Sorten - Ein umfassender Definitionsversuch

2017 04 06 Paragraph
Hier zusammengetragene Fakten sind von mir mit dem Stand 2020-02 nach besten Wissen und Gewissen veröffentlicht. Gerne korrigiere ich Fehler oder Falschaussagen, wenn ich darauf aufmerksam gemacht werde. Ich habe versucht, meine eigenen Gedanken deutlich von rechtlichen Aspekten abzugrenzen.
Samenfest oder hybrid
Eingetragen oder geschützt
Moderne Züchtung oder Landsorte.
Alt oder neu

Das sind alles Attribute, die man mit dem Sortenbegriff assoziiert. Aber weiß ein jeder, der diese Begriffe verwendet, was damit ausgesagt wird?

Ich behaupte "Nein!", denn wir benutzen den Begriff  "Sorte" hauptsächlich in der Umgangssprache und somit per se schon unscharf, d.h. wir haben keine allgemeingültige Definition im Hinterkopf.

Auch handelt es sich bei den aufgezählten Begriffspaaren nicht zwingend um Gegensatzpaare.

Deswegen meine ich auch, dass man sich der komplizierten Sache mit den "Sorten" annehmen und die biologische, als auch die rechtliche Relevanz dieses Begriffs eindeutig klären sollte:

Auf der rechtlichen Ebene ist zwischen Zulassung (Registrierung) und Sortenschutz, einem geistigen Eigentumsrecht, zu differenzieren.

Wobei die Zulassung eher von einem Qualitätsgedanken ausgeht und auf die Möglichkeit, das Saatgut zu vermarkten, Einfluss hat, wohingegen der Sortenschutz ein vermarktungsfähiges Lizenzrecht darstellt.

Darüber hinaus sind auf biologischer Ebene die verschiedenen Züchtungswege zu unterscheiden, die wiederum auf den verschiedenen Bestäubungsmechanismen der Pflanzen beruhen.

 

Sorte EU Recht Coras UebersetzungWas ist das überhaupt, "eine Sorte"? Was wurde da sortiert? Und von wem wurde sortiert?

Sorten sind immer Menschenwerk, denn nur der Mensch sortiert, und im Falle der Pflanzen sind die Sorten nach den Vorstellungen des oder der jeweiligen Züchter entstandene künstliche Varianten einer Art. Ursprünglich wurde also aus der Art aussortiert. In den Sorten spiegeln sich somit die Absichten (Züchtungsziele) der jeweiligen Züchter wieder, z.B. ob die "Sortierung" mit einem wirtschaftlichen oder einem geschmacklich-bekömmlichen Ziel vorgenommen wurde.

Ob früher oder heute: man musste die Sorten voneinander unterscheiden können. Dazu hat man ehemals nur nach den vier Sinnen (Sehen, Tasten, Riechen, Schmecken) ergänzt durch Messen und Wiegen gearbeitet und neuerdings analysiert man Inhaltsstoffe und schaut bis in die Doppelhelix und sogar die Gene.

Von der wilden Art zur domestizierten Sorte

01 Population einer Art in der Natur
Die natürliche Art besitzt einen großen Genpool und damit ist sie sehr variabel. Die Pompons stehen für die unterschiedlichen Gene.
02 Mensch Auslese weiss Haussorte Domestikation
Bei der ersten Domestikation hat der Mensch unliebsame Eigenschaften ausgelesen. Das hat i.d.R. auch einen Einfluss auf die Gene: weiß fehlt.
03 in Haussorte taucht Mutation auf lila
Die ersten Land- oder Haussorten veränderten sich in Kultur weiter, es tauchten Mutationen auf, hier durch das lila Pompon dargestellt.
04 Mutation ist erfolgreich in Haussorte
Die Mutation bringt für den Menschen einen Vorteil, so bevorzugte der Mensch folglich die Pflanzen, die diese Mutation trugen, d.h. sie verbreitet sich.
05 Mensch liest rosa aus anmeldbare Sorte
Die Land- oder Haussorte ist dem Menschen äußerlich immer noch zu uneinheitlich, deswegen bevorzugt er nur gleich aussehende Pflanzen und sortiert dabei weitere Gene aus (hier fehlen die hellrosa Pompons) und kommt somit zu "modernen Sorten".
Samenechte Sorten

Landläufig versteht man unter samenechten Sorten solche, die man selbst nachbauen kann, also sein eigenes Saatgut aus ihnen zurückgewinnen kann. In Anlehnung an KUCKUCK (1972) würde ich das so umschrieben: Es gibt Sorten die in der Lage sind, ihre Werteigenschaften im vollen Umfang an ihre Nachkommen weiterzugeben.

Für mich ist "samenecht" (in der Werbung auch als "nachbaufähiges Saatgut" bezeichnet) allerdings eher ein Begriff für das Marketing. Denn auf den Frühjahrsmärkten verkaufen sich so bezeichnete Tütchen besonders gut. Der Begriff selbst ist nämlich vage!

Denn prinzipiell ist jede Art für sich auch "samenecht", auch wenn sie die höchste Variabilität aufweist!

Und sowohl alte, als auch moderne Sorten können in diesem Sinne "samenecht", also "nachbaufähig" sein.

Zudem gaukelt der Begriff eine Einheitlichkeit vor, die nicht unbedingt gegeben sein muss und auch nicht immer gewünscht ist (siehe alte Sorten und Landsorten und die Art selbst). 

Sogar eine deutliche Abgrenzung von Hybridsorten gelingt nicht, bei Betrachtung der Ahnen (also Vorfahren über mehreren Generationen), denn die jetzt "samenechte" und "nachbaufähige" Sorte kann aus wie auch immer entstandenen Hybriden oder (gen-)technisch veränderten Eltern entwickelt worden sein.

Ich lehne diesen Begriff deswegen kategorisch ab und bevorzuge stattdessen eine Unterscheidung nach "gewaltsam" oder "gewaltfrei" entstandenen Sorten und beziehe nach Möglichkeit die gesamte Züchtungsgeschichte mit ein!!

Historische Sorten

Was ist eine historische Sorte?

  • Die einen benutzen diesen Begriff als Marketingstrategie.
  • Ich würde darunter Sorten verstehen, die nicht exakt bestimmbar sind, weil sie nur am Namen und ggf. an dürftigen Beschreibungen oder Zeichnungen aus historischen (über 70ig Jahre alten) Büchern erkennbar sind.
  • Und deren Anbautradition (damit meine ich regelmäßiger "in situ", also Feld- und Gartenanbau) unter Umständen teilweise oder ganz abgerissen ist. Bsp. 'Pfatterer Rübe'.
  • Für mich fallen darunter alle "vergessenen", stiefmütterlich behandelten Sorten, die es nicht in die sogenannte "Rote Liste" (Rote Liste der gefährdeten einheimischen Nutzpflanzen in Deutschland) schaffen oder die sogar zur Erhaltungssorte gekürt wurden.
Alte Sorten

Was ist eine alte Sorte? Dafür gibt es keine feste Definition, auch bei den großen Vereinen habe ich hierzu bis dato nichts frei im Internet verfügbares finden können.

Zudem kann man "alt" auf das Alter einer Sorte beziehen, also auf die Jahre, die sie schon bekannt ist oder auf die Entstehung (=Züchtungs)geschichte und die Verwendung von althergebrachte Züchtungstechniken. Wenn man von den Züchtungstechniken ausgeht, wäre es auch heute noch möglich "alte" Sorten auszulesen.

 

Ich würde eine alte Sorte so definieren:

  • Sie ist auf herkömmliche Weise, also anhand sichtbarer, tastbarer, geruchlicher und geschmacklicher Eigenschaften, als auch nach Größe und Gewicht ausgelesen worden.
  • Ihre Vorfahren sind auf gleiche Weise herkömmlich ausgelesen worden.
  • Weder den Mitpflanzen der alten Sorte noch ihren Vorfahren ist Gewalt angetan worden, damit meine ich, dass
    keine Mutationen mit Strahlung oder Gift provoziert wurden;
    und es auch keine Kreuzungen gegen den vorherrschenden arteigenen Bestäubungsmechanismus (Fremd/Selbst) vorgenommen wurden;
    und sie ist auf dem Feld oder im Gewächshaus entstehen durfte, somit also kein Labor von innen "gesehen" hat.
  • Sie ist idealerweise seit den 1950er Jahren*) bekannt und so gut beschrieben worden, sodass sie anhand dieser Beschreibung immer noch erkennbar ist.
  • Die Gemeinschaft der direkten Nachfahren gleicht der Gemeinschaft der Eltern. Sie kann also ihre Werteigenschaften im vollen Umfang an ihre Nachkommen weitergeben. Wobei einzelne Individuen voneinander unterscheidbar sein können (damit meine ich, dass eben nicht das einzelne Kind seinen Eltern zu 100% entspricht und das ist genau auch der Grund, warum ich dem Begriff "samenfest" problematisch finde).
    Somit weisen solche Sorten regelmäßig eine hohe Variabilität auf, die einer rechtlichen Zulassung/Registrierung (nach Saatgutverkehrsgesetz) entgegen steht und letztendlich ein legitimes "in den Verkehr bringen" verhindert.
    *) in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde die Hybridzüchtung entdeckt (beginnend mit Mais) und das Bundessortenamt gegründet. Das bedeutet aber nicht, dass ab 1959 nur noch moderne Sorten auf den Markt kamen, ich denke eher, dass dies ein fließender Übergang war.
Moderne Sorten - der eigentliche Wahnsinn?

Sorte landeskultureller WertHier beginnt für mich der rechtliche Aspekt des Sortenwesens, deswegen muss eine moderne Sorte für mich alle Voraussetzungen für eine Zulassung (nach Saatgutverkehrsgesetz), bzw. Registrierung (nach EU-Gemeinschaftlicher Sortenschutz) besitzen: Sie muss also:

  1. unterscheidbar,
  2. homogen
  3. beständig und,
  4. durch eine eintragbare (nicht verwechselbare) Sortenbezeichnung bezeichnet sein.

Sorte BestaendigkeitDie ganze Tücke des Sortenwahnsinns verbirgt sich hinter diesen vier Begriffen!

  • Denn es genügt, dass eine Unterscheidung durch ein einziges deutliches Merkmal sichtbar wird; was ehemals eben die Auslese gleich mehrerer "moderner" Sorten aus einer einzigen Landsorte ermöglichte.
  • Die Homogenität, also die Einheitlichkeit, wird erst nach dem definierten Vermehrungszyklus betrachtet und so fallen auch alle Hybridsorten unter diese vermeintlich harmlosen Voraussetzungen.
  • Beständigkeit heißt, dass die Sorte nach wiederholter Vermehrung oder im Fall eines besonderen Vermehrungszyklus (1.o. 2. Filialgeneration = Hybridsorte) am Ende dieses Zyklus unverändert erkennbar ist.
    Das klingt sehr ähnlich wie "samenfest"! Und im Falle von "normalen", nicht auf Inzuchtlinien basierenden Sorten trifft das auch zu, d.h. auch solch moderne Sorten können "samenfest" sein! Deswegen plädiere ich für eine erweiterte Definition, hier mein Vorschlag:

 Was ist eine moderne Sorte?

  • Sie erfüllt die rechtlichen Voraussetzungen für eine Zulassung bzw. Registrierung.
  • Sie darf nur dann legal gehandelt -also gewerblich in den Verkehr gebracht- werden, wenn sie eine gültige Zulassung/Registrierung besitzt (erkennbar z.B. durch den Eintrag in den gemeinsamen Sortenkatalog für Gemüsearten der EU).
  • Sie ist von eingetragenen Züchtern oder Züchtungsfirmen entwickelt worden.
  • Sie ist häufig, aber nicht immer mit Eigentumsrechten geschützt (in Deutschland nach Sortenschutzrecht).
  • Bei ihrer Entwicklung sind gewaltsame Züchtungstechniken angewendet worden.
    Darunter verstehe ich:
    dass den Mitpflanzen der modernen Sorte oder ihren Vorfahren Gewalt angetan wurde,
    - indem z.B. Mutationen über Strahlung und/oder Gifte (mutagene Substanzen, z.B. Colchizin) erzeugt wurden;
    und/oder
    - sie aus einer dem überwiegenden arteigenen Bestäubungsmechanismus (Fremd/Selbst) ignorierenden Kreuzung entstanden ist (z.B. auf Basis von Inzuchtlinien; künstlich provozierten oder durchbrochenen Selbststerilitäten);
    und/oder
    -sie durch nur im Labor (keimfreier Umgebung) durchführbarer Methoden (Embryo Rescue, Gentechnik, Genscheren) erzeugt wurde.
Hybridsorten
maennl webl Inzuchtlinie

So könnte man sich genetisch die Inzuchtlinien vorstellen, die im Anschluss gekreuzt werden

Hybride1

Und so würden die daraus entstandene Hybride genetisch aussehen

Hybridsorten sind nicht gleichzusetzen mit Hybriden!

Hybriden sind in der Natur und Botanik einfach nur Kreuzungen zwischen Arten, selten auch Gattungen oder -und jetzt wird es halt verwirrend- auch zwischen Sorten. Sie entstehen auch in meinem Garten, dank der geflügelten Bestäubervielfalt und ich nenne sie liebevoll "meine Bastarde".

Hingegen produziert man Hybridsorten aus väterlichen und mütterlichen Inzuchtlinien, die immer gelenkt (also kontrolliert) gekreuzt worden sind, um den Heterosiseffekt auszunutzen. Der Heterosiseffekt macht sie größer und damit ertragreicher.

Zwar muss ein Züchter die Entstehungsgeschichte, also seinen Züchtungsweg bei der Zulassungsstelle (z.B. Bundessortenamt) beschreiben und im Falle von Hybriden dies in der beschreibenden Sortenliste angeben, er muss seine Hybridsorte aber nicht als solche auf der Verpackung kennzeichnen. Er kann, muss aber nicht "F1" draufdrucken, da dies kein Bestandteil des eingetragenen Sortennamens sein muss.

Bestimmte Hybridsorten sind auch in der biologischen Landwirtschaft und im ökologischen Gartenbau erlaubt (siehe Empfehlungsliste "FiBL Sortenliste Biogemüse" und die unterschiedlichen Anbaukriterien/Richtlinien der Verbände "bioland", "EU-Bio", etc.; der Vollstädigkeit halber sei gesagt, dass die demeter-Richtlinien Hybridsorten ablehnen). Sie sind vielfach maßgeblich für den wirtschaftlichen Erfolg von Erwerbslandwirten und –gärtnern. Ich bin dagegen, dass man per se alle Hybridsorten verteufelt, denn konsequenterweise müsste ich die ökologische Landwirtschaft dann auch komplett ablehnen. Jedoch lehne ich die Absicht ab, den Saatgutsektor u.a. mittels Hybriden zu kontrollieren und damit unsere Nahrung zu bestimmen (wie es große Agrochemiegiganten tun).

Populationssorten

Populationssorten entstehen durch offene, also nicht gelenkte Bestäubung. Populationssorten gibt es nur bei Fremdbefruchtern. In einer Populationssorte sind nicht alle Individuen genetisch identisch. Sie dürfen eine gewisse Variationsbreite aufweisen.

Aber auch Populationssorten werden sichtbar so einheitlich ausgelesen, dass sie schließlich registriert, bzw. zugelassen und damit offiziell vertrieben (legal in den Verkehr gebracht) werden können.

Populationssorten stellen die gewaltfreie Alternative zu Hybridsorten dar.

Die Zuckermaissorte 'Lisanco' ist eine Populationssorte, welche durch die Open-Source-Saatgutlizenz der Allgemeinheit gehört. (siehe https://opensourceseeds.org/die-liste )

Hochleistungssorten

Dieser Begriff wurde im Zuge der sogenannten "Grünen Revolution" in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts geprägt und beschreibt Sorten, die in erster Linie auf ihren Ertrag hin ausgelesen wurden. Die züchterische Absicht war also extrem ökonomisch orientiert. Schnell stellte sich heraus, dass die versprochenen hohen Erträge nur durch hohe Düngergaben kombiniert mit Pflanzenschutzmitteln erzeugt werden konnten. Es prägte sich der Slogan "High yielding varieties are high input varieties".

Landsorten
02 Mensch Auslese weiss Haussorte Domestikation

Bei einer Landsorte hat der Mensch bereits ausgelesen, ihre Variabilität ist nicht mehr so groß wie die der Art

Was ist eine Landsorte?

  • Sie ist das Ergebnis der Züchtungsleistung der Menschen einer ganzen Region. Sie ist nicht auf einzelne Züchter, Bauern oder Gärtner zurückführbar.
  • Mit einer Landsorte können traditionelle Anbaumethoden, Verwendungszwecke und Zubereitungsmethoden (wenn es um Nahrungspflanzen geht) verbunden sein.
  • Oft verrät sie ihre Herkunft durch ihren Namen.
  • Sie ist nicht so einheitlich, dass sich alle ihre Individuen absolut gleichen. Und damit gelingt ihr oft die "Zulassung", bzw. "Registrierung" nach heutigem Saatgutrecht nicht. Landläufig werden diese Sorten gerne als "samenfest" bezeichnet.
  • Vielfach stellten aber Landsorten das Ausgangsmaterial für einheitlichere (homogenere) moderne Sorten bereit.
  • Manch eine Landsorte schafft es, als Erhaltersorte bewahrt zu werden.

Wer Saatgut solcher Landsorten ergattern kann, darf hinsichtlich der Saatgutqualität (Reinheit, Gesundheit, Keimfähigkeit) nicht die gleichen Ansprüche wie an eine Erhaltersorte stellen. Trotzdem sind häufig auch die nicht professionellen Liebhaber der Landsorte in der Lage, auch wenn sie Laien sind, gute Saatgutqualität anzubauen.

Haussorten

Was ist eine Haussorte?

Eine Haussorte ist die Züchtungsleistung einer Familie, eines Gärtners oder -wie man in Franken und der Oberpfalz sagt- eines Hauses.

  • Sie ist im Idealfall über viele (mehr als 10) Generationen im eigenen Garten vermehrt worden.
  • Sie wurde mit ihrer Anbaugeschichte vielleicht sogar innerhalb der Gärtnerfamilie weitervererbt.
  • Sie trägt häufig den Namen der Familie, z.B. Spinat 'Eli Peters', 'Erlbohne' oder Haussorte 'Sauer'.
  • Sie kann aus einer alten Sorte, aus einer Landsorte einer natürlichen Kreuzung oder auch aus einer (einigermaßen samenechten) modernen Sorte hervorgegangen sein.

Ihr kann das Schicksal einer historischen Sorte drohen, sprich sie kann verschwinden, sobald sich niemand mehr für sie interessiert.

Wer Saatgut solcher Haussorten ergattern kann, darf nicht erwarten, dass sie automatisch die im Saatgutverkehrsgesetz geforderte Qualität aufweist, jedoch kann man oft von den Hobbygärtnern positiv überrascht werden.

Erhaltersorten (Amateursorten)

Erhaltersorten sind nach der Erhaltungssortenverordnung zugelassene Sorten. Sie werden in der Erhaltungssortenverordnung auch als Amateursorten bezeichnet.

Sie dürfen ganz legal gehandelt, also gewerblich in den Verkehr gebracht werden. Dabei muss ihr Saatgut gewisse Mindestqualitätskriterien an Reinheit, Gesundheit und Keimfähigkeit erbringen.

Um als Erhaltersorte anerkannt zu werden, müssen sie bestimmte Voraussetzungen mitbringen:

  • sie darf in keiner Sortenliste, bzw. nicht im Gemeinsamen Sortenkatalog für landwirtschaftliche Pflanzenarten der Europäischen Gemeinschaft oder im Gemeinsamen Sortenkatalog für Gemüsearten der Europäischen Gemeinschaft eingetragen sein;
  • sie darf weder auf nationaler, noch auf europäischer Ebene geschützt sein
    (d.h. sie gehört niemanden, sie steht unter keinen individuellen Eigentumsrechten);
  • sie wird traditionell in bestimmten Regionen angebaut und ist an deren besondere regionale Bedingungen angepasst;
  • und auch ihre Sortenerhaltung ist entsprechend den Regelungen des Saatgutverkehrsgesetzes in der Ursprungsregion sichergestellt.
Open-Source-Sorten

Durch zugelassene Open-Source-Sorten versucht man, die in ihnen enthaltenen Gene der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Bei Open-Source-Lizenzen geht es um Gemeinrechte (Allmende) im Gegensatz zu den sogenannten individuellen geistigen Eigentumsrechten, die durch Sortenschutz und Patente garantiert werden.

Die Open-Source-Bewegung ist sehr neu, sie existiert erst seit 2012 und wurde 2017 von Open Source Seeds, einer europäischen Organisation aufgegriffen.

Die Sorten werden professionell von einzelnen oder organisierten Züchtern entwickelt, auch wenn sie im Anschluss "nur" als Amateursorten zugelassen werden.

Open-Source-Sorten sind somit zum Teil registriert, bzw. zugelassen und dürfen deswegen gehandelt, also legal gewerblich in den Verkehr gebracht werden, Bsp. "Black Hungarian".

Der Züchtungsweg ist bei einer Open-Source-Sorte zwar nicht reglementiert, aber dadurch, dass sie werterhaltend nachgebaut werden kann, ist die auf Inzuchtlinien beruhende Hybridisierung ausgeschlossen. Bei Fremdbefruchtern  handelt sich somit um Populationssorten.

OpenSourceLizenztext

Geschützte Sorten

Durch den Sortenschutz erhält der Züchter das Recht, Lizenzgeld für seine Züchtungsarbeit zu verlangen.

Bei uns in Deutschland ist das Sortenschutzgesetz das maßgebliche geistige Eigentumsrecht für Pflanzensorten. Auf internationaler Ebene werden zwischenzeitlich mehr und mehr Patente gewährt. Aber auch das nationale Recht zum Sortenschutz hat sich in vielen Punkten dem Patentrecht angenähert. So habe ich in meiner Lehre noch gelernt, dass der Sortenschutz für 10 Jahre gewährt wird; zwischenzeitlich sind es mindestens 25 Jahre.

Art
01 Population einer Art in der Natur

So könnte man sich die Variabiltät einer Art vorstellen, d.h. es besteht sichtbar ein großer Formenreichtum, der sich auch in den Genen wiederfindet

Die Art ist ein Begriff aus der Taxanomie, also der Rangordnung in welche man Pflanzen (und Tiere) untergliedert hat. Die Individuen einer Art können sich entsprechend ihrer Vermehrungseigenheiten auf natürliche Weise miteinander fortpflanzen. Wenn eine Art im Artenverzeichnis aufgeführt ist, dann müssen Auslesen, die gewerblich vermarktet werden sollen (also in den Verkehr gebracht werden), mindestens zugelassen, also angemeldet werden. Wenn die Art nicht aufgeführt ist, dann gilt der ganze hier zusammengefasste "Sortenwahnsinn" nicht. Ich frage mich ironischerweise, ob das Saatgut einer Art vielleicht ja erst dadurch gefährlich wird, dass die Art im Artenverzeichnis zum Saatgutverkehrsgesetz gelistet wird.

Anbei ein kleiner Ausschnitt daraus, was da so alles unter "Gemüsearten außer für Zierzwecke" gelistet ist:
Allium cepa (Cepa Gruppe, Aggregatum Gruppe), Allium fistulosum, Allium porrum, Allium schoenoprasum, Anthriscus cerefolium, Apium graveolens, Asparagus officinalis, Beta vulgaris, Brassica oleracea, Brassica rapa, Capsicum annum, Cichorium endivia, Cichorium intybus, Citrullus lanatus, Cucumis melo, Cucumis sativus, Cucurbita maxima, Cucurbita pepo, Cynaria cardunculus, Daucus carota, Foeniculum vulgare, Lactuca sativa, Petroselinum crispum, Phaseolus vulgaris, Phaseolus coccineus, Pisum sativum, Raphanus satifus, Rheum rhabarbarum, Scorzonera hispanica, Solanum lycopersicum, Solanum melongena, Spinacia oleracea, Valerianella locusta, Vicia faba, Zea mays.