Häufige Fragen - kurz erklärt

Wie lange ist Saatgut haltbar? Ist es etwa ewig haltbar?

Nein, ewig ist es nicht haltbar, auch wenn man mittels Einfrieren in Spitzbergen im "Weltweiten Saatgut-Tresor auf Svalbard" genau das versucht.

Saatgut hält je nach Art, der geernteten Qualität und den Lagerbedingungen unterschiedlich lange.

Unter normalen haushaltsüblichen Lagermöglichkeiten, wird kaum ein Same älter als 10 Jahre.

Die Samen der meisten Arten können zwischen 2 und 4 Jahren aufgehoben werden. Es gibt aber sehr kurzlebige Ausnahmen, wie Schwarzwurzelsamen und auch sehr langlebige, wie etwa Feuerbohnensamen.

 

 

Braucht man für die Samengewinnung spezielles Werkzeug?

Nein, braucht man nicht. Jedenfalls dann nicht, wenn man Saatgutgewinnung als Hobby betreibt.

In jedem Haushalt befinden sich Eimer, Schüsseln und Siebe. Das sind die wichtigsten Utensilien für Laien.

Selbst in der Küche gibt es Siebe mit unterschiedlichen Maschenweiten (etwa für Puderzucker, Mehl, und Gries) und wenn man sich ein wenig umschaut, dann bekommt man selbst Erdsiebe in verschiedenen Stärken, die man nur noch umfunktionieren muss.

Auf proffessionellem Niveau braucht es spezielle Ernte- und Reinigungsmaschinen (spezielle Dreschmaschinen und Spezialsiebe oder/und Trieure). Nicht nur, weil die Mengen, die verarbeitet werden größer sind, sondern auch, weil an eine gewerbliche Vermarktung (siehe Saatgutverkehrsgesetz) besondere Qualitätsansprüche gestellt werden, die mit Spezialwerkzeug besser zu gewährleisten sind.

Wieviele Pflanzen braucht man für die Vermehrung und Erhaltung?

Diese Frage ist leider nicht eindeutig zu beantworten!

Soweit das Ausgangssaatgut eine hohe innere Qualität hat, d.h. sich keine Inzuchtschäden und negativ Mutationen angesammelt haben, genügt es für die Gewinnung von vitalem Saatgut bei Selbstbefruchtern die Früchte und Samen einer einzigen Pflanze zu gewinnen. Bei Fremdbefruchtern genügen zwei Pflanzen die miteinander abblühen.

Meist möchte man aber nicht einfach vitales Saatgut einmalig für die nächste Gemüseproktion gewinnen, sondern man möchte eine Sorte erhalten!  Sortenerhalt bedeutet, dass man über Jahre immer wieder aus dem eigenen Saatgut neues gewinnt und trotzdem die in der Sorte innewohnende genetische Vielfalt mit zu erhalten.

Hier empfehlen die amerikanischen Seedsavers bei Fremdbefruchtern den Anbau von mindestens 80 Pflanzen und bei Selbstbefruchtern mindestens 40 - 50 Pflanzen (2015 BUTTALA et. al).

In der Biologie gibt es den Begriff der "kleinsten überlebensfähigen Population" (engl. Minimum Viable Population), damit wird eine Anzahl an Mitgliedern angenommen, die über einen langen Zeitraum von 100 Jahren nicht zum Aussterben durch Naturkatastrophen oder Inzuchtdepression kommt. Im spektrum-Lexikon der Biologie steht dazu: "Kurzfristig sollte eine MVP nie weniger als 50, langfristig nie weniger als 500 Individuen umfassen (50/500-Regel)."

Da ja nicht alle einmal ausgesäten oder gepflanzten Setzlinge optimal wachsen und dann blühen oder weil es immer einige Exemplare gibt, die man aussortiert, weil sie nicht so "schön" geraten sind, empfehle ich mindestens 100 Pflanzen einer Sorte anzubauen, wenn man über Jahre eine Sorte in ihrer vollen genetischen Vielfalt erhalten möchte. Dies empfehle ich auch für Selbstbestäuber.

Ich gehe aber davon aus, dass es auch möglich ist, sich mit weiteren Vermehrern zusammenzutun und die 100 Pflanzen über viele Gärten verteilt anzubauen, solgange man das Saatgut wieder zusammenführt.

 

Können Bienen und andere Insekten etwas mit Windbestäubern anfangen?

Ja, sie können. Auch windbestäubte Gemüsearten produzieren Pollen, der von Wildbienen und Käfern gerne als Eiweißlieferant gefressen wird. In meinem Garten konnte ich das bei Gemüsemais und Manglold beobachten. Interessanterweise dufteten beide Arten zur Blütezeit wunderbar süßlich und lockten damit Insekten an.

Was ist eigentlich der Phänotyp? – Mit den Sinnen wahrnehmen

Mit der Beschreibung der Pflanze erfasst man ihren Phänotyp.

Dabei fragt man sich,
wie sieht die Pflanze aus
(wie ihre Blüten, Blätter, Spross mit Stengel und Verzweigungen, Wurzeln),
wie schmeckt sie,
wie riecht sie,
wie fühlt sie sich an,
wo wächst sie freiwillig und mit wem zusammen wächst sie gerne,
d.h. rundherum woran erkenne ich sie als Mitglied einer Art oder einer Sorte?

Wenn ich eine Pflanze mit meinen Sinnen erfasse und dann beschreibe, habe ich ihren Phänotyp wahrgenommen.

In unseren Pflanzenbestimmungsbüchern (z.B. ROTHMALER oder SCHMEIL, FITSCHEN) sind die Pflanzenfamilien, Gattungen und Arten anhand ihrer phänotypischen Merkmale geordnet worden.

Zu einer guten Beschreibung des Phänotypes gehören fundierte Kenntnisse der Botanik bzw. der Pflanzenmorphologie.

Auch Sorten (die menschlichen Auslesen aus der Art) werden anhand ihres Phänotyps so beschreiben, dass sie voneinader unterscheidbar sind.

Extrem detaillierte Hilfen zur Beschreibung bieten z.B. die UPOV Test Guidelines.
Früher gab es beim Bundessortenamt auch beschreibende Sortenlisten für Gemüse.

Das Wort "phaino"  kommt aus dem Griechischen und wir kennen es auch von den phänologischen Jahreszeiten, die ja nicht mit den Kalendarischen übereinstimmen.

Was ist eigentlich der Genotyp? – Labortechnisch die Bauanleitung ausdrucken

Der Genotyp beantwortet die Frage nach den einzelnen Genen selbst (geordnet nach Chromosomen) und ihrer Reihenfolge die eine Pflanze in ihren Zellen besitzt. D.h. welchen genetischen Fingerabdruck (Genom) hat das Individuum, die Sorte, die Art?

Welche Gene sind an- und welche ausgeschaltet (Epigenetik)?

Welche Gene lassen sich vererben?

Jeweils ein oder mehrere Gene zusammen bestimmen die Eigenschaften, die wir dann phänologisch mit unseren Sinnen wahrnehmen.

Auch wenn wir mit unseren Sinnen gleiche Phänotypen erkennen könnten diese auf unterschiedliche Genotypen zurückzuführen sein.