Über mich und meine Motivation

Coras Motivation
Von Bauer zu Bau

Mein ganzes Leben habe ich Gärten begleitet oder waren es etwa die Gärten, die mich begleitet haben?Cora Motivation

Ob auf dem elterlichen Grundstück oder die Hausgärten an den alten Bauernhäusern in denen ich lebte. Ob ein Schrebergarten oder seit 2010 endlich wieder ein ganz eigener Garten rund um das eigene Haus: Experimentiert, gekreuzt und vermehrt, habe ich immer schon.
Und schon immer war der Platz zu wenig und alles steht viel zu eng, weil ich noch soooooviel vorhabe, wissen möchte, ausprobieren möchte …

Bis zu meinem 21. Geburtstag habe ich in der Nähe der grandiosen Gärtnerstadt Bamberg gelebt.

Meinen ersten eigenen Garten bekam ich mit 7 von meinem Vater auf dem elterlichen Grundstück. Winzig klein, aber immerhin Platz für einen Salat, ausgezupfte Wiesenblumen und ein Kornapfelbäumchen.

In meiner Kindheit durfte ich mit den Bauern im fränkischen Effeltrich und Poxdorf, wo meine Mutter in der Nähe arbeitete, zur Erdbeer- und Gurkenernte ausrücken.

Als Kind spielte ich in den noch sehr bäuerlich geprägten Hausgärten mit viel Gemüse und Obst. Mit Freunden kletterte ich verbotener Weise auf Kirschbäume und aß rohe Holunderbeeren, um zu testen, ob man davon Bauchweh bekommt. Die Feuerbohnenkerne hielt ich, wie alle anderen, für kleine Käfer und der Löwenzahn war angeblich hoch giftig und nur als "Ringelblume" zu verwenden. Dafür erkannte ich Sauerampfer und naschte davon regelmäßig auf meinen Streifzügen.

Geprägt von diesem Idyll, welches ich als Lehrerstochter ohne viel Mühsal und Kinderarbeit entdecken durfte, wuchs in mir der Wunsch einen grünen und vor allem praktischen Beruf zu ergreifen.

Als junger Mensch empfand ich aber dann alles Heimische altbacken und langweilig. Den Wert, dessen was ich erlebt und erfahren hatte, konnte ich damals noch nicht wertschätzen. Kartoffelfeuer und Kürbisfelder waren ein gewöhnlicher Anblick. Mich zog es in die Ferne bis nach Indien.

Nach meinem Indientrip wurde es ernst mit einer Berufsausbildung. Ich bewarb mich als Gärtnerin. Die Reaktion meiner Eltern: Mama: "Kind, warum studierst Du nicht, wir schaffen das schon irgendwie." Papa: "Mach mal ne Lehre, was praktisches ist immer gut!".

Letztlich habe ich dann beides gemacht, erst die Lehre in der "Gartenbauversuchsanstalt" in Bamberg. Genau gesagt, hieß diese Anstalt damals "Amt für Landwirtschaft und Gartenbau, Abteilung Gartenbau mit Versuchs- und Lehrwirtschaft". Heute gehört die Einrichtung zur Bayerischen  Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau. Dort habe ich gesehen, wie Versuchsfelder angelegt und die Ernten ausgewertet werden, da immer wieder Versuche im Auftrag des Bundessortenamts getätigt wurden.

Im Anschluss habe ich dann in Witzenhausen studiert. Ich wollte ja nach der Erfahrung in Indien unbedingt wieder ins Ausland, bzw. genauer gesagt in die Entwicklungshilfe. In Witzenhausen, welches zur Universität-Gesamthochschule Kassel gehörte, konnte ich Landwirtschaft mit dem Schwerpunkt "Spezielle Systeme der Pflanzenproduktion an tropischen und subtropischen Standorten" studieren.  Für meine Diplomarbeit fuhr ich dann bis nach Sri Lanka an eines der großen internationalen Agrarforschungsinstitute (International Irrigation Management Institute, Colombo). Untergebracht war ich bei Bauern. So konnte ich nicht nur die Erhebungen für meine Diplomarbeit machen, sondern auch sehen, wie sie all die leckeren Chilis, Reis, Brinjols, Ladyfingers und vieles mehr anbauten.

Während des Studiums und danach jobbte ich immer wieder in verschiedenen Gärtnereien um ein wenig Taschengeld zu haben. So verlernte ich wenigstens nicht das Pikieren und das Topfen. Als studentische Hilfskraft durfte ich Fachführungen durch das Gewächshaus für tropische Nutzpflanzen in Witzenhausen leiten. Innerhalb von einer Stunde ist es dort möglich von den Subtropen ins tropische Tiefland und tropische Hochland zu wechseln. Gerne ließ ich stark geschminkte Schülerinnen unter Bananen und Palmen solange schwitzen, bis der Kajal tropfte. Am liebsten waren mir 3. und 4. Klässler, die sogen alles auf, was ich ihnen über Kaffee, Tee und Kakao erzählte.

Mit zwei Berufen (Gemüsegärtnerin und Agraringenieurin) in der Tasche sollte ich meinen Eltern nicht mehr auf derselben liegen. Also ein Broterwerb musste her. Von meiner Berufung konnte ich nicht leben und auf Dauer bietet auch die Entwicklungshilfe kein Auskommen.

Schweren Herzens entschloss ich mich noch einmal die Schulbank zu drücken. Ich machte eine Umschulung zur Kauffrau mit diversen Zusatzqualifikationen. Seit 20 Jahren verdiene ich mein Brot nun am Bau. Und um dem alltäglichen Betongrau etwas Lebendiges entgegenzusetzen, gebe ich in meiner Freizeit Kurse zur Saatgutgewinnung, schreibe oder fotografiere für meine Internetseite und Zeitschriften.