Der Gärtnerschreck: Schnecken - Sie sind gründlich, zielstrebig, unbeirrbar, loyal und hygienisch

… so würde ich Schnecken charakterisieren.

Ich ekele mich vor ihnen, aber wahrscheinlich ist meine Abneigung so groß, weil sie wirklich meine direkten Nahrungskonkurrenten sind.

Mit allen möglichen Gartenunkräutern und Schädlingen habe ich meinen Frieden geschlossen, nur mit den Schnecken (noch?) nicht.

Meine Abneigung ist so groß, dass es mich im Frühjahr sogar dazu treibt, Gift zu streuen, und zwar das, wo sie ihr Sterben an den Schleimspuren deutlich zeigen, nicht das, wo sie sich dezent zum Sterben verkriechen, da sehe ich ja meinen Mordserfolg nicht.

Bei Unkräutern ist es mir gelungen, meinen Standpunkt zu ändern. Und seitdem ich weiß, dass viele essbar sind und im Falle von Giersch sogar richtig lecker, lasse ich sie in bestimmten Gartenwinkeln gewähren. Von der Ackerkratzdistel kann man die Wurzeln essen, und sie hat keine Chance mehr in meinem Dschungel überhand zu nehmen.

Den blattfressenden Raupen der Stachelbeerwespe gebe ich 2/3 meiner Johannisbeer- und Stachelbeerernte ab und schneide einfach die Triebe stark zurück und gucke ihnen beim Neuaustrieb zu. Und ganz sicher werde ich keinen Pferdemist mehr über Winter direkt neben ihnen parken. Da bin ich nämlich ein wenig selbst schuld, wenn die Raupen das besonders weiche triebige Laub verputzen.

Der frechen Amsel gönne ich meine Brombeeren, die sie vor meinen Augen ganz gelassen mit einem Zwinkern mir gegenüber verspeist. Insgeheim hoffe ich ja, dass sie vielleicht doch Geschmack an ein paar jungen Schnecken oder ihren Eiern findet.

Wobei wir wieder bei den Schnecken wären… Die Miststücke…

Wenigstens mit einem Teil der Mollusken habe ich mich nun abgefunden, und zwar mit den Häuserschnecken. Nachdem ich über mehrere Jahre beobachten konnte, dass sie keine großen Löcher fressen, sondern anscheinend regelrecht auf den Blättern grasen, hoffe ich, dass sie sich zum Großteil von Pilzen und Algen ernähren und so zur Pflanzenhygiene beitragen. Nur im Frühjahr, wenn noch nix zu futtern da ist, dann gehen sie leider auch an meine Jungpflanzen.

Aber was mache ich nur mit den Anderen, den großen, schleimigen roten und braunen Biestern. Einmal habe ich einer arachnophobischen Gartenfreundin gegenüber gesagt: "Spinnen, die sind doch harmlos, aber Schnecken….., ein einziger kriechender Muskel!"

Bei einem Telefongespräch mit einem Bekannten kamen wir auf meinen zu dieser Zeit schneckengeplagten Garten zu sprechen und spontan nahm er die nackten Muskeln (klingt sehr ähnlich wie Mollusken) in Schutz und schlüpfte in die Rolle des "Schneckengeistes". Es begann ein Zwiegespräch:

Als erstes verkündete ich mein Statement: "Ich kill Euch alle!"

Darauf der Schneckengeist: "Nicht doch, Dein Garten ist soooo schön."

Ich fühlte mich geschmeichelt, wohlgemerkt von Schnecken!

Der Schneckengeist setzte noch einen drauf: "Mach uns doch unser eigenes Gemüsebeet! Dann versuchen wir (wenn es groß genug ist) auch da zu bleiben."

Meine Antwort: "Ihr spinnt wohl, ich habe gesagt, jede, die in den Gemüsegarten kommt, wird gekillt und wenn ihr draußen bleibt, dürft ihr fressen, schließlich ist genug Ziergarten übrig."

Der Schneckengeist gibt nicht auf: "Wenn Du uns wehtust, dann holen wir uns Verstärkung aus der Wiese nebenan und kommen geballt zurück!"

Langsam war ich genervt: "Wir werden sehen, das letzte Wörtchen ist noch nicht diskutiert…"

Ich überlege still, dass ich wohl nächstes Jahr meinen Kompost außerhalb des Gartens platzieren sollte und gesammelte Schnecken oben drauf werfe. Das müsste doch ein Schlaraffenland für sie sein.

Der "Schneckengeist" hat meine Gedanken gelesen: "Auja und für unsere Nachkommen auch…"

"Ich muss Euch trotzdem noch unter Beobachtung stellen", antworte ich, "und hoffen, dass der Kompost bzw. meine Erde für Euch irgendwann unattraktiv wird. Ähnlich wie bei Regenwürmern, die sich nach getaner Arbeit zurückziehen, eben wenn der Kompost reif ist."

Denn insgeheim weiß ich, dass auch die Nacktschnecken eine ökologische Bedeutung haben, denn wer soll im Herbst, wenn ganz viel Abgestorbenes anfällt und oben aufliegt, das alles wieder für die kommenden Gemüsegenerationen aufbereiten? Die Würmer allein schaffen das nicht und sie sind ja eher für die Säuberung des Untergeschosses zuständig.

Zwischenzeitlich, d.h. solange mein Garten das Schnecken-Pflanzen-Gleichgewicht noch nicht gefunden hat, muss ich eben meine jungen Pflänzchen vor den schleimigen Raspelzungen schützen. Aber das Schnecken-Pflanzen-Gleichgewicht gibt es, ich hab es einmal gesehen, und zwar auf einer Exkursion in eine Gärtnerei, die mit Grasschnitt ganz dick gemulcht hat. Es muss eine Bodenstruktur geben, die Nacktschnecken, egal ob aus Spanien zugereist oder nicht, meiden. Diese zu finden, habe ich mir zur Aufgabe gemacht.