderten diese bei ihrem "Tod" als Supernova. Man möchte schon fast annehmen, dass die alten Inder eine Ahnung davon hatten, als sie ihren Schöpfergott mit vier Armen, wie das Modell des Kohlenstoffatoms, ersannen. Denn Vishnu trägt das Leben, als auch die Zerstörung in sich. Und Auflösung ist die Voraussetzung für neues Leben. So haben die Sonnen vor unserer Sonne uns und unsere Welt letztlich ermöglicht.

Gespinste der Götterwelt und ihr Bezug zum Leben in Raum und Zeit

Mal angenommen, der Lebensfaden wird nicht aus Tierwolle, sondern aus irgendeiner Pflanzenfaser, etwa Hanf, Flachs, Baumwolle oder Nessel gewonnen, dann besteht er aus Zellulose und das ist wiederum ein speziell verknüpfter kohlenstoffhaltiger Vielfachzucker.

Als Allegorie der Vergangenheit (der Geburt), der Gegenwart (die zu erfüllende Aufgabe) und der Zukunft (der Tod), spinnen die griechischen Moiren und die römischen Parzen den Lebensfaden ihrer Landsleute. Auch die Nornen drehen am Fuße des Weltenbaumes sitzend den Lebensfaden für die Menschen der nordischen Völker.

Weiter angenommen, das jüdisch-christliche und mythische "Buch des Lebens", ist nicht auf Pergament, also Tierhaut geschrieben, sondern auf Papier, dann wäre die Grundlage ebenfalls kohlenstoffhaltiger Vielfachzucker. Und wenn es real wäre und man es finden könnte, dann wäre es heute ein Leichtes, das Alter dieses besonderen Buches anhand der Radiokarbondatierung festzustellen. Denn so "bekommt" jedes Lebewesen nicht nur einen allegorischen Platz im Himmel oder der Hölle, sondern einen Ort in Raum und einen Ort in der Zeit zugewiesen, welchen wir eben heute exakt mittels des Kohlenstoffisotops C14 bestimmen können.

Faszinierend, also fesselnd (von lat. fascis Bündel) finde ich diese Entsprechungen zwischen echter Wissenschaft und Mystik: und womit wird man gefesselt? Eventuell mit Tauen aus Pflanzenfasern oder auch von Aufgaben, die man sich selbst ins Lebensbuch geschrieben hat.

Vom Kohlenstoff zur Gartenerde - Wie entsteht Humus?

Humus enthält hauptsächlich Kohlenstoffverbindungen aus denen das Leben im Allgemeinen aufgebaut ist, nämlich, Zucker, Fette, Chitine, Cellulosen und Lignine. Der Kohlenstoff ist es auch, der den Humus dunkel bis schwarz färbt.

Jeder Gärtner weiß, dass Humus den Boden lockermacht, ihn sich schneller erwärmen lässt und dass die Wasserspeicherkapazität von humosen Böden extrem hoch ist. Aber wie entsteht dieses schwarze Gärtnergold?

Am Anfang steht der sogenannte Auflagehumus, der im Wald aus abgefallenem totem Laub und im Garten ersatzweise auch aus Ernterückständen besteht, landläufig als Mulch bezeichnet.

Als nächstes entwickelt sich, dank der zersetzenden Mikrobentätigkeit und wühlenden Bodenlebewesen, der Einbauhumus. Das Edaphon ernährt sich von dem oberflächlichen "Pflanzenabfall" und zieht ihn in den A-Horizont, die oberste Bodenschicht. Diese sehr fruchtbare Schicht bezeichnen wir dann als Mutterboden. In ihr befinden sich die durch Huminsäuren stabil verklebten Bodenkrümel, die eigentlichen Träger der vielen positiven Eigenschaften.

Der Qualität nach unterscheidet man drei Humusformen: Rohhumus, Moderhumus und Mullhumus. Wobei man nicht meinen sollte, dass die eine Form Humus besser sei als die andere. Nein, denn eine jede hat ihre Bedeutung und eine jede braucht bestimmtes Getier um zu entstehen.

Die folgende Tabelle zeigt die Eigenschaften zusammengefasst

Rohhumus-unfertig

Moderhumus- Nährhumus

Mullhumus- Dauerhumus

Wenig zerkleinertes organisches Material, das Ausgangsmaterial für die anderen Humusformen und auch für unseren Kompost. Es ist lediglich mit Huminstoffen in Kontakt gekommen, d.h. es hat eine Art "Impfung" stattgefunden.
Rohhumus, die Streu auf dem Boden schützt diesen vor Wind und Wetter. Denn große Regentropfen sind in der Lage Krümel auseinanderzuschlagen so dass die freigelegten Körner anschließend feinen Tonkörnchen vom Wind verweht und vom Regen davon geschwemmt werden können. Ohne Streu, ohne Rohhumus bliebe der nackte Sand übrig.

Je feiner das Ausgangsmaterial für den Rohhumus ist, desto besser können Mikroorganismen es angreifen und mit der weiteren Aufschließung beginnen. Mit anderen Worten, wer Zeit in Häckseln, Hacken und Zerbrechen investiert bekommt schneller Garten- oder Komposterde.

Er liegt hauptsächlich auf dem Boden (oder im Kompost in der Anfangsphase der Zersetzung).
Hier sind vornehmlich Pilze und Bakterien am Werk. Die weitere Zerkleinerung wird auch mechanisch von Spinnen, Milben Käfern, Maden, Tausendfüßlern, Asseln, Springschwänzen vorgenommen. Ihnen bietet Moderhumus Raum zum Leben.
Er kann ausgewaschen werden. In ihm sind sowohl schnell verfügbare Nährstoffe gelöst, als auch keimhemmende Stoffe vorhanden.
Er ist die Humusform der Sandböden.

Bodenleben braucht Feuchtigkeit und Sauerstoff um richtig aktiv zu werden. D.h. anders als der Name dieser Humusform vermuten lässt ist hier ein lockerer Boden bzw. locker aufgeschichteter Kompost wichtig.

Er ist im obersten Bodenhorizont vorhanden, denn er entsteht nur bei Anwesenheit von mind. 5 Gewichtsprozent Ton und Schluffteilchen sowie Kalk. Er kann nicht ausgewaschen werden. Er entsteht durch die Aktivität von Regenwürmern.

Er bildet die Grundlage für die sogenannte Lebendverbauung und damit für stabiles Krümelgefüge.

Dies ist die Form, die wir meist mit dem Begriff Humus an sich bezeichnen.

 

Chemie und Alchemie: pro & contra